"Am Ziele deiner Wünsche wirst du jedenfalls eines vermissen: dein Wandern zum Ziel."


"Am Ziele deiner Wünsche wirst du jedenfalls eines vermissen: dein Wandern zum Ziel." - Marie von Ebner-Eschenbach

Molon Labe versteht sich als privates Story- und Fansite-Projekt des von dem fantastischen Erzählwerk Robert E. Howards inspirierten Massive Multiplayer Onlinegame Age of Conan.

Vor allem ist es ein Schreibprojekt von Geschichten rund um die gespielten Charaktere, angeregt durch das Spielgeschehen Hyborias in Age of Conan wirkt es schliesslich in einer eigenen fantastischen Welt vorantiker archaischer Zeit - ganz im Stile von Sword, Sex and Sorcery.


Sämtliche Veröffentlichungen sind Entwürfe oder Manuskripte, also unfertig. Es geht dabei nicht um literarische Meisterschaft, sondern um das einfache Erzählen mithilfe des Schreibens.

"Aus den Trümmern unserer Verzweiflung bauen wir unseren Charakter." - Ralph Waldo Emerson




Seiten

Belite, die Eroberin - Hohe Dienerin Mitras


Hier entstehen die Geschichten um Belite, eine sagenhafte Gestalt uralter Legenden grauer Vorzeit.

Eine Kriegsamazone, selbstsicher und unabhängig, die einzige weibliche Primus Centurio des Blutordens der Mitraner in einer brutalen männlichen Welt der Gier nach Macht durch Unterdrückung und Unterwerfung.

Belite ist gütig und liebevoll, tugendhaft und aufrichtig. Freiheit und Gerechtigkeit gehen ihr über alles.

Belite betet Mitra an, die ihr schliesslich auf fernen Reisen in einer Vollmondnacht erscheint, ihr das wahre weibliche Anlitz der Naturgöttin zeigt und sie zu ihrer Erleuchteten im ewigen Krieg gegen die dunklen Mächte der Unterwerfung und Zerstörung macht.

Einsam, aber nicht allein tritt sie für die Schwachen, Armen und Wehrlosen ein, wird aber von diesen als unheimliche Bedrohung angesehen, denn dort, wo sie Magie und Schwert hinführen, gerät die alte Ordnung aus Betrug und Falschheit aus den Fugen.

So wird aus ihr eine einsame Abenteurerin im Zwiespalt mit der Welt und im Ringen mit den beherrschenden Mächten. Deshalb erscheint sie verflucht, verfolgt, ist ihrer Bestimmung und ihrem Schicksal ergeben.

Belite ist die Keimzelle für eine kleine eingeschworene Gemeinschaft voller Sehnsucht und Hingabe, junge und eigensinnige Gefährtinnen, die ihr in freiem Willen ergeben sind und gemeinsam mit ihr traumhafte Momente der Glückseeligkeit und tiefgrausamen Qual erleben sowie in wundersamer Weise todesmutig für das Gute eintreten - bis zum Untergang.

Es gibt kein Entrinnen oder Erbarmen. Unerbittlich gibt es nur eine Entscheidung: Gut oder Böse - Leben oder Tod !

Mittwoch, 11. Mai 2011

Adeva - Die atlantische unheilige Templerin - Teil 3 Der Fluch

Ich erhielt eine so ungewöhliche Erziehung im Vergleich zu den vielen anderen Kindern in den weitentfernten Dörfern und es fiel mir schwer bei Begegnungen mit ihnen Kontakt aufzubauen. Sie wirkten alle auf mich so naiv und verspielt, ja sogar richtig affig. Mein Vater lehrte mich aber, sie nicht zu verachten, Respekt zu zeigen, denn niemand wisse vor der Geburt, wo und in welchem Elternhaus er geboren werde und was er denn überhaupt sei. Und die meisten wüssten es zeitlebens nicht. Das sei eben Schicksal. Und dass jeder Mensch einzigartig und mit einer eigenen unantastbare Würde ausgestattet sei und darüber ganz allein zu verfügen habe. Und er warnte mich auch, dass dies Ketzerei in den Augen der Herrschaften sei, fast jeden Volkes, fast jeder Religion. Er zeigte mir auf, in welchen Ländern ich mich besonders als Frau vorsehen müsse, da dort Menschen häufig weniger wert seien als Tiere. Sogar Kühe oder Schweine geniessen dort manchmal höheres Ansehen, gelten als heilig. Und er sagte mir, dass ich genau dort, wo die Menschen am geringsten geachtet meinen letzten grossen Meister finden würde, um die höchste Stufe der unheiligen Vollendung zu erlangen.

