"Meine Erinnerungen, meine verdammten Erinnerungen,"
fluchte sie während sie sich herumwälzte und hochriss: "Oh, was habe ich schrecklich geträumt. Von meiner Vergangenheit. Wahre schreckliche Erinnerungen, die mich als Albträume heimsuchen. Wie kann das alles nur sein ?" Sie stand nun auf, sehr erregt und
durchgeschwitzt. Zog nichts mehr über, hob nicht einmal die Kleidungsstücke auf, geriet in innere Unruhe und flüsterte vor sich hin: "Bei Mitra, hab obacht und eile geschwind, andernfalls dir eine Seele entrinnt." Sie ergiff
den Speer zum Abstützen, humpelte hastig zur Höhlenöffnung, wurde dann immer schneller und verschwand im Dunkel der Höhle.
Im Innern der Höhle angekommen, sah sie zu Nawatu rüber, wie immer neben Turiya hockend, ein leises Lied summend, ihre kleine Schlange schlängelte um ihren Hals und genoss die Wärme und das leichte vibrieren ihrer Haut durch den Gesang, ringsum eingekreist vom Fackelschein. Turiya wälzte sich im Fieber, schrie manchmal auf und fiel ohnmächtig wieder zusammen. Belite eilte nun direkt zum
Proviantlager, zerwühlte alles. Da war es. Endlich. Sie atmete tief durch. "Wehe, Clementius, wenn das eine tödliche Falle ist, eine deiner üblichen Gemeinheiten, ich hole dich aus dem Reich der Toten zurück und du wirst Qualen erleiden, nicht so leicht davonkommen, dann rotte ich deine Familie aus - jeden - sobald ich aquilonischen Boden unter den Füssen verspüre. Bei Mitra, Clementius, das sind keine leeren Versprechungen. Und ich halte mein Wort."
Das Bündel war tief in
einer Beuteltasche eines Gepäcksackes verstaut, aber als sie alles für ihre Flucht zusammensuchten und hektisch verstauten, fehlte der Überblick. Es galt alles Wichtige überhaupt mitzubekommen. "Verflucht, aber wenn es ein Segen ist, dann sei dein Tod Erlösung. Aber Vergebung, die erhältst du nicht. Niemals !" Belite fluchte
verwünschend immer lauter vor sich hin. " Jetzt weiss ich, warum die Götter bei Mitra so still und
zurückgezogen sind. Sie haben nichts vergessen, sondern sehen mich in der Pflicht. Wenn ich aber vergesse, nicht einlöse, was ich vermag,
so ist es wahrlich kein Wunder. Da kann man ewig beten und flehen. Doch sagt mir, was hat Turiya euch getan ? Sie wusste nicht von alledem ? Bei Mitra, welch verfluchte Welt habt ihr geschaffen !" Nawatu kam von den Flüchen und dem hektischen Verhalten Belites aufgeschreckt zu ihr gerannt. Was war auf einmal mit ihr los ? Sie schaute auf das
angerichtete Chaos, viele Sachen waren weit verstreut, Säcke und Beutel aufgerissen. "Was machst du da ? Bist du des Wahnsinns, drehst du jetzt durch ?" "Sei still sag ich !" zischte Belite sie wütend an. "Bei Mitra, halt einfach mal die Fresse." Schon schien sie wieder besserer Laune, dann hielt Belite das grosse Gebinde mit beiden Armen
hoch. Nawatu guckte sie zerknirscht, beleidgt und widerwillig an. "Bei Mitra, Turiya wird leben!" Belite strahlte plötzlich über beide Wangen hocherfreut wie eine Sonne und stellte das Gebinde vor Nawatus Füsse und legte beide Hände mit ausgestreckten Armen auf Nawatus Schultern. Die ungläubigen Blicke Nawatus besänftigend fuhr sie fort: "Verzeih mir. Los komm." Sie liefen beide zum Lagerfeuer. Belite las aus den beigefügten
Tontäfelchen vor und Nawatu nahm die Schalen und füllte diese mit den
verschiedenen Pulvern und Ölen, verrührte alles mit Öl, Essig und Wasser je nach Anweisung. In der grössten Schale war ein Brei entstanden, in der anderen glich die Masse einem Gelee und die Mischung der dritten Schale blieb ölig klar. "Was ist das für ein Zeug ? Wo kommt es auf einmal her ?" Belite stand unter Anspannung, wendete sich aber Nawatu zu: "Ich habe es vergessen und habe es von einem aquilonischen Arzt der es aus dem fernen Osten erhielt. Es war das Letzte was er gab." Nawatu konnte an der Meine Belites genau ablesen was geschehen war. "Du hast einen Arzt getötet ?" Belite konzentrierte sich wieder auf die Heilmittelzubreitung. "Leben nehmen, heisst Leben geben." Nawatu spürte, das da jetzt nicht mehr kommen würde und fuhr fort: "Und du meinst, es rettet sie ? Wirklich?" Belite
blickte nun in das traurige Gesicht Nawatus. Nawatu war so tapfer und treuherzig, wie kaum jemand, den sie zuvor getroffen hatte, obwohl die Hoffnung ihren Geist verlassen hatte, hielt ihre Seele an der Hoffnung felsenfest. Belite richtete sich auf. "Wir werden sehen. Es ist klar, eine weitere Chance sehe ich nicht, aber wir werden sie nutzen. Warum ich erst durch bittere Träume darauf kam und diese Möglichkeit die ganze Zeit der Wachheit vor meinen Füssen wie verschüttet lag, das wissen nur die Geister und Götter. Sie stellen uns immer wieder auf die Probe, ja sie spielen mit uns, doch ich sage ihnen, ich bin es langsam leid, dann machen wir es eben umgekehrt." Belite grinste verschmitzt und verwegen. Nawatu blickte glasig, wirkte verloren und ihr Mund war völlig offen. "Hab keine Angst, sie sind wieder nah. Ich spüre es. Die Götter kommen wieder und es ist nicht unser Ende. Und Turiya ist auch nicht am Ende. Und wir auch nicht oder sind wir bereits tot ?" Nawatu schaute sie zweifelnd an. "Na, komm schon, du lebst und wie du lebst, viel stärker als je zuvor, ich habe es mir nie träumen lassen. Denn jede Tat war Liebe und gab Leben, auch vom Tod begleitet. Wie geht es Turiya jetzt ?" "Sie war die ganze Nacht wie sonst auch. Mal liegt
sie rühig und leblos als wäre sie tot, dann stöhnt sie wühlend vom Fieber geplagt wie vom Wahnsinn ergriffen. Ich halte sie dann fest. Dann singe ich und sie beruhigt sich wieder. Es ist alles wie unverändert." "Sie hört dich. Und sie liebt dich, denn dein Summen und dein Gesang erreicht sie, ja erlöst sie von der Pein. Trotz ihrer Krämpfe und des Fiebers. Sie wird gepeinigt von ihren Träumen. Ich kenne
das von meinen schweren Verwundungen. Vieles aus dem tiefsten Inneren bricht
dann auf. Überlebt man es, stellt sich das neue Leben anders dar. Manchmal denke ich, man muß fast tot sein, ja bereits gestorben sein, um das Leben wirklich zu begreifen. Und je häufiger das passiert, desto mehr versteht man davon. Aber desto weniger wird man von den anderen verstanden. Ist das nicht wahnsinnig? Welcher wahre Gott denkt sich sowas aus ? Wir holen Turiya ins Leben zurück und sie wird mächtiger sein - um eine Todeserfahrung reicher. Aber dann ist sie ein Teil von uns. vielmehr noch als vorher, denn den Tod haben wir dann alle in unserem Leben gegrüsst, tragen ihn in unserem Herzen. Sie schlagen im Todestakt, pumpen Blut um es zu geben, halten still um es zu nehmen. Das verbindet uns. Wir müssen gleich beginnen, denn ihre Kraft lässt nach. Aber sie ist wirklich stark, verdammt stark. Sie hat mit keinem Wort gelogen. Deshalb gehört sie auch zu uns. Und die Götter sehen sie und auf uns. Sie werden uns nicht trennen. Sie können uns sie nicht entreissen, denn sie gehört uns." Dann schlug sie mit der Faust auf eine Schale, das sie zersprang. Nawatu betrachtete das ausgeprägte Muskelspiel in Belites Armen. Es war als würde sie ein Schwert im Kampfe halten. Sie hielt es für besser den Mund zu halten und blieb stumm. Nach einer kurzen Pause und einem kräftigen Durchatmen fuhr Belite fort: "Den Brei müssen wir etwas ruhen lassen wie einen Teig. Die Masse werden wir verstreichen, sie wird dann fest und trocken. Dann müssen wir sie beträufeln mit dem Öl. Das Gelee tragen wir vorher auf. Es reinigt ihre Wunde. Die Masse haftet auch sonst nicht. Lass uns alles vorbereiten und zu ihr stellen. Ich werde alles in Licht tauchen wie in einer heiligen Zeremonie. Dann werden wir sehen. Die Wirkung
sollte rasch einsetzen. Halte sie besser fest, denn ich weiss nicht, was passiert." Sie schob die Täfelchen beiseite, bereitete in einem kleinen Gefäss noch eine Tinktur zu, dann verrührte sie mit ihren Fingern den Inhalt in der grossen Schale, sodass sich die Klumpen im Brei auflösten und die Masse weich und träge wurde. Ihre Finger wurden darin heiss, aber ihre Haut war wie von Eis benetzt. Und es
roch nach Minze, so wie in den Todeszelten des Clementius. Ein frostiger
Schauer lief über Belites Rücken. "Oh Wehe ! Bei Mitra! Ich warne dich, fordere mich nicht heraus. Oder ich rufe ich dich aus dem Jenseits zurück, dann folter ich dich ein neues ganzes Leben lang." Sie atmete noch einmal tief durch, doch es war noch
ein anderer seltsamer Duft darin, der anschwellend dann alles überlagerte,
den anfänglichen Minzduft verdrängte, sie beide fast betäubte. "Los, bevor wir beide umfallen." Nawatu rannte nun mit den Schalen mehrmals zum Lager, dort wo Turiya lag und zurück während Belite die bengalischen Fackeln hervorholte und entzündete. Nawatu stellte sie dann an geeigneten Orten in der Höhle auf. Die Höhle war nun in ein magisches Lichtspiel versetzt, blau, rot und grün und gelbes Licht bewegte sich in einem ringenden Farbenmeer und jede Farbe kämpfte um die Übermacht.
Belite richtete sich vor dem Feuer mit der Schale in den Händen auf, streckte sie in die Luft und rief. "Bei Mitra, wenn dies ein Fluch ist, dann verfluche mich, töte mich mit deiner heiligen Flamme! Nimm mich an ihrer Stelle, wenn es dir beliebt ins Reich der Toten. Wenn es aber kein Fluch ist, dann schenke Turiya das Leben. Zu deiner Erbauung, denn eine heilige Kriegerin, die für dich streitet und ihr Mana sovielen Kriegern gab, sag, wo findest du sie jemals wieder ? Bei Mitra, geb sie uns zurück!"
Sie begannen nun Turiyas Körper zu übergiessen, um alte Wundreste und Verschmutzungen zu lösen und wegzuspülen. Turiya wirkte leblos, reagierte nicht. Dann richtete Belite den Oberkörper Turiyas auf. Nawatu spülte ihren schlimmen Rücken, verteilte überall das Gelee und begann auch die übel zugerichteten Brüste
vorsichtig zu besteichen. Sie schauten sich sprachlos an. Doch sie liessen sich nicht beirren. Nawatu rannen bereits wieder die Tränen herunter. Turiya kippte manchmal hin und her, mal senkte sich der Kopf, mal fiel er zur Seite oder leicht in den Nacken. Sie schien völlig weggetreten. Der teigige Brei, den sie schliesslich auch verteilt hatten, klebte wie eine
zähe Masse und verfärbte sich grau und Belite wiederholte den Vorgang, dann
nach einigen Malen der Wiederholung und den Pausen wurde er weiss und gipsig hart. Es war viel Zeit vergangen. Beide schauten sich wortlos an. Sie waren fertig. Und selbst ein wenig verschmiert. Die
Masse legte sich wie ein gipsartiger Mantel um Turiyas geschundene Brüste, den Armen und ihren Oberkörper. Keine Wunde riss auf oder blutete. die letzten Reste verteilten sie, wo sie es konnten. Jetzt benetzte Belite die Lippen Turiyas mit wenigen Tropfen der separaten
Tinktur. Schliesslich auch die Schläfe und den Puls an den Handgelenken. Turiya zuckte, doch bei Bewusstsein schien sie nicht zu sein. Sie legten ihren Oberkörper erst nieder, als die Masse wie ein weisser Mantel verfestigt und wie ein Korsett ausgehärtet war. Das dauerte eine ganze Weile. Dann beträufelte Belite den Oberkörper Turiyas mit der Tinktur. Dampf stieg von diesen Stellen kreisend auf. Mit dem darauffolgenden Ölgemisch wurde dieser abgelöscht. "Dieser Brei wird später hart, wir müssen ihn täglich befeuchten mit reinem Wasser vom Gletschersee am besten," liess Belite noch wissen. Belite richtete Turiyas Kopf nach oben und träufelte erneut einige Tropfen in ihren Mund hinein. Turiya hustete, ihr Kopf fiel leicht zur Seite. Dann begann die weisse Hülle wie schwelend von überall her zu dampfen und diese Dämpfe breiteten sich immer weiter aus, umhüllte sie nun alle wie neblige und schwere Schwaden mit einem beissenden unbeschreiblichen Geruch. Beide wurden träge und ihre Sinne trübten sich. Während Nawatu zunächst im Schneidersitz aushielt und langsam in sich zusammensackte, lehnte Belite sich zurück an einem Stein, doch auch sie wurde wie ohnmächtig von Müdigkeit überwältigt und dämmerte in Träumen versunken dahin.
