"Am Ziele deiner Wünsche wirst du jedenfalls eines vermissen: dein Wandern zum Ziel."


"Am Ziele deiner Wünsche wirst du jedenfalls eines vermissen: dein Wandern zum Ziel." - Marie von Ebner-Eschenbach

Molon Labe versteht sich als privates Story- und Fansite-Projekt des von dem fantastischen Erzählwerk Robert E. Howards inspirierten Massive Multiplayer Onlinegame Age of Conan.

Vor allem ist es ein Schreibprojekt von Geschichten rund um die gespielten Charaktere, angeregt durch das Spielgeschehen Hyborias in Age of Conan wirkt es schliesslich in einer eigenen fantastischen Welt vorantiker archaischer Zeit - ganz im Stile von Sword, Sex and Sorcery.


Sämtliche Veröffentlichungen sind Entwürfe oder Manuskripte, also unfertig. Es geht dabei nicht um literarische Meisterschaft, sondern um das einfache Erzählen mithilfe des Schreibens.

"Aus den Trümmern unserer Verzweiflung bauen wir unseren Charakter." - Ralph Waldo Emerson




Seiten

Belite, die Eroberin - Hohe Dienerin Mitras


Hier entstehen die Geschichten um Belite, eine sagenhafte Gestalt uralter Legenden grauer Vorzeit.

Eine Kriegsamazone, selbstsicher und unabhängig, die einzige weibliche Primus Centurio des Blutordens der Mitraner in einer brutalen männlichen Welt der Gier nach Macht durch Unterdrückung und Unterwerfung.

Belite ist gütig und liebevoll, tugendhaft und aufrichtig. Freiheit und Gerechtigkeit gehen ihr über alles.

Belite betet Mitra an, die ihr schliesslich auf fernen Reisen in einer Vollmondnacht erscheint, ihr das wahre weibliche Anlitz der Naturgöttin zeigt und sie zu ihrer Erleuchteten im ewigen Krieg gegen die dunklen Mächte der Unterwerfung und Zerstörung macht.

Einsam, aber nicht allein tritt sie für die Schwachen, Armen und Wehrlosen ein, wird aber von diesen als unheimliche Bedrohung angesehen, denn dort, wo sie Magie und Schwert hinführen, gerät die alte Ordnung aus Betrug und Falschheit aus den Fugen.

So wird aus ihr eine einsame Abenteurerin im Zwiespalt mit der Welt und im Ringen mit den beherrschenden Mächten. Deshalb erscheint sie verflucht, verfolgt, ist ihrer Bestimmung und ihrem Schicksal ergeben.

Belite ist die Keimzelle für eine kleine eingeschworene Gemeinschaft voller Sehnsucht und Hingabe, junge und eigensinnige Gefährtinnen, die ihr in freiem Willen ergeben sind und gemeinsam mit ihr traumhafte Momente der Glückseeligkeit und tiefgrausamen Qual erleben sowie in wundersamer Weise todesmutig für das Gute eintreten - bis zum Untergang.

Es gibt kein Entrinnen oder Erbarmen. Unerbittlich gibt es nur eine Entscheidung: Gut oder Böse - Leben oder Tod !

Montag, 29. November 2010

Grundrisse der Legende

Belite wuchs zunächst recht wohlbehütet auf dem väterlichen Fürstentum in Aquilonien auf. Ihr Vater schenkte ihr aber keine Liebe wohl wegen ihres Eigensinns und ihrer Herkunft, da sie die uneheliche Tochter aus einer Beziehung mit ihrer verstorbenen Mutter Belit, der Königin der schwarzen Küste, einer wilden Piratin mit vielen wechselnden Liebschaften war. Es hiess, Ihre Mutter stammte von einem shemitischen Königsgeschlecht aus Asgalum ab. Ihr Vater respektierte diese Besonderheit, weshalb er sie überhaupt aufgenommen hatte und ihr viele Freiheiten über die Standesregeln hinaus zugestand. So erlernte Belite die eigentlich nur Männern vorbehaltene Kampf- und Schwertkunst.

Als ihr Vater sie mit Erreichen des sechzehnten Lebensjahres als Maitresse weiterreichen wollte, wendete sich ihr Schicksal, da nun der König, der einst ihre verstorbene Mutter Belit geliebt hatte, von ihrer Existenz erfuhr. Er kaufte sie sofort frei und liess sie nach Cimmerien bringen, wo sie auf offene, aber auch sehr harte Menschen stiess. Sie liebte deren Naturverbundenheit und interessierte sich sofort für den Schamanismus, verbesserte ihre aquilonische Kampfkunst- und Schwertkunst mit der cimmerischen todbringenden Brutalität. Dies trug ihr grossen Respekt ein, vor allem auch bei den männlichen Kriegern. In Zweikämpfen galt sie als ebenbürtig, fair, aber unerbittlich. In Turnieren bot sie lange ausgiebige Kämpfe und trieb das Publikum durch ihre weibliche Eleganz zur Raserei. Kämpfe um Leben und Tod verliefen häufig kurz, äußerst brutal und unerwartet und von einem Schaudern begleitet. Und häufig wendete sie eine als hoffnungslos sich abzeichnende Niederlage in einen atemberaubenen Sieg.

Einmal hatte ein bulliger Hüne voller Urgewalt sie bereits bewusstlos am Boden, schleuderte ihr Schwert in weiten Bogen davon, zerschnitt ihre Rüstung, entkleidete sie auf diese Weise, ritzte dabei genüsslich ihre Haut auf, verspottete sie und johlte den Schaulustigen rund um den Kampfplatz zu. Ihr Kopf drehte sich benommen langsam hin und her, als sie zu sich kam und ihren trägen Körper krümmte und sich wälzte unter den teils tiefen Schnitten auf ihrem Leib. Ihr Blut tränkte dunkelfärbend den sandigen Boden, der grosse Blutverlust schien sie völlig zu erschöpfen. Er war gierig und voller sadistischer Geilheit und bereit, sie in diesem schlimmen Zustand zu nehmen, setzte sich auf ihr Becken, löste seinen Gürtel, aber viele schrien, er sollte endlich zustossen, ein Ende machen, das wollten sie nicht sehen, sie habe das nicht verdient. Was ihm nicht gefiel, aber die Daumen zeigten nach unten. Wetten wurden nicht mehr angenommen. Manche bemühten sich bereits lauthals, teils entnervt oder lachend um die Auszahlung, wendeten sich ab und den sich bereitmachenden nachfolgenden Kämpfern zu. Der Kampf schien zuende, ihr ein unwürdiger Tod gewiss. Der Kampfrichter gab ein ultimatives Zeichen. Aus der Hocke, er hatte ihre Schenkel bereits weit auseinandergeschoben und angehoben, um sie trotz einiger Proteste zu vergewaltigen, erhob sich der Hüne nun widerwillig und liess sie fallen.. Breitbeinig, noch immer lüstern und erregt, baute er sich nun mächtig auf, hob seine Arme mit dem Schwert weitsichtbar wie ein Sieger in die Höhe, holte mit beiden Armen zum tödlichen Stoss seines nach unten auf Belites Herzseite gerichteten barbarischen Krummschwertes aus. Plötzlich, der Aufprall hatte in ihr einen Ruck der inneren Wachheit ausgelöst, schnellte Belite wie eine blutverschmierte Echse mit einem rasanten Schwung beiseite. Sein kraftstrozender  Stoss blieb mit aller Wucht im festen Sand stecken. Noch bevor er seine mächtigen Arme schützend hochziehen konnte, schoss Belite empor wie ein Vampir und ihr Biss durchtrennte weit und heftig blutspritzend seine Halsschlagader während sich ihr nackter Körper in einer Drehung um seinen Rücken schlang. Sie warf ihren Kopf wie ein Raubtier schlingend in den Nacken, spuckte angewidert das zähe Fleischstück aus, während er, sich um die eigene Achse drehend und sein Blut ringsum versprühend, wild schreiend versuchte sie abzuwerfen, aber sie hatte sich wie eine Bestie an ihn geklammert, riss beissend sein Ohr ab. Er blutete nun aus vielen Wunden und der Blutverlust seiner Halsschlagader, die er mit dem linken Arm pressend zu stillen suchte, zwang ihn ganz langsam in die Knie zu Boden. Die Zuschauer drängten sich voller Aufregung und viele ärgerten sich, diese Wendung verpasst zu haben. Sie stand nun, wie eine stolze Amazone dicht vor ihm, als er tief in die Knie ging, sein warmes Blut sprudelte auf ihren freien Oberkörper und sie hielt ihre Hände auf und schlürfte es, blickte ihm fremdartig jadefarbend in seine vom Schock weit geöffneten Augen, erniedrigte ihn auch seelisch, verrieb schliesslich sein Blut für einen Moment wie bei einer lustvollen Salbung zwischen ihren Schenkeln, über ihren Bauch und ihre Brüste. Das überwiegend männliche Publikum tobte. Soetwas hatten sie noch nie erlebt. Sie genoss seine Peinigung und sein Entsetzen, warf ihren Kopf in den Nacken und lachte dabei. Dann genauso überraschend trieb sie beide Hände in einer raschen Bewegung in die klaffende Wunde, das Blut spritzte erneut in einem heftigen Strahl in ihr Gesicht, zerriss bestialisch mit aller Kraft seinen muskelstrotzenden Hals. Knackend in einem kräftigen Ruck brach sie sein Genick und löste seinen Kopf mit einem Hieb seines eigenen Schwertes. Sie stellte sich breitbeinig auf und hielt seinen bluttriefenden Kopf über ihre Brüste ganz hoch, als wollte sie sich ölen, liess das Blut in ihren weit geöffneten Mund laufen, drehte sich so im Kreis zu allen Zuschauern dieses düsteren Todeskampfes. Vollends blutüberströmt wirkte sie wie ein grausamer weiblicher Blutvampir voll erotisierender Anziehungskraft und animalischer Stärke. Alle waren starr und fassungslos. Dann rief sie aus: "Das ist für euch - ihr Versager !" und schleuderte in hohem Bogen den Kopf des Hünen in die vom blutigen Ekzess und dessen unerwarteten Ausgang erstarrten Zuschauerreihen, also derer die gegen sie gesetzt hatten. Sie schrien auf, schon fast wie Weiber, deren Kleider schrecklich besudelt wurden. Die Wachen der Arena liefen nun auf, um sie zu schützen. Der Sandplatz galt als heilig und durfte nur von den Kämpfern und dem Kampfrichter betreten werden. Aufrecht verliess sie den Kampfplatz bis am Rande  angekommen ein Heiler sie stützte, sie klammernd auffing und sich händeringend um ihre schweren Wunden kümmerte, als sie völlig entkräfted zusammenbrach. Die anschliessenden Tumulte beim Wettmacher, die schlimmsten sei langem, hörte sie nicht.

Schon ihre Mutter galt als Tigerin, war männlichen Kriegern ebenbürtig, doch als was galt dann Belite ? Ein diesem beklemmenden Schauspiel beiwohnender fremder Schamane sah in ihrer fürchterlichen Unerbittlichkeit bereits das Monster, dass sich durch spätere Inkarnation der Naturgöttin Nintu auf ihre Dienerin Nawatu übertrug. Nintu, die man in einem entfernten Dialekt auch Belet-ili nannte, weshalb man mutmaßte, dass diese Bedeutung als göttliche Ankündigung und Bestimmung ihrem Namen innewohnte, aber auch dem Namen ihrer Mutter Belit, die bekanntlich in der shemitischen Götterwelt Zuflucht gesucht hatte.

Auf die rauhe cimmerische Zeit folgte für Belite eine mehrjährige ruhige Zeit im Mitra-Tempel, da sie dort ihre Kinder gebar und wo sie zunächst als Mitra-Tänzerin Salii Palatini ausgebildet wurde. Ihre Tanzinterpretation war voller Energie und Radikalität. Manche meinten, ihr persönlicher Stil sei unvereinbar mit Mitra, andere hingegen sagten, aus ihr spreche die Seele des unvermeidlichen Krieges. Kam es zum Aufruf zur Schlacht wurde sie als Haupttänzerin gerufen, weil sie das wahre Töten beherrschte und das Wesen des Krieges von Schmerz, Not und Leid und zerschellender Liebe auch kunst- und gefühlvoll, erotisch und martialisch, also gegensätzlich in ein in sich geschlossenes Bild und dramatisch in Szene zu setzen verstand. Ihre Tanzdarbietung inspirierte die Soldaten zu Heldentaten. Sie überhöhte den Widerspruch zwischen Herz, Geist und Seele und fügte diesen voller Macht und Hingabe im Dienste Mitras wieder zu einer alles überragenden Einheit zusammen. So erhielt sie ihren Beinamen, da nach einer Vorstellung ein Mitraoberhaupt voller Begeisterung ausrief: "Seht, die Hohe Dienerin Mitras!" Es geschah vor einem Feldzug, den Aquilonien gegen eine anrückende feindliche Übermacht glorreich gewann.

Sie vertiefte sich in metaphysische Methoden der Kontemplation, erweiterte ihre Bewußtwerdung in Vollmondritualen, verinnerlichte den Pfad der Tugend, ihre Seeleneinheit mit Mitra und die Werte der Wahrheit, der Freiheit sowie Gerechtigkeit. Schliesslich verliess sie den Tempel, wollte nicht akzeptieren, als Frau niemals gleichberechtigt anerkannt zu werden und wichtige Weihen niemals erlangen zu dürfen, meldete sich zum Blutorden der Mitraner "Mitras Macht", der all jene Krieger beherbergte, die weder Löwen der Mitrapriesterschaft, noch Schwarze Drachen des Königs sein konnten oder durften, aber zu talentiert waren, als sie in den grossen Landtruppen aufreiben zu lassen. Belite wurde die einzige königliche Matrona Primus Principes Centurio des Blutordens der Mitraner "Mitras Macht", der einst von der hoheitlichen Kirche und dem König zum Schutze gegen Invasoren als Strafexpedition ins Leben gerufen, später als unabhängiger Kriegsorden sich besonders auf den südöstlichen Schlachtfeldern Ruhm erwarb und wegen unerbittlicher Operationen im Hinterland des Feindes gefürchtet wurde.

Dann wechselte sie während einer Expedition auf höfliche Bitte des dortigen Herrschers zum Hofe Vendyhas, da dieser sie auf der Jagd kennengelernt und schwer beeindruckt von ihr war. Als sie ihn einlud, einer heiligen Zeremonie beizuwohnen, war er sehr fasziniert vom Mitra-Kult, begehrte sie und gab vor, die Mitrareligion auch im Reich einführen zu wollen. Sie diente dem Herrscher, dessen Charme sie schliesslich verfallen war, als Seherin und anfangs auch als Geliebte. Auf ihren weiten Erkundungsreisen entdeckte sie das verschollen geglaubte vendyhanische Orakel, belebte im Sinne dieser göttlichen Offenbarung schicksalshaft nach ihrer nun auferlegten Bestimmung ein letztes Mal den uralten archaischen Matronenkult in der Gestalt der Naturgöttin Mitra. Sie wurde vom Hofe abgesetzt, auch weil sie es leid war, letztlich nur als Maitresse herhalten zu müssen, der Herrscher der Vielweiberei, auch mit einer Vielzahl von Konkubinen frönte. Als er zuliebe dieser Genusssucht und aus politischen Gründen zum Ischtarkult konvertierte, konnte sie knapp ihrer Ermordung zuvorkommen. Ihr Gefolge hingegen wurde grausam hingerichtet. Mit ihrer ergebenen Dienerin Nawatu, die ihr ihr Leben verdankte und Belite sie als Stieftochter aufnahm, war ihr jedoch die fast überstürzte Flucht gelungen.

Beide bildeten die Keimzelle für eine verschworene Gemeinschaft von Mitra-Amazonen. Sie begründeten eine eigene kämpferische Sekte in der die weibliche Wesenheit der Naturgottheit Mitra als Lichtgestalt der Freundschaft, des Bündnisses und des Rechtes verkündet wurde, begleitet von heiligen Beschwörungen, erotischen Tänzen und Ritualen. Die kultische Nacktheit diente als Symbol für Schutzlosigkeit, Demut und Unterwerfung vor der göttlichen Macht. Die völlige Entblössung vor der Gottheit sollte zudem innere Stärke, Reife und Fruchtbarkeit beweisen. Dies vor einem Gefecht mit dem Feinde zu tun, verhiess göttliches Schicksal und Macht als Vorbestimmung für den Ausgang der Schlacht. Der gleichrangig betriebene Kult um die Schlangengöttin Nintu liegt bis heute noch weitgehend im Dunkeln, ausser dass zwischen Nintu und Mitra eine sehr starke kultische Verbindung im Sinne der Mutter Gottheit bestanden haben muß. Fest steht, beiden wurde eine spirituelle und okkulte Mystik nachgesagt und dass sie in der Lage waren im Reich der Toten zu wandeln und das Böse in der Unterwelt heimzusuchen. Hieraus bezogen sie eine bis heute ungeklärte Magie, wodurch es ihnen gelang, auch übermächtige gegnerische Heere vernichtend zu schlagen. Viele hielten diese aber nur für Visionen und die hexerische Kunst diese massenhaft auszulösen. Überlebende waren jedoch fest überzeugt, dass es geschah während hingegen Beobachter nichts entdecken konnten, ausser das bei den gegnerischen Kriegern unerwartet Panik ausbrach, was dann zum Zusammenbruch führte.

So wirken bis heute noch zahlreiche Legenden um Belite und ihre Dienerin Nawatu. Eine der bekannten Legenden überliefert ihre Rückkehr zum Blutorden, der nach einer verheerenden Niederlage an einstiger Bedeutung und Grösse einbüßte, in Vergessenheit geriet und wo man sie inzwischen verschollen glaubte. Ihre Ankunft wurde von den Verbliebenen wie die Rückkehr einer Heldin aus dem Totenreich gefeiert. Ihr Mitra-Kult traf den Nerv des am bösartig Okkulten leidenen Orden. Sie vertrieb die bösen Geister. Der Orden gewann durch ihre Neubeseelung erneut an Kraft, gründete neue Siedlungen und meldete sich auf dem Schlachtfeld zurück. Schliesslich bestimmten sie Belite zu ihrer Führerin.