Von früh auf versuchte er mir all seine umfassende Erfahrung und Gelehrtheit zu vermitteln und mich nach und nach in längst vergangenes atlantisches Geheimwissen einzuweihen. Manchmal hatte ich den Eindruck, als sei er ein Getriebener dieses Wissens. Heute weiß ich warum und die Hinterlassenschaft ist ein Vermächtnis unendlicher Größe, die mich schließlich in die weite Welt hinaus und in den grausamen und unbarmherzigen Krieg gegen die bösen Mächte führte, indem man nur standhielt, wenn man nur auf sich selbst vertaute. Jeder Freund konnte ein Abgesandter des Feindes, selbst Freunde konnten falsch und verschlagen sein. Woran ich die wahren Gefährten erkennen würde, lehrte er mir, wies mich dabei aber darauf hin, dass es nur sehr wenige seien, egal wieviel Freunde ich in Zukunft haben würde.

Aber er hatte auch andere Seiten, er konnte Spässe machen mit mir. Manche Spässe waren ziemlich verdorben, aber er sagte mir, das sei bei Männern ganz normal und es sei gut, wenn ich darum wisse und mich nicht darüber aufregen würde. Stimmungslagen könnten sich daran hochschaukeln, gerieten ausser Kontrolle, am Ende würden Dinge passieren, die niemand wollte, aber dann geschehen sind. Manchmal versteckte er sich, um mich zu erschrecken, bekleckerte mich, wenn ich mich gerade fein herausputzte oder boxte mich ohne mich je wirklich zu treffen, nur um mich zu nerven. Es war so eine Art Schattenboxen und er forderte mich auf diese Weise auf, auf ihn loszugehen und zu fangen. Manchmal fielen alle Sachen dabei um. Aber wir lachten nur, vor allem, wenn es mir dann auch gelang. Mir schien später, dass er versuchte, mir auch ein Bruder zu sein, mir diesen zu ersetzen.

An einem denkwürdigen Tag, ich war schon ausgewachsen, hatte er mich so gereizt, dass ich mich vergass und mich ungerufen, nahezu ausser Kontrolle, eine ungeahnte Kraft durchströmte. Auf einmal konnte ich ihn, einen kräftigen Krieger, mit einem Arm am Hals gepackt in die Höhe heben. Er war so wundersam leicht, sodass ich ihn voller Erschrecken über mich selbst zwar sofort, aber sogar noch wie wegschleudernd fallen liess. Ich fühlte mich wie versteinert, wurde kreidebleich. War völlig entsetzt. Aber er sprang auf, umarmte mich, hob mich hoch, drehte sich mit mir und jubelte und sagte nur, er habe es nicht glauben wollen, aber meine Mutter habe es immer schon von Anfang an gewusst. Hätte er in meiner Ausbildung grosse Fehler gemacht, wäre er jetzt tot. Ich würde niemals jemanden töten, der wehrlos war oder mir nahe stand, selbst nicht im wütenden Zorn. Nun könnten wir endlich höchste Weihen erlangen und ich müßte dann wohl bald aufbrechen, um den letzten der Weisen zu finden, solange er noch lebte. Er würde mir letzte Einsichten und Fähigkeiten vermitteln, um meine Überlebenschancen in dieser durch Menschen feindseeligen Welt zu erhöhen. Erst dann könne ich nach der vergessenen atlantischen Festung und dem unheiligen Gral suchen.