“Geb sie uns zurück!” Belite riss aus ihren Träumen auf, hörte sich selbst rufen. “Geb sie uns zurück!”
Sie blickte in die glänzenden Augen Nawatus. "Sie schnarcht." "Was?" "Sie schnarcht",Nawatu kicherte und hopste von einem Bein auf das andere, zeigte zu ihr. Dann machte sie sie nach. "Sie schnarcht ?" erwiderte Belite und richtete sich auf. "Ja, sie schläft, wie seit Tagen nicht so ruhig." "Seit wann schläft man ruhig, wenn man schnarcht ? Aber gut, lassen wir das. Das überfordert deinen Verstand." Nun schauten beide gemeinsam zu Turiya hinüber, begutachteten ihr Werk. Turiyas Gesicht war völlig entspannt und sanft, mal abgesehen von den verfärbten dicken Schwellungen. Keine Schweissperlen mehr, keine nervösen Zuckungen. Sie schnarchte laut. Dann strichen beide über den weissen Mantel, der den Oberkörper umschloss und bereits ganz fest war. "Ich glaube, dieser Mantel saugt alles aus ihr heraus - die ganze Entzündung, das ganze Gift und führt dem Körper die Heilstoffe zu, die in seinem Gips enthalten sind. Sieh, hier hat er eklige Flecken, dort wo die schwersten Stellen waren. Und wie er deshalb riecht und das Unheil aus ihrem Körper entweicht." "Sie hat auch kein Fieber, kein Schüttelfrost mehr," fügte Nawatu wie übereifrig hinzu, küsste Belite auf die Schläfe. "Es hat wirkt. Du hast sie gerettet." "Aber, Nawatu, das wissen wir doch noch gar nicht." "Doch, ich weiss es." "Und wie sie schnarcht, wie ein Krokodil." Belite hielt es nun auch nicht mehr, mochte nicht drüber nachdenken, ob Krokodile schnarchen konnten. "Nawatu, sie lebt, weil du nicht aufgegeben hast. Was ich tat, war erst durch dich möglich, sonst hätte ich gar keine Zeit gehabt darauf noch zu kommen." Sie freute sich jetzt auch, schob ihren Verstand beiseite und beide lachten ausgelassen wie erlöst, erst leicht, dann sich steigernd, so als würde ein schwerer Kampf beendet sein, fielen sich schliesslich überglücklich in die Arme.
"Am Ziele deiner Wünsche wirst du jedenfalls eines vermissen: dein Wandern zum Ziel."
"Am Ziele deiner Wünsche wirst du jedenfalls eines vermissen: dein Wandern zum Ziel." - Marie von Ebner-Eschenbach
Molon Labe versteht sich als privates Story- und Fansite-Projekt des von dem fantastischen Erzählwerk Robert E. Howards inspirierten Massive Multiplayer Onlinegame Age of Conan.
Vor allem ist es ein Schreibprojekt von Geschichten rund um die gespielten Charaktere, angeregt durch das Spielgeschehen Hyborias in Age of Conan wirkt es schliesslich in einer eigenen fantastischen Welt vorantiker archaischer Zeit - ganz im Stile von Sword, Sex and Sorcery.
Sämtliche Veröffentlichungen sind Entwürfe oder Manuskripte, also unfertig. Es geht dabei nicht um literarische Meisterschaft, sondern um das einfache Erzählen mithilfe des Schreibens.
"Aus den Trümmern unserer Verzweiflung bauen wir unseren Charakter." - Ralph Waldo Emerson
Seiten
Belite, die Eroberin - Hohe Dienerin Mitras
Hier entstehen die Geschichten um Belite, eine sagenhafte Gestalt uralter Legenden grauer Vorzeit.
Eine Kriegsamazone, selbstsicher und unabhängig, die einzige weibliche Primus Centurio des Blutordens der Mitraner in einer brutalen männlichen Welt der Gier nach Macht durch Unterdrückung und Unterwerfung.
Belite ist gütig und liebevoll, tugendhaft und aufrichtig. Freiheit und Gerechtigkeit gehen ihr über alles.
Belite betet Mitra an, die ihr schliesslich auf fernen Reisen in einer Vollmondnacht erscheint, ihr das wahre weibliche Anlitz der Naturgöttin zeigt und sie zu ihrer Erleuchteten im ewigen Krieg gegen die dunklen Mächte der Unterwerfung und Zerstörung macht.
Einsam, aber nicht allein tritt sie für die Schwachen, Armen und Wehrlosen ein, wird aber von diesen als unheimliche Bedrohung angesehen, denn dort, wo sie Magie und Schwert hinführen, gerät die alte Ordnung aus Betrug und Falschheit aus den Fugen.
So wird aus ihr eine einsame Abenteurerin im Zwiespalt mit der Welt und im Ringen mit den beherrschenden Mächten. Deshalb erscheint sie verflucht, verfolgt, ist ihrer Bestimmung und ihrem Schicksal ergeben.
Belite ist die Keimzelle für eine kleine eingeschworene Gemeinschaft voller Sehnsucht und Hingabe, junge und eigensinnige Gefährtinnen, die ihr in freiem Willen ergeben sind und gemeinsam mit ihr traumhafte Momente der Glückseeligkeit und tiefgrausamen Qual erleben sowie in wundersamer Weise todesmutig für das Gute eintreten - bis zum Untergang.
Es gibt kein Entrinnen oder Erbarmen. Unerbittlich gibt es nur eine Entscheidung: Gut oder Böse - Leben oder Tod !
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Freitag, 4. Januar 2013
Freitag, 16. März 2012
Belite VII: "Ringen um Leben "
Es waren seit Turiyas Befreiung mehr als eine Woche vergangen und ihr Zustand hatte sich entgegen aller Bemühungen und Behandlungserfolge zunehmend verschlechtert. Nawatu war allmählich am Rande ihrer Kräfte angelangt, hatte sich sehr verausgabt. Nicht nur mit der Pfege Turiyas, sondern auch die intensive Heilbehandlung Belites Wochen zuvor steckte ihr noch in den Knochen. Nawatu fieberte mit jedem Heilbehandlungsschritt regelrecht mit, was sie seelisch sehr belastete. Belite stand ihr sehr nah, so nah wie eine Mutter, aber bei Turiya kam die Liebe ins Spiel, sodass ihr jede Kleinigkeit sehr zusetzte.
Belite selbst machte allerdings grosse Fortschritte. Sie konnte gehen, wenn auch nur humpeln, aber sie zwang sich, jeden Tag etwas mehr zu laufen. Auch ihre tiefe Fleischverletzung hinter der rechten Brustseite war auf einem guten Weg. Die Wunde zog zwar unheimlich bei jeder Dehnung und der stechende Schmerz verkrampfte bei bestimmten Bewegungen die Muskeln um den Lungenflügel. Ihr blieb dann regelrecht die Luft weg, dann wurde ihr schwindelig und es blieb ihr nichts anderes übrig, als sich zu setzen. Aber sie arbeitete dagegen an, konnte den Arm bereits kreisend bewegen, nur schwer heben durfte sie auf keinen Fall. Erleichtert stellte sie fest, dass ihre Muskeln aktiv waren, zwar schwach, dennoch, sie war sich nun gewiss, ihre alte Stärke zurückzugewinnen. Jede Überreizung war Gift und konnte sie um Tage zurückwerfen. Das mußte sie auf jeden Fall vermeiden, denn sie wollte Nawatu unbedingt zur Seite stehen. Nawatu hatte soviel geleistet. Auch in ihrem Fall, dafür war sie dankbar. Sie gab Nawatu wichtige Vorgaben für die richtigen Rezepturen und Heilmethoden und half Nawatu bei leichten Tätigkeiten, vor allem beim Zubereiten der Medizin und dem gemeinsamen Essen. Aber ohne Nawatu ging bei ihr noch gar nichts richtig, dafür war sie einfach noch zu schwach. Und Kochen war nicht gerade ihre Leidenschaft. So fühlte sie sich eher wie eine erbärmliche Küchenhilfe und das gefiel ihr gar nicht, auch wenn sie die Rezeptur für die Heilmedizin vorgab. Nawatu hingegen war im Kochen eine kleine Zauberfee. Sie brauchte nicht viele Zutaten. Selbst aus einfachen Wurzeln konnte sie ein leckeres Mahl bereiten. Dies kam ihnen allen zugute, allerdings nahm Turiya immer weniger feste Nahrung an.
Belite hatte schon mehrmals versucht auf sie einzuwirken, endlich einmal auszuruhen, wenn sie auch noch umfiele, seien sie alle ernsthaft in Gefahr. Und in ihrer jetzigen Verfassung könne leicht ein Fehler unterlaufen. Dann sei es mit Turiya unter Umständen geschehen. Doch Nawatu blieb unermüdlich, liess sich nicht davon abbringen, sich weiter zu verausgaben. Sie konnte Nawatu nur zu gut verstehen. Es war nicht an der Zeit ihre Autorität auszuspielen. Die Angst um ihre so geliebte Turiya trieb Nawatu ohne Unterlass an. Turiyas Zustand schien sich im Laufe der Zeit immer ungünstiger zu entwickeln, obwohl es grosse Heilerfolge gab. Sie hatte Fieber, hechelte unter Anfällen von Atemnot, schrie häufig im Wahn und konnte wegen der schlimmen Rückenverletzungen sehr schlecht, fast gar nicht schlafen - selbst unter Betäubung. Die Rückenprügel hatten alle alten Verletzungen vom Sturz wieder aufgerissen. Nawatu hatte ein weiches Blätterbett für die Rückenlage geflochten, denn auf der Brust konnte sie nicht liegen. Es half wenig, nur gelegentlich fand Turiya auf der Seite liegend Ruhe. Ansprechbar war sie jedoch kaum. Sie lächelte dann, wie aus einer anderen Welt Nawatu zu, ergriff immer ihre kleine Hand, streichelte sie in der Handfläche. Sie sah dann aberwitzig aus mit ihrem von den brutalen Schlägen in vielen Farben verquollenen Gesicht. Das linke Auge war noch immer dicht, doch aus Blautönen wurden bräunliche Gelbtöne, die Schwellung nahm leicht ab. Ihr Gesicht war nicht schief heruntergefallen, sodass sie einen Bruch ausschliessen konnten. Sie fragte dann nuschelnd mit ihren verquellten sprödwunden Lippen, die sich blau verfärbt hatten, ob sie alle fort seien, dann ob sie wieder aufgetaucht seien, ob sie wiederkommen könnten ? Verneinten sie dies, versank sie wieder in taumelnden fiebrigen Schlaf. Sie litt sehr unter der albtraumhaften Schändung, mehr als sie es von einer Kriegsamme angenommen hatten. Vermutlich war es die andauernde Todesangst um noch schlimmere Höllenqualen, die ihre Nerven derart einbrechen liessen. Aber die Herzenswärme und das sternengleiche Funkeln ihres glasigen Blickes liess sowohl Nawatu und Belite Tränen in die Augen schiessen. Belite wendete sich dann immer verzweifelt ab. Es war unerträglich, wenn Nawatu danach laut zu heulen begann, mitunter auch fluchte, weil Turiya meist in Dämmerung zurückfiel. Nawatu konnte dann in dieser vom Leid gereizten Fassung völlig ausrasten und mit ihren Verwünschungen in Raserei geraten.