Sie begab sich mit dem von ihr praktizieren Mitra-Kult und dem durch ihre Dienerin Nawatu zelebrierten Messen um die Schlangengöttin Nintu in Widerspruch zum Patriarchat der Orthdoxie und wurden mit einem Schisma belegt, aber als Hohe Dienerin Mitras und einstige Salii Palatini solange geduldet, wie man auf die gefürchtete Schlagkraft des Blutordens, der ihr die Treue schwor, in dem andauernden Kultur- und Glaubenskrieg nicht verzichten wollte. Dort, wo die Streitmacht des Blutordens unter ihrer Führung zum Einsatz kam, wurde von wahren Gewaltorgien voller Magie berichtet. Es wehte der Fluch des Todes, der verbrannten Leiber und der Erde. Feindesmächte mieden die Gebiete auf Jahre hinaus. Nur Kinder und Frauen wurden entgegen uralter Bräuche verschont und auch nicht wie weit verbreitet üblich als Sklaven in die Barbarbei geführt. Meist liessen sich einige Söldner und Ritter des Ordens mit ihnen nieder und gründeten mit ihnen neue mitranische Dorfgemeinschaften in den befreiten Regionen. Diese lagen überwiegend in den Weiten Turans und Hyrkanias rund um die Vilayetsee.

Als schliesslich im Zuge der Befreiungsideologie Belites der gesamte Orden konvertierte, in dem von ihm eroberten Regionen den wahren Glauben Mitras verbreitete und Belite die aquilonische Mitra-Religion als obristisch, korrupt, dekadent und frauenfeindlich geisselte, setzte die unnachgiebige und unbarmherzige Verfolgung seitens der aquilonisch-mitranischen Orthodoxie ein. Das aquilonische Mitratum verhängte die Häresie mit dem Vorwurf der Blasphemie. In den Wirren der hyborianischen Kriege konnte der Orden unter der geschickten Führung von Belite sich jedoch behaupten, zumal er sich immer wieder in die Weiten Turans zurückziehen konnte. Sie sagte sich am Ende von Aquilonien los, stand diesem aber immer wieder, wenn auch anfangs ungebeten, in Kämpfen bei und gründete ein eigenes mitranisch-matriachalisches Amazonenreich. Der ursprünglich patriachale mitranische Blutorden ging endgültig in ein weiblich dominantes Amazonenreich auf. Unter ihrer Heerschaft unterlagen Männer und Frauen einer gleichberechtigten und geschlechtsspezifischen Aufgaben- und Rollenteilung, was zu jener Zeit einzigartig war und viele Flüchtlinge in ihr Reich lockte, wodurch Handel und Landwirtschaft blühten. Frauen konnten ihre Aufgaben frei wählen, sofern sie körperlich und geistig dazu fähig waren. Mit ihnen wurde kein Handel betrieben. Zwangsverheiratungen gab es nicht und gleichgeschlechtliche Beziehungen waren öffentlich erlaubt und stellten in der gesellschaftlichen Realität wegen des Fruchtbarkeitkultes auch nur eine Randerscheinung dar. Den Frauen wurden ihre Brüste nicht vor der Blüte ausgebrannt wie bei anderen matriarchaischen Amazonengesellschaften, sondern wurden zum Kampf bandagiert und auch mit Rüstungen geschützt. Nur die Kriegsammen entblössten sich kultisch zu Beginn einer Schlacht vor dem Feind. Ihre Streitmacht war gefürchtet mit schweren männlichen Hopliten und Axtkämpfern sowie agilen Amazonenschützinnen, die auch als Speer- und Schwertkämpferinnen unter Waffen waren.

Eine andere Legende besagt, dass Belite und ihre Dienerin kein eigenes Reich gründeten, sondern mit wenigen Glaubensgetreuen wie Rebellen durch fremde Länder zogen und immer wieder Überfälle auf Sklavenwirtschaften ausübten. Sie deshalb fast überall gesucht und verfolgt wurden, da sie den Hauptpfeiler damaliger Herrschaftssysteme, die Sklaverei und die Knechtung der Frau in Frage stellten. Sie wurden aber nie gefasst und auch nach dieser Legende soll sie es geschafft haben, ein eigenes Amazonenheer aufzustellen, um als Söldnertruppe an Entscheidungsschlachten und nachfolgenden Plünderungen teilzunehmen. Ihre Treue zu Aquilonien behielt sie im Herzen, da sie in den anderen ihr bekannten Herrschaftssystemen eine viel größere Gefahr für Freiheit und Gerechtigkeit erkannte, auch wenn die heilige oberste Priesterschaft in Aquilonien ihr den Tod herbeisehnte. So schützte sie der König vor allzu hinterhältiger Ächtung und heimtückischer Verfolgung durch die Priesterschaft, sodass sie zwar des Irrglaubens bezichtigt, aber nicht als Ketzerin gebannt wurde. Die Schwächung des schwunghaften Sklavenhandels im Feindesland war in beider Interesse, sodass sie zu seinen engen Getreuen und Söldnern in den fernen und entlegenen Winkeln des Südostens wurde. Sie war für ihn ein wahrer Schwarzer Drache ganz mit dem feurigen Temperament ihrer von ihm so sehr geliebten zu früh verstorbenen Mutter Belit, der Königin der Schwarzen Küste, aber sie mußte öffentlich Non Grata sein, ein Schwert, das hochoffiziell nicht in seinen Diensten stand. Bei ihren jährlichen Besuchen Alt-Tarantias und der kleinen Mitra-Kapelle zu Ehren der Toten Seelen empfing er sie stets allein in einem geheimen Gemach des Palastes. Es waren angeregte Abende mit aquilonische Delikatessen und Rotwein aus den besten Lagen und ausschweifenden Unterhaltungen über Gott und die Welt. Sie war nicht seine leibhaftige Tochter, aber er liebte sie in dieser Weise. Und sie verstanden sich, denn sie war so, wie er und ihre Mutter in jungen Jahren, nur eben im Unterschied dazu von ihrem Glauben sowie tiefer Sehnsucht nach Liebe und Menschlichkeit beseelt und voller tatkräftiger Entschlossenheit diese Werte auch mit dem Schwert zu verteidigen. Für den König Aquiloniens blieb sie Kundschafterin fremder Welten, Botschafterin zur Toten- und Unterwelt und der tödliche Stachel im Nacken Stygiens und verbündeter Feindesmächte.

Manche meinen, beide Legenden seien wahr, sie hätten sich nur zu unterschiedlichen Zeitpunkten zugetragen. Um ihre innere Wandlung und ihre Haltung zum aquilonischen Mitratum zu verstehen, die auf viele wie ein Schock gewirkt haben muß, verweist eine weitere Geschichte.

So zog sie, bereits mit Schisma belegt, mit einer Kohorte des Blutordens durch das Reichenviertel Alt-Tarantias, allerdings im Auftrag des Königs, und schlug einen wüsten Aufstand, der von Fremdmächten angezettelt worden war und die Hauptstadt drohte ins Chaos zu stürzen, mit äusserster Brutalität blutig nieder. Die fremden Anführer und aquilonischen Unterstützer, darunter auch ein verräterischer ranghoher Priester, wurden vor den Stadtmauern gepfählt. Zwar war die Oberschicht hocherfreut, wenn auch mit zwiespältigen Gefühlen, beim Klerus des Mitratums weckte die Tat furchtbare Erinnerungen. Es waren die schmerzhaften Geschehnisse um Krystlelina und Cyantia und einer betrogenen Mutterschaft.

Die Liebschaft mit einem Bärenschamanen, als Belite noch sehr jung nach Cimmerien gekommen war, hatte eine Schwangerschaft zur Folge. Auf einer Reise nach Aquilonien, verblieb sie dort und gebar in einem abgelegenen Kloster einige Meilen vor der Hauptstadt ihre Kinder. Ihre vermeintliche Tochter Krystlelina brachte sie später zu ihrem Vater, der in Wahrheit nur ihr Stiefvater war, nach Cimmerien, obwohl sie sie liebte, sich aber nach der Geburt in einer tiefen seelischen Krisen befand. Für das andere Kind hielt man ihr einen toten Leichnam hin, hatte ihr aber beide leibhaftigen Kinder weggenommen, was zum betrügerischen Brauchtum der dortigen Priesterschaft gehörte.

Das dem so war, erfuhr sie erst viele Jahre später, als die Kinder schon zu jungen Frauen ausgewachsen waren durch eine Barbarin, die Cyantias Mutter war und in Cimmerien auf Krystlelina traf, und viele meinten, erst dies habe den Ausschlag gegeben für den späteren völligen Bruch mit dem aquilonischen Mitra-Priestertum. Krystlelina war also nicht ihr echtes Kind. Bei der stattfindenen Gegenüberstellung in Cimmerien stellte sich heraus, dass sowohl Cyantia und Krystlelina die leibhaftigen Töchter der Barbarin waren, beide waren sich wie Zwillinge sehr ähnlich, wenn auch sehr unterschiedlich in der Statur, wiesen auch äußerliche und charakteristische Verhaltensähnlichkeiten zur Mutter auf. Im Unterschied zur Mutter waren sie jedoch sehr introvertiert. Sie hatten jedoch das gleiche Muttermal und den schielenden Blick - dies war am Ende der endgültige Beweis. Die Barbarin war überglücklich ihre beiden Töchter vereint zu haben, war sich aber auch bewusst, was es für Belite bedeutete und alle versuchten ihr Trost zu geben. Belite gab sich dem äusseren Anschein nach zufrieden, aber im Innern kochte es und sie wollte unbedingt die ganze Wahrheit wissen. Nawatu, ihre vendhyanische Dienerin hatte dies vorhergesehen.

Was folgte, war ein entsetzlich grausames Blutbad im Kloster und die Niederschlagung eines ranghohen Priesters namens Innocenti in der Tempelanlage von Alt-Tarantia, den Belite, noch lebendig, an seinen eigenen Gedärmen vor den Götterstatuen aufhängte. Als erste Kohorten eintrafen und das Tempelgelände in der Stadt umstellten, war sie bereits geflohen. Er war das Oberhaupt eines Kinderhändler- und Ritualringes. Dies hatte sie den Beteiligten teils unter Anwendung von Folter herausgequetscht. Man hatte der Barbarin bei der Geburt Krystlelina weggenommen und ihr ebenfalls ein totes Kind gezeigt und Krystlelina an Belite weitergegeben. Cyantia verblieb also bei der Barbarin. Die Kinder Belites - es waren auch zwei - hatten sie entwendet und in einem geheimen Ritual getötet. Je nach Bedarf entschied man sich für Ritualmord, Verkauf oder Erziehung im Kloster. Im Falle von Belite entschloss man sich jedoch zur rituellen Tötung, da man nicht wollte, dass sich ihre Linie fortsetzte, weil man wußte, wessen Tochter sie war. Das Mitratum schweigte zu den Vorgängen, da der Gewinn in die Kasse des Tempels floss und Kinder, die nicht verkauft wurden später in Mitratempeln Frondienste leisteten und einige von ihnen auch eine Ausbildung als Mitrapriester begannen. Von den geheimen Ritualmorden wusste das Mitratum nichts. In den Augen Belites war es einfach Kindesdiebstahl, Mutterschaftsbetrug und die Ritualmorde ein Verbrechen, weshalb sie ausser sich vor Zorn und angesichts ihrer Demütigung in völlige Raserei geriet. Niemand war in der Lage sie in Begleitung ihrer Dienerin Nawatu zu stoppen. Ihre brachialen Schwerthiebe enthaupteten jeden auf der Stelle, der sich ihr in den Weg zu stellen wagte. Einen Priester spaltete sie mit einem Hieb den Leib. Und im Kloster entfesselte Nawatu die fürchterlichen Kräfte der Schlangengöttin Nintu, sodass alle Gefangenen alles verrieten bevor sie grausam starben. Dennoch fand man später in einer Kammer zusammengepfercht, aneinandergefesselt und geknebelt sowie in einem fast wahnsinnigen und zerrütteten Zustand eine Reihe von Klosterangehörigen, darunter viele Kinder, die offensichtlich als unschuldig befunden, verschont geblieben waren, aber offenbar alles hatten mitansehen müssen. Das abgelegene Kloster vor der Stadt bot im Innern ein unsägliches Bild des Grauens. Das Kloster wurde für immer geschlossen - niemand betrat es mehr, hielt es für entweiht und jeder Mitragläubige meinte dort im Stillen das fürchterliche Schreien der Opfer von Nawatus ritueller Folterung und der Rache Belites aus den Wänden zu hören. Gebete waren dort unmöglich geworden. Das Kloster verfiel. Es wurde zur wilden Unterkunft der Landstreicher, Bettler und anderer von der Gesellschaft ausgeschlossener randständiger Existenzen. Später hielten sich dort nur noch unheilbare Kranke auf, die dort Zuflucht suchten und ein schützendes Dach über den Kopf fanden. Viele meinten, der Ort habe seine wahre und gütige Bestimmung erlangt.

Cyantia hatte höchste Weihen letzter Mysterien Mitras erreicht, konvertierte jedoch nach den schrecklichen Ereignissen zur Urreligion von Belite und unterstützte sie bei der Missionarsarbeit, vor allem dort wo die Not am größten war. Cyantia, klein, zierlich, hübsch mit kurzen weissblonden Haaren und leuchtend blauen leicht schielenden Augen, wurde, weil es in ihr schon früh danach verlangte, als Mitrapriesterin im Mitratempel in Alt-Tarantia in die grundlegenden Mysterien eingeführt. Nachfolgend schickte man sie nach Tortage zu einem dem Wein verfallenen, aber menschlich warmherzigen Priester namens Ninus. Der Priester Ninus lebte in ihrer bezaubenden Gegenwart wieder auf und fand zu neuer Lebenskraft. So wuchs er über sich hinaus und führte Cyantia in die letzten Mysterien der Mitrareligion ein. So erlangte sie wider Erwarten der Mitra Oberen tieferen Einblick in die Mitrareligion und die Mysterien. Krystlelina hingegen blieb in Cimmerien bei ihrem Stiefvater im Dorf und ihre leibhaftige Mutter zog in ihr gemeinsames Haus. Es heisst, sie standen näher zu Crom oder verehrten gar keinen Gott. Auch hier gibt es viele voneinander abweichende Versionen, wonach sie Belite schlagkräftig unterstützten.

Cyantia schloss sich der verschworenen Gemeinschaft um Belite an. Sie verspürte nie den Drang nach Kampf und Gewalt, aber ihre Fähigkeiten waren dennoch in vielen Schlachten übermaßen hilfreich. Sie war die Seele der Heilung und Botschafterin des Lichtes, auch in tiefster Dunkelheit und Verzeiflung. Es soll jedoch seltene Momente gegeben haben, wo sie ihre Künste kriegerisch zum Einsatz brachte, aber dies wohl im Konflikt mit gegnerischen Priestern vor allem des Set.

An der Seite von Belite wurde sie ihre höchste Diplomatin, da bei längeren Begegnungen selbst starke Männer wankelmütig und durch ihre wundersame Ausstrahlung und ihre sanftmütige Natürlichkeit bezaubert wurden. Vielen Schwerverletzten, auch Feinden gab sie die letzte Salbung und einige riefen gar ganz laut nach ihr, wollten einfach nur in ihre Augen sehen und ihr Lächeln bevor sie starben. Sie erfüllte vielen Sterbenden ihren letzten Wunsch nach Liebe. Dafür wurde sie sogar von vielen Feinden respektiert. Als sie einmal in Gefangenschaft geriet, wurde sie zwar zunächst mehrmals vergewaltigt, als man sie jedoch erkannte, stiess man die Peiniger beiseite, durchtrennte ihre Fesseln und ihr Leben wurde verschont. Man bot ihr an, die Peiniger zu bestrafen, sie waren bereits zum Schleifen an Pferden festgebunden, doch sie lehnte dies ab. Die Peiniger wurden dennoch vor ihren Augen zu Tode geschliffen. Dann wurde sie freigelassen. Alle anderen Gefangenen hingegen wurden nach uraltem Brauch und Ritus getötet.

Im Unterschied zu ihrem kriegerischen Oberhaupt Belite wurde sie vom Mitratum nie als Ketzerin angeklagt, noch als solche jemals angesehen. Es kam zwar zur Sprache, da auch sie den Mitrakult nach den Regeln der Naturgöttin verkündete, verbreitete und praktizierte, aber niemand wollte etwas davon wissen, da jeder wusste, wo sie war, regierte ihr magisches Licht und häufig endete das Töten ohne Widerhall. Es wurde von einer Schlacht berichtet, wo selbst Einheiten der mitranisch aquilonischen Löwen hoffnungslos miteingeschlossen waren. Die feindliche Übermacht von etwa zwanzigtausend war erdrückend. Es war ein scheussliches Gemetzel in Gange. Viele Soldaten waren vom Töten erschöpft, da niemand der Eingekesselten die Waffen niederstreckte und den Kampf aufgab. Jeden Tod mußten sie schwer erkämpfen. Und das dauerte. Manche sagten später, das war für alle am Ende das grosse Glück.