Nie hat er mich geschlagen, nur einmal war er ganz außer sich, als ich etwas Unbedachtes und sehr Bestimmtes nach meiner Mutter fragte und dies in abfälliger Weise. Ich tat es daraufhin nie wieder, ahnte aber, dass etwas sehr grauenhaft Unglückliches oder Schreckliches passiert sein mußte, da ich meinen Vater kaum wiederzuerkennen vermochte. Er verließ an diesem merkwürdigen Tage wutentbrannt und in einem vergessenen Dialekt fluchend die Hütte. Ich blieb allein zurück, weinte fürchterlich und vergoß unendlich viele Tränen, mir wurde kalt und ich bekam Fieber. Ich erbrach alles, was ich in mir hatte. Es ging mir vorher noch nie so schlecht, war dem völligen seelischen Zusammenbruch nahe. Dann dämmerte ich in dunklen Schatten dahin.

Erst nach einigen Tagen kam mein Vater wieder zurück, fand mich allein in der dunklen Abstellkammer ängstlich zusammengekauert, völlig zerzaust und neben dem alten Erbrochenen. Er zog mich aus der Ecke in die ich mich verkrochen hatte und drückte mich, obwohl ich übelst roch und zu weinen begann , kraftvoll und zugleich sanft. Dann begann er zu reden, unablässlich wie ein erlösender Strom: "Es tut mir leid, Adeva, verzeihe mir - du kannst nichts dafür. Nun höre auf zu weinen. Werde wieder wer du bist. Ich habe mich vergessen. Bitte verzeihe mir. Mache dir keine Vorwürfe, denn du weisst ja nicht, was war. Adeva, es wird wieder alles gut. Ich erzähle dir alles - aber es ist eine unheimlich schreckliche Geschichte und eigentlich nicht für Kinder bestimmt. Aber du bist schon bald eine junge Frau. Es ist deshalb an der Zeit. Das hatte ich in dem Moment vergessen, wie so vieles andere auch. Verspreche mir, nicht wieder zu weinen, es zerreist mir das Herz. Ich erzähle dir nun, was mit deiner Mutter geschah. Es wird uns beide von grossem Schmerz und einer Last befreien. Und ich hoffe, du verzeihst mir. Du hast sovieles von ihr, sehe ich dich, sehe ich das Lächeln deiner Mutter, doch du übertriffst sie sogar in Anmut und Schönheit. Die stolzesten Krieger und grössten Schänder werden dich begehren und um dich streiten bis die wahre Liebe kommt. Es könnte kein grösseres Geschenk deiner Mutter geben als dich. Du bist alles, was ich hab, woran ich noch glaube und worauf ich vertraue - ausser der unheiligen magischen Schwertkunst der Atlanter.

Als ich das Schlachtfeld verliess aus Liebe zu deiner Mutter, fühlte ich mich feige, schämte mich zutiefst, ja fühlte mich ohne Ehre. Dann erfuhr ich, dass alle dort starben, auch die, die sich die Waffen niederstreckend ergaben. Ohne jeglichen Sinn, nur um das Reich zu schwächen und unser Volk zu zerstören, dass aber bereits am Boden lag. Mir kamen Zweifel bis ich erfuhr, dass das ganze Reich zerschmettert und alles, ob nun Frauen, Kinder und Alte lebendig verbrannt wurden. Es ging um die Auslöschung unserer Rasse und endgültige Vernichtung unserer Kultur. Nichts sollte daran erinnern. Nur ihre Lügen über uns. - Ich hatte überlebt, deine Mutter, wir zusammen und sehr wenige, die unentdeckt geflohen waren. Mir ging auf, dass wir völlig sinnlos gestorben wären und die Entscheidung keine Frage der Ehre war, sondern nur der Liebe und des Geistes. Wäre es nur um das Überleben gegangen, wäre ich heute tot. Zu sterben im Kampfe ist dann die höchste Ehre. Als dann du auf die Welt kamst, wusste ich, dass das Leben auch einen höheren natürlichen Sinn hatte, als nur Ehre und Krieg. Ja, man kann sogar mit Feigheit ein Tor öffnen zur höheren Vernunft. Was es uns so schwer macht ist, wir wissen vorher nicht, ist es Feigheit oder Vernunft. Dem muß man sich später stellen, fliehen kann man auf Dauer nicht. Im Falle von Feigheit bleibt einem nur noch der freie Tod, um sich zu erlösen, denn die Schande wächst in einem an. Im Falle von Vernunft erlangt man die Würde zurück, wächst über sich selbst, dem unseeligen Sein einer erbärmlichen Kreatur, auf dem Weg zur Weisheit hinaus.