Belite machte sich allmählich ernste Sorgen, was mit Nawatu passieren würde, wenn Turiya sterben oder eine Besserung einer lebenslangen Behinderung glich. Vor allem, wie würde Nintu, ihr zweites Ich reagieren ? Würde sie sich einen neuen Wirt suchen? Nicht auszudenken, was alles geschehen konnte. Und vor allem, warum unternahm Nintu nichts, wo doch Nawatu, wenn auch nur als Medium, ihr doch sicherlich von allen Menschen am nächsten war ? Sie hatte doch Nawatu ausgewählt oder war es eine der vielen rätselhaften göttlichen Prüfungen, die so häufig mit dem blossen und sinnlosen Tod endeten. Oder war Nintu bereits hinfort und auf der Suche nach neuen Geistern ? Das waren die Momente, wo es auch in Belite aufschäumte, wo sie sonst ihren Hengst herbeirief und in die Weite ziellos hinausritt, häufig bis zum Sonnenaufgang, wo die Welt in ein anderes Licht eintauchte und ein neues Anlitz bekam. Jetzt aber frass sie alles in sich hinein.
Die offenen und entzündeten Wunden Turiyas waren eigentlich sehr gut versorgt und die bösartige Eiterung an ihrem Ellenbogen noch von ihrem alten Sturz war mithilfe einer Madenbehandlung gestoppt. Die Maden leisteten ganze Arbeit, fühlten sich in der Wunde wohl. Nawatu und Belite hatten sich darüber riesig gefreut, doch die erhoffte Verbesserung der Gesamtsituation trat nicht ein. Der Rücken mit seinen Abschabungen und tiefen Schrammen und Schlagriefen schien durch die Kräuterbehandlung auch allmählich abzuheilen. Sie legten Turiya dann gemeinsam ganz vorsichtig auf die Seite oder richteten sie behutsam auf. Dann verteilten sie die Würmer auf ihrem Rücken. Schon nach kurzer Zeit hinterliessen sie überall ihr Sekret, weshalb der wunde Rücken dann immer glasig wie in einem Gelee glänzte. Wie das mit den Würmern und Maden funktionierte, hatte Belite Nawatu gezeigt, auch wo sie sie finden würde. “Bei dir gings auch ohne,” sagte Nawatu, zwinkerte ihr zu und umarmte sie.“Nun, ich war auch nicht am verfaulen,” erwiderte Belite darauf. Das war ihr bloss gedankenlos ausgerutscht, doch Nawatu wich erschrocken und erbost zurück. Ihre Augen waren voll strafenden Entsetzens. Belite fügte schnell hinzu: “Ich mein das nicht so, wirklich. Komm, verzeih mir bitte." Nawatu schaute noch immer grimmig, renkte sich dann wieder ein. Und Belite atmete auf, machte sich an die Anmischung der Medizin. Die aufgeplatzten Kneifstellen an den Schenkeln und Armen sowie die Fesselquetschungen waren ebenfalls rückläufig, auch die vielen bunten Blutergüsse am ganzen Körper. Und die Ohrstümpfe nahmen auch einen guten Verlauf. Selbst die Unterleibsverletzung infolge der Überdehnung stellte sich als nicht so gefährlich heraus. Belite hatte sie mehrmals innen an den Scheidenwänden vorsichtig abgetastet. Sie spülten ihre Geschlechtsteil mit einer besonders zubereiteten Heillösung. Die inneren Widerstandskräfte Turiyas waren stark. Ihr Körper schien alle Kräfte zu mobilisieren und über grosse Reserven zu verfügen, gab sich nicht geschlagen, setzte sich mithilfe der heilenden Kräfte aus der Natur in fast allen Bereichen durch.
Hingegen ihre Brüste heilten gar nicht. Es war, als würde Stillstand herrschen. Schlimmer noch. Als würden sich alle Entzündungsherde in den Brüsten aufstauen und versammeln. Sie waren die Ursache für den sich immer mehr zuspitzenden Zustand. Ihr ganzer Oberkörper schien unter Druck und Schauplatz eines unsäglichen Abwehrkampfes zu sein. Die Menschenfresser hatten sie zulange beim brutalen Spritzmelken stranguliert. Sie hatten sie, nachdem der Häuptling aufgebrochen war, noch einmal brutal gemolken. Und da Turiyas Ammenbrüste ziemlich entleert waren und kaum noch Milch gaben, pressten sie sie, quetschten sie mit ihren Händen aus. Vermutlich war den Menschenfressern die Kontrolle vor überschäumender Geilheit entglitten, denn wer sollte eine Amme mit geschundenen Brüsten noch kaufen ? Die ermahnenden Worte ihres Häuptlings hatten sie in ihrer überbordenen Erregung völlig verdrängt. Auch lag es an der für sie exotischen Erscheinung Turiyas, ihre weisse goldene Haut, ihre Blondheit, ihr überragender athletischer Körper, ihre ausgedehnten vollen Brüste und an den Blättern, die sie gekaut hatten und sie in einen Rauschzustand versetzten. Dann nahmen sie sie einer nach dem anderen noch einmal, aber nur von vorne. Als Turiya schliesslich würgen und erbrechen mußte, störte es sie wenig. Sie lachten amüsiert. Sie flössten ihr, als nur noch Schleim kam, einen Trunk ein und machten dann belustigt weiter. Turiya brauchte nichts tun, befand sich in einer verstörenden Bewusstseinstrübung. Sie schaukelten sie in den Seilen vor und zurück, hielten ihren Kopf an den Haaren fest dabei. Als sie fertig waren, stopften sie ihr den alten sandigen Knebel vom Boden in den Mund. Einer gab ihr noch einen Stoss, so dass sie sich am Seil hängend um die eigene Achse drehte und dann wieder zurück. So liessen sie sie in den Seilen hilflos hin und her baumeln. Ihre Lippen waren dick angeschwollen, auch von Schlägen zwischendurch. Turiya war verstummt, war gebrochen und schwindelig weggetreten bis die Schmerzen am ganzen Körper sie überwältigten, ihr Wimmern erstickte in der Knebelung. Dann wurde es in der Höhle ruhig. Sie waren erschöpft, berauscht und mit sich zufrieden. Sie ahnten nichts davon, dass Nawatu bereits in der Röhre durch eine Mischung aus Staub und Kot kroch. Bald sollte diese Ruhe in eine endgültige Stille umschlagen und ihrem schrecklichen Dasein ein stummes Ende bereiten.
Turiyas Brüste waren infolge der Marter steif aufgebläht und blauviolett verfärbt. Die Adern, die ihre Busen einmal fein marmoriert zierten, waren schwülstig und hart verkrampft. Ihre Brüste waren durchzogen von rötlichen Blutgerinseln, sodass an einigen Stellen die Haut platzte und Risse zog. Jede noch so kleine Berührung löste bei Turiya zittrige wälzende Krämpfe aus. Ihre Brustwarzen waren blutig verkrustet, angeschwollen und brannten rot. Die blutigen Striemen und Schürfungen an ihrem Busen durch die scheuernden Stricke blieben offen. Ihr Zustand war einfach schrecklich, schien aussichtslos. Nawatu und Belite taten zwar alles, was ihnen an Heilkünsten bekannt und möglich war. Doch ihre Reserven für die Behandlung der blutigen Quetschungen und schweren Blutergüsse ihrer grossen Brüste waren langsam aufgebraucht. Stundenlang war Nawatu täglich unterwegs um frische Heilkräuter und Wurzeln zu finden, die nur noch immer weiter entfernt aufzuspüren waren. Wenn überhaupt. Auch schien es, dass die Heilmittel nicht richtig anschlugen, egal welche sie wählten.
Belite befürchete eine sich anbahnende Blutvergiftung, dachte bereits über eine Brustentfernung nach. Doch dieser Gedanke war einfach schrecklich, denn Turiya würde daran seelisch zugrundegehen, eben weil sie nicht irgendeine Amme war, sondern eine Kriegsamme. Eine Brustentfernung war deshalb wie ein Todesurteil. Selbst Nawatu würde beim tatsächlichen Erwägen dieser Möglichkeit zur Rettung Turiyas den Verstand verlieren, auch wenn es das Leben Turiyas retten sollte. Belite fragte sich, wie lange der Körper Turiyas dies noch durchmachen könnte. Das Einzige, was sie wirklich von dieser Möglichkeit abhielt war, dass Stillstand herrschte. Ein gefährlicher Stillstand zwar, aber es war ein Stillstand. Kein Untergang. Denn wie Brüste oder überhaupt Fleisch aussah, das nicht mehr zu retten war, also unterging, wusste sie nur zu gut. Normalerweise starb Fleisch dann ab, man konnte es sehen, fing an zu faulen, schwemmte aus und begann zu stinken. Um eine Blutvergiftung zu vermeiden, entfernte man die eingefallenen Stellen oder brannte sie aus, möglichst bei ersten Anzeichen, was hier eher letztes Mittel war. Es war eine fiebrige Entzündung im Innern in Gange und das Gewebe ihrer Brüste war trotz aller schlimmen Entzündungsherde noch sehr lebendig. Man konnte sie nicht einfach entfernen. Dies war zum jetzigen Zeitpunkt noch verfrüht. Turiya stand genau auf der Kippe. Und genau das war schlimm, denn in solchen Fällen konnte eine Entzündung in wenigen Stunden sich völlig ausbreiten und über den Körper herfallen. Dann wäre es das Aus. So schien denn alles ausweglos und es blieb ihnen nur übrig abzuwarten ?
Belite versuchte mit Nawatu darüber zu reden, obwohl es klar war, dass sie nicht mehr viel Zeit hatten. Es war unmöglich. “Ja ?” stiess es angewidert aus Nawatu heraus, "die letzte Möglichkeit?" Belite senkte resignierend den Kopf, wusste was nun folgen würde. Ein hysterischer Ausbruch. Nawatu zog die Worte mit ihrer in ungeahnte Höhen verzerrte Stimme kreischend in die Länge: ”Ja, genau, welch grandiose Idee !” Dann ging es weiter."Schneiden wir ihr doch einfach die Brüste ab !" Polterte nun dumpf, "Sie sind doch viel zu gross und werden faulig!” Jetzt fing Nawatu an zu zischen, war nicht mehr zu halten. “Zerstückeln wir sie!” Belite liess sie schreien. Es war die reine Verzweiflung, die aus Nawatu herausbrach. “Ja genau, ich wollte doch deinen Fuss auch noch abhacken !” ging es munter weiter. “Ich bin vom Wahnsinn getrieben, warum hab ich das nicht getan ? Oh, nein, das habe ich ja ganz vergessen !” “Hör auf, Nawatu!” rief Belite. “Zack, zack, zack !” ereiferte sich Nawatu, dann lief sie zur Stelle, wo die ganzen Waffen lagerten, suchte nach einer Axt und riss sie mit einem Sprung in die Höhe. Sie sah dabeivöllig irrwitzig aus, da die Axt grösser war als sie selbst und man sich fragen mußte, wie sie überhaupt mit ihrem schmächtigen Körper so in die Höhe schleudern konnte. “Arme, Beine, einfach alles, wir müssen sie zerfetzen !” Das folgende sirenenartig jaulende "Ja genau !" hatte fast ihr Trommelfell zerschnitten und Belite schrie jetzt auch alle aufgestaute Wut aus sich heraus, tief und grell und entsetzlich, sodass es bis in die letzten Winkel der Höhle hallte und sich in einem Echo fortpflanzte bis in die dunkelsten Gänge der Tiefe. “Hör endlich damit auf!” Beide waren starr und stumm. Belite stand da, hielt sich am Speer fest, hustete, spuckte und fühlte sich verloren. Dann schaute sie zu Nawatu rüber. Sie hatte Angst. "Ja, ich kann auch schreien. Guck nur, wenn die Bestien kommen, muß du allein mit deiner Nintu mit ihnen fertig werden. Ich bin noch zu schwach. Aber wenn sie Nintu sehen, werden sie die Bullrogs rufen, dann bricht hier ein Inferno los. Das wird den ganzen Berg dann sprengen. Flehe um Gnade, dass das nicht passiert." Belite zeigte in den Höhlengang, der hinunter in die Dunkelheit führte. "Das haben wir nun davon. Von deinen Wutanfällen. glaubst du denn etwa, dass ich nie die Beherrschung verlier?" Beide blickten immer wieder zum dunklen Gang, standen eine ganze schier unendlich wirkende Weile still und lauschten, aber es rührte sich nichts. Sie waren mit den Nerven am Ende. Sie redeten nach diesem Vorfall eine ganze Zeit nicht mehr miteinander.