Als Cyantia, eingehüllt von einem blauem Licht, das prismengleich vom Berge funkelte, am Horizont erschien, kam das Töten allmählich, je mehr Krieger es erblickten, zum Erliegen. Völlig nackt von dem ozeanblauen Licht umgeben, bahnte sich Cyantia voll strahlender Anmut und bezaubender Schönheit eine breit öffnende Gasse durch die feindlichen Reihen dem Anführer zu. Ihr von Natur aus kleine zierliche Statur überhöhte die Wirkung ihrer Erscheinung. Rythmisch hebend und kreiselnd weitete sie beide Arme mit ausgestreckten Handflächen in den Himmel. Auf dem Berg stand drohend Belite mit genauso zum Himmel ausgestreckten Armen. In den Händen hielt sie jedoch ihr gefürchtetes Langschwert, in der anderen eine Fackel und dunkle Rauchschwaden aus zwei grossen Feuern stiegen empor. Der Wind trieb die Rauchwolken zu dem Kriegerheer herüber und bildete eine finster bedrohliche Kulisse in dem der bläuliche Lichtschein Cyantias wie eine Erlösung heraufbeschworen wurde. Sie war spirituell bemalt, ihre Lippen und Augenlider verführerisch blau und die Strahlen der sich neigenden Sonne im vom dunklen Wolken verhangenen Himmel liessen ihre leicht gebräunte und frisch geölte Haut dazu noch goldfarbend schimmern. Cyantia wendete sich in ihrer magisch betörende Erscheinung und glänzenden Blickes nun direkt dem feindlichen Anführer zu. Er sah auf ihre silberblau schimmernde Brustbemalung der Heiligen Weisheit, konnte sich aber auch ihrer erotisch mystischen Anziehungskraft nur schwer entziehen und blickte hoch zu den schwarzen Rauchzeichen Belites am Horizont, aus denen sich der Feuer- und Aschegeruch zunehmend ausbreitete. Das Gespenst der vom Amazonenheer stets nach erfolgreicher Schlacht hinterlassenen verkohlten Einöden schien sich seiner Vorstellungswelt zu bemächtigen. Dann stehend auf ihren Fussspitzen umarmte und küsste sie ihn, streckte sich vor ihm nieder und bat ihn demütig um Vergebung. Entgegen aller Erwartung gewährte er nicht etwa freies Geleit, sondern zog mit seiner Übermacht ab. Bereits am Folgetag verliess er nachts die eigene Armee, wechselte zur Mitra-Religion der Naturgöttin über und trat ein in das Amazonenheer von Belite. Schon wenige Tage nach der Weihe verstarb er in seinem Zelt mit hohem Fieber an unbekannter Krankheit. Unter neuer Führung wurden seine alten Truppen Wochen später in einer Schlucht von einem zahlenmässig unterlegenen Amazonenheer gestellt und vernichtend geschlagen. Das Schlachtfeld und die Toten niedergebrannt, hinterliess das Amazonenheer eine Ödnis.

Es wurde nie geklärt, ob hinter dem Berg ein gewaltiges Amazonenheer wartete, um hinter einem zu entfesselnden Feuersturm anzugreifen oder ob es sich um eine raffiniert inszenierte Täuschung von Belite und Cyantia handelte. Allerdings hätte auch eine kleinere Streitmacht der Amazonen die Schlacht völlig wenden, zumindest durch einen Angriff den abschüssigen Berg hinab in die gegnerische Flanke dem Feind grosse Verluste zufügen und vielleicht sogar zum Kessel der eingeschlossenen aquilonischen Truppen durchbrechen können. Fest steht, dass Cyantia selbstlos, ganz allein und nackt durch die bis an die Zähne bewaffneten schwer gerüsteten Kriegerreihen geschritten war, wenngleich eingehüllt in einem bläulich flureszierenden Lichtschein ihrer Hautbemalung, bis zum völligen Erliegen der Kampfhandlung und bis zu deren Anführer, ohne das auch nur ein einziger ihr ein einziges Haar krümmte. Und der Anführer, vermutlich Opfer furchtbarer Erinnerungen, nach seiner wundersamen Begegnung mit Cyantia zum Abzug blies und Cyantia über fünftausend Eingeschlossenen, überwiegend aquilonisch-mitranischen Kämpfern, das Leben rettete. Sie verbrachte noch Tage dort, um die Verletzten, ob Freund oder Feind, zu versorgen oder zum Sterben zu geleiten. Eine entsetzliche Niederlage wendete Cyantia wie durch ein Wunder ohne jegliches Blutvergiessen doch noch zum Sieg !

In allen Überlieferungen des Legendenschatzes verlieren sich die Spuren von Belite, ihrer Getreuen und Gefährtinnen mit dem Untergang Aquilonies, das auch den Untergang des Mitra Kultes besiegelte. Man geht davon aus, das die feindlichen Mächte sich geschlossen gegen sie stellten und alles vernichteten. Letzte Anhänger wurden bis nach Vendyha verfolgt, in bestialischer Weise bei Volksfesten öffentlich geschändet, feierlich hingerichtet und zur Schau gestellt. Ihre Überreste wurden zur Abschreckung vor heiligen Stätten als Siegestropäen geschmückt und ausgestellt. Der Leichnam Belites wurde nie gefunden. Eine Legende besagt, sie würde eines Tages, wenn die Welt erneut dem Untergang zustrebe, bei Vollmond zur Schlacht der Schlachten in völliger Verschmelzung der Naturgöttin Mitra und der Schlangengöttin Nintu als erotisch berauschende "Mistress of the Gods" aus den Tiefen der dunklen Urwälder Vendyhas, Kambujas oder den längst vergessenen schwarzen Königreichen zurückkehren, nachdem sie im Jahrtausende währenden Kampf in der Unterwelt das Böse besiegt habe. Sie würde dann die von Leid geplagten, unglücklichen Seelen der Menschen in einer okkulten Orgie der Magie und des Schwerttanzes für alle Ewigkeit befreien, erleuchten und ihnen ewige Liebe schenken.

Sonntag, 22. August 2010

Belite V: "In der Dämmerung"

Nawatu erwachte, blickte in das orangerote Licht der Abenddämmerung. Am Himmel kreisten Raben und Krähen auf- und absteigend über den Aas und einige Greifvögel, die auch die menschlichen Kadaver im Auge hatten. Das Krähen und Krächzen erfüllte alles um sie herum. Dazwischen drängte sich das weit entfernte Jaulen von Wölfen. Sie hatte hier in dieser abgeschiedenen Gegend noch nie Wölfe gehört oder ihre Spuren gesehen. Jetzt nahten sie heran.

Sie atmete tief durch, lag nackt auf dem morastigen Boden, der sich lehmig, fast schlammig anfühlte. Sie fasste sich an ihre Brust und ihr Herz schlug schwer, tastete ihren Körper entlang und streckte sich mit einem leichten Ruck vor. Sie spürte keine Gliederschmerzen, fühlte sich nur erschöpft und ausgelaugt. Ihre Narben auf ihrem dunkelbraunen Körper waren rosarot und sie war überall mit Blut verschmiert. Ihre wunden Brustwarzen waren blutverkrusted angeschwollen und brannten. Brust und Unterleib drückten taub und ihre grünlich gefärbten Haare waren auch vom vielen Blut durchtränkt, verkrustet und verklittert.

Sie versuchte sich zu erinnern. Die Menschenfresser und der Pfeilhagel. Die Grotte. Die tödlichen Schüsse Turiyas. ... Und dann ? Nichts. Sie konnte sich nicht erinnern. Alles war wie weggewischt.


Wo war Turiya ? Sie erhob sich, stand da, nackt bis auf die Schulterbänder, die Stiefel noch an und ihre Halskette um. Überall lagen zerfetzte, leblose und ausgelaugte Kadaver. Es waren die Menschenfresser. Krähen und Raben machten sich an ihnen zu schaffen. Sie sah auf den eigenen zerrissenen Lendenschurz am Boden, völlig vom Blut besudelt. Angewidert hob sie ihn auf und schleuderte ihn angeekelt wie einen dreckigen Lappen weg zu den Krähen, die nur kurz meckernd aufflatterten und sodann erneut an den Fleischfetzten zogen. Sie wollte sich jetzt nur reinigen und waschen, sehnte sich danach, alles Unreine abzuspülen und sich zu erfrischen. Sie wollte schnell zurück zum See.

Sie nahm ihren Speer und den Dolch, dann schritt sie auf dem morastigen und teilweise zermatschten Boden die zerfleischten Leichen ab. Bevor die Wölfe hier sind, muß ich weg sein und ich muß zu den Pferden, sagte sie zu sich selbst. Sie kommen solange in unsere Höhle. Wir gehen zu Belite. Sie wird mir alles erklären. Ich glaube es war der Ring. Sie fasste an den Ring. Er fühlte sich so anders an. Wie ein weiches Teil von ihr. Nicht mehr so fremdartig. Sie musterte ihn etwas zögerlich und misstrauisch, fasste daran. Er war rottig wie immer, aber diesmal so ungewöhnlich anschmiegsam.


Wo war Turiya ? Sie stieg weiter zwischen den Leichen umher, die Raben und Krähen flogen auf, machten aber gierig weiter. Ein Greifvogel flog zornig auf, stiess herab und kreischte auf. Nawatu hob ihren Speer, dann zog sie ihren kleinen Elfenbeinstab aus dem Schulterarmband. Sie hob beschwörerisch ihre Arme, die wie zu Musik begannen zu schwingen. Der Greif war wie verstört und flog in weiten Kreisen in die Höhe, dann stürzte er herab, vertrieb zwei Krähen von einer anderen Leiche und hackte kräftig in das Leichenfleisch hinein.


Die Leichen sahen fürchterlich aus. Soviele ? Es waren mehr als zwanzig. Dann ging sie zurück zur  Felsgrotte. Nichts. Nur die vielen zum Teil zersplitterten Pfeile, wie ein Bambusbelag. Sie stieg nicht hinein. Los schnell zu den Pferden. Dann fiel ihr Blick auf ein feines langes Haarbüschel am Boden. Es hatte sich festgehakt an einer alten knorrigen Distel. Blondes langes Haar. Sie hob es sanft auf, hielt es zur Nase, roch daran. Turiya. Das Haar duftete so schön. Sie liebte Turiyas milchigen Körperduft, wie alles an ihr. Sie schaute genauer hin. Doch hier genau gab es wegen der Steinplatten keine Fussspuren. Sie ahnte Schreckliches. Sie hatte endlich einen weiteren aufrichtigen Menschen kennengelernt, dem sie sich anvertraute, dem sie vertrauen konnte. Und nun ? Nur wegen solcher Schweine soll es alles gewesen sein ? Die Zeit mit ihr war viel zu kurz und doch waren die kurzen Momente mit ihr so intensiv durchflutend. Nein, sie wollte jetzt ihre bitteren Gefühle nicht zulassen. Turiya mußte noch am Leben sein.


Sie rannte den Hang hinunter, wo die Menschenfresser hergekommen waren, um nach Hinweisen zu suchen. Nichts. Die Pferde und Mulis alle weg. Mehrere leblose und teils ausgeweidete und durchtrennte Menschenkörper lagen hier wie abgeworfen wüst aufeinandergestapelt. Ihre Opfer der Menschenjagd. Sie hatten zuviel Fleisch, da soviel getötet worden waren. Es hatten also einige überlebt. Schafften sie Platz für Turiya ? Frisches saftiges Fleisch, stieg es in Nawatu angeekelt und entsetzlich auf. Dann überlegte sie. Ob sie zur kleinen Höhle waren ?


Sie lief noch einmal zurück zu den Leichen. Die Aasfresser hielten Ruhe und liessen sich nicht stören bis auf ein paar Streitereien untereinander. Nawatu schaute alle Toten noch einmal an und was von ihnen geblieben war. Kein Häuptling, auch kein Schamane, wenn es einen gab. Ihre Anführer hatten überlebt. Wieviele hatten überlebt?


Die Dämmerung schritt schnell fort. Sie erreichte den See und die Pferde. Alle waren noch da. Aber die Angst vor den Wölfen sprach aus ihren Augen. Dann rannte sie schnell ins Wasser. Wusch sich alles ab, reinigte sich. Es tat ihr so gut. Ihre Brustwarzen brannten dabei stechend und zogen ihren Brustkorb zusammen. Sie presste ihre Lippen zusammen. Auch ihre Scham brannte, aber dieser Schmerz, der in ihrem Unterleib drückte, war für sie nicht wirklich neu. Mal stärker anschwellend, mal unspürbar, sie hatte sich daran irgendwie gewöhnt. Dann griff sie schnell zu den Trinkbeuteln. Füllte sie alle mit frischem Wasser, nahm einen Stärkungsmet, leerte den Beutel hastig. Schliesslich bepackte sie die Pferde mit dem gesammelten Proviant und den übrigen Sachen. Sie nahm auch die Rebhühner. Jetzt dachte sie unversehens an den Bären, sah in Gedanken Turiya mit ihrem so selten freudigen Gesicht ihr zuwinken. Sie konnte sich nicht mehr halten, schluchzte nun doch, schluckte bitter und würgte bei den Gedanken an Turiya. Sie begann zu trampeln und zu stampfen. Ihre Arme hart angespannt und ihre Hände zu Fäusten gepresst. Mit einem Mal riss sie die Arme vom Leib, ihr Körper streckte sich weit in die Höhe. Sie kreischte auf und ihr fürchterlicher Schrei im Widerhall der Berge schien die Luft schallend zu zerschneiden: „Nein!"


Das Geheul der Wölfe schien nun noch zügiger näher zu kommen. Sie ging schnell zu dem Hengst von Belite. „Komm. Fulgor. Zu Belite!“ Wild hob er den Kopf. Belite, darauf hörte er. „Aisha!“ Es war das gescheckte schwarz-weisse. Noch immer nackt sprang sie auf ohne Sattel. „Schnell zu unserer Höhle zu Belite.“ Sie klopfte Aisha auf die Seite. Sie zogen alle los, recht zügig im Trab hinter Aisha mit Nawatu. Der Hengst von Belite hielt immer Abstand und wechselte die Seiten, sofern die Felsen es zuliessen. Allmählich wurde es dunkler. Doch bevor es Nacht war, würden sie angekommen sein. Schließlich kamen sie in einiger Entfernung an der alten verlassenen Knochenhöhle vorbei.


„Hoh!“ Nawatu schaute hinauf zur Höhle. „Wartet hier.“


Mit einem Hüftschwung sprang sie ab, schlich sich den steinigen Hang weiter zur Höhle hinauf. Ja, jetzt war es klar zu erkennen, da war Licht. Es schimmerte flackernd auf. Schwach, aber erkennbar. Sie hielt ihren Kopf in die Höhe in alle Richtungen, drehte ihn, wie ein Tier, das schnuppernd Witterung aufnimmt. Sie ging geduckt noch etwas vor. Ich kann sie riechen. Die Schweine. Sie sind hier. Und bestimmt auch Turiya. Ihr Herz klopfte schneller. Ja, sie haben sie gefangen, werden sie nun gefügig machen und brechen, um sie teuer zu verkaufen. Sie weiss, was einer Amme blüht. Sie wird keinen Widerstand zeigen. Sie wird sich darin ergeben. Deshalb habe ich noch eine Chance, sie zu befreien. Dann ballte sie verfluchend eine Faust, reckte sie der Höhle empor und hielt mit der anderen den Speer. „Ihr seid tod. Ich zerreisse eure Gedärme. Ich fresse euer Herz. Und eure Schädel spiesse ich für alle sichtbar vor der Höhle auf!“ sprach sie fluchend aus, sich sicher, dass niemand sie hören konnte.


Sie machte sich keine Gedanken mehr, wieviele es waren. Sie wusste nur eins, da wo Turiya war, war auch sie. Ob lebendig oder tod. Sie war bereit das Leid und den Schmerz mit ihr zu teilen. Und sie würde alles daran setzen, sie zu befreien. Sie drehte sich um und sah wenige Meter entfernt etwas Helles und Zerknittertes liegen. Sie ging darauf zu und hob es schnüffelnd auf. Es war der Lendenschurz von Turiya mit ihrem noch fast warmen milchigen Duft. Sie war sich nun sicher, Turiya lebt! 

Sie kniff ihre Augen zusammen, die erneut zu lodern begannen. Sie stiess wilde Flüche und grässliche Verwünschungen aus und über ihr bitterböses Gesicht breitete sich am Ende ein finsterhämisches Lächeln aus. 

 
Sie rannte hinunter, schnell zurück zu den Pferden. Mit einem kräftigen Sprung setzte sie auf Aisha auf. Dann stiess sie die Füsse Aisha in die Seite, spornte das kräftige schwarz-weiss gescheckte Pferd an. Schon bald hatte sie die grosse Höhle erreicht. Sie sprang ab wie im Fluge, rannte hinein. Die Pferde folgten ihr von allein. Der Hengst blieb aber draussen.


"Belite! Belite!" rief sie.


Belite hatte sie schon sehnsüchtig erwartet, sie konnte schon lange nicht ruhen. Nawatu war überfällig und hatte bereits eine Ahnung. Ihr war sofort klar, dass die Gegenwart der Pferde unmittelbare Gefahr bedeutete. Was sollten sie sonst in dieser Höhle. Die fremde Aquilonierin war auch nicht da. An Nawatus Gesichtsausdruck las sie die Verzweiflung ab. Belite war bewusst, dass was schreckliches passiert war. Aber was war nicht schrecklich in dieser Welt ?Mal sehen, ob sie erst um den Brei herumredet, wie sonst auch, dachte Belite insgeheim. Sie braucht das, um ihre Gedanken zu ordnen und Mitra sei Dank nicht um zu lügen.