Wie man mit dem Schwert umgeht, hab ich dir grundlegend gelehrt und du hast dich als gute Schülerin erwiesen. Nun weise ich dich in die geheime unheilige Kampfeskunst ein. Du wirst sehen, die normale Kampfeskunst ist nur das Spiel drumherum, um sich selbst zu schützen und für die wahren zerstörerischen und tödlichen Schläge ein Fenster zu öffnen. Vorher lasse ich dich nicht in die weite Welt hinaus. Aber ich spüre, dass sie nach dir ruft. Ganz nach dir verlangt. Ich hoffe, ich habe dich gut darauf vorbereitet, habe dir Liebe gegeben, wie es deine Mutter wollte und gezeigt, wie man sie verteidigt, so wie es ein Vater tut. Du sollst kein Ende finden wie deine Mutter. Dafür habe ich gelebt. Sie war keine Kriegerin. Doch was sie war, hat sie dir wertvoll in dein Herz gelegt.

Deine Mutter, ihr Name war Celestine, war eine Sängerin und Träumerin. So habe ich sie kennengelernt und sofort wahrhaft in sie verliebt. Bei einem Festakt im Tempel des Baal zu Ehren der Helden und Gefallenen nach dem letzten grossen Sieg vor unserem Untergang. Die erotische Aufführung später, die in einer festlichen Orgie für die Soldaten sich ergoss, nahm ich nicht wahr. Ich hatte nur Augen für sie. Noch während des Trubels, dem sie sich nach ihrer traumhaften Vorstellung entzog, passte ich sie im Tempel der Tanit ab. Es war ein Tabubruch. Sie war ängstlich, dachte ich wollte sie vergewaltigen und erschrak, doch dann spürte sie es auch je länger sie mich sah. Sie willigte ein und wir gingen zum Meer und verbrachten die ganze Nacht stundenlang mit Gesprächen und schliesslich auch mit Liebe. Der Mond war riesig und die Sterne funkelten diamantgleich. Es war himmlisch und wie im Rausch, wir liebten uns mehrmals bei Sonnenaufgang am Strand und in den Wellen. An diesem Morgen wurdest du gezeugt. Schon bald darauf, als wir uns ausruhten, zitterte sie, schien alles zu bereuen, war wie verzweifelt, denn sie war schon als Kind einem Adeligen versprochen. Doch sie verliess mich nicht, suchte meine Nähe und ich beruhigte sie. Auch ihr wurde bewusst, dass es um uns geschehen war. Unsere Liebe sollte unser Schicksal sein. Ich versteckte sie, rief die Schicksalsgöttinnen im Tempel der Nyx weihte auch den Priester der atlantischen Unheiligkeit mit ein. Dann erst trat ich dem Adeligen in seinem Palast vor die Augen und eröffnete ihm, was passiert sei. Erst wollte er seine Wachen auf mich hetzen, doch die Leibwachen nahmen ein schnelles Ende und ihm ging auf, was und wer ich wirklich war und ich bedeutete ihm, er begehre deine Mutter nur aus Besitztum und Fleischeslust, habe viele ranghohe Frauen, doch nun stelle sich nur eine Frage: Wahre Liebe oder Tod. Er entschied sich für die wahre Liebe als der Priester umringt von vielen seiner Soldaten erschien. Er verzichtete nach kurzem Gespräch mit ihm auf sie und willigte ein. Sie wäre für ihn nur ein weiteres Kleinod mehr gewesen. Wir waren frei, vom Priester erhielten wir das Gelübde. Der Adelige erhielt schliesslich einen Sitz im höfischen Beirat der Unheiligkeit, einer dieser vielen Posten ohne wahres Gewicht, aber sehr schmückend und.ansehensträchtig, denn unsere unheilige Kaste, deren erster Krieger ich war, war frei und unabhängig, nur dem unheiligen atlantischen Gral bis in den Tod und ewigen Ruhm geweiht.