Nawatus Kräfte liessen seit diesem Vorfall rapide nach, sie fing immer häufiger voller Trostlosigkeit um Turiyas Zustand an zu weinen. Belite behielt jedoch ihren klaren Verstand und sie hatte sogar den Eindruck, je stärker Turiya von den Qualen der tiefen Verwundung und Schändung, den Geistern des Bösen heimgesucht und geplagt wurde, desto stärker wurden sie beide es auch selbst. Nawatu wurde immer schwächer. Ihre seelische Verbundenheit zu Turiya drückte sie nieder. Schmerz und Elend teilten sie. Sie war mit Turiya eins. Das schwächte sie nun, wo sie doch die Einzige war, die trotz ihrer Kämpfe weitgehend bis auf wenige harmlose Schrammen und Schürfwunden unversehrt geblieben war. Die aufgebrochenen Stellen der Verwandlung waren wie durch Zauberhand völlig abgeheilt. Belite hingegen spürte wie ihre alte mentale Stärke und ihre Reflexe wiederkehrten. Körper und Fleisch ? Was waren sie ohne Seele und ohne Verstand ?
Nawatu wich, wenn sie nicht mit Besorgungen und anderen Arbeiten beschäftigt war, nicht von Turiyas Seite. Belite trat häufig dazu. Nawatu hatte schliesslich aus Ästen, Zweigen und Blättern ein besonders weiches und federndes Lager gebettet und dies mit mühsam aufgelesenen Blüten durchstäubt. Schliesslich stellte Belite rund um das Lager Fackeln auf. Sie wollte alle bösen Einflüsse mit Rauch und Feuer von ihr fern halten. Belite beschwor Mitra und die Geister mit schamanischen Gesängen, umgab Turiya mit geheimnisvollen Dämpfen aus alter Überlieferung. Doch es rührte sich nichts. Die Götter gaben keine Zeichen. Es bewegte sich nichts. Nintu schien verschwunden und auch von Mitra war nichts zu spüren. Die Götter wollten, dass sie allein das Ringen um Leben entschieden. Doch Turiya wurde immer schwächer. Turiya verweigerte schliesslich die Nahrung ganz und nur manchmal liess sie sich von Nawatu noch etwas Heiltrank und Betäubungsmittel einflössen. Manchmal mußte Belite Nawatus immerwährende Eifrigkeit bremsen. Nawatu konnte irgendwie nicht verstehen, dass Turiyas Brüste auch abrupt auskühlen konnten. Sie verstand nicht, dass darunter Herz und Lunge lagen. Sie wusste nicht einmal wirklich, was das ist. Dauerhafte Kühlung zum Abschwellen mit dem von ihr immer wieder strapaziös herbeigeschafften Eiswasser konnte ihren Tod herbeiführen und vor allem das Gewebe absterben lassen. Belites kurze Jahre in den Kriegslazaretten der Grenzgebiete Aquiloniens hatten ihr so vieles gelehrt. Das hatte sie den eher mystischen Schamanen voraus, die stets ihre Vorbilder der Heilkunst blieben, aber solange sie noch nie in blutigen Fleischbergen gestanden hatten, konnte sie über sie andererseits nur müde lächeln. Sie hatte hunderte Verwundete versorgt, sogar selbst Operationen und Amputationen durchgeführt. Gut ausgebildete aquilonische Ärzte zeugten damals ihrer Arbeit unter den erbärmlichen Lazarettbedingungen tiefsten Respekt. Doch am höchsten war die Freude der Krieger ihren Stolz, ihre Ehre und ihre Lebenskraft zurückgewonnen zu haben. Manche von ihnen hatten Familie, sahen sie dennoch nie wieder und andere kehrten zu ihnen zurück.
Plötzlich, wie ein Schatten, riss Nawatu sie aus ihren verzerrenden Gedanken, baute sich vor ihr auf, hielt einen Dolch vor ihre eigene Kehle, den Griff zu Belite gerichtet. "Los, töte mich." Sie zitterte am ganzen Leib. Ihr Blick war verstört. Belite wandte sich in einer wie vor einem Sprung verlangsamte Bewegung eines Panthers Nawatu zu, dann schoss ihre Hand hoch, stob den Dolch vom Hals weg bis er im Flug klirrend an die Höhlenwand prallte. "Bist du des Wahnsinns? Verflucht ! Wozu habe ich dein verfluchtes Leben gerettet ? Turiya lebt, du dumme Kuh !" Dann klatsche sie Nawatu mit der flachen Hand auf die Backe und Nawatu fiel seitlich zu Boden. "Wach endlich auf! Verdammt!" sie beugte sich über Nawatu hob sie hoch, den Schulterschmerz ignorierte sie, schaltete ihn ab. Ihre Kraft war wieder da und ihre Reflexe auch. Dann schüttelte sie Nawatu wie ein kleines Kind. Sie schrie sie an. "Wach endlich auf ! Komm endlich wieder zu dir. Ohne dich ist Turiya verloren." Nawatu war nur noch Elend, stand am Rande des Zusammenbruchs. Belite umarmte, drückte sie nun fest während beiden die Tränen liefen. "Du hast keine Schuld. Turiya wird es schaffen. Ich finde einen Weg. Ihr werdet euch lieben, mehr als je zuvor." Dann stellte Belite sie wieder vor sich hin. "Sag mal, wo ist Nintu ? Die lässt uns hier im Stich. In deinen Augen ist von ihr jedenfalls nichts mehr zu sehen. Oder hast du sie etwa schon aufgefressen ?" Nawatu lächelte nun doch ein bisschen. "Nein !" raunte sie trotzig. Dann rannte sie zum Lager zu den Kisten und Säcken, nahm das kleine Körbchen, kam zurück und öffnete es, hielt die kleine Schlange stolz in die Höhe. "Sie ist nur müde. Es liegt an der Jahreszeit." Nawatu streichelte sie ganz stolz. Die Schlange selbst bewegte sich nur müde und träge, als wollte sie weiterschlafen. "Hm, Schlafende soll man nicht wecken. Aber dann sag ihr mal, das die faule Zeit bald vorüber ist. Die Zeit ist reif zum Häuten." Nawatu war von diesem Augenblick an wieder bei der Sache. Sie wusste nur allzugut, ohne Belite wäre sie schon lange tot und nicht das, was sie jetzt war. Ohne ihren Rat, ihre Erfahrung, ihr Wissen und ihre magischen Künste war alles verloren. Sie alle drei gehörten zusammen.
In dieser Nacht zog sich Belite heimlich aus der Höhle zurück. Sie konnte nicht schlafen. Der Vorfall war auch für sie zuviel. Sie war zwar froh, dass Nawatu sich wieder eingerenkt hatte, aber dass sie keine Lösung für Turiya fand, zermarterte sie, raubte ihr den Schlaf. Denn eines war sicher. Viel Zeit hatten sie nicht. Morgen schon würde sich alles entscheiden. Dieser Gedanke lähmte sie und sie spürte wie sehr Turiya auch in ihrem Herzen einen unumstösslichen Platz gefunden hatte. Doch wer war Turiya, dass sie in ihnen diesen Platz eingenommen hatte, dass sie sich für sie so aufopferten, um sie zu heilen ? Sie nahm aufstützend ihren heiligen Speer, setzte sich vor dem Eingang der Höhle mit dem grandiosen Blick in die Weite. Die Nacht war schwarz, der Mond war noch nicht aufgegangen und so schaute sie in den Sternenhimmel, genoss die frische Luft, atmete tief ein und spürte den Wind in ihrem Haar. Es war ihr einerlei, ob der Häuptling der Menschenfresser, der wahnsinnigerweise daran glaubte, dass allein rohe Stärke und gnadenlose Brutalität ihn zum unumschränkten Führer machten, hier irgendwo draussen lauerte. Die Spuren zur Höhle hatte er sicher zurückverfolgt, doch sein Aberglaube erlaubte es ihm nicht, die verwunschene Höhle zu betreten. Er würde sicher Soldaten seiner miesen Herren rufen, doch auch die müßte man mit der Peitsche hineintreiben. Sie amüsierte sich zynischerweise. Ja, er brauchte eine willenlose Sklavenarmee, dieser erbärmliche Hund, die er antreiben konnte mit miesen Hexengeschrei. Und da er dank Nawatu völlig abgebrannt war, würde das wohl noch eine Zeitlang dauern. Nawatu hatte ihm alles weggenommen, ausser sein mieses Gefolge als Leichen zurückzulassen in seiner Höhle. Sie lachte laut auf bei dem Gedanken. Dieses kleine verrückte Dorfkind. Hielt sich den Kopf, sie fand das zu lustig. Oh ja, er würde toben und fluchen. Sie rechnete fest mit ihm. Aber nicht heute und auch nicht morgen. Sie taxierte, dass er nach einigen Raubüberfällen und Dorfplünderungen in den nächsten Wochen hier mit seinem Gesindel, seiner neuen Truppe aufschlagen würde. Sollte er meinen, sie mit Gewalt zu brechen, so würde er erleben, wie er dabei unterging. Mit ihrem Speer würde sie ihn die Eingeweiden entlang zum Himmel darbieten. Ja, sie würde ihn lebendig häuten. Er hatte es nicht anders verdient. "Gut," und nun stiess sie ihre Verwünschungen laut in die Ferne hinaus, "dann werde ich dich begrüssen und du wirst für alles büssen, was du Turiya, Nawatu und mir, Turiyas Familie und allen anderen an Leid angetan hast. Du bist schon jetzt seelenlos und ich erwarte dich. Dann bist du tot und kannst deine Schmerzen aus deinem Körper schreien. Und zwischen dir und der Sonne liegen Welten und deine eigene Haut versperrt dir die Sicht bis du vertrocknet bist."
Ihre eigenen Wunden beachtete sie kaum noch, da sie nun immer schneller heilten und das ständige Kribbeln und die Wärme an diesen Stellen empfand sie als angenehm, kratzte sich nicht andauernd. Sie löste ihren letzten Verband, auch den Lendenschurz, war nun ganz nackt und kam auf dem Rücken zum Liegen. Sie atmete tief und erleichtert durch, genoss die kühlende Frische der Nacht. Dann tastete sie hinter ihrer Brust leicht an der wunden verkrusteten und geschwollenen Stelle herum. Es sickerte noch etwas, juckte und kribbelte, dann zog es zunehmend tief stechend. Sie mußte sich vorsehen. Sie schaute auf ihren Klumpfuss mit dem festen Wickel und unterdrückte ihren Ärger noch so unbeweglich zu sein. “Na, jedenfalls besser als abgehackt, Nawatu!” Sie verdrehte ihre Augen, schüttelte den Kopf. Bei Mitra, das war nicht geschehen. Dann streckte sie ihre Arme weit aus, sog in sich die klare Mitternachtsluft ein, vernahm die Stille der Berge und versuchte neue Gedanken zu fassen. Sie tauchte ab in Regionen dieser Welt, die für niemanden erreichbar waren. Ihr mitranisches Mal auf ihrer Brust schimmerte im kalten Mondlicht wie ein mächtiges Siegel rabenschwarz. Es war wie die Dunkelheit der Nacht und öffnete ein Portal zum Innern ihrer Seele. Der Mond war aufgegangen und sein blauweisses Licht durchflutete erst ihren Körper, dann erfüllte es ihr Herz und schliesslich erreichte es ihren Geist. Ihr war, als würde sie alles Lebende in sich aufnehmen, das Flüstern der Blättern im Wald, das Zischen der Schlange auf einem Ast, ja selbst das Stimmgewirr einer weit entfernten Stadt drang zu ihr herüber, als ob sie sich schwebend näherte. Dann hob sie ab, es umgab sie das wälzende Wehen der Wolken und sie tauchte schwerelos in die Sternenwelt ein. Sie verschwand in einem Sog, einem mächtigen Strudel, ging unter im Nichts.
Belite selbst machte allerdings grosse Fortschritte. Sie konnte gehen, wenn auch nur humpeln, aber sie zwang sich, jeden Tag etwas mehr zu laufen. Auch ihre tiefe Fleischverletzung hinter der rechten Brustseite war auf einem guten Weg. Die Wunde zog zwar unheimlich bei jeder Dehnung und der stechende Schmerz verkrampfte bei bestimmten Bewegungen die Muskeln um den Lungenflügel. Ihr blieb dann regelrecht die Luft weg, dann wurde ihr schwindelig und es blieb ihr nichts anderes übrig, als sich zu setzen. Aber sie arbeitete dagegen an, konnte den Arm bereits kreisend bewegen, nur schwer heben durfte sie auf keinen Fall. Erleichtert stellte sie fest, dass ihre Muskeln aktiv waren, zwar schwach, dennoch, sie war sich nun gewiss, ihre alte Stärke zurückzugewinnen. Jede Überreizung war Gift und konnte sie um Tage zurückwerfen. Das mußte sie auf jeden Fall vermeiden, denn sie wollte Nawatu unbedingt zur Seite stehen. Nawatu hatte soviel geleistet. Auch in ihrem Fall, dafür war sie dankbar. Sie gab Nawatu wichtige Vorgaben für die richtigen Rezepturen und Heilmethoden und half Nawatu bei leichten Tätigkeiten, vor allem beim Zubereiten der Medizin und dem gemeinsamen Essen. Aber ohne Nawatu ging bei ihr noch gar nichts richtig, dafür war sie einfach noch zu schwach. Und Kochen war nicht gerade ihre Leidenschaft. So fühlte sie sich eher wie eine erbärmliche Küchenhilfe und das gefiel ihr gar nicht, auch wenn sie die Rezeptur für die Heilmedizin vorgab. Nawatu hingegen war im Kochen eine kleine Zauberfee. Sie brauchte nicht viele Zutaten. Selbst aus einfachen Wurzeln konnte sie ein leckeres Mahl bereiten. Dies kam ihnen allen zugute, allerdings nahm Turiya immer weniger feste Nahrung an.