„Du siehst aus, wie eine Mumie“, sagte Nawatu. Denn Belite war noch immer nahezu vollständig von Verbänden umwickelt. „Danke, das war dein Werk,“ erwiderte Belite. "Aber sie sehen noch gut aus, es sickert nichts mehr. Wir können sie entfernen. Bis auf das Bein." "Und den Rippenbrüchen", wandte Nawatu ein. Belite schluckte. "Und du? Ziehst du denn jetzt gar nichts mehr an? Wie eine Eingeborene ?“  Nawatu schaute etwas beschämt. „Dafür hatte ich keine Zeit“, antwortete sie etwas trotzig „Puh, das hört sich nicht gut an. Was ist passiert?“ Belite griff nach Nawatus Hand. Die Blicke ihrer grünen Augen hüllten Nawatu ein. Nawatu schaute nun erschöpft und niedergeschlagen. „Während du die Verbände wechselst, kannst du alles erzählen.“ Sie fragte nicht nach ihrer Begleiterin. Sie kannte Nawatu nur zu gut, sie würde durchdrehen. „Die Verbände mach ich später. Wir essen jetzt was. Dann muß ich wieder los.“ „Und wer sagt mir, dass du lebendig wiederkommst?“ Nawatu schaute auf den Boden. „Pass auf, du erzählst mir alles, wechselst die Verbände später. Essen kann ich alleine. Verzichten wir auf die Rituale.“ „Ja, ich hab soviele Fragen.“ „Ach, soviele? Denke, es ist nur eine, der Rest klärt sich dann von selbst. Komm, du hast keine Zeit zu verlieren.“


Belite nahm sie in den Arm und zog sie auf ihr Lager. Nawatu liefen die Tränen nur so herunter und sie weinte. „Nawatu, man hätte dich nach einem Gebirgsbach benennen müssen.“ Sanft strich Belite ihr durch das Haar. „Du bist verletzt, aber es heilt unnatürlich schnell." Belite musterte Nawatus Brüste und die aufgequollenen verkrusteten Stellen an den Brustspitzen. "Es müssen sehr viele gewesen sein. Die Öffnungen waren sehr stark. Sie hätten auch für fünfzig gereicht, " sprach sie wohl auch laut für sich selbst . "Nawatu, zieh dir was über, wenigstens einen Lendenschurz. Gut, dann mach uns was zu essen, wir sind beide hungrig und du mußt dich stärken, wenn du kämpfen willst. Dein Schlangenring hilft dir jetzt nicht mehr. Der braucht jetzt erstmal eine Pause. Bei neuen Ringträgern ist seine Macht nach einer Schlacht erschlafft und träge." Nawatus Augen waren weitgeöffnet, schauten Belite erstaunt an. Belite wusste offenbar alles. Aber genau das hatte Nawatu auch von ihr erhofft.


"Bitte pfeif erstmal deinen sturen Fulgur, er will uns beschützen, draussen kommen Wölfe,"sagte Nawatu wie beiläufig. "Wölfe ? Hier ?" Sie pfiff, auf ihre unbeschreibliche Weise und man konnte die Hufe und das freudige Wiehern des Hengstes hören. „Fulgur!“ vor ihrer Liegestätte blieb er abrupt stehen, senkte seinen Kopf, stiess gegen den ihren. „Aua“ Belite griff nach ihm und er hob seinen Hals, zog sie hoch. Sie liess ihn nicht los. Belite strahlte. Sie hatte Kraft, war stark, obwohl sie noch so schwer verwundet war. Alles schien auf einmal vergessen. Sie stand nun auf ihrem Lager und konnte sich kaum halten. Sie stand auf einem Bein, hielt den Klumpfuss leicht angewinkelt hoch. Nawatu sprang ihr zur Seite. „Mein Fulgor, wir haben uns vermisst,“ dann Nawatu zugewandt, "ein paar Wolfsfelle würden auch nicht schaden. Immerhin könnten wir sie im nächsten Dorf tauschen oder verkaufen. Natürlich erst Morgen - mit Turiya!" 

Mit einer Hand hielt sie Fulgors Ohr und klopfte mit der anderen seinen mächtigen Hals, was mit den steifen Wickelungen der Verbände sehr skurril aussah. Nawatu lachte endlich wieder, denn Belite gab ihr die Geborgenheit, die Selbstsicherheit und das Gefühl schon morgen mit Turiya erneut zusammen zu sein. "Hört endlich auf ihr beiden!" rief sie, "das ist ja nicht zum aushalten!"  


Nachdem alles von Nawatu zubereitet war und die leckeren Dämpfe die Nasen verwöhnten, assen sie nun zusammen und sie genossen das Beisammensein. Der Hengst wich nicht mehr von Belites Seite. Er stand nur zwei Meter entfernt hinter ihr, kam manchmal näher ran, auch das gescheckte Pferd Nawatus Aisha. "Wir leiden alle unter Entzugserscheinungen,"stellte Belite genüsslich fest. "Das ist ja wie auf einem Ponyhof." Beide lachten kurz auf, dann wurden beide wieder ernst. Nawatu berichtete Belite alles – bis zum Filmriss und was sie danach festgestellt hatte. Auf Nawatus Schenkeln schlängelte ihre Schlange, die sie aus dem Korb geholt hattte. Die Schlange genoss sichtlich die Körperwärme und wurde immer ruhiger nach anfänglicher Aufgeregtheit..


"Pass auf, meine liebe Nawatu, ich gebe dir deine Erinnerung zurück. Du wirst sie neu durchleben. Dann wirst du sie bei dir tragen, wie jede andere Erinnerung auch. Ich versetze dich in Trance, so erhältst du sie zurück. Dann gebe ich dir ein paar Hinweise, wie du sie töten kannst, auch ohne Einsatz deines Ringes. Denn dass du eine kleine Kämpferin bist, die man bald überall fürchten wird, das habe ich von Anfang an gewusst. Du, wo du einst ein einfaches Hüttenmädchen warst, geknechtet von deinen Eltern und der ganzen Sippe, der du geopfert werden solltest. Du, die in der Wildnis umherstreifte und mit den Tieren dich unterhieltst. Nintu, hat dich entdeckt, deine kindliche Natürlichkeit und dein unverfälschter Verstand hat sie beeindruckt. Deshalb hat sie, die Schlangengöttin, dich in ihr Herz geschlossen. Und ich auch."

Belite hielt für eine Moment inne, atmete tief durch. Ohne Nawatu konnte sie sich ihr Leben nicht mehr vorstellen. Dann fuhr sie weiter.

"Deshalb gibt dir der Ring diese unermessliche Kraft. Aber auch Weisheit wirst du erlangen, je länger diese Kräfte auf dich wirken. Du wirst in einer Weise reifen, wie es ein gewöhnlicher Mensch nicht vermag. Ja, du wirst vielleicht auch mich dann überragen. Ich fürchte es nicht, denn wir sind eins. In Mitra und Nintu finden wir zusammen. In dir tritt Nintu nach aussen in Erscheinung, wenn die Gefahr am grössten ist. Nintu wird dich leiten mit der Intelligenz und geschmeidigen Eleganz der Schlange. Nenne deine Schlange nach ihr, denn sie ermöglicht und verstärkt ihre seelische Gegenwart. Die Ringzauber kehren dann schneller zurück. Sie wird dir immer folgen. Sie ist heilig. Belite richtete ihren Oberkörper auf, nahm die Schlange mit beiden Händen, hob sie in die Höhe, dann küsste sie sie auf ihre züngelnde Schnauze. Kein Zischen, keine Gefahr. Nawatu war wieder sie selbst und staunte mit offenen Mund. Nun kroch die Schlange die Schulter und den Hals von Belite entlang, dann zischte sie zu Nawatu rüber, duckte sich und glitt an Belites Arm herab zu Nawatu, legte sich in ihren Schoß. Belite und Nawatu lächelten sich an.


"Und ich hoffe so sehr, dass deine Turiya für dich so ist, wie du sie beschreibst und nicht, dass es nur eine flüchtige Verliebtheit ist. Aber selbst die ist dir so sehr gegönnt. Ich wünsche euch, dass ihr gemeinsam noch viele glückliche Tage verbringen werdet. Turiya wird zu uns gehören – eine wahre aquilonische Kriegsamme können wir wirklich gut gebrauchen. Und ein gute Bogenschützin als Jägerin  sowieso. Bei Mitra – sie ist ein Geschenk unserer Göttinen selber. Schon allein ihr Name ist gewaltig, das kann kein Zufall sein. Und das ihr Feuer und Flamme seid. Was geschieht, geschieht in Nintus und Mitras Namen. Sie wollen sich wieder vereinen - auch in euch. Uns stehen gewaltige Dinge bevor." Belite wußte genau um ihre Worte. Nawatus seelisches Gleichgewicht war wiederhergestellt. Ihre Augen leuchteten und der ockerfarbenen Schein blitzte dabei gelegentlich hervor. Sie fasste Belite ins seidige Haar, den freien Arm entlang, fühlte die Haut und streichelte sie immer wieder. Belite verschwieg ihr, dass auch in den schönsten Stunden Nintu erscheinen könnte, also nicht nur in grösster Gefahr. Sie wollte nicht, dass Nawatu sich um Turiya deswegen Sorgen machte. Doch Belite war sich sicher, dass Nintu Turiya bereits bei dem Gemetzel an der Grotte akzeptiert hatte, sonst wäre sie schon tod. Sollten sich Nawatu und Turiya wirklich lieben, würde Turiya eine traumhafte Liebesnacht erleben, wie sie für einen Menschen nicht vorstellbar ist. Belite schien, dass Turiya dies aber durchstehen und auch Nintu Befriedigung schenken würde. Alles andere wäre ein Schreckgespenst und Belite blendete jeden weiteren Gedanken daran aus.


Belite richtete sich nun auf, ergriff die Hände Nawatus. "Schau mich an Nawatu, ganz tief in meine Augen hinein. Der grüne Blick Belites hüllte sie ein, wie damals, als sie sie zum erstenmal traf, betäubte sie. Belite setzte nun ihre magischen und schamanischen Kräfte ein, als einstmals erste Seherin von Venoyha, als der man sie kannte und um ihre Kräfte man sie fürchtete und sie jetzt als Hexe verfolgte. Nawatu verfiel einer hypnotischen Trance und durchlebte die Schrecknisse des Tages und ihre eigene Verwandung noch einmal. Sie sah sich selbst und Turiya, die bestialischen Schlangen und die grausame Vernichtung der Menschenfresser. Belite, die nun alles selbst mitverfolgte, wie ihr eigenes Erleben, wurde klar, dass der Ring seinen Träger wirklich gefunden hatte. Nawatu war auf Anhieb gelungen, was manchen Set-Priestern bei höchster Anstrengung nicht gelang. Sie hatte nur durch ihre Gabe erreicht, was diese erst nach langem harten Training bewirken konnten. Nawatu war die Auserwählte, sie würde ganze Heerscharen in Panik versetzen. Das war nur der Vorgeschmack der schrecklichen Kraft der Ringes, aber an der Seite der Naturgöttin Mitra und ihres heiligen Schutzringes gebunden, war er unter gütlichen Einfluss. Die Schlangengöttin Nintu und die Naturgöttin Mitra waren wieder vereint. So schien es ihr, aber vermutlich war es dazu noch zu früh, dies zu beurteilen, noch war es nur das Band der Ringe, die sie wieder zusammenführten. Grausames Menschenwerk hatte sie getrennt. Wieder vereint waren sie eine Macht, die sich gut behaupten konnte im gnadenlosen Krieg gegen die dämonischen Kräfte der Unterwerfung und Zerstörung. Jetzt hatten sie Stärke gewonnen und Furcht würde ihre Feinde ergreifen, sobald sie davon erführen. Und diese würden nun sie beide und somit auch Turiya als wirklich ernste Bedrohung ansehen und gegen sie zum Kampfe rüsten, sie unbarmherzig verfolgen.


Nawatu kam wieder zu sich als Belite sie aus der Trance entliess.


"Na," Belite liess sich auf ihr Lager zurückgleiten. Nawatu fasste sich. "Deine Gedanken sind jetzt klarer. Ich habe noch etwas nachgeholfen, damit du nicht den Verstand verlierst, denn das kannst du jetzt nicht gebrauchen", fuhr Belite fort. Nawatu sass nun aufrecht da und nickte. "Ich bin stolz auf dich, Nawatu", sagte Belite. "Dein Ring wird dir nicht helfen können. Er benötigt etwas Ruhe, wird dann aber stärker sein. Ich werde dir erklären wie du es selbst schaffst. Denn ich weiss, wie man ein feindliches Lager überwältigt. Befolge die Ratschläge gut und du wirst Turiya befreien. Ich hoffe, dass sie noch am Leben ist. Es wird sehr schnell gehen, wenn du alles richtig machst. Danach kommt ihr beide zurück und erst dann brauchst du meine Verbände wechseln. Das dauert jetzt alles viel zu lange. Andernfalls kämst du jetzt sowieso zu spät."


Nawatu nickte erneut und schaute traurig auf den Boden, dann zu Belite. Belite erklärte ihr nun, wie man unbemerkt in ein feindliches Lager eindringen, wie man unbemerkt in die Höhle gelangte und wann und wo man am sichersten zuschlagen konnte. Nawatu staunte nicht schlecht und wurde zuversichtlicher, es mit den brutalen und starken Anführern der Menschenfresser im Kampfe aufzunehmen. Sie, die eigentlich ein geknechtetes Dorfkind und mit der Natur verbunden war und mit Schlangen spielte. Sie würde nun ihnen, die hunderte, vielleicht tausende Menschen mit eigenen Händen brutal gequält, im Kampfe getötet, geschändet und verspeist oder versklavt hatten, den Todesstoss versetzen. Welch eine Ironie des Schicksals. Welch ein Lächeln der Götter dank der überlegenen Kampferfahrung und Kriegsweisheit Belites. Beim Himmel Turiya erlösen und befreien können. Wahnsinn, Traum und Liebe lagen so dicht beieinander, wie die Wirklichkeit.


Sie konnte es kaum fassen, in dieser Weise handeln zu müssen, aber sie war fest entschlossen genau das zu tun. Belite sagte dann: "Du und Turiya, ihr werdet euch nachher noch viel besser verstehen, denn als Kriegsamme, weiss sie um diese Dinge. Sie wird dich als Gleiche anerkennen nach deiner Tat. Ihr werdet unzertrennlich, ihr werdet eins sein. Ich denke, ihr werdet euch lieben. Und mir ist es lieber, dass ihr euch liebt, als dass man euch zu Tode schändet. Vielleicht trefft ihr doch noch auf einen starken Mann mit Ehre und Gefühl. Eure Freundschaft wird er nicht zerstören. Er wird sie akzeptieren, wenn er weiss, wie schrecklich das Leben ist. Er wird euch sogar beschützen und lieben. Aber davon gibt es nur sehr wenige, aber wenn er kommt, dann wird er euch überwältigen in einem Rausch der Verliebtheit, wie es eben nur Männer mit uns anstellen können. Ich sage dir dies, damit du weisst, dass ich es gutheisse, was ihr beide tut und euch in meinem Herzen tragen und beschützen werde. Wir werden noch so manche Schlacht, so manches Ungemach gemeinsam bestehen. Denn Feinde haben wir, sie treiben uns entgegen wie der Sand am Meer. - Es wird ein kleiner Kampf sein, aber häufig sind auch die kleinen Kämpfe sehr entscheidend. Ohne sie gibt es keine grossen, denn das Grosse wird durch sie erst groß. Es sind wilde Krieger, die du, wenn du dich richtig verhältst, in einem Handstreich überwältigst. Sei wie die Schlange, die in dir wohnt. -  So, nun ab mit dir ! Es ist dein Kampf deines Lebens und um deine grosse Liebe."

Samstag, 1. Mai 2010

Belite IV: "Im Schutze der Schlangengöttin"

Am nächsten Morgen beeilten sie sich, ihre Sachen für die Tour zu packen. Endlich nach draussen. Ans Licht ! Sie freuten sich auf das Tageslicht, die Sonne und das Grün der Natur. Und auf das erfrischende Bad im See. Sie durften nicht trödeln, wenn sie rechtzeitig zum Abend zurück sein wollten. Nawatu schaute erst noch nach Belite, die gerade zu sich gekommen war.

„Ich muß los,“ sagte Nawatu. „Falls du etwas brauchst, es liegt alles neben dir. Wir sind zum Abend zurück. Ich liebe dich.“ Nawatu küsste Belite auf die Wange und auf die Stirn und beide drückten sich die Hände. Belite nickte und bemerkte, dass da jemand anderes noch war. Nawatu griff den Gedanken sofort auf.

„Das ist Turiya aus Aquilonien,“ und sagte dies mit ungewohnter Sachlichkeit. „Aus Aquilonien? Hier ? Ganz allein ?“ „Ja, alle anderen sind tod. Ihre Familie wurde von Menschenfressern ausgelöscht. Sie ist wirklich sehr nett. Sind alle Aquilonierinnen so ?“ „Nein, wieso sollten sie ?“ erwiderte Belite trocken. „Ich stelle sie dir heute Abend vor und erkläre dir alles,“ fügte Nawatu hinzu. Belite registrierte das veränderte etwas sonderbare Verhalten Nawatus und zog die Augenbrauen hoch. Ist das denn die Möglichkeit ? sagte sie zu sich. Ich denke lieber nicht weiter. Oder doch ? „Nawatu?“ „Ja ?“ Nawatu tat, als sei sie ganz normal. Wie sie guckte, natürlich nicht normal. Immer wenn sie besonders bemühte normal zu sein, war klar, das dem nicht so war. Nur völlig unnormal war sie normal. Eben Nawatu und nicht irgendjemand. Nach einer kurzen Pause dann. „Wir müssen los, sonst schaffen wir es nicht.“

Nawatu stand auf, küsste Belite noch einmal, winkte ihr lächelnd zu. Belite blickte etwas sprachlos und skeptisch drein, doch dann sandte sie mit einem kurzen Schliessen ihrer Augenlider Zustimmung aus, als sie die Fremde weiter hinten erkennen konnte, deren sehnsüchtig hoffender Blick Belite die Situation ausgiebig darlegte. Die beiden. Und welch ein Anblick und was für Kastanienaugen. Und dann noch blond. Ich fasse es nicht, sagte sie zu sich. Wehe uns, wenn Männer auftauchen sollten. Die reissen sich um sie. „Seht euch vor, bei Mitra, kommt heil zurück!“

Nawatu lief Turiya bereits strahlend und federnd entgegen. „Zuerst zu den Pferden und mit ihnen dann zum See, dann reibe ich dich neu ein. Auf dem Weg können wir viele Beeren pflücken und naschen. Zu zweit sammeln wir ja viel mehr. Danach können wir uns trennen, damit du schauen kannst, ob du eine frische Fährte findest. Ich sammle Kräuter und Wurzeln. „Hehe,“ Turiya nickte begeistert. „sobald ich ihn hab, komme ich zu dir, um alles zu besprechen und vorzubereiten, denn wenn wir ihn erlegen wollen, haben wir jede Menge vorher und danach zu tun.“ Wir müssen immer aufpassen, dass uns keine fremde Augen sehen,“ merkte Nawatu an. Turiya nickte erneut.