Adeva, deine Mutter Celestine, gab dir deinen Namen schon in dieser himmlischen und ozeanischen Nacht. Das atlantische Meer ist in dir, deine Seele ist der Ozean. Adeva heisst, dass du brennende Wünsche und verzweifelte Hoffnung stärkst, solche, die in Liebe erschaffen wurden oder in unschuldiger Not, das bedeuted dein Name, du gibst den Verzweifelten innere Ruhe und Zuversicht. Du erschaffst die Bewegung aus der Errettung entspringt. Wie eine Welle der Erlösung, aber auch wie eine Fontäne aus Blut. Sei dir gewiss, wer Schmerz und Tod über dich bringen will, wird das Jenseits, das Totenreich, die Unterwelt durchschreiten, wird dich niemals beugen, sondern qualvoll untergehen, auch wenn du stirbst. Denn du bist die letzte atlantische unheilige Schwertkämpferin voll streitbarer Ehre und kriegerischen Mut.”

All diese Worte hatten mich wieder zurückgebracht, fühlte wie neues Leben durch meine Adern floss, den gemeinsamen Herzschlag von meinem Vater und mir. Seine Wärme und seine Worte durchflossen in weichen Wellen meinen geschwächten Körper, weckten mich auf aus der Niedergeschlagenheit. Endlich würde ich alles erfahren, was damals geschah, was uns verfluchte. “Nun mach dich fertig, ich möchte die wahre Adeva vor mir sehen. Ich werde hier aufräumen, lüften und das Feuer machen in der Zwischenzeit. Dann stärken wir uns mit einer kräftigen Suppe.” Er öffnete seinen Sammelsack, hielt ihn mir weit offen vor. Allein der Duft weckte in mir die Lebensgeister, machte mich hungrig. Und es waren meine Lieblingspilze dabei. “Danach erzähle ich dir, was mit deiner Mutter geschah, alles, jede Einzelheit ...”, seine Augen tränten dabei und er presste dabei seine Lippen. Ich erahnte, dass er dieses schreckliche Bild vom Tod meiner Mutter über all die Jahre mit meinem Anlitz im Zusammensein mit mir verdrängt hatte und mein unbedachtes Wort alle Verdammnisse und Grausamkeiten aus der Tiefe seiner Seele heraufbeschworen hatte, aber auch eine unbestimmte grauenvolle Angst vor der Zukunft baute sich auf. Keine Furcht, sondern die Gewissheit um die Bedrohungen und Schrecken, die aufzogen, vor allem auch um mich. Er war zerrissen vom Tod meiner Mutter und der zermürbenden Sorge mich genauso qualvoll sterben zu sehen. “... und warum wir hier in den Bergen sind. Denn sie werden wiederkommen, um dich zu holen, dir das Gleiche anzutun. Deshalb, Adeva, müssen wir den übernächsten vor dem nächsten Schritt tun. Das ist das Gebot der Stunde."

Dienstag, 10. Mai 2011

Adeva - Die atlantische unheilige Templerin - Teil 2 Die Bestimmung

Mein Vater war für mich immer etwas Höheres voller männlicher Kraft, weiser Gelehrigkeit und ehrenhafter Tugend. Dass er es auch tatsächlich war, also nicht nur in seinen eigenen Erzählungen, erfuhr ich mit Gewissheit nach seinem Tod, denn als Kind schaute ich auf ihn naturgemäß mit Respekt und Bewunderung, da er zwar hart, aber immer gut zu mir war.