Belite hatte schon mehrmals versucht auf sie einzuwirken, endlich einmal auszuruhen, wenn sie auch noch umfiele, seien sie alle ernsthaft in Gefahr. Und in ihrer jetzigen Verfassung könne leicht ein Fehler unterlaufen. Dann sei es mit Turiya unter Umständen geschehen. Doch Nawatu blieb unermüdlich, liess sich nicht davon abbringen, sich weiter zu verausgaben. Sie konnte Nawatu nur zu gut verstehen. Es war nicht an der Zeit ihre Autorität auszuspielen. Die Angst um ihre so geliebte Turiya trieb Nawatu ohne Unterlass an. Turiyas Zustand schien sich im Laufe der Zeit immer ungünstiger zu entwickeln, obwohl es grosse Heilerfolge gab. Sie hatte Fieber, hechelte unter Anfällen von Atemnot, schrie häufig im Wahn und konnte wegen der schlimmen Rückenverletzungen sehr schlecht, fast gar nicht schlafen - selbst unter Betäubung. Die Rückenprügel hatten alle alten Verletzungen vom Sturz wieder aufgerissen. Nawatu hatte ein weiches Blätterbett für die Rückenlage geflochten, denn auf der Brust konnte sie nicht liegen. Es half wenig, nur gelegentlich fand Turiya auf der Seite liegend Ruhe. Ansprechbar war sie jedoch kaum. Sie lächelte dann, wie aus einer anderen Welt Nawatu zu, ergriff immer ihre kleine Hand, streichelte sie in der Handfläche. Sie sah dann aberwitzig aus mit ihrem von den brutalen Schlägen in vielen Farben verquollenen Gesicht. Das linke Auge war noch immer dicht, doch aus Blautönen wurden bräunliche Gelbtöne, die Schwellung nahm leicht ab. Ihr Gesicht war nicht schief heruntergefallen, sodass sie einen Bruch ausschliessen konnten. Sie fragte dann nuschelnd mit ihren verquellten sprödwunden Lippen, die sich blau verfärbt hatten, ob sie alle fort seien, dann ob sie wieder aufgetaucht seien, ob sie wiederkommen könnten ? Verneinten sie dies, versank sie wieder in taumelnden fiebrigen Schlaf. Sie litt sehr unter der albtraumhaften Schändung, mehr als sie es von einer Kriegsamme angenommen hatten. Vermutlich war es die andauernde Todesangst um noch schlimmere Höllenqualen, die ihre Nerven derart einbrechen liessen. Aber die Herzenswärme und das sternengleiche Funkeln ihres glasigen Blickes liess sowohl Nawatu und Belite Tränen in die Augen schiessen. Belite wendete sich dann immer verzweifelt ab. Es war unerträglich, wenn Nawatu danach laut zu heulen begann, mitunter auch fluchte, weil Turiya meist in Dämmerung zurückfiel. Nawatu konnte dann in dieser vom Leid gereizten Fassung völlig ausrasten und mit ihren Verwünschungen in Raserei geraten.
Belite machte sich allmählich ernste Sorgen, was mit Nawatu passieren würde, wenn Turiya sterben oder eine Besserung einer lebenslangen Behinderung glich. Vor allem, wie würde Nintu, ihr zweites Ich reagieren ? Würde sie sich einen neuen Wirt suchen? Nicht auszudenken, was alles geschehen konnte. Und vor allem, warum unternahm Nintu nichts, wo doch Nawatu, wenn auch nur als Medium, ihr doch sicherlich von allen Menschen am nächsten war ? Sie hatte doch Nawatu ausgewählt oder war es eine der vielen rätselhaften göttlichen Prüfungen, die so häufig mit dem blossen und sinnlosen Tod endeten. Oder war Nintu bereits hinfort und auf der Suche nach neuen Geistern ? Das waren die Momente, wo es auch in Belite aufschäumte, wo sie sonst ihren Hengst herbeirief und in die Weite ziellos hinausritt, häufig bis zum Sonnenaufgang, wo die Welt in ein anderes Licht eintauchte und ein neues Anlitz bekam. Jetzt aber frass sie alles in sich hinein.
Die offenen und entzündeten Wunden Turiyas waren eigentlich sehr gut versorgt und die bösartige Eiterung an ihrem Ellenbogen noch von ihrem alten Sturz war mithilfe einer Madenbehandlung gestoppt. Die Maden leisteten ganze Arbeit, fühlten sich in der Wunde wohl. Nawatu und Belite hatten sich darüber riesig gefreut, doch die erhoffte Verbesserung der Gesamtsituation trat nicht ein. Der Rücken mit seinen Abschabungen und tiefen Schrammen und Schlagriefen schien durch die Kräuterbehandlung auch allmählich abzuheilen. Sie legten Turiya dann gemeinsam ganz vorsichtig auf die Seite oder richteten sie behutsam auf. Dann verteilten sie die Würmer auf ihrem Rücken. Schon nach kurzer Zeit hinterliessen sie überall ihr Sekret, weshalb der wunde Rücken dann immer glasig wie in einem Gelee glänzte. Wie das mit den Würmern und Maden funktionierte, hatte Belite Nawatu gezeigt, auch wo sie sie finden würde. “Bei dir gings auch ohne,” sagte Nawatu, zwinkerte ihr zu und umarmte sie.“Nun, ich war auch nicht am verfaulen,” erwiderte Belite darauf. Das war ihr bloss gedankenlos ausgerutscht, doch Nawatu wich erschrocken und erbost zurück. Ihre Augen waren voll strafenden Entsetzens. Belite fügte schnell hinzu: “Ich mein das nicht so, wirklich. Komm, verzeih mir bitte." Nawatu schaute noch immer grimmig, renkte sich dann wieder ein. Und Belite atmete auf, machte sich an die Anmischung der Medizin. Die aufgeplatzten Kneifstellen an den Schenkeln und Armen sowie die Fesselquetschungen waren ebenfalls rückläufig, auch die vielen bunten Blutergüsse am ganzen Körper. Und die Ohrstümpfe nahmen auch einen guten Verlauf. Selbst die Unterleibsverletzung infolge der Überdehnung stellte sich als nicht so gefährlich heraus. Belite hatte sie mehrmals innen an den Scheidenwänden vorsichtig abgetastet. Sie spülten ihre Geschlechtsteil mit einer besonders zubereiteten Heillösung. Die inneren Widerstandskräfte Turiyas waren stark. Ihr Körper schien alle Kräfte zu mobilisieren und über grosse Reserven zu verfügen, gab sich nicht geschlagen, setzte sich mithilfe der heilenden Kräfte aus der Natur in fast allen Bereichen durch.
Hingegen ihre Brüste heilten gar nicht. Es war, als würde Stillstand herrschen. Schlimmer noch. Als würden sich alle Entzündungsherde in den Brüsten aufstauen und versammeln. Sie waren die Ursache für den sich immer mehr zuspitzenden Zustand. Ihr ganzer Oberkörper schien unter Druck und Schauplatz eines unsäglichen Abwehrkampfes zu sein. Die Menschenfresser hatten sie zulange beim brutalen Spritzmelken stranguliert. Sie hatten sie, nachdem der Häuptling aufgebrochen war, noch einmal brutal gemolken. Und da Turiyas Ammenbrüste ziemlich entleert waren und kaum noch Milch gaben, pressten sie sie, quetschten sie mit ihren Händen aus. Vermutlich war den Menschenfressern die Kontrolle vor überschäumender Geilheit entglitten, denn wer sollte eine Amme mit geschundenen Brüsten noch kaufen ? Die ermahnenden Worte ihres Häuptlings hatten sie in ihrer überbordenen Erregung völlig verdrängt. Auch lag es an der für sie exotischen Erscheinung Turiyas, ihre weisse goldene Haut, ihre Blondheit, ihr überragender athletischer Körper, ihre ausgedehnten vollen Brüste und an den Blättern, die sie gekaut hatten und sie in einen Rauschzustand versetzten. Dann nahmen sie sie einer nach dem anderen noch einmal, aber nur von vorne. Als Turiya schliesslich würgen und erbrechen mußte, störte es sie wenig. Sie lachten amüsiert. Sie flössten ihr, als nur noch Schleim kam, einen Trunk ein und machten dann belustigt weiter. Turiya brauchte nichts tun, befand sich in einer verstörenden Bewusstseinstrübung. Sie schaukelten sie in den Seilen vor und zurück, hielten ihren Kopf an den Haaren fest dabei. Als sie fertig waren, stopften sie ihr den alten sandigen Knebel vom Boden in den Mund. Einer gab ihr noch einen Stoss, so dass sie sich am Seil hängend um die eigene Achse drehte und dann wieder zurück. So liessen sie sie in den Seilen hilflos hin und her baumeln. Ihre Lippen waren dick angeschwollen, auch von Schlägen zwischendurch. Turiya war verstummt, war gebrochen und schwindelig weggetreten bis die Schmerzen am ganzen Körper sie überwältigten, ihr Wimmern erstickte in der Knebelung. Dann wurde es in der Höhle ruhig. Sie waren erschöpft, berauscht und mit sich zufrieden. Sie ahnten nichts davon, dass Nawatu bereits in der Röhre durch eine Mischung aus Staub und Kot kroch. Bald sollte diese Ruhe in eine endgültige Stille umschlagen und ihrem schrecklichen Dasein ein stummes Ende bereiten.
Turiyas Brüste waren infolge der Marter steif aufgebläht und blauviolett verfärbt. Die Adern, die ihre Busen einmal fein marmoriert zierten, waren schwülstig und hart verkrampft. Ihre Brüste waren durchzogen von rötlichen Blutgerinseln, sodass an einigen Stellen die Haut platzte und Risse zog. Jede noch so kleine Berührung löste bei Turiya zittrige wälzende Krämpfe aus. Ihre Brustwarzen waren blutig verkrustet, angeschwollen und brannten rot. Die blutigen Striemen und Schürfungen an ihrem Busen durch die scheuernden Stricke blieben offen. Ihr Zustand war einfach schrecklich, schien aussichtslos. Nawatu und Belite taten zwar alles, was ihnen an Heilkünsten bekannt und möglich war. Doch ihre Reserven für die Behandlung der blutigen Quetschungen und schweren Blutergüsse ihrer grossen Brüste waren langsam aufgebraucht. Stundenlang war Nawatu täglich unterwegs um frische Heilkräuter und Wurzeln zu finden, die nur noch immer weiter entfernt aufzuspüren waren. Wenn überhaupt. Auch schien es, dass die Heilmittel nicht richtig anschlugen, egal welche sie wählten.
Belite befürchete eine sich anbahnende Blutvergiftung, dachte bereits über eine Brustentfernung nach. Doch dieser Gedanke war einfach schrecklich, denn Turiya würde daran seelisch zugrundegehen, eben weil sie nicht irgendeine Amme war, sondern eine Kriegsamme. Eine Brustentfernung war deshalb wie ein Todesurteil. Selbst Nawatu würde beim tatsächlichen Erwägen dieser Möglichkeit zur Rettung Turiyas den Verstand verlieren, auch wenn es das Leben Turiyas retten sollte. Belite fragte sich, wie lange der Körper Turiyas dies noch durchmachen könnte. Das Einzige, was sie wirklich von dieser Möglichkeit abhielt war, dass Stillstand herrschte. Ein gefährlicher Stillstand zwar, aber es war ein Stillstand. Kein Untergang. Denn wie Brüste oder überhaupt Fleisch aussah, das nicht mehr zu retten war, also unterging, wusste sie nur zu gut. Normalerweise starb Fleisch dann ab, man konnte es sehen, fing an zu faulen, schwemmte aus und begann zu stinken. Um eine Blutvergiftung zu vermeiden, entfernte man die eingefallenen Stellen oder brannte sie aus, möglichst bei ersten Anzeichen, was hier eher letztes Mittel war. Es war eine fiebrige Entzündung im Innern in Gange und das Gewebe ihrer Brüste war trotz aller schlimmen Entzündungsherde noch sehr lebendig. Man konnte sie nicht einfach entfernen. Dies war zum jetzigen Zeitpunkt noch verfrüht. Turiya stand genau auf der Kippe. Und genau das war schlimm, denn in solchen Fällen konnte eine Entzündung in wenigen Stunden sich völlig ausbreiten und über den Körper herfallen. Dann wäre es das Aus. So schien denn alles ausweglos und es blieb ihnen nur übrig abzuwarten ?