Beide gingen nun los und es verlief alles nach Plan. Sie waren beide mit freien Oberkörper unterwegs, nur sehr leicht mit einem wilden Lendenschurz aus Fell und Seide bekleidet und trugen geflochtene lederne Stiefel. Turiya trug ihre Bogenhandschuhe und ihren ledernden Unterarmschutz. Sie genossen vergnügt die Sonnenstrahlen, die ihre nackte Haut wärmte, die freie Natur und die Vögelstimmen, das Rauschen der Bäume und ihre Unterhaltungen. Sie waren zusammen und nicht mehr allein. Sie naschten unterwegs Beeren und einige Kräuter sowie Pilze. Hin und wieder fand Nawatu auch einige Yam-Wurzeln, grub sie aus und sammelte sie ein. Nawatu bewegte sich völlig im Einklang mit der Wildnis, so als wäre sie ein Teil von ihr.

Nawatu zeigte den Weg zu einer versteckten Felsgrotte, wo die Pferde warteten. Es waren vier. Turiya mußte staunen, es waren allerbeste und sehr edle Pferde, wie sie sie nur aus höchsten Häusern kannte. Selbst die kräftigen Tragtiere taugten als Galopper. Nawatu gab auch Turiya eine Bürste und beide bürsteten deren Fell. Die Tiere selbst waren aufgeregt, aber guter Stimmung. Sie kannten den Ablauf und waren sehr auf Nawatu eingestellt. Nur das edelste unter ihnen, ein starker schwarzer Hengst schien stur zu sein. „Ja, das ist der Wallach von Belite, er hält es ohne sie nicht aus, er muß bald zur Höhle, sonst wird er aggressiv." " Wallach? Du meinst wohl Rappe, er ist nicht kastriert," entgegnete Turiya. "Keine Ahnung, das wäre ja gemein, ich kenne mich mit Pferden nicht gut aus," fuhr Nawatu fort. "Mich akzeptiert er nur als Pflegerin, er wird niemals einem anderen Herrn gehorchen als Belite.“

Nawatu zeigte nun den einige hundert Meter höheren Bergkamm hinauf. „Zum kleinen See geht es hier weiter hinauf. Die Pferde lasse ich unterwegs etwas grasen. Wir gehen durch den Wald den gegenüberliegenden Hang hinauf, dort finden wir noch andere Pilze vor allem auch für die Heilpackungen. Dort ist auch ein sehr kleiner Bach, wo wir uns erfrischen und die Pferde trinken können. Unser Wasser schöpfen wir aber am See.“

So geschah es.

Als sie oben ankamen, war es fast Mittag. Sie streiften ihren Lendenschurz ab und die Stiefel und Nawatu sprang sofort auf das Wasser zu. Es war eisig kalt, aber es belebte riesig. Turiya war etwas zögerlich herangetreten und stand mit beiden Beinen bis zu den Kniekehlen im Wasser. Sie hatte Angst wegen ihrer Verletzungen und Wunden.

„Komm rein!“ rief Nawatu. „Ich mache dir alles neu, aber es ist gut, wenn die Wunde auspült, auch wenn es schmerzt. Das Wasser ist zu kalt, es kann sich nicht neu entzünden.“ Ausgelassen spritzte Nawatu nun viel Wasser in die Richtung von Turiya, sprang dabei hoch und lachte sie unentwegt vergnügt an. „ Komm endlich !“ Dann lief sie etwas vor und schob in einer Gisch Turiya das Wasser zu. Diesmal hatte sie Turiya klitschenass getroffen. Turiya wischte sich das Gesicht mit den Armen, dann mit einem Mal rannte Turiya in das aufwirbelnde Wasser und liess sich vornüber hinein fallen, sodass sie versank.

Im Unterschied zu Nawatu konnte Turiya schwimmen, sogar tauchen. Ihre Haut zog sich zusammen und ihre Wunden und Prellungen klopften und brannten. Aber die pochenden Schmerzen nahmen schon nach einem Augenblick ab, wurden schwächer. Der Ellbogen klopfte jedoch noch immer fürchterlich. Sie genoss diese Erfrischung so sehr nach so vielen Tagen. Sie befand sich mitten im See als sie wieder auftauchte und winkte Nawatu zu, die völlig überrascht und besorgt schien, als sie sie dort erblickte. Dann tauchte sie erneut. Sie empfand mittlerweile die eisige Kälte an den Prellungen als völlig angenehm. Sie sah nun Nawatus Beine unter Wasser, griff nach ihnen und tauchte wie eine Fontäne direkt vor Nawatu auf.

Sie waren sich jetzt ganz nah. Turiya hob ihre Arme nach hinten, um ihre blonden Haare zu öffnen und ihre blondwuscheligen Achseln schimmerten goldnass glänzend im Sonnenlicht hervor. Ihr breites Kreuz streckte sich und hob ihre üppigen Brüste in die Höhe, die Nawatu beinah ins Gesicht stupsten. Sie öffnete ihre Haare, die in nassen strähnigen Wellen sich an ihren Schultern teilten und ihre großen Brüste streiften. Dann liess sie sich zurückfallen und versank. Beide hatten es die ganze Zeit vermieden mit lauten Rufen und Geschrei Gefahren anzulocken.

Das Wasser war zu kalt, als dass man es sehr lange darin aushielt. Nawatu lief als erste raus und schüttelte sich gebeugt, sodass das Wasser zu allen Seiten spritzte und ihre Zöpfe durch die Luft wirbelten. Ihre nun kaltstraffe Haut glänzte wasserperlend und ölig in der Sonne. Nur wenig später folgte Turiya nachdem sie noch einmal tief und lange anhaltend ins eiskalte Wasser eingetaucht war und ihre Haare wusch.

Sie lächelte Nawatu an und Nawatu bot sich der ganze Anblick auf die natürlichen Rundungen ihrer hochgewachsenen Figur, die so langen schlanken Arme und Beine, ihr langes blondes Haar, das nun weit geöffnet war und ihre so üppigen Brüste in nassen Strähnen umgab, bis zum Bauchnabel und zu ihren Hüften reichte, ihre hellblonde nasse Scham, die wie hängendes Seegras tropfte.

Turiya bot wegen ihrer hellen Hautfarbe, ihrer völligen Blondheit und ihrer überragenden Größe eine für Nawatu so ungewöhnliche und ihre Sinne überfordernde erotisierende Anziehungskraft, wie sie Nawatu noch nie erlebt hatte. Hinzu kam ihre für eine Frau enorm athletisch durchtrainierte Ausstrahlung. Spannte sie ihre Muskeln schimmerten diese wie Eisen und ihr Bauch war dann hart und wellig. Entspannte sie sich, wirkte alles schlank und weiblich weich. Auch von diesem Muskelspiel war Nawatu völlig beeindruckt.

Sie fühlten beide den kühlen Wind auf ihrer feuchten Haut, die sich prickelnd zusammenzog. Dann berührten sie neugierig einander gleichzeitig an den Armen, dann den Bauch bis unter den Busen. Beide spürten die flimmernde Wärme, die sich durch die sanften Berührungen auf ihrer kalten Haut ausbreitete. Sie tasteten und erkundeten mit ihren Fingern und ihren nachfolgenden Blicken ihre Körper, die so unterschiedlich waren und beide waren erstaunt und fasziniert über ihre exotische Andersartigkeit.

Turiya war zwar leicht gebräunt, jedoch im Vergleich zur tief dunkelbraunen Erscheinung Nawatus völlig hellhäutig mit üppig grossen noch helleren Brüsten, deren ovalrunde Warzenhöfe, sich dunkelbraunrot wie magische Augen von der weissen Haut abhoben. Sie fühlten sich so sehr zueinander hingezogen und ihre entdeckenden Berührungen gingen in sanfte Liebkosungen über, versetzten sie beide in Erregung.

Nawatu fühlte mit ihren kleinen Fingerbeeren Turiyas volle schwere Brüste, entdeckte ihre Dehnungsstreifen an den Brustseiten und die vielen feinen Äderchen, die wie eine Maserung durchschimmerten und sich teilweise so sehr wölbten, dass man sie fühlen konnte. Ihr schien es, als würden Turiyas Brüste schon fast an ihren Schultern beginnen und es kam ihr so vor, wie die Besteigung einer großen lang ausgedehnten Wanderdüne, die sich auf Augenhöhe Nawatus mit zulaufenden Brustspitzen steil aufrichtete. Turiyas Brüste hingen nicht, sie ragten auf.

Dann streichelte sie diese rundherum und glitt besonders vorsichtig an zwei hervorstehenden blauen Seitenadern des linken Busens von Turiya entlang. Turiya durchfuhr ein prickelnder Schauer, sie zitterte ein wenig und spürte die innere Wallung als Nawatu mit langgestreckten Zungenschlägen die noch weiter anschwellenden Warzenvorhöfe streichelte.

Turiya ergab sich, schloss ihre Augen und spürte die Hitze, die ihre Brustspitzen durchflutete. Ihre Arme ruhten sanft auf Nawatus Schultern, die Hände streichelnd in den behaarten Nacken von Nawatu vertieft. Sie genoss sichtlich dieses wunderbare Zungenspiel und spürte dabei den kühlenden Luftzug auf ihren feuchten Brustwarzen, die sich immer steiler hochstreckten. Dann umschloß Nawatu mit ihren Fingerspitzen in drehender Bewegung ganz fein die wie dicke Propfen angeschwollenen Brustwarzen, aus denen jetzt Milch sickerte und die sich dabei so hart, stark und fest anfühlten und doch weich und elastisch nachgiebig waren. Wie alles an Turiya.

Nawatu setzte aus und schaute erstaunt und fragend auf, doch Turiya fasste mit beiden Händen in Nawatus Haare und dann sanft an beide Ohren. „Mach weiter, Nawatu, melk mich, ich bin eine Amme.“

Nawatu verstand nun, warum Turiya sich so verhielt, denn Ammen hatte es auch in ihrem Dorf gegeben und schleckte die Milchtropfen, die den Bauch und zwischen den Beinen die Oberschenkel entlang tröpfelten. Dann zwirbelte sie mit den kleinen Fingerspitzen an den Brustwarzen und zupfte spielerisch daran, sodass die prall mit Milch gefüllten schweren Busen Turiyas auf und ab wippten und die Milch wie ein kleines Rinnsal zu fliessen begann. Sie schleckte die milchigen Streifen am Busen. Die Milch trat nun selbsttätig aus.

Doch Turiya hielt es nicht mehr aus, nahm ihre Hände zu Hilfe, wie um es Nawatu zu zeigen, mit vier Fingern ihrer rechten Hand zog sie kräftig an ihrem Nippel des linken Busens, sodass dieser den Busen wie ein großes spitz zulaufendes Zelt nach vorne dehnte und mit der linken Hand umschloss sie ihren Busen fest und schob diesen ringförmig zur Brustspitze wie eine Blase nach vorn, sodass es regelrecht Nawatu in feinen Strahlen ins Gesicht spritzte. Ihre Milch floss nun in Strömen. Nawatu öffnete weit ihren Mund, presste mit ihren Lippen auf die Brustwarze und umschloss ihren dick und steif geschwollenen Nippel wie einen Saugpropfen. Ihr Mund füllte sich mit köstlich warmer Muttermilch. Sie konnte es kaum glauben. Sie schluckte als würde sie aus einem Beutel trinken. So viel Milch, mehr als alle Ammen, die sie aus ihren Dorf kannte. Dann irgendwann nach vielen langen Minuten verebbte der warme Strom.

Turiya streichelte zärtlich Nawatus Wangen, lutschte ihre mit Milch benetzten Finger und küsste ihr auf die Stirn. Nawatu hatte in ihr Muttergefühle geweckt. „Den anderen auch,“ sagte sie nur. Nawatu zögerte kurz und vorsichtig die teils von kleinen Strichnarben durchzogene rechte rauhe Seite abtastend, blickte sie Turiya an. "Ach, das kommt vom Bogenschiessen, na, mach schon," bemerkte Turiya lachend, hilet ihr den prallen Busen hin. Ihre Milch tropfte bereits und Nawatu walkte nun auch ihre rechte Brust, zog nun in der gleichen Weise und saugte erneut die Milch mal leicht spritzend oder träufelnd mit ihren Lippen und ihrer Zunge auf, was Turiya sichtlich sehr genoss.  Nawatu saugte wie ein Kind, schmiegte sich kuschelnd an Turiya, die sie sanft wie mütterlich am Kopf kraulte. Sie leerte melkend auf diese Weise auch diesen Busen und holte danach tief Luft als hätte sie einen Krug geleert. Beide lächelten sich wie nach einem gelungenen Streich an.

„ Du hast soviel Milch,“ bemerkte Nawatu respektvoll. „Sie schmeckt so süss und ich bin so satt davon. Viel viel mehr als unsere besten Dorfammen. Und sie schmeckt so gut. Und alles an deinen großen Brüsten ist so groß, fest und stark. Dein ganzer Körper ist so unheimlich stark und dennoch schlank, weich und anschmiegsam.“

Nawatu war wie ein Schleckermaul völlig verschmiert. Die Stupsnase, die Wangen, das Kinn von Milchschlieren bemalt und Turiya wischte es lutschend mit den Fingern zärtlich auf. Turiya blickte sie sichtlich stolz, aber auch erheitert und glücklich an. Sie fühlte sich erleichtert. Ihre Brüste zogen nicht mehr so straff gereizt, wogen nicht mehr so schwer. Turiya war nun völlig entspannt.



„ Ja, ich bin eine Amme. Wegen meiner Frühreife und meiner Üppigkeit wurde ich dazu bestimmt. Seitdem habe ich mich daran gewöhnt und meine Brüste auch und sie spenden wirklich immer.“

„ Hast du ein Kind, viele Kinder ?“ fragte Nawatu. Beide setzten sich auf eine von der Sonne erwärmten Felsplatte.

„Ja, eins, aber ich mußte es gleich abgeben. Als ich zur Amme bestimmt wurde, obwohl noch nicht voll weiblich ausgewachsen, wurde ich geschwängert. Es war eine Frühgeburt. Das ist normal. Mein Körper sollte damit nur vorbereitet werden. Wenig später wurde ich erneut geschwängert und brachte auch ein Kind zur Welt. Es wurde mir, wie es bei Ammen Brauch ist, nach der ersten Still- und Lehrzeit genommen und weitergereicht. Durch eine besondere Kunst des Pumpens werden die Brüste einer Amme während dieser Zeit gezielt angeregt. Mehr als alle anderen.

Meine Familie sagte, meine Brüste seien darum noch grösser und üppiger geworden, weil mein Wachstum zu Beginn noch nicht ganz abgeschlossen war.“ Turiya fasste unter ihre Busen und hob diese sich zu Nawatu hinwendend in die Höhe. „Wenn sie voll sind, sind sie viel größer, rundlicher und fester, so wie heute, denn ich hatte sie nicht bei euch gemolken, musste aber immer insgeheim daran fühlen. Ich hatte anfangs Angst es euch zu zeigen. Sind sie entleert, sind sie weicher und elastisch. Die Brüste einer starken Amme bekommen aber viel mehr starke blaue Äderchen und auch Dehnungsstreifen wie kleine feine Narben. Ich habe sehr viele davon.“ Turiya glitt an ihnen entlang wie auf Trophäyen. „Und meine Brustspitzen sind stark und fest. Darauf bin ich sehr stolz und meine schweren Brüste schmerzen auch meinen Rücken nicht, weil ich so schlank und durchtrainiert bin.“

„ Ja, und wie. Spannst du deine Muskeln wirken sie wie Eisen. Wie bei einem Mann,“ fügte Nawatu bewundernd hinzu. „Die Ammen, die ich kennenlernte sind ganz anders, so weibisch, häufig dicklich und rundlich.“

„ Unsere Familie hatte dadurch grosse Vorteile, da ich dies für die edlen Herrschaften tat. Deshalb wurde ich sehr geachtet, denn dort kommen nur die milchträchtigsten Ammen hin. Ich tat es gerne und man behandelte mich gut. Daher habe ich auch mein gutes Benehmen. Und als man mich sogar fragte, was man für mich tun könne, wählte ich die Ausbildung als Bogenschützin. Sie waren völlig überrascht, weil das nur Männern vorbehalten war und mussten es diskutieren. Doch sie stimmten zu, denn ein Ammenwunsch ist tatsächlich frei, weil ihr Dienst kostbar ist und wenn man sehr zufrieden mit ihr ist. Es war eine große Ehre für mich und auch für meine Familie, weil dies, wie gesagt, normalerweise nur ausgewählten Männern vorbehalten ist. Aber ich wollte genau das, denn ich hatte sie häufig beobachtet und im in die Ferne schauen hatte ich mich insgeheim mit einem mal gemessen. Ich konnte sogar besser sehen als er.“

Turiya lachte triumphierend auf.

„Der Stammesfürst, dem ich diente, sagte zu mir, überlege es dir gut. Wir werden dich nicht schonen, denn du mußt als Amme weiter tätig sein. Dafür werde ich Sorge tragen, dass es dir auch als Bogenschützin möglich ist. Versagst du, kann ich nichts mehr für dich tun. Du wirst dann ein Weib von vielen sein.“

Nawatu war völlig fasziniert und hörte staunend aufmerksam zu.