Auch, dass er, was in den umliegenen Dörfern niemand vermuten konnte, ein Letzter der Unheiligen Atlantischen Schwertkämpfer war, verriet er mir erst spät, obwohl er mich schon als kleines vierjähriges Mädchen in diese Kunst einzuweisen begann. Er konnte nicht mit Sicherheit sagen, ob er der Einzige war, der dem Untergang entkommen konnte, aber er war sich sicher, dass es weniger als eine Handvoll waren. Er lehrte mich blutige Schmerzen und seelische Qualen zu ertragen, als auch die eigene Kraft dunklen Mächten in einem blutigen Märtyrium zu opfern, um so am Ende mich selbst aber auch Leben überhaupt retten zu können. Später konnte ich diese Kunst noch vervollkommnen bei einem alten Gelehrten der Unheiligkeit, ein letzter Weiser der Atlanter, der für mich am Ende sein Leben opferte.

Einmal hatte mein Vater mich als Kind ausgesetzt bei einem Rudel Berglöwen. Als er mich wieder abholte, zeigte er sich sehr zufrieden, lobte mich für die bestandene Prüfung und verriet mir, er habe noch vor meiner Geburt das ranghöchste Löwenweibchen völlig hilflos und allein in einem Felsspalt aufgelesen und aufgezogen, weshalb es an dem Umgang mit Menschen gewohnt war. “Du darfst niemals Angst haben - egal was passiert. Und mußt dich selbst besser kennen als deinen Feind, nur dann kannst du dich auf dich selbst voll vertrauen. Deine Sinne müssen dafür stärker sein. Dies hast du hier gelernt. Ich habe alles beobachtet, war immer da. Dir wäre niemals was passiert”, sagte er. Dieser für mich rauhe Aufenthalt förderte meine Instinkte tatsächlich ungemein, aber auch das Verständnis für die Tiere der Wildnis, ihr Verhalten und die Gesetze der Natur, auch, wenn es sehr hart für mich war. Essen konnte ich nur rohes Fleisch und Kräuter, die ich nebenher sammelte, trank viel Blut und Wasser nur aus der gemeinsamen Wasserstelle, da ich das Rudel nie völlig verlassen konnte. Sie waren immer da, auch wenn ich sie nicht sah. Ich war völlig zerkratzt, die Haare klettig und trotzdem fühlte ich mich gut und vor allem viel stärker. Schwere Wunden haben sie mir nicht zugefügt. Allerdingshaben die Löwen mir etwas gezeigt, was man bei Menschen nur in extremen Notlagen kennt - eins sein mit dir selbst und gleichzeitig mit den anderen, was du tust tut deine Gruppe und was deine Gruppe tut, tust auch du. Mein Vater sagte dann: “Wenn alle Wunden verheilt seien, würde ich äussere Schmerzen kaum noch spüren, aber Berührungen der Zuneigung, intensiver empfinden und leichter erfühlen, auch wenn sie noch in Gestik und Mimik verborgen seien. Überhaupt seien meine Sinne nun gewöhnlichen Menschen überlegen und geschärft.“

Trotz seiner natürlichen Autorität schaffte er es immer Nähe aufzubauen, ja wie ein Freund zu sein. Er war immer ruhig und sanft zu mir, gab mir alle Liebe, die man sich als Tochter wünschen kann. Er war sehr zärtlich zu mir, auch als ich schon als Frau heranreifte. Er streichelte mich, manchmal sogar auch an meinen Brüsten, küsste mich auf die Stirn und an den Wangen, aber nie aus männlicher Begierde, sondern nur um mir Wärme zu geben, weil meine Mutter nicht mehr war. Er war lieb zu mir, mehr tat er nicht.