Belite versuchte mit Nawatu darüber zu reden, obwohl es klar war, dass sie nicht mehr viel Zeit hatten. Es war unmöglich. “Ja ?” stiess es angewidert aus Nawatu heraus, "die letzte Möglichkeit?" Belite senkte resignierend den Kopf, wusste was nun folgen würde. Ein hysterischer Ausbruch. Nawatu zog die Worte mit ihrer in ungeahnte Höhen verzerrte Stimme kreischend in die Länge: ”Ja, genau, welch grandiose Idee !” Dann ging es weiter."Schneiden wir ihr doch einfach die Brüste ab !" Polterte nun dumpf, "Sie sind doch viel zu gross und werden faulig!” Jetzt fing Nawatu an zu zischen, war nicht mehr zu halten. “Zerstückeln wir sie!” Belite liess sie schreien. Es war die reine Verzweiflung, die aus Nawatu herausbrach. “Ja genau, ich wollte doch deinen Fuss auch noch abhacken !” ging es munter weiter. “Ich bin vom Wahnsinn getrieben, warum hab ich das nicht getan ? Oh, nein, das habe ich ja ganz vergessen !” “Hör auf, Nawatu!” rief Belite. “Zack, zack, zack !” ereiferte sich Nawatu, dann lief sie zur Stelle, wo die ganzen Waffen lagerten, suchte nach einer Axt und riss sie mit einem Sprung in die Höhe. Sie sah dabeivöllig irrwitzig aus, da die Axt grösser war als sie selbst und man sich fragen mußte, wie sie überhaupt mit ihrem schmächtigen Körper so in die Höhe schleudern konnte. “Arme, Beine, einfach alles, wir müssen sie zerfetzen !” Das folgende sirenenartig jaulende "Ja genau !" hatte fast ihr Trommelfell zerschnitten und Belite schrie jetzt auch alle aufgestaute Wut aus sich heraus, tief und grell und entsetzlich, sodass es bis in die letzten Winkel der Höhle hallte und sich in einem Echo fortpflanzte bis in die dunkelsten Gänge der Tiefe. “Hör endlich damit auf!” Beide waren starr und stumm. Belite stand da, hielt sich am Speer fest, hustete, spuckte und fühlte sich verloren. Dann schaute sie zu Nawatu rüber. Sie hatte Angst. "Ja, ich kann auch schreien. Guck nur, wenn die Bestien kommen, muß du allein mit deiner Nintu mit ihnen fertig werden. Ich bin noch zu schwach. Aber wenn sie Nintu sehen, werden sie die Bullrogs rufen, dann bricht hier ein Inferno los. Das wird den ganzen Berg dann sprengen. Flehe um Gnade, dass das nicht passiert." Belite zeigte in den Höhlengang, der hinunter in die Dunkelheit führte. "Das haben wir nun davon. Von deinen Wutanfällen. glaubst du denn etwa, dass ich nie die Beherrschung verlier?" Beide blickten immer wieder zum dunklen Gang, standen eine ganze schier unendlich wirkende Weile still und lauschten, aber es rührte sich nichts. Sie waren mit den Nerven am Ende. Sie redeten nach diesem Vorfall eine ganze Zeit nicht mehr miteinander.
Nawatus Kräfte liessen seit diesem Vorfall rapide nach, sie fing immer häufiger voller Trostlosigkeit um Turiyas Zustand an zu weinen. Belite behielt jedoch ihren klaren Verstand und sie hatte sogar den Eindruck, je stärker Turiya von den Qualen der tiefen Verwundung und Schändung, den Geistern des Bösen heimgesucht und geplagt wurde, desto stärker wurden sie beide es auch selbst. Nawatu wurde immer schwächer. Ihre seelische Verbundenheit zu Turiya drückte sie nieder. Schmerz und Elend teilten sie. Sie war mit Turiya eins. Das schwächte sie nun, wo sie doch die Einzige war, die trotz ihrer Kämpfe weitgehend bis auf wenige harmlose Schrammen und Schürfwunden unversehrt geblieben war. Die aufgebrochenen Stellen der Verwandlung waren wie durch Zauberhand völlig abgeheilt. Belite hingegen spürte wie ihre alte mentale Stärke und ihre Reflexe wiederkehrten. Körper und Fleisch ? Was waren sie ohne Seele und ohne Verstand ?
Nawatu wich, wenn sie nicht mit Besorgungen und anderen Arbeiten beschäftigt war, nicht von Turiyas Seite. Belite trat häufig dazu. Nawatu hatte schliesslich aus Ästen, Zweigen und Blättern ein besonders weiches und federndes Lager gebettet und dies mit mühsam aufgelesenen Blüten durchstäubt. Schliesslich stellte Belite rund um das Lager Fackeln auf. Sie wollte alle bösen Einflüsse mit Rauch und Feuer von ihr fern halten. Belite beschwor Mitra und die Geister mit schamanischen Gesängen, umgab Turiya mit geheimnisvollen Dämpfen aus alter Überlieferung. Doch es rührte sich nichts. Die Götter gaben keine Zeichen. Es bewegte sich nichts. Nintu schien verschwunden und auch von Mitra war nichts zu spüren. Die Götter wollten, dass sie allein das Ringen um Leben entschieden. Doch Turiya wurde immer schwächer. Turiya verweigerte schliesslich die Nahrung ganz und nur manchmal liess sie sich von Nawatu noch etwas Heiltrank und Betäubungsmittel einflössen. Manchmal mußte Belite Nawatus immerwährende Eifrigkeit bremsen. Nawatu konnte irgendwie nicht verstehen, dass Turiyas Brüste auch abrupt auskühlen konnten. Sie verstand nicht, dass darunter Herz und Lunge lagen. Sie wusste nicht einmal wirklich, was das ist. Dauerhafte Kühlung zum Abschwellen mit dem von ihr immer wieder strapaziös herbeigeschafften Eiswasser konnte ihren Tod herbeiführen und vor allem das Gewebe absterben lassen. Belites kurze Jahre in den Kriegslazaretten der Grenzgebiete Aquiloniens hatten ihr so vieles gelehrt. Das hatte sie den eher mystischen Schamanen voraus, die stets ihre Vorbilder der Heilkunst blieben, aber solange sie noch nie in blutigen Fleischbergen gestanden hatten, konnte sie über sie andererseits nur müde lächeln. Sie hatte hunderte Verwundete versorgt, sogar selbst Operationen und Amputationen durchgeführt. Gut ausgebildete aquilonische Ärzte zeugten damals ihrer Arbeit unter den erbärmlichen Lazarettbedingungen tiefsten Respekt. Doch am höchsten war die Freude der Krieger ihren Stolz, ihre Ehre und ihre Lebenskraft zurückgewonnen zu haben. Manche von ihnen hatten Familie, sahen sie dennoch nie wieder und andere kehrten zu ihnen zurück.
Plötzlich, wie ein Schatten, riss Nawatu sie aus ihren verzerrenden Gedanken, baute sich vor ihr auf, hielt einen Dolch vor ihre eigene Kehle, den Griff zu Belite gerichtet. "Los, töte mich." Sie zitterte am ganzen Leib. Ihr Blick war verstört. Belite wandte sich in einer wie vor einem Sprung verlangsamte Bewegung eines Panthers Nawatu zu, dann schoss ihre Hand hoch, stob den Dolch vom Hals weg bis er im Flug klirrend an die Höhlenwand prallte. "Bist du des Wahnsinns? Verflucht ! Wozu habe ich dein verfluchtes Leben gerettet ? Turiya lebt, du dumme Kuh !" Dann klatsche sie Nawatu mit der flachen Hand auf die Backe und Nawatu fiel seitlich zu Boden. "Wach endlich auf! Verdammt!" sie beugte sich über Nawatu hob sie hoch, den Schulterschmerz ignorierte sie, schaltete ihn ab. Ihre Kraft war wieder da und ihre Reflexe auch. Dann schüttelte sie Nawatu wie ein kleines Kind. Sie schrie sie an. "Wach endlich auf ! Komm endlich wieder zu dir. Ohne dich ist Turiya verloren." Nawatu war nur noch Elend, stand am Rande des Zusammenbruchs. Belite umarmte, drückte sie nun fest während beiden die Tränen liefen. "Du hast keine Schuld. Turiya wird es schaffen. Ich finde einen Weg. Ihr werdet euch lieben, mehr als je zuvor." Dann stellte Belite sie wieder vor sich hin. "Sag mal, wo ist Nintu ? Die lässt uns hier im Stich. In deinen Augen ist von ihr jedenfalls nichts mehr zu sehen. Oder hast du sie etwa schon aufgefressen ?" Nawatu lächelte nun doch ein bisschen. "Nein !" raunte sie trotzig. Dann rannte sie zum Lager zu den Kisten und Säcken, nahm das kleine Körbchen, kam zurück und öffnete es, hielt die kleine Schlange stolz in die Höhe. "Sie ist nur müde. Es liegt an der Jahreszeit." Nawatu streichelte sie ganz stolz. Die Schlange selbst bewegte sich nur müde und träge, als wollte sie weiterschlafen. "Hm, Schlafende soll man nicht wecken. Aber dann sag ihr mal, das die faule Zeit bald vorüber ist. Die Zeit ist reif zum Häuten." Nawatu war von diesem Augenblick an wieder bei der Sache. Sie wusste nur allzugut, ohne Belite wäre sie schon lange tot und nicht das, was sie jetzt war. Ohne ihren Rat, ihre Erfahrung, ihr Wissen und ihre magischen Künste war alles verloren. Sie alle drei gehörten zusammen.
In dieser Nacht zog sich Belite heimlich aus der Höhle zurück. Sie konnte nicht schlafen. Der Vorfall war auch für sie zuviel. Sie war zwar froh, dass Nawatu sich wieder eingerenkt hatte, aber dass sie keine Lösung für Turiya fand, zermarterte sie, raubte ihr den Schlaf. Denn eines war sicher. Viel Zeit hatten sie nicht. Morgen schon würde sich alles entscheiden. Dieser Gedanke lähmte sie und sie spürte wie sehr Turiya auch in ihrem Herzen einen unumstösslichen Platz gefunden hatte. Doch wer war Turiya, dass sie in ihnen diesen Platz eingenommen hatte, dass sie sich für sie so aufopferten, um sie zu heilen ? Sie nahm aufstützend ihren heiligen Speer, setzte sich vor dem Eingang der Höhle mit dem grandiosen Blick in die Weite. Die Nacht war schwarz, der Mond war noch nicht aufgegangen und so schaute sie in den Sternenhimmel, genoss die frische Luft, atmete tief ein und spürte den Wind in ihrem Haar. Es war ihr einerlei, ob der Häuptling der Menschenfresser, der wahnsinnigerweise daran glaubte, dass allein rohe Stärke und gnadenlose Brutalität ihn zum unumschränkten Führer machten, hier irgendwo draussen lauerte. Die Spuren zur Höhle hatte er sicher zurückverfolgt, doch sein Aberglaube erlaubte es ihm nicht, die verwunschene Höhle zu betreten. Er würde sicher Soldaten seiner miesen Herren rufen, doch auch die müßte man mit der Peitsche hineintreiben. Sie amüsierte sich zynischerweise. Ja, er brauchte eine willenlose Sklavenarmee, dieser erbärmliche Hund, die er antreiben konnte mit miesen Hexengeschrei. Und da er dank Nawatu völlig abgebrannt war, würde das wohl noch eine Zeitlang dauern. Nawatu hatte ihm alles weggenommen, ausser sein mieses Gefolge als Leichen zurückzulassen in seiner Höhle. Sie lachte laut auf bei dem Gedanken. Dieses kleine verrückte Dorfkind. Hielt sich den Kopf, sie fand das zu lustig. Oh ja, er würde toben und fluchen. Sie rechnete fest mit ihm. Aber nicht heute und auch nicht morgen. Sie taxierte, dass er nach einigen Raubüberfällen und Dorfplünderungen in den nächsten Wochen hier mit seinem Gesindel, seiner neuen Truppe aufschlagen würde. Sollte er meinen, sie mit Gewalt zu brechen, so würde er erleben, wie er dabei unterging. Mit ihrem Speer würde sie ihn die Eingeweiden entlang zum Himmel darbieten. Ja, sie würde ihn lebendig häuten. Er hatte es nicht anders verdient. "Gut," und nun stiess sie ihre Verwünschungen laut in die Ferne hinaus, "dann werde ich dich begrüssen und du wirst für alles büssen, was du Turiya, Nawatu und mir, Turiyas Familie und allen anderen an Leid angetan hast. Du bist schon jetzt seelenlos und ich erwarte dich. Dann bist du tot und kannst deine Schmerzen aus deinem Körper schreien. Und zwischen dir und der Sonne liegen Welten und deine eigene Haut versperrt dir die Sicht bis du vertrocknet bist."