„ Aber es hat nie meine Tätigkeit als Amme behindert, denn das hatte meine Familie befürchtet und ich hätte dann wohl als bäuerliche Magd mein weiteres Dasein gefristet. Im Gegenteil. Ich glaube durch das eiserne Training, vor allem die blutige Muskelkraftnahrung der Krieger wurden meine Brüste stärker und fester als die der anderen Ammen und spendeten deshalb schliesslich die meiste Milch von allen. Sie waren überaus zufrieden. Ich spendete immer viel Milch. Sehr viel Milch für viele Kinder des Stammesfürsten und seinen Verwandten. Und natürlich, hätte ich mit dem Walken oder als Amme aufhören müssen, wenn ich nicht mehr gekonnt hätte. Dann hätten die Muskeln die Brüste zusammengezogen und verkleinert. Ich hatte gesonderte Schiesspausen im Training nur für das Walken meiner Brüste. Später machte ich es einfach etwas abseits nebenbei und niemand störte sich daran. Im Gegenteil. Sie machten anfangs nur ihre Witze darüber, später schauten sie auf mich auf. Mittags und Abends gab ich als Amme Milch. Die andere Zeit trainierte ich. Ich wurde die stärkste Amme, die die jungen Krieger der Erbfolge nährte. Die Eltern dieser Krieger wollten die Milch nur von mir, weil sie dachten in ihr das Kriegermana zu erhalten. Auch weil ich sehr gut zielen konnte, haben mich die Männer sehr bewundert, durften sich mir aber nicht zudringlich nähern. Viele meinten zuerst, mit so großer Oberweite könne man keinen Bogen richtig spannen, weil meine grosse Brust und die angespannte Sehne sich im Wege stehen würden. Wäre das passiert, hätte ich sicher als Amme nicht mehr dienen können, denn eine angespannte Sehne hinterlässt schwere Verwundungen im weichen Fleisch einer weiblichen Brust, selbst mit Lederschutz. Sie spöttelten über mich. Später johlten sie, Turiya gibt dem Feind ein letztes tödliches Mana mit ihrer Muttermilch. Das war ein mächtig grosses Lob. Und es stimmt. Alle meine Pfeile bestreiche ich mit meiner Milch. Es gibt mir Glück und den Pfeilen Mana. Und wenn ich erfolgreich schiesse, durchströmt mich ein seeliges Glücksgefühl, sodass die Milch wenn das Gefühl groß und lang genug anhält, wie von göttlicher Hand von alleine fliesst. Ich gerate regelrecht in Ekstase. Einmal nahmen sie mich mit in eine Schlacht. Wir Bogenschützen waren versteckt auf einer Anhöhe postiert. Wir zerschossen ihre Reiterei und schliesslich die Heranrückenden Mann für Mann. Es waren Hunderte. Ich riss mir den Brustschutz vom Leib und während ich schoss lief die Milch in Strömen an mir herunter. Jeder Pfeil von mir traf tödlich. Ich schoss wie in Trance, wenn ein Pfeil sein Ziel traf hatte ich drei weitere verschossen. Am Ende der Schlacht knieten die Bogenschützen im Kreis alle vor mir nieder – sogar unser Kolonnenführer. Das war eine riesige Ehre für mich und ich wusste von da ab, dass ich die Schusstechnik perfekt beherrschte. Ich habe Jahre dafür geübt. Jeder durfte von meiner Milch in einer Zeremonie kosten, denn zum richtigen trinken hätte es auch bei mir nicht für alle gereicht.“

Turiya lachte vergnügt.

„Von da an erhielten vor Beginn einer Schlacht in einer heiligen Zeremonie die Ausgewählten, starke und führende Krieger Milch aus meiner Brust. Sie verehrten mich wie eine heilige Schutzpatronin. Zur Ehrung erhielt ich vom Stammesfürsten eine Silbergliedrüstung, die immer grünlich schimmert. Eine solche wertvolle und starke Rüstung bekommen sonst nur die Oberen vom fürstlichen Geschlecht. Er war stolz auf mich, auch weil er es mir damals erlaubt hatte, allen Zweifler und Nörgler zum Trotz, und ich ihn nicht enttäuscht habe. Er hatte immer an mich geglaubt.

Nawatu, deshalb habe ich eine dringende Bitte. Als ich stürzte, habe ich mein Gepäck verloren, es muß vor dem Schacht liegen. Wenn es möglich ist, lass uns dorthin gehen, um die Rüstung zu bergen. Mit ihr kann ich euch treu zur Seite stehen und uns verteidigen.“

Nawatu nickte eifrig zustimmend.

„Wir holen sie morgen, denn du kamst von der anderen Seite. Wir müssen lange gehen. Heute schaffen wir es wohl nicht mehr. Wir hätten anders planen müssen. Du hättest es gleich sagen sollen.“

Beide lächelten zufrieden.

„Schliesslich wurde ich einem Krieger der Oberen versprochen. Es war gut zu mir, aber ich liebte ihn nicht. Er fiel aber schon kurz nach der Schliessung unseres Bundes und der ersten Liebesnacht in einer verlustreichen Schlacht am darauffolgenden Tag, wo ich nicht mit dabei war, weil ich Milch geben mußte. Sie hatten den Feind total unterschätzt. Er war viel stärker als angenommen. Alle Kunde über ihn war täuschend und vom Verrat begleitet. Deshalb mußte sich unser Stamm zunächst zurückziehen, um sich neu formiert zu sammeln.

Es kam aber noch schlimmer. Mitten in der Nacht musste mein Clan, also meine Familiensippe, Hals über Kopf aufbrechen, weil mein Vater sich mit einem Mitra-Priester vom Hofe der Hauptstadt überworfen hatte. Auch unser Stammesfürst konnte nichts mehr für uns tun. Ich hatte ihn angefleht. Aber aus religiöser Zwietracht hielt er sich raus. Religiöser Streit ist schlimmer wie Pest und Lepra, sagte er nur. Meine Familie wählten einen geheimen Weg, um aus Aquilonien zu entkommen. Bis zum schlimmen Überfall habe ich treu als Amme zuletzt auch meiner Sippe gedient. Deshalb sind meine Brüste auch heute so prall gefüllt. Manchmal spannten und schmerzten sie sehr und nässten mein Hemd. Ich hatte Angst und schliesslich träufelte es manchmal von alleine.“

Turiya stöhnte erschöpft auf.

„Ich könnte soviel darüber erzählen, aber du hast mir heute sehr geholfen, denn als Amme darf ich mich eigentlich nicht selbst einfach nur zum entleeren melken, denn meine Milch ist heilig und es tat schon sehr weh. Ich hatte gehofft, es würde nachlassen, aber es wurde immer mehr und meine Brüste wurden immer härter. Andererseits hatte ich Angst davor aufhören zu müssen und es zu unterlassen, denn echte Ammen wie ich, die damit aufhören, bekommen später sehr schlaffe hängende Brüste. Sie richten sich dann nicht mehr auf. Ich habe sie seit dem Überfall nur sehr vorsichtig massiert und nur soviel gemolken um den schmerzenden Druck zu nehmen. Bis ich zu euch fand.“

Sie küsste Nawatu liebevoll auf die Stirn und auf den Mund. „Du bist jetzt ein Teil von mir, denn die heilige Muttermilch hast du in dir aufgenommen.“



Nawatu war überwältigt und freute sich riesig, fühlte sich wertvoll und geehrt.

„ Weisst du, ich habe es von Anfang an geahnt, also nachdem ich dir das erste Mal die Brustspitzen gestreichelt hatte. Man kann die Milch an dir riechen. Und deine Brüste sind so prall und dennoch so aussergewöhnlich. So wunderschön. Deshalb fühlte ich mich wohl auch so sehr zu dir hingezogen.

Im Harem von Venoyha hab ich eine Amme kennengelernt, die war sehr liebevoll zu mir, wie sonst niemand. Ich war dort nur eine Botin und habe bei der Versorgung geholfen. Belite hätte nichts anderes zugelassen. Nach Belite war sie der erste Mensch, der zärtlich zu mir war. Doch ihre Milch durfte sie mir nicht geben. Sie tat es jedoch einmal heimlich. Aber wir waren nicht verliebt.“

Nawatu holte etwas Luft. „Sag einmal, kann ich das auch ?“

Die Frage platzte unwillkürlich aus Nawatu heraus. Nawatus Worte schmeichelten Turiya natürlich und sie mußte kichern, wurde dann aber ernst.

„ Ja, du könntest es auch, aber es braucht seine Zeit. Nicht alle Frauen eignen sich dafür, weil sie zuwenig oder nur unregelmässig Milch geben. Viele haben auch Schmerzen. Deshalb gibt es ja Ammen. Von Ammen erwartet man, dass sie mehr Milch geben als eine normale Frau. Ammen sollen mehrere Kinder säugen.“

Turiya fasste Nawatus etwas kleineren rundlich hängende Brüste mit ihren großen schlanken Händen, fühlte sie und massierte weich darin und liess sie wie Früchte schaukeln. Ihr ging auf, dass die Busen Nawatus einzige Körperstellen waren, die unversehrt, also narbenfrei waren. Sie strich über den überaus ausgedehnten rauhen Warzenhof, der ihre ganzen Handflächen ausfüllte, umfasste schliesslich ihre kräftig und langgewachsenen, aber viel empfindlicheren Nippel und mit dem Daumen stupste sie mehrmals daran. Nun zog sie an ihnen, sodass Nawatus Brüste sich wie weite Tüten streckten. Nawatu kniff mit den Augen. Dann senkte Turiya behutsam mit beiden Händen ihre Brüste.

„Nawatu, ich habe viele Brüste gesehen und sage dir, deine sind zwar nicht ganz so groß, aber durchaus trächtig. Du könntest ein Kind bestimmt satt machen. Deine Brustwarzen sind sehr gut dafür, sie sind lang, aber noch zart.“

Turiya bückte sich und nahm einen Busen, hob ihn an den Mund und saugte.

„Zum Saugen sind sie sogar viel besser als meine. Aber für eine echte Amme reichen deine Brüste wohl nicht. Ich fühle es. Du würdest deinen Körper auf Dauer überanstrengen und sehr schnell altern. Aber Milch spenden sie bestimmt genug. Wir können es üben. Ich zeige dir, wie man sie richtig massiert. Es dauert dann nur zwei Wochen bis du erste Milch gibst. Deine Brüste werden dann sogar fester und steiler sein. Aber du musst nicht. Bei mir ist es etwas anderes. Meine Brüste haben sich so sehr daran gewöhnt, sie sind regelrecht abhängig. Ich habe sogar mal ausgesetzt, aber sie füllten sich erneut bis ich es vor Schmerzen nicht mehr aushielt. Ich konnte manchmal drei bis vier Kinder säugen bis sie satt schliefen und war noch nicht ganz leer. Deshalb brauche ich das Melken unbedingt, kann nicht mehr ohne und es fühlt sich gut an. Aber es muß Sinn geben. Muttermilch ist zu kostbar, um sie zu verschwenden. Muttermilch schmeckt einfach gut und ist gesund. Sie ist auch gut zum Einreiben als Körpermilch zum Mischen mit Honig, Frucht und Öl. Auch in der Heilkunde können wir sie verwenden. Verwundete heilen schneller und ihre Widerstandskraft wächst. Und in meiner Milch ist Kriegerblut. Heiliges Mana.“

Nawatu nickte und erwiderte, „Weisst du, Belite hat mir auch Milch aus ihrer Brust gegeben als ich so sehr schwer verletzt war. Sie betet die Naturgöttin in Vollmondnächten an und gibt sich ihr hin und dann strömt auch viel Milch aus ihrer Brust. Sie bereitet sich dann Wochen vorher darauf vor und massiert ihre Brüste.“

Turiya machte darauf spontan ein Angebot. „Ich kann Belite meine Milch geben. Jeden Tag soviel sie möchte. Sie wird dann schneller gesunden. Ganz bestimmt. Mit meiner heiligen Milch habe ich viele verwundete Krieger versorgt, und auch die stärksten Krieger vor der Schlacht.“

Dann stand Turiya auf, stellte sich vor Nawatu in nach vorn gebeugter eindrucksvoll kämpferischer Pose. Mit einer Hand umfasste sie fest ihren herzseitigen Busen wie einen dicken Schlauch, mit der anderen streckte sie energisch die Faust. Milch trat heraus, tropfte zwischen ihre Finger. Die Muskeln und Sehnen ihres Körpers spannten sich heftig, schoben sich kraftvoll sichtbar durch die weiche Haut.

„Ich bin die Meister- und Kriegsamme des Shamar-Clans. Mein Mana ist heilig und spendet todbringende Kraft. Ich bin die Kriegsamme des Manas der tödlichen Transzendenz.“

Turiya wirkte wie ein mächtiger Titan und ihre muskelgedehnte weisse Haut schimmerte in der Sonne wie Gold. Nawatu fiel ehrfürchtig zurück. Dann setzte sich Turiya wieder ganz dicht zu Nawatu, entspannte und legte ihre Hand auf Nawatus Oberschenkel.

„Wenn sie darum weiß, und das wird sie, dann wird sie zustimmen. Sie wollte dich bestimmt nur schonen. Gib ihr einfach eine große Schale mit meiner warmen Milch. Sag ihr, wer ich wirklich bin. Ich bin sicher, sie wird sie dann begierig trinken.“

„Sie wird sich riesig freuen und dich bei uns aufnehmen, da bin ich mir sicher. Aber sie hat mir mal erzählt, dass Ammen eine lohnende Beute für Skavenjägern seien, weshalb du es wohl zuerst vor mir nicht zeigen wolltest. Sie erzielen höhere Preise und werden dann wie Ziegen gehalten. Die Milch wird ihnen dann erniedrigend auf einem Schemel vornübergebeugt, grob und schmerzhaft mit einem Melkband abgezapft, damit es schneller geht. Die Haut der Brüste wird wund und später hart und vernarbt. Liefern sie nicht die gewünschte Menge werden sie geschwängert. Liefern sie gar nicht mehr, müssen sie es zur Unterhaltung auf Festen mit abgerichteten Tieren treiben, verweigern sie sich, werden sie zerfetzt.“

„ Ja, das stimmt, vor allem in Stygien, aber auch in Aquilonien und vermutlich auch hier, überall auf dieser Welt machen es einige Fürsten so, selbst wenn es vom König geächtet ist. Sie scheren sich nicht darum. Kein König würde deswegen einen Streit riskieren.“

Turiyas Miene verfinsterte sich. „Fast alle dieser Ammensklavinnen nehmen irgendwann dieses grausame Ende. Unser Stammesfürst hatte welche von ihnen bei uns aufgenommen, sie freigekauft. Überlebene eines solchen Blutrituals, dem er als Gast beiwohnen mußte. Sie konnten kaum noch Milch geben so sehr sie sich bemühten. Sie waren stark gealtert und ausgelaugt. Sie vollrichteten bei uns dann Landarbeit, waren aber frei und dafür waren sie sehr dankbar. Man hatte ihre Brüste regelrecht mit der Zeit stranguliert. Man tut es mit Absicht, um diese schrecklichen Feste ausrichten zu können. Ich habe von einem Fürsten gehört bei dem allein an einem Abend zwanzig Ammen von seinen Bestien zerfleischt wurden. Die anderen Übriggebliebenen mussten es immer weiter mit anderen Tieren treiben bis sie erschöpft und ausgelaugt waren, diejenigen die bluteten, wurden genauso bestialisch zerfetzt. Es war wie eine animalische Blutorgie.

Wie können Menschen an solchen grausamen Ritualen Freude haben ? Für mich sind es dann keine Menschen mehr. Warum sind viele Männer so blutgierig und triebbesessen, so begierig darauf ? Sie meinen, Frauen sind nichts wert. Noch weniger als Hühner. Unendlich ihre Menge. Halten sie wie Tiere. Huren mit ihnen und schmeissen sie weg.“

Dann völlig unerwarted richtete sich Turiya erneut auf, nahm eine gerade und formale Haltung ein: „Ich muß euch fragen. Seht ihr in mich eine Bedrohung für euer Vorhaben. Für euer Leben eine Gefahr ?“

Sie schaute Nawatu tief bohrend auf eine klare Antwort wartend in die Augen. Beide schwammen in ihren Blicken und Gedanken wie in einem reissenden Fluss ihrer Seelen. Nawatu sprang auf, umschloss Turiya heftig mit ihren kurzen Armen und drückte sie mit einem Ruck ganz fest an sich heran.

„Wir halten zusammen, deine heilige Milch, du gehört jetzt zu uns,“ flüsterte Nawatu. „Bis in den Tod oder unseren Untergang.“

Turiya atmete tief durch, es war ausgesprochen. Sie kraulte kräftig Nawatus Haar und Ihr Blick schweifte wie verloren, aber voller neuer Hoffnung über die Zukunft auf das glitzernde Wasser des Sees. Nawatus Kopf lehnte an Turiyas Busen wie in einem großen weichen Kissen, genoss ihre Wärme und ihren Herzschlag. Sie waren beide vereint und Nawatu hielt ihr Glück so fest, als wolle sie es niemals hergeben.



Beide fühlten den gleichen Gedanken, den des eiligen Aufbruchs, wie aus den Träumen gerissen.

Nawatu rief "Oh, bei Mitra, die Zeit läuft uns davon!" Es drängte ihnen ins Bewußtsein, dass sie viel Zeit verloren hatten. Wollten sie noch rechtzeitig am Abend zurück sein, mußten sie diese aufholen und sich beeilen. Nawatu versorgte nun geschickt Turiyas Wunde und Prellungen, rieb den Rücken von Turiya dann sehr dick ein. Hastig assen sie noch schnell Hirsebrot und frische Beeren. Beide waren noch völlig nackt und hockten auf einer mit Moos bewachsenen Felsplatte.