Ich erfuhr erst viel später, dass viele Väter mit ihren Töchtern schliefen, sie als Gespielinnen betrachteten, sie dann befreundeten Männern oder Verwandten versprachen, sie teils gemeinsam bestiegen, weil Kinder ihr Besitz- und Reichtum waren und der Handel mit ihnen als uralter Brauch häufig zur Stammestradition gehörte. Sie handelten alle nach dem Prinzip: Mein Blut - Mein Fleisch - Mein Eigentum. Viele Kinder wurden deshalb auch an die Priesterschaften als Geschenk abgetreten oder an die Stammesführer als Tribut geleistet. Ihre Anzahl konnten sie nach Belieben mehren, oft hielten sie dazu mehrere Frauen. Ungeliebte Kinder wurden auch häufig als Sklaven verkauft oder für niedere, zu schwere Tätigkeiten abgetreten. Ihr Leben war dann sehr beschwerlich, von Krankheiten gezeichnet und recht kurz. Frauen, die in Ungnade fielen wurden jedoch geknechtet, versklavt, gesteinigt oder in die Wildnis ausgestossen, sodass sie jämmerlich verendeten. Hier in dieser Bergregion Aquiloniens war das weniger Brauch, aber in vielen anderen Regionen und in weiten Teilen der Welt.

Für meinen Vater war das in jeglicher Form undenkbar. Allerdings erzählte er mir, dass auch in Atlantis Kinder den Gottheiten geweiht wurden, doch die Familien taten dies freiwillig aus ihrem Glauben heraus. Sie mußten sogar vorsprechen, um bei der Priesterschaft Gehör zu finden und diese suchten dann die Auserwählten aus. Es war eine besondere Ehre für die Familie, denn häufig wurden die Auserwählten in einer Zeremonie vom Gott gerufen, sodass sie nicht mehr als Mensch auf Erden waren.

Doch auch davon hielt mein Vater nichts. Er war Freidenker und ich erfuhr später von dem unheiligen Gelehrten, mit der wachsenden Anzahl derer, die mein Vater getötet habe, so dick sei auch sein Schädel eben auch angewachsen. Man kann nicht sagen, dass er gottlos war, nein, er war sogar höchst spirituell, aber Menschenopfer, auch als göttliche Weihe, lehnte er dem Grunde nach moralisch ab. Er sagte immer, tot nütze man den Göttern nicht. Und dem eigenen Blut, ob nun selbst oder Verwandte, auch nicht.

Er verriet und schilderte mir, dass es in Atlantis eine besondere Kaste weiblicher Kriegerinnen gab. Auch sie waren als göttlich Auserwählte zu einem anderen Leben bestimmt und dafür besonders ausgebildet. Sie konnten sich mit den stärksten männlichen Kriegern messen. Aber ihre einzige Aufgabe bestand darin, den Gral zu hüten und zu beschützen. Dieser befand sich ausserhalb von Atlantis in einer ausgedehnten Felslandschaft. Dort gab es eine von ihnen gehaltene Festung in einem Berg gehauen. Selbst eine riesige Armee war nicht imstande gewesen, diese einzunehmen. Er sagte mir, tot wäre es ihnen niemals möglich gewesen, den Gral zu beschützen.

Ich fragte ihn, was mit der Festung geschehen sei ? Er sagte darauf, genau das sei meine Bestimmung, dies herauszufinden und er werde mich darauf vorbereiten. Dazu werde er mir ein uraltes universelles Geheimnis anvertrauen. Es sei ein mächtiges atlantisches Vermächtnis, wenn nicht sogar das Mächtigste. "Es wird dich verändern, aber dein Selbst bleibt erhalten. Wir müssen es bewahren, es ist das Wenige, aber fast alles, was von Atlantis noch verblieben ist. Es macht uns zudem, was wir sind und worin wir uns von allem unterscheiden, es gibt uns die atlantische Kraft." Gelänge es mir, den Gral zu bergen und seine Macht wiederzubeleben, dann könne Atlantis neu auferstehen, zumindest aber eine neue atlantische Macht. Und ich könne dann vielleicht sogar das Erbe antreten, denn eines sei sicher, ich sei zur unheiligen Kriegerin bestimmt.

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