Ihre eigenen Wunden beachtete sie kaum noch, da sie nun immer schneller heilten und das ständige Kribbeln und die Wärme an diesen Stellen empfand sie als angenehm, kratzte sich nicht andauernd. Sie löste ihren letzten Verband, auch den Lendenschurz, war nun ganz nackt und kam auf dem Rücken zum Liegen. Sie atmete tief und erleichtert durch, genoss die kühlende Frische der Nacht. Dann tastete sie hinter ihrer Brust leicht an der wunden verkrusteten und geschwollenen Stelle herum. Es sickerte noch etwas, juckte und kribbelte, dann zog es zunehmend tief stechend. Sie mußte sich vorsehen. Sie schaute auf ihren Klumpfuss mit dem festen Wickel und unterdrückte ihren Ärger noch so unbeweglich zu sein. “Na, jedenfalls besser als abgehackt, Nawatu!” Sie verdrehte ihre Augen, schüttelte den Kopf. Bei Mitra, das war nicht geschehen. Dann streckte sie ihre Arme weit aus, sog in sich die klare Mitternachtsluft ein, vernahm die Stille der Berge und versuchte neue Gedanken zu fassen. Sie tauchte ab in Regionen dieser Welt, die für niemanden erreichbar waren. Ihr mitranisches Mal auf ihrer Brust schimmerte im kalten Mondlicht wie ein mächtiges Siegel rabenschwarz. Es war wie die Dunkelheit der Nacht und öffnete ein Portal zum Innern ihrer Seele. Der Mond war aufgegangen und sein blauweisses Licht durchflutete erst ihren Körper, dann erfüllte es ihr Herz und schliesslich erreichte es ihren Geist. Ihr war, als würde sie alles Lebende in sich aufnehmen, das Flüstern der Blättern im Wald, das Zischen der Schlange auf einem Ast, ja selbst das Stimmgewirr einer weit entfernten Stadt drang zu ihr herüber, als ob sie sich schwebend näherte. Dann hob sie ab, es umgab sie das wälzende Wehen der Wolken und sie tauchte schwerelos in die Sternenwelt ein. Sie verschwand in einem Sog, einem mächtigen Strudel, ging unter im Nichts.
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Sonntag, 16. Oktober 2011
Belite VI: "Schändung und Vergeltung"
Turiya drehte sich um, die Luft war rein. Sie rannte los. Da waren ihre Sachen auch schon. Sie beugte sich vor und packte alles zusammen. Der Boden war übersät mit den Pfeilen der Menschenfresser. Manche schienen noch nutzbar zu sein. Sie wählte einige Brauchbare aus, aber sie waren fast alle von miserabler Verarbeitung im Vergleich zu ihren aquilonischen und die Bogenschützen des Shamar-Clans waren über die Landesgrenzen hinweg für ihre Bogenschiesskunst und hervorragenden Bögen und Pfeile bekannt. Dann erhob sie sich aus der Hocke und schaute sich erneut um. Der Dolch und das Seidentuch da hinten, sie schüttelte über sich selbst den Kopf, so spät daran gedacht zu haben. Sie beugte sich vor und griff weitgestreckt danach. In ihr blitzte ein allumfassender dumpfer Knall und sie versank in bewusstlose Dunkelheit.
Als Turiya ihre Augen wieder öffnete, lag sie nackt auf dem hartsandigen Boden einer Höhle und blickte auf die vielen Wölbungen und Vertiefungen einer bizarren Felsdecke, die sie fratzengleich anstarrte. Diese Muster schienen sie wie böse Dämonen schrecklich und verhöhnend anzulachen, bewegten sich im entfernt flackernden Feuerlicht. Sie war benommen, ihre alten Rückenprellungen taten weh und auch die alte Wunde an ihrem Ellenbogen klopfte schmerzhaft. Ein dumpfer Druck schob sich gegen ihre Schädeldeckel und sie spürte das Ziehen einer Beule am Hinterkopf. Die Fesselung ihrer Handgelenke presste ihre Knöchel. Sie begann daran zu zerren, gab es aber gleich wieder auf. Es war sinnlos. Hände und Füsse waren an den Gelenken nach hinten zusammengebunden. Auch ihr Hals war mit einem Strick damit verknüpft.
Kalter Schweiss lief an ihrem nackten Körper herunter. Es gelang ihr nach einigen Mühen, sich aufzurichten und in die Kniehocke zu kommen. Die Leinen zogen dabei nur wenig an ihrem Hals, scheuerten auch nicht. Aber das würden sie tun, wenn sie sich häufig bewegen oder sogar daran ziehen würde. Sie sah entfernt weiter vorne das Lagerfeuer an dem zwei der Menschenfresser saßen. Sie drehten sich zu ihr um, starrten sie an, dann palaverten sie aufgeregt weiter, ohne sie weiter zu beachten. Ein Dritter setzte sich dazu. Auch er blickte zu ihr rüber und sie fühlte, wie er nach ihr gierte. Dann konzentrierte auch er sich auf das Palaver mit den anderen.
Sie schaute langsam an sich hinab, auf ihre Schenkel und von dort auf ihre Scham. Ein unheimliches Ziehen durchströmte ihren Unterleib. Sie würden sie vergewaltigen. Ein Schaudern überzog ihre Gedanken und eisige Furcht vor einem qualvollen Tod stieg in ihr auf. Sie senkte tief gedemütigt ihren Kopf, ihr Körper neigte sich ausgeliefert vor und ihre Mundwinkel zuckten fortwährend, Tränen rannen an ihren Wangen herab. Ihr wurde schlecht bei dem Gedanken an die, die sie geraubt und gefangen hatten. Sie schluckte würgend, hielt es zurück, atmete heftig. Es waren die gleichen, die ihre Familie geschändet, teils zerstückelt und stückweise auch gefressen hatten. Sie schüttelte sich, um sich von der erstickenden Apathie zu befreien, stemmte sich dagegen, riss sich energisch mit aller psychischer Kraft zusammen. Ihr Wille und ihre Wut waren stärker als ihre Verlorenheit. Sie mußte das durchstehen. Nur wenn sie sich unterwerfen würde, ihre Erniedrigung nicht erleiden, sondern erdulden würde, hatte sie eine geringe Chance ihren Tod hinauszuschieben. So meinte sie beurteilen zu können und so hatte sie es damals beobachtet. Alle leisteten Widerstand, ergaben sich nicht ihrem Los und starben allein deshalb vorzeitig einen langsamen Tod. Aber sie wollte überleben, fasste den Plan sich hinzugeben, Zeit zu schinden und keinen sichtbaren Widerstand zu zeigen, sondern bereitwillig ihre Demütigung mit schmachvoll erzwungener Lust zu erfüllen. Sie wollte nicht hilflos schreien oder widerspenstig zerren. Sie würde es ihnen geben, um am Ende frei zu sein.
Sie verstand was davon, von lustvoller Hingabe, mehr als alle ihre Geschwister, denn als Amme des Clanfürsten stand sie auch für die Dinge der Lust zur Verfügung. Der Clanfürst selbst hatte eher selten davon Gebrauch gemacht, sie war nur für die Vorbereitung, für das Vorspiel zuständig, dann widmete er sich seinen Frauen. Seine Söhne waren da eifriger, liessen sich schnell mal verwöhnen, aber es war nie Liebe und sie trieben es nur um Spass zu haben. Es stand ihnen zu und sie machte es gern, empfand grosse Lust vor allem mit beiden zusammen zur gleichen Zeit. Niemand hatte öffentlich davon erfahren, aber jeder im Dorf wusste es, denn die Aufgaben einer Amme waren bekanntlich weit gefasst. Es kam darauf an, eine Schwangerschaft unbedingt zu vermeiden, da der Amme dann der Tod als Strafe drohte. Die Ammen rieben deshalb ihre Scheide und den Gebärmuttermund mit saurer Milch und einer Honigsalzölmischung ein, kauten getränkte Weidenblätter oder sie trieben rechtzeitig ab, verschwanden bis zur Hochschwangerschaft an einen geheimen Ort, wobei sie nach der Geburt das Kind sofort töteten und verscharrten.
Sie hoffte, sie würde als Lustsklavin wertvolle Zeit gewinnen bis Nawatu sie hier finden würde. Nawatu würde kommen und sie befreien. Da war sie sich sicher. Was sie mit ihr erlebt und gesehen hatte, war unfassbare Magie und deshalb wusste sie, dass Nawatu es schaffen würde. Doch wieviele waren es? Drei sassen noch am Lagerfeuer, einen sah sie weiter entfernt am Eingang. Sie erkannte gleich, dass er eine Falle legte. Wie sollte Nawatu dann in die Höhle gelangen? Turiya war klar, da half nur eine List, denn solche Eingangsfallen waren allgemein verbreitet. Wenn Nawatu soetwas nicht wissen sollte, weil sie doch ein naturverbundenes Dorfkind ohne kriegerische Ausbildung war, so hatte sie doch Belite als Ratgeber, so hoffte sie. Belite würde um solche Dinge wissen. Dann entdeckte sie noch einen weiter hinten Sachen packen. Es waren also noch fünf. Wie sollte Nawatu das schaffen ? Es waren wilde, wenn auch primitive Krieger. Mit ihrem Zauber wäre es ein Leichtes, aber was, wenn dieser versagte ? Sie wusste darum, dass Rituale und Magie oft eine Ruhezeit benötigten, um erneut ihre Macht entfalten zu können. So hatten die Magier der Shamar es ihr anvertraut, aber die hatten nicht im geringsten solche Kräfte, wie sie sie an Nawatu erlebt hatte. Turiyas Gedanken kreisten wie verrückt um diese Fragen, die immerzu neu aufbrachen wie widerliche Geister, sie von ihrem trostlosen Zustand ablenkten, denn immer, wenn sie zu ihrem Verstand zurückfand, setzte Furcht und Verzweiflung ein.
Auf einmal erhob sich einer, blickte zu ihr rüber und kam schnell näher. Allein. Er baute sich vor ihr auf. Sie kniete etwas gebeugt in der Hocke vor ihm, senkte ihren Kopf gedemütigt. Er fasste ihre Haare und zog sie hoch. Liess sie dann nach einem kurzen Moment los und sie bewahrte ihre Haltung. Ihre Blicke verhakten sich. Seine Augen bohrten tief in ihr Inneres hinein. Ihr war, als wollten sie es verbrennen. Sie wandte sich aber nicht angstvoll ab, schaute ihn nur leeren Blickes an. Sie überragte ihn, schaute auf ihn herab. Sein Kopf reichte gerade bis zu ihren grossen Brüsten. In ihm steckte soviel animalische Stärke und Gewalt, wie sie es noch nie an jemanden gesehen hatte. Er spannte seine Muskeln wie eine Drohgebärde seiner körperlichen Überlegenheit. Er war kleinwüchsig, aber sehr stämmig gebaut und an allen Stellen seines Körpers voller Muskelpakete. Mächtige Bizeps und Oberschenkel, starke gewölbte Bauchmuskulatur, kurzer breiter Stiernackenhals, der in die mächtigen Schultern überging mit überbordener Bärenkraft. Viele Narben zeugten von schweren Kämpfen. Tätowierungen erzählten die Geschichten dazu. Er war mit enganliegenden vergoldeten Knochenschmuck behangen, als Insignien seiner Führerschaft. Wo er war, herrschte Einschüchterung, Tod und Verderben. Wer ihm diente, gehörte ihm, unterstand seinem unbedingten Willen, wurde versklavt oder fand einen grausamen Tod.