„Ich habe schon jüngere Bärenspuren gesehen. Sie mögen doch auch so gerne Beeren.“ sagte Turiya. "Wo ? Ich wittere Tiere normalerweise Meilen gegen den Wind," erwiderte Nawatu verdutzt. "Sie waren alt, aber jüngere mischten sich dazu. Jetzt wo einige Fruchtarten neu spriessen, kommen sie heran, die alten Schleckermäuler. Was ist dann mit den Pferden ? Reissen sie dann nicht aus ?“ „Nein, sie kehren immer zu dem angestammten Platz zurück, zumindest bei Gefahr in dessen Nähe. Wölfe wären sicher gefährlicher für sie, aber ich habe noch keine gehört oder gesehen.“ „Ja, ich auch nicht“ erwiderte Turiya. „Aber der schwarze Hengst hat schon einmal einem Panther böse zugesetzt. Denk daran, es sind Kriegspferde, sie kennen keine Flucht,“ fügte Nawatu hinzu.

Ihre Mienen waren wieder völlig entspannt und sie freuten sich schon auf den Abend am Lagerfeuer. Sie würden ihn geniessen, waren voller Vorfreude. Dann zogen beide ihre Kleidung wieder an. Die Oberkörper liessen sie beide aber frei. Turiya wegen der frischen Einreibung und Nawatu, weil sie es in der Sonne so liebte.

„Lass uns schnell aufbrechen, desto schneller sind wir zurück. Wir treffen uns auf jeden Fall wieder hier oben. Wir warten bis kurz vor Einbrechen der Dämmerung. Sonst gehen wir allein zur Nebelhöhle zurück.“

Bei diesen Worten blickte Nawatu traurig. Turiya schaute wie immer etwas stoisch, doch ihre braunen Augen erwiderten sehnsüchtig Nawatus Blick. Dann packte Turiya Pfeile und Bogen, steckte den Dolch ein. „Wenn es mir gelingt die Bären aufzuspüren, vermutlich muß ich ihm nur lange genug auflauern, dann könnte ich ihn schon bald erlegen. Es wird eine Weile dauern bis wir sie zerlegt haben und in die Höhle geschafft haben. Aber ein Wildschwein oder einen Bock schnappe ich mir heute bestimmt.“

Sie lief dann los, drehte sich am Hang aber noch einmal um und beide winkten einander zu. Nawatu hatte Tränen in den Augen.

Nawatu beendete ihren ersten Sammelrundgang, war mit der Ernte recht zufrieden und machte eine kleine Pause bei den Pferden, sprach mit ihnen und streichelte sie. Sie kannte alle mit Namen. Sie überlegte, wie es Turiya wohl zwischenzeitlich ergangen sein mochte, machte sich ein wenig Sorgen. Für den Fall dass alles schief ging, hatte sie vorgesorgt und ein Rebhuhn erlegt. Sie hob es hoch und schaute es appetitlos an. Merkwürdig, sonst hatte sie sich darauf gefreut, wie auf ein Festessen. Jetzt fühlte sie sich nur einsam und konnte es kaum erwarten, Turiya um sich zu haben. Dabei war sie doch erst Stunden weg. Es war Nachmittag. Zu lange wollte sie Belite nicht allein lassen, weshalb sie rechtzeitig aufbrechen mussten. Sie aß ein wenig von den frischen Kräutern sowie einige Beeren.

Plötzlich vernahm sie hastige knirschende Schritte von unten hinter der Steingrotte auf sie zukommen und drehte sich um, griff zum Speer und geduckt schlich sie woher das Laufgeräusch kam. Nawatu blinzelte durch einen Spalt hinab. Es war Turiya. Sie rannte regelrecht, rutschte sogar in ihrem schnellen Tempo aus, fiel hin und berappelte sich wieder. Nawatu erhob sich aufgeregt und winkte ihr zu. Sie konnte aber schon Angst und Schrecken in der Miene Turiyas sehen. Turiya bog nun um die Ecke, rannte völlig aufgelöst vor Entsetzen mit erhobenen Armen auf Nawatu zu. In ihren großen tränenden Augen sprach panische Furcht. Turiya fiel ihr in die Arme, rutschte knieend auf den Boden und presste ihren Kopf auf den Bauch Nawatus.

„Sie kommen. Sie kommen direkt hierher. Es ist aus. Wir müssen grausam sterben. Sie werden uns lebendig schlachten. Nawatu, ich kann wirklich nichts dafür. Ich wußte nicht, dass sie hierher kommen. Wir haben keine Chance, sie werden uns jagen. Sie töten uns. Wir sind verloren. Sie kommen den Berg hinauf! Sie waren viel stärker als unsere Krieger vom Clan.“ Turiya war außer sich, zitterte am ganzen Leib und hielt fest umschlossen Nawatus Beine. Sie fing an zu heulen.

Nawatu stand fassungs- und regungslos da und ihre Hände hielten Turiyas Hinterkopf. Sie schaute gerade zu einer Felswand. Ihr war klar, dass es nur um genau die Menschenfresser handelte, die Turiyas Familie dahingemetzelt hatten und Turiya deshalb unter Panik stand, sagte dann: „Dann lass uns sehen, es gibt hier noch eine kleinere leichter erreichbare Höhle mit vielen Knochen, was ich dir wegen deiner Erlebnisse nicht sagen wollte. Sie schien lange nicht benutzt. Diese Menschenfresser sind offenbar Nomaden mit festen Rastplätzen. Dorthin gehen sie. Sie wären ohnehin hierher gekommen. Sie werden überall herumstreunen und wir können nichts mehr tun. Vor allem werden sie dann unsere Pferde finden. Auch unseren Hauptlagerplatz in der großen Höhle dürfen wir mit einer Flucht nicht verraten. Das darf nicht passieren. Deshalb bleibt uns keine Wahl, wir müssen sie stellen.“

Turiya erstarrte.

„Wir werden sie am am Eingang zur Höhle stellen. Die Enge des Eingangs müssen wir nutzen und zwar schnell bevor sie sich aufteilen und vor der Höhle Wachen postieren. Wir werden ein oder zwei töten und sie zur Hetzjagd locken. Ich kenne einen Pfad, der vielen von ihnen in ihrer Gier dann den Tod bringt.“

Turiya heulte nicht mehr, war ganz still, aber ihre Tränen liefen noch an ihrer Wange und auf Nawatus Bauch zwischen den Lenden hinab. Nawatu strich ihr durch das blonde Haar und kraulte sie scheinbar ungerührt von der nahenden Gefahr ganz ruhig im Nacken.

"Turiya, du hast den Schmerz noch nicht verwunden. Heute jedoch fällt er von dir ab. Du bist stark und tapfer und wirst von heute an unsere Kriegsamme sein. Dein Mana hat mich gestärkt. Du gibst mir Lebenskraft, Turiya. Wir sind dein neuer Clan. Wir brauchen dich. Mit deinem Mana werden wir sie bezwingen." Turiya blickte auf. Sie spürte, dass der vorherige Schock, die panische Angst und die seelische Zerrüttung vom Massaker an ihrer Familie herrührte. Nawatu wirkte völlig erhaben wie eine sanfte Göttin voll Edelmut auf sie und gab ihr mentale Kraft. Ihre unerträgliche Angst wich von Sekunde zu Sekunde und sie spürte die Wellen, die von Nawatus Herzschlag ausgingen. In den Augen Nawatus flackerte ein gleissend ockergoldfarbendes Licht. Ja, es schien regelrecht zu brennen.

„Wir werden gemeinsam kämpfen." Turiya fasste neuen Mut. Ihr war klar, es war immer besser, im Kampf zu sterben, denn qualvoll geschändet, lebendig geschlachtet oder versklavt zu werden. Ein unheilvolles Feuer schien auf ihre Seele überzuspringen. Sie zog jetzt in die Schlacht.

„Auf Leben und Tod“, sagte Nawatu. „Und nicht wie Vieh, dass man schächtet und die Haut abzieht und sich vorher noch triebhaft daran vergeht. Wir werden schnell und aufrecht sterben ohne Qualen. Und nicht alleine. Jeder von uns ist mindestens so gut wie ein blutrünstiges Schwein von ihnen. Wir sterben gemeinsam oder gar nicht."

Turiya riss sich los. „Wir haben keine Rüstung hier,“ wendete Turiya ernüchtert ein. Bitter und völlig bei Verstand. „Sie auch nicht wirklich, oder ?“ erwiderte Nawatu zynisch. „Nur unsere Waffen. Sie werden sich wundern und sich ärgern, wenn wir tot sind und sie unsere Schönheit sehen und sie uns nicht vergewaltigen oder teuer verkaufen konnten. Allein für diese sauren Gesichter lohnt es sich zu sterben. Wir werden ihnen ihren Tag heftig vermiesen. So sehr, dass sie sich hinterher blutig streiten und über sich gegenseitig herfallen.“ Voller Verachtung lachte Nawatu laut auf. „Trink!“ Nawatu reichte ihr einen Beutel mit Stärkungstrunk. „Wir werden soviele töten wie wir können und deine Familie rächen. Wir reissen soviele mit uns in den Tod.“

Nawatu als die viel Kleinere blickte ernst zu Turiya hoch, wunderte sich noch ein wenig über ihre eigenen Worte, wo sie nicht so recht wusste, woher sie kamen. „Und mit etwas Glück überleben wir sogar !“ Nawatu lachte erneut, diesmal sogar jubelnd, hob ihren Speer dabei.

Der ockerfarbene Schein in den Augen Nawatus brannte nun unentwegt wie ein lodernder Schacht in der Tiefe ihrer Seele. Turiya fragte sich, was hier vor sich ging, aber sie wußte, es gab keinen anderen Ausweg, als den Tod im Kampf. Auf ihn zu warten, hiesse gefangen zu werden, deshalb mußten sie angreifen. Auch ohne Chance auf einen Sieg. Es ging nur noch darum, wie sie sterben wollten. Im Kampf oder als gebrochene Opfer und gequälte Kreaturen.

„Wieviele sind es?“ „Es sind mehr als damals, ungefähr zwanzig. Sie sind stark. Niemand von meinen Brüdern hatte eine echte Chance.“ „ Stark? Sie wissen, wie man von Angst zerfressene Wehrlose tötet, an ihrem Widerstand weiden sie sich, wie auf einer ausgeklügelten Treibjagd und geniessen die anschliessende grausame Folter. Das können sie sehr gut. Aber ob sie wirklich kämpfen können, das wage ich zu bezweifeln. Wenn es keinen Plan gibt oder nur Chaos. Erst dann zeigt sich, wer ein wahrer Krieger ist. Wenn sie nicht wissen, wie man am eigenen Körper stirbt, dann werden sie überrascht sein, wenn es passiert, vor allem, wenn es schon länger nicht mehr mit ihnen geschehen ist“, erwiderte Nawatu nunmehr kalt und unbarmherzig. „Ans Sterben muß man gewöhnt sein, wie ans täglich Brot.“

Es schien immer mehr, als würde die Stimme, die sie erhob vom Geiste eines anderen sein. Tief und finster verborgen in ihrer unergründlichen Seele.

Sie griffen ihre Dolche und sicherten ihren festen Sitz und Turiya befestigte den Halter für Mehrfacheinspannung am Bogen, prüfte noch einmal ihre Pfeile, die nicht für die Tierjagd bestimmt waren, und legte zwei davon in den Doppelhalter ein. „Ich habe dreissig Pfeile nicht mehr. Und fünf Tierpfeile.  Ich kann mit meiner Hand drei Pfeile halten während ich schiesse.“

Dann machten sie sich auf den Weg. Sie rannten dem nahenden und zahlenmässig weit überlegenden Feind entgegen. Währenddessen rief Nawatu Turiya im Laufen zu: „Mit deinen Pfeilen schaffst du zwei bevor sie zurückschiessen können. Eventuell mehr. Meinen Speer verwende ich als Lanze. Den Rest werden wir sehen. Wenn wir also Glück haben, schaffen wir mehr als drei von ihnen. Sie werden stutzen, wenn sie so sind wie du sagst. Das ist dann unsere Chance mehr von ihnen töten zu können. Und da sie das nicht kennen, werden sie ganz anders sein als vorher. Während der anschliesssenden Hetzjagd verlieren sie vielleicht noch ein oder zwei. Diese werden einfach in die Tiefe stürzen. Schaffen wir also mehr als fünf bekommen auch sie Angst. Sie werden sich fragen, ob es so weitergeht. Das ist unsere Chance. Ihre Verwirrung wird unendlich sein.“

Nawatu drehte sich um, grinste gemein und niederträchtig voller Hass und blinzelte ihr zu. „Doch dann wird es gefährlich und keinen anderen Pfad als den des mörderischen Kampfes geben.“ Es schien Nawatu nichts aus zu machen, den sicheren Tod entgegenzustreben. Sie hatte ihn bereits zu sehr am eigenen Leib gespürt und in die Augen geschaut.

„Los, dort vorne.“ Sie konnten sie nun noch weit entfernt sehen und nahmen gemeinsam Deckung hinter einen Felsvorsprung. Nawatu hatte Recht behalten. Die Kannibalen strebten zu Fuß und mit ihren Pferden teils mit leblosen menschlichen Körpern beladen einer kleineren Höhle zu. Doch links und rechts waren jeweils zwei von ihnen ausgeschwärmt als Späher. Noch bevor der Trupp die Höhle erreicht hatte, blieb dieser jedoch stehen. Es hallte mehrmals ein johlender Ruf zu ihnen herüber. Es war einer ihrer Späher. Dann sank er pfeildurchbohrt zu Boden. Sie blickten alle auf, griffen fest zu den Waffen, nahmen noch welche vom Gepäck und liefen ständig Deckung suchend den Hang hinauf. Der andere Späher auf der Seite war bereits am Schiessen, sodass sie sehr genau die Richtung ausmachen konnten.

Es war so schnell gegangen. Einer der Späher hatte sie bemerkt, der zwei junge, schlanke und halbnackte Frauen hinter einem Felsvorsprung hocken sah. Eine dunkelhäutig und kleinwüchsig mit grün gefärbten Haarzöpfen und eine großgewachsene mit weisser, aber gold gebräunter Haut mit blonden kurzgebunden Haaren. Er schlich noch näher auf etwa zwanzig Meter heran. Sie lehnten gerade an einer Wand und tauschten sich aus und er konnte nun all ihre weiblichen Rundungen und Reize vor ihm ausgebreitet sehen.

Was ist das denn ? Er grinste breit. Weiber! Die weisse Frau liess ihn tief schlucken, das Wasser lief ihm im Mund zusammen.

Was ist das denn ? Welch eine Frau, Ihre vollbusigen Brüste und ihre langen Beine und Schenkel. Seine Augen waren wie festgeklebt und er konnte sich an Turiya nicht satt sehen. Er mußte sie haben. Weisse Frauen galten als etwas Besonderes. Diese schien eine Pracht zu sein. Ihre Brustwarzen waren sehr groß und hoben sich erregend von der so hellen Hautfarbe der Brüste ab. Er spürte die Wollust durch seinen Körper jagen bei ihrem Anblick und sein Glied richtete sich auf. Erst würde er sich an ihr austoben und - nach ihm - alle anderen später auch. Er betrachtete ihre Rundungen und Schenkel sehr genau. Sobald sie ausgelaugt sein würde, würde später ihr zartes festes Fleisch in ihn übergehen und ihm Fruchtbarkeit schenken. Es sei denn der Häuptling würde sie für sich beanspruchen oder verkaufen wollen.

Mist, sehr hübsche weisse Frauen wurden fast immer sündhaft teuer verkauft. Und sie war verdammt schön. Egal, ich habe sie entdeckt. Ich bin als erstes dran, dachte er voll triebhafter Inbrunst. Ihre Dolche, die sie krampfhaft umklammerten, würden ihnen nichts nützen. Sie würden wie alle anderen hilflos und zuckend ausgeliefert sein.

Er grinste breit, freute sich auf die triebhaften Vergewaltigungen die ganze Nacht hindurch, rief laut jauchzend seinen Jagdruf aus zu allen anderen. Dabei gab er für einen Augenblick seine Deckung auf, vermutlich weil er sich so weitaus männlich stark überlegen fand und sich schon jetzt übertrieben aufgegeilt hatte. Vor nackten Weibern brauchte niemand Angst zu haben. Er lachte laut. Turiya wendete sich ihm in ihrer erotisierenden Erscheinung genau in diesem Moment in einer blitzschnellen Bewegung mit ihrem aquilonischen Bogen zu. Ihr Gesichtsausdruck wirkte gleichgültig. Sie zwinkerte ihm zu.

Was ist das denn? Und ehe er völlig überrascht reagieren konnte, zischte ihm ein Pfeil entgegen, durchdrang mit einem zerschmetternden Ruck den linken Lungenflügel knapp am Herzen vorbei, ragte weit aus ihm heraus. Der Schlag haute ihn zur Seite und er spuckte keuchend Blut. Liess seinen Pfeil aus der rechten Hand fallen, den Bogen hielt er krampfhaft fest.

Was ist das denn ? war sein erster und letzter Gedanke beim erotischen Anblick Turiyas gewesen. Er kam aus der blockierenden Verwunderung nicht mehr heraus, spürte Krämpfe, befand sich nun im Todeskampf und brach endgültig zusammen.

Der andere Späher erwiderte das Feuer und die Frauen gingen in Deckung. Er traf sie nicht. Aber schoss immer wieder, sodass sie nicht hervorkommen konnten. Er rief erneut zur Gruppe weiter unten, die nun ausschwärmend in einem Halbkreis noch immer weit entfernt aber schon näher heranrückte. Er rief für die Frauen unverständliche Worte in einer fremden Sprache. Teilweise jubelte er.

Die anderen zogen den Halbkreis immer enger. Der rufende Späher wirbelte auf einmal herum und fiel mit einem Pfeil im Hals zu Boden und rollte den Hang hinab. Der Pfeil blieb im Boden stecken und der Körper drehte den Halswirbel aus. So blieb er hängend liegen und aus Mund und Nase quoll Blut, das über seinen bizar bemalten Körper und einer Knochenplatte auf seiner Brust strömte.

Voller Begeisterung sprang Nawatu Turiya um den Hals und küsste sie. „Hey ! Du hast sie beide erledigt, du bist wirklich verdammt gut ! Jedes Wort von dir ist wahr !“ „Die anderen sind nicht mehr weit“, entgegnete Turiya trocken mit ihrer so stoisch teilnahmslos wirkenden Miene, die sie immer in Kämpfen oder bei Gefahr aufsetzte. Nur so konnte sie sich konzentrieren und war in diesem Zustand stets vom Feind gefürchtet.

Sie konnte sich sowieso nicht so recht freuen. „Unser Plan geht nicht mehr auf,“ merkte sie an „Schiess, bevor die anderen es können und wir im Vorteil sind. Mehr brauchst du nicht zu tun, Turiya. Solange wie es irgendwie geht. Jeder Tod ist ein geschenktes Leben."

Turiya beobachtete genau die Bewegung der Herannahenden und suchte sich ihre Ziele bereits planend aus. Dabei war Turiya klar, dass ihr aquilonischer Bogen weiter reichte, als der Bogen eines jeden Bergvolkes hier. Sobald die aber nahe genug heran waren, würde sie nicht mehr zum Schuss kommen. Es waren immer noch zuviele, die sie mit Schüssen nur so eindecken würden. Sie hatten Pfeile ohne Ende. Währenddessen würden andere heranschleichen und den bestmöglichen Angriffspunkt abstimmen. Das Gemetzel würde beginnen. Wenn sie Glück hätten, würden sie die ersten zwei erwischen, dann wäre es um sie geschehen. Dann wären es insgesamt vier. Von über zwanzig !

Turiya blickte nachdenklich auf. Eigentlich keine schlechte Leistung für dumme nackte Weiber. Sie grinste höhnisch und gemein. Nawatu hatte recht, es kam nicht auf das Überleben an, sondern auf den Kampfgeist, um ihnen das tödliche überlegene Vergnügen zu verderben, vielleicht sogar etwas einzuschüchtern. Nur so hatten sie eine Chance. Jeder Gedanke an das Überleben, hinderte sie zu kämpfen. Dieser Gedanke gab ihr Mut und das Selbstvertrauen der Verzweifelten.

„Jetzt“, fauchte Turiya leise. Sie erhob sich aus der Deckung, sodass alle sie sehen konnten. Wie verwundert blieben alle stehen. „Eine Elfe!“ rief einer. "Papalapapp, ein nacktes vollbusiges Weib ! Ihr Waschlappen ! Fangt sie lebendig ! Vorwärts!" schrie ihr Anführer. Zu spät! Sie sahen nur noch, wie Turiya den Bogen in aquilonisch eleganter Weise vorschob während die Sehne den Bogen zusammenzog. Obwohl er flach in Deckung sprang, traf ihn der Pfeil in den Rücken, seine Rückenplatte war nutzlos, leicht schräg von oben knapp unter dem Nacken tief durch den Körper dringend, so als wäre dies auch die Absicht gewesen. Der Körper war steif gelähmt und der Oberkörper gestreckt bewegungsunfähig. Er ruderte noch wild zappelnd mit den Armen. Dann spürte der Menschenfresser noch den Sand und das Gras an seiner Zunge. Knirschend biss er in den Tod.

Die Gruppe kam jetzt zwar noch näher, aber weitaus vorsichtiger und langsamer, überall Deckung suchend.



Turiya wurde jetzt ernst genommen. Wie ein Krieger, wie ein Mann ! Turiya hatte zu ihrer alten tödlichen und gefürchteten Treffsicherheit zurückgefunden. Sie zielte nicht mehr auf die Beute, sondern auf das Opfer. Dann traf jeder Schuss, da sie dann im vorhinein aufgrund der Bewegungshaltung wusste, wohin das Ziel ausweichen würde um mit einem Mana-Pfeil zu sterben. - Turiya, vom Clan der Shamar, Kriegsamme des Manas der tödlichen Transzendenz war wiedererwacht !

„Drei. Das ist Wahnsinn ! Hehehe !" Nawatu jubelte. "Wir schaffen es." „Das wird schwierig. Fast unmöglich. Sie dürften gleich Schussweite haben und sie sind jetzt total vorsichtig. Nutzen jede erdenkliche Deckung aus. Sie werden Netze holen, um uns wie Wild einzufangen, aber bewußtlos und lebendig. Ich versuchs nochmal irgendwie. Ein letztes Mal.“ Wenig später erhob sich Turiya erneut und schoss zweimal kurz nacheinander. Der erste Schuss schien zu verfehlen, war aber ein bewusster Schuss, nur um einen Bewegungsreflex des Opfers auszulösen. Der zweite traf tödlich, schlug von hinten durch den Knochenhelm nachdem er sich zu Boden fallen liess. „Flapp, flapp, wie ein Gecko“, merkte Nawatu an. „Vier,“ ergänzte Turiya kühl.

Dann setzte der erwartete Pfeilhagel ein. Es waren viele, deren Einschläge immer härter wurden. Sie wurden gefährlich von den Einschlagstellen nach innen zurückgeworfen. Turiya versuchte krampfhaft aus der Deckung zu gelangen, um das einsetzende Feuer zu erwidern, aber es ging nicht mehr. „Sie schiessen solange bis sie das Netz spannen können,“ stellte Turiya trocken fest. „Es ist vorbei!“ Sie hockte in sich zusammen und ihre Hände klammerten an den Dolch, dann wendete sie sich um zu Nawatu. Doch Nawatu saß mit ausgestreckten Beinen und dem Rücken an die Felswand gelehnt. Turiyas Augen weiteten sich entsetzlich und ihr wurde unerträglich kalt. Nawatu war wie weggetreten. Tränen schossen hoch. Hatte sie ein Pfeil getroffen ? „Nawatu?“ rief sie. Nawatu blieb regungslos. Nawatus Augen blickten starr und feuergleissend ins Leere. Ihr Körper wie leblos, ledernd und fürchterlich. Ihre Narben platzten auf.

Es prasselten noch immer die Pfeile, die kreuz und quer zum Teil gefährlich splitternd von den Wänden nach innen schmetterten. Turiya wandte sich niedergeschlagen ab, die unentwegt prasselnden Pfeile hinderten sie daran, hörte die Schritte der Herannahenden und das Rasseln der Metallenden des Fangnetzes. Zweimal hatten sie Querschläger bereits getroffen. Aber nicht schlimm. Sie brachte sich rückwärts zur Wand in Verteidigungshaltung. Sie wollte nicht lebendig geschändet und geschlachtet werden, wie ihre Familie. Nein, sie wollte sich bis zuletzt wehren. Einer würde noch mit ihr in den Tod gerissen. Sie drehte sich noch einmal zur Seite zu Nawatu. Ihr stockte der Atem. Nawatu war weg.

Turiya überkam Panik. Wie vorhin bevor es losging. Ihr Hals würgte strangulierend und ihr wurde vor Schrecken und Furcht schwarz vor Augen.

Dann drang ein zunächst schummriger Schein eines schnell anwachsenden Lichtkegels von außerhalb des Felsvorsprunges zu ihr. Pfeile prasselten keine mehr. Keine wilden Schritte mehr zu hören. Es herrschte eine erdrückende Stille. Ihr schien, als wäre es Nacht und das Licht von diesem Kegel breitete sich aus wie ein betäubender Dunst, ein blutroter Nebel. Turiya fasste sich, drückte mit dem Faustrücken an ihre Stirn, murmelte soetwas wie ein Mantra und erhob sich in Richtung des Feuerscheins.

Was sie sah, war Nawatu, nur etwa zwanzig Meter weiter auf einem Felsen, von einer feurig blutroten Lichtsäule eingehüllt und von Dunkelheit umgeben. Es wehte ein staubiger fönartiger Wind. Nawatu hatte sich verändert. Sie wirkte halb menschlich und halb dämonisch. Zwar war sie eindeutig noch als Nawatu zu erkennen, aber das Gesicht hatte reptilisch verzerrte Züge voll aufsteigender Wut und seelischer Entrückung. Auch die Haut wirkte ledernd und glänzend wie die Haut einer Echse oder einer Schlange. Sie hielt mit ihren rechten Arm ihren langen Speer an dem eine zweite Klinge wie eine Sense herausklappte. Ihr Körper war von vielen kleinsten Einschussstellen übersäht. Aus ihnen sickerte Blut. Oder waren es die alten Narben ? Dieses geheimnisvolle Muster, diese seltsame Ornamentik von ihrem alten Narbengeflecht, war darin schemenhaft zu erkennen. Alles an ihr war muskulöser und kräftiger. Sie sah aus wie ein weiblicher Vampir, halb in Menschen- und halb in Echsengestalt. Ihr geschmeidiger Körper streckte sich beschwörend in die Höhe. Dann senkte sie sich in die Hocke mit breit auseinandergespreizten Schenkeln und ihre Scham weitete sich. Aus ihren fürchterlichen Augen brannte ein feurig schwarzes Licht. Alles verschlang sich wie in einem säulenartigen feurigen Wirbel über Nawatu und senkte sich grollend immer tiefer, verfinsterte alles in einem düster kreisenden Sog.

Die vorderen Angreifer standen starr, waren wie verwurzelt, waren bewegungsunfähig. Niemand rührte sich mehr. Sie blickten starr - wie hypnotisiert - in blankem Entsetzen. Die hinteren schossen zwar noch geisterhaft Pfeile auf Nawatu gerichtet, aber sie verfehlten ihr Ziel. Die Pfeile schwirrten im Wind und drifteten ab.

Nawatus Augen loderten gespenstisch mit vulkanischer Energie. Sie stand erneut, ihre Brüste bebten, wuchsen an und beulten sich. Dies geschah auch mit ihrem Bauch. Als presste darin etwas, immer wieder darin stossend, von innen nach aussen. Auf einmal öffneten sich ihre Brustwarzen blutig wie die Knospen fleischfressender Pflanzen. Aus Ihnen züngelten kleine glitschige Würmer, die sich wie Schlangen räkelten. Es wurden mehr und sie wuchsen rasch an und wurden länger. Sie senkte langsam die Arme ausgestreckt in die Waagerechte, ging dabei wieder in die Hocke, ihre Beine klappten breit auseinander und weit öffnete sich ihre Scheide. Eine Schlange kroch räkelnd und blutverschmiert aus ihrem Unterleib, schlängelte an ihren Rundungen hoch, und wand sich um ihren Hals. Es war eine Riesenschlange. Dann richtete Nawatu sich wieder auf und bog stehend ihren Körper nach hinten.

Turiya konnte nicht fassen, was sie sah, stellte aber fest, dass der unheimliche Zauber sie nicht betraf. Keiner der Angreifer beachtete sie. Ein Menschenfressser schien sich aus der Lähmung zu befreien, weil er auf einmal, zwar noch träge, zu neuen befreienden Bewegungen fand. Turiya reagierte reflexartig, wie von einer höheren Kraft angetrieben. Sie spannte blitzschnell ihren Bogen und traf den Menschenfresser, der nun wieder schneller gehen konnte und zu einer großen Wurfaxt griff, schräg in die Brust und er sackte zusammen.

Sie sah das dämonische Anlitz Nawatus in feixende Genugtuung eintauchen, dann blickte Nawatu sie an. Durchbohrend und lähmend wie bei den anderen. Turiya erfasste panisches Entsetzen. Auch ihr Körper war erstarrt, reagierte nicht mehr. Sie sah nur noch das grausige Geschehen ablaufen wie in einem Film ohne sich regen irgendetwas tun zu können.

Niemand war mehr Herr der eigenen Sinne. Zu totaler Handlungsunfähigkeit verdammt. Zwei der Menschenfresser schossen noch. Sie standen weiter ab. Aber auch sie verhielten sich anormal und völlig unfähig sich regelrecht zu bewegen. Wirkten wie Puppen. Ihre Pfeile wirbelten wie Stöcke durch die Luft. Immer wieder von neuen Windböjen hin und her gestossen. Alles war verfinstert, durchtränkt vom pulsierenden Licht der feuerroten Blutsäule, die Nawatu umgab, wie das einer brodelnden Fontäne.

Nawatu zog mit einem Ruck die Arme weit ausstreckt nach hinten und ihre prall mit Schlangen gefüllte Brust hob und wellte sich. Dann rissen ihre Brustspitzen weit auf und aus ihnen schossen die schlangenartigen Würmer wie Bestien, wie blutfeuerrote gleissende Pfeile. Sie drangen in die bewegungslosen Körper ihrer vielen Opfer ein und rissen beissend ihr Fleisch von innen auf. Die Starre fiel von den Körpern und während sie fürchterlich schreiend kreuz und quer losrannten, wurden sie von innen regelrecht zerfetzt, fielen schliesslich irgendwo in Sichtweite verstreut zu Boden. Schaurige Szenen spielten sich ab. Manche zogen an ihren eigenen Gedärmen, rissen sie heraus. Bei anderen schlängelten die Bestien aus Hals und Augen bevor sie in Todeskrämpfen zusammenbrachen.

Turiya war vor Schrecken starr und geschockt, aber ihre Lähmung war plötzlich aufgehoben, sie fasste sich an ihren Bauch, ihre Brust und ihre Arme. Sie wurde verschont. Ihr war es, dass nur für die Zeit, wo die gierigen Bestien ihre Ziele heimsuchten sie der Starre verfallen war. Ihr war klar, es sollte sie schützen. Nachdem sie das Schreckensbild der tödlichen Zerfleischung überwand, blickte sie zur blutüberströmten Nawatu. Nawatu umgab eine grausige Aura eines feurigen Blutdämons. Sie bewegte sich im Blut weidend mit Schwingungen wie bei einem Bauchtanz energetisch aus der Körpermitte heraus. Ihre Füsse und ihr Becken folgten rhytmischen Bewegungen. Ihre Arme drehten sich wellenartig gestreckt und in ihren Händen hielt sie Schlangen. Um ihren Hals, Arme und ihre Brüste wand sich die Riesenschlange aus ihrem Unterleib, die das Blut, dass aus Unterleib und ihren Brüsten lief, gierig leckte. Es war, als würde mit jedem Opfer mehr Blut aus ihren Brüsten strömen, so als würde ein furchtbarer ritueller und brodelnder Blutkreislauf mit ihnen entstanden sein.

Dann – wie ein Blitz – implodierte die blutfeuerrote Lichtsäule und wie in einem schwarzen Loch sog es alle Dunkelheit hinein. Der grausige Zauber des blutigen Wahnsinns war verschwunden. Der Himmel brach auf, zeigte das sonnige Wetter in diesem Teil der Berge wie es immer war. In einer dicken Blutlache, am Fuße des Felsens auf dem sie vorher stand, lag regungslos Nawatu.

In Turiya kämpfte alles. Was sollte sie tun ? War Nawatu eine stygische Hexe? Turiya war verzweifelt, verwirrt und hin und hergerissen. Aber Nawatu hatte die Menschfresser getötet. Nawatu hatte sie nicht nur verschont, sondern auch beschützt. Nawatu ? Ihr Herz schlug laut und pochte hämmernd in ihrer Brust. Auf einmal brach es in Turiya kreischend auf. Nawatu ! Wie überstürzt lief Turiya auf dem stellenweise angekohlten Boden dorthin, wo Nawatu lag. Sie beugte sich über Nawatu, hob leicht den Kopf, fühlte ihre feine dunkelbraune samtig weiche Haut. Nawatu hatte wieder ihr natürliches Aussehen. Die veränderte Gestalt der furchterregenden Verwandlung war vollständig gewichen. Nawatu regte sich nicht, aber war am Leben.

Turiya schaute sich um, sah überall verstreut die verstümmelten und zerfetzt leblosen Fleischreste der Menschenfresser. Ihre Überreste waren dürr und ausgezehrt. Die bestialischen Schlangen waren verschwunden. Waren es wirklich alle ? Sie zählte sie nicht. Es waren etwa zwanzig.

Nawatus Leib war von Blut durchtränkt wie darin gebadet. Die Wangen waren wie geschlitzt aufgerissen. Sie hatte kleinere Platzwunden von einigen Pfeiltreffern an verschiedenen Stellen ihres Körpers, die nur wenig bluteten. Durch eine reptilische Schutzhaut muß sie unverwundbar gewesen sein. Wodurch alles fürchterlich aussah, waren ihre alten Ritznarben vom Schändungsrutual. Sie waren alle aufgeplatzt, bluteten aber seltsamerweise auch nur leicht und zogen sich bereits zusammen wie in einem rasant schnellen Heilungsprozess.

Das okkulte Muster ihrer Narben war jetzt freigelegt und klar zu erkennen und Turiya erinnerte sich, dass sie es auf ihrer langen Reise durch diese fremden Regionen schon einmal gesehen hatte. Es verzierte ein steinerndes Tor zum Eingang einer Gruft. Die Bedeutung aber wußte sie nicht. Auch niemand von ihren Begleitern konnte es ihr erklären oder deuten. Aber wenn es stimmte, was Nawatu erzählt hatte, mußte es jemand wissen, ihr erklären können.

Bestimmt konnte dies Belite.

Nawatu schlief. Voller ausstrahlender Zufriedenheit und mit einem entspannten Lächeln. Wirkte ruhig und scheinbar sanft entrückt. Turiya streichelte ihr Gesicht. Es war sehr warm. Unter ihren geschlossenen zuckenden Augenlidern kreiselten die Pupillen, die Schläfe klopfte rasend schnell. So rasend schnell wie die zurückliegenden blutigen Momente des Schreckens.

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