Er grinste sie an, schnalzte mit der Zunge. Dann hob er seinen rechten Arm, winkte die anderen heran, deutete auf ihre Fesseln und seine Hand bewegte sich dabei kreisend schnell hin und her, so als würde er einen Flaschenzug Befehle erteilen. Ehe Turiya klar war, was mit ihr geschah, hatten sie einen starken Stab durch die Ösen ihrer Fesseln getrieben, sie aufgezogen und hievten sie in die Höhe. Sie baumelte nun in Brustlage leicht aufgerichtet mit dem Oberkörper nach vorn und durchgestreckten Rücken vor ihm hin und her. Er packte ihre Schulter und gab ihr einen Stoss, sodass sie sich um die eigene Achse drehte. Dann stoppte er sie, hielt sie an ihrem rechten Busen fest, der sich mit ausbremsenden Schwung in die Länge dehnte. Er grinste sie breit an während sie ihr Gesicht vom reissend schmerzenden Ziehen ihrer Brust verzog. Ihre grossen Brüste waren nun dicht vor ihm in Augenhöhe, baumelten wie lang und voll gefüllte Beutel hin und her. Seine rauhen und starken Hände grub er wie Pranken darin hinein, knetete, wühlte und presste. “Seht euch das an. Die hat Zitzen !” sagte er in einer fremden Sprache zu den anderen, die sie nicht verstand und hielt sie auf seinen Händen hoch. Dann klemmte er mit seinen Fingern ihren Brustvorhof zusammen und zog ihre Brüste lang. Ein stechender und brennender Dehnungschmerz durchfuhr Turiyas Körper bis ins Rückgrat, aber sie schrie nicht, zwang sich nicht zu schreien. Sie war eine Kriegerin, beherrschte ihren Schmerz. Dann liess er sie los und zurückspringen. “Sind das Rieseneuter. Boah, die sind voll. Genug für uns alle.” Wiederholte dies ein paarmal mit beiden Busen gleichzeitig. “Seht ! Da kommt was raus.” Er presste und drückte Milch heraus. Er wiederholte dies während er mit der anderen Hand ihren Brustansatz zusammendrückte und ihren Busen wie eine grosse Pampelmuse aufpumpte. Turiya wand sich vor Schmerzen, drückte mit ihren starken Muskeln, zerrte an ihren Fesseln, die sich blutig verfärbten, war aber in ihrer ausgelieferten Lage ohne Bewegungsspielraum. “Hey! Seht sie euch an. Nicht nur dicke Euter wie eine Amme, sondern auch Muskeln wie ein Leopard. Das gibt es nicht. Sowas hab ich noch nicht gesehen. Ist die heiss Mann !” Er lachte wiehernd, schlug sich krümmend auf die mächtigen Schenkel und die anderen stimmten laut in ein schallendes Gelächter mit ihm ein. Er bückte sich, um ihre Milch zu schlecken, spritzte noch ein paarmal und tat es mit ihren anderen Busen auch. Dann zog er beide Busen an den Brustwarzen wie Tüten in die Länge, dass sie regelrecht zurückklatschten, als er sie losliess. Turiya schrie das erste Mal. Mit dem Handrücken schlug er ihr daraufhin ins Gesicht sodass ihre Lippen aufplatzten, versetzte ihr einen weiteren Hieb auf das linke Auge. “Halts Maul Schlampe! Halt die Fresse sag ich dir!” Dann hob er ihre prallen Brüste hoch und begann damit, sie wie Pudding laut platschend hüpfen zu lassen. Der Schwung wurde immer kraftvoller und ihre Brüste schnellten in die Höhe und dehnten sich weit. Seine rauhen harten Hände versetzen dabei ihren weichen Brüsten massive Schläge und die Schmerzen zogen bis in die ihre Magengrube.
Dann hörte er auf, wandte sich zu den anderen. “Einfach riesengrosse Titten. Die halten was aus. Hier seht die Dehnungstreifen, die war schon übervoll. Sie ist eine Amme. Dann soll sie uns auch bedienen." Er zog nun zwei Stricke hervor. "Kommt! Bevor wir unseren Samen geben, spendet sie uns Milch. " Er lachte und die anderen auch, die sich nun auch vor ihr stellten. Sie wickelten die Stricke fest um ihre Brüste, zogen diese weitestmöglichst in einer beweglichen Schlaufe zu einem pressenden Ring zusammen. Wie gewaltig gespannte Blasen richteten ihre Busen nun auf. Mit ihren Fingern puhlten sie an ihren Nippeln, die wie dicke Propfen steif und lang hervorstachen und sich öffneten. Milch trat aus und tropfte immer schneller herunter. Dann zogen sie die Schlaufe langsam quetschend fester, die Milch sprühte unablässlich in feinen Strahlen, die sie mit einem gespannten Ledertuch auffingen. Das Gestöhne und Gewimmer von Turiya ignorierten sie völlig. Im Gegenteil, es machte sie an. In langsam rutschenden Bewegungen, die die Haut blutig scheuerten, pullten sie die Schnüre noch fester, sodass sich ihre nun dunkelrot angelaufenen Busen schliesslich restlos leerten. Das mit Turiyas Milch gefüllte Ledertuch reichten sie nun reihum, sodass jeder einen kräftigen Schluck nahm. Die quetschenden Stricke, die sich langsam blutig verfärbten und ihre blank aufgeblähten Busen, die im weiteren Verlauf der Torturen langsam vom dunkelrot ins rotbraunbläulichschimmernde steif und fest verharrten, lösten sie nicht.
"Guckt sie euch an." Er zwackte ihr an verschieden Stellen ins Fleisch. Zog und drehte schmerzhaft daran. “Mann was für Muskeln. Und ein Frau, nicht fett und waberig wie die anderen." Er boxte ihr in die Schenkel. “Mann, ihre Schenkel. Ihr habt gesehen, wie sie geschossen hat. Sie ist eine weisse Kriegsamme und eine Hure dazu. Eine Milchamme für ihre Sippschaft und eine Nutte für den ganzen Clan !” Sie lachten abermals. Dann schaute er sie stechend an: “Aber jetzt tust du das für uns !” Sie johlten allesamt. Dann nahm er seinen Dolch, hob seinen rechten Arm über ihren Kopf, der linke fasste an den langen blonden Haarschopf und er schnitt ihr die überstehenden langen Haare mit einem Ruck ab. “Blond. Wie das glänzt!.” Er zog ihre abgetrennten Haare straff, es war fast ein Meter, liess sie kreisen und wickelte sie um seinen Hals und verknotete sie als Zeichen für seinen Besitzanspruch. Dann griff er ihr in den Schritt und zog an ihren buschig dichten, blonden Schamhaaren, sodass ihr Körper sich langsam in die Höhe aufbäumte. Turiya presste schmerzverzerrt Augen und Mund aus Angst vor weiteren Schlägen ganz fest zusammen. Ihr linkes Auge wurde dick. Sie war jetzt völlig starr vor Schmerz und Anspannung und zitterte am ganzen Körper. “Na ?” sagte er zu ihr. "Du wirst doch gehorchen ?" Ihre Augen hatte sie voller Angst weit aufgerissen. Dann zu den anderen. “Wie sie guckt. Die hat Feuer. Ein weisses blondes feuriges Rasseweib. Welch ein Geschenk!” Er hielt sie nun mit ihrem ganzen Gewicht in der geraden Stellung an ihren Schamhaaren fest. Dann drang sein Mittelfinger wie ein dicker Knauf tief in sie ein. So hielt er sie jetzt fest. “Du bist jetzt mein, mach was ich will und du lebst oder du bist tot. Und denk daran: Beim ersten Mal tuts immer weh.” Dann zog er mit einem kräftigen Ruck die Brustschlaufe. Ihre Busen richteten sich wie aufgebläht noch steiler auf. Die Brüste hatten sich dunkelrot bis violett verfärbt und ihre starken Äderchen, die auch sonst ihre Busen wie ein fein schimmerndes und zierendes Geflecht durchzogen, waren krampfadrig angeschwollen. Turiya riss alle Nerven zusammen, fühlte eine Starre, die sie lähmte, dann atmete sie heftig, vermischte sich mit verzweifelten Entsetzen und blinder Wut. Ihr Körper war sehnig angespannt, zitterte heftig. Sie begann zu sabbern und zu schnauben, ihre Augen fielen in den Tränenfluss. "Spüre ich da noch etwas Widerstand ?" Turiya versuchte ihre Atmung zu beherrschen. "Gut, wer nicht hören will, muß fühlen." Es war auf einmal schrecklich still. "Du willst also nicht hören ?", dann zu den anderen gewandt. "Wozu braucht sie ihre Ohren noch ?" Voll gespannter Erwartung nickten sie zustimmend, grinsten dabei schrecklich. Turiya, wie zu einer Säule erstarrt, wimmerte nun. "So ist richtig, aber Strafe muß sein." Noch immer hielt er sie an ihren Schamhaaren fest. Mit der anderen freien Hand nahm er seinen Dolch und trennte die Ohrmuscheln ab, sodass sie am Läppchen herunterhingen. Turiya blutete stark aus den Ohrstümpfen war aber jetzt völlig verstummt. Dann riss er erst das Linke ab, das andere dann auch und saugte daran. "Hmmm, wie das schmeckt." Während er sie weiter festhielt, ging er ein wenig um sie rum zu den anderen gewandt und drückte einem die abgeschnitteten Ohren in die Hand. "Tu sie ins Feuer. Ich liebe geröstete Weibsohren, meine Leckerei für unterwegs." Dann zu Turiya: "Ich lass dich am Leben, aber wenn du rumzickst, verschone ich dich nicht. Es geht dann ganz schnell, schneller als du hören kannst." Er lachte auf und liess sie los. Sie fiel voller Schwung in die alte angewinkelte Schräglage zurück. Mit seiner linken Hand deutete er, sie etwas tiefer abzusenken, was auch sofort geschah. Dann befahl er mit einer flüchtigen Handbewegung, sie sollten sich hinter ihr stellen. “Sie wird mir jetzt einen blasen und ihr könnt sie ficken. Weitet sie dann. Wir werden es viele Tage tun bis sie reif für den Zirkus ist. Fickt sie, aber ich will sie lebendig. Setzt ihr so zu, dass sie nicht mehr flüchten kann. Sie muß aber heil bleiben, sonst verliert sie an Wert und Abdul Khan macht uns einen schlechten Preis. Aber an Schmerzen muß sie sich gewöhnen. Sie darf nicht zu schlimm aussehen. Habt ihr verstanden ! Ich breche noch heute Nacht auf. Schon morgen abend bin ich zurück. Abdul Khan wird sie mir aus den Händen reissen. Sie hat uns grossen Schaden zugefügt. Sie ersetzt uns unseren Verlust, den sie uns mit ihrer Hexenschlampe zugefügt hat. Die Tierarena wird ihre Belohnung sein. Sie werden alle johlen, nur um sie zu sehen. Sie wird die weisse Königin der Tiere sein. Wie lange ist es her, dass eine blonde Weisse mit Tieren gebumst hat ? Einen Hengst wird sie reiten. Ach, alle Tiere werden sie lieben und vor allem auch das Publikum !” Sie lachten erneut wiehernd auf. Dann liess er seinen Lendenschurz fallen, hielt seinen noch schlaffen beschnittenen Schwanz direkt vor ihr Gesicht. “Los, zeig was du kannst.” Sie, mehr von Schmerzen betäubt als bei klaren Verstand, glaubte nicht, was sie sah, er war sehr massig und groß. Sie öffnete ihren blutverschmierten Mund und er drückte ihn hinein. Allein schon mit seiner Eichel hatte sie den Mund voll. Doch zunächst entleerte er seine Blase. Sein Urin durchströmte ihren Mund, ihren Rachen und spülte die ausgetrocknete Speiseröhre hinab. “Oh Mann, hat sie Durst – schaut wie sie trinkt! Oh, wie das schmeckt!” Sie begann nun zu lutschen und seine starken Hände hielten ihren Kopf an den Haaren. Er half mit hastigen ruckvollen Bewegungen nach. “Seht, sie weiss wie es geht. Und wie sie es weiss. Sie ist eine elende Hure. Hab ich es nicht gesagt ? Ihr macht es nichts aus. Sie ist genau richtig für den Zirkus. Los, macht schon!” Sie spürte wie sie ihre Schenkel auseinanderbogen und sich der erste Ständer in sie hineinbohrte. Sie hatten sich bereits einen gewichst. Sie war noch trocken und es tat weh. Die beiden hinteren wechselten sich ab. Brutal hämmerten sie ihre Steifen in sie hinein. Beide hatten eine Rute aus Zweigen mit der sie dabei im Takt ihrer Stösse auf ihren Rücken schlugen. So machten sie weiter. Sie bestiegen sie wie Tiere. Hart mit roher Kraft und völlig triebversessen, doch zusätzlich mit menschlicher Geilheit und peitschender Gewalt.
In ihrem Mund wuchs sein Schwanz schnell zu einem harten Steifen heran, sie mußte immer schneller schlucken, hatte Angst zu ersticken, so riesig schien er tief in ihrem Rachen bis zur Kehle anzuschwellen. Mit jedem Stoss atmete sie schwerer, ihre Mundatmung versagte und sie schnaubte immer hastiger durch die Nase um Luft zu bekommen. Ihr war als müßte sie jeden Moment ersticken und die schnellen Schläge ihres Herzens klopften in ihrer Brust, schliesslich wie Paukenschläge ihre Rippen entlang. Sie wollte überleben, war voller panischer Angst. Die anderen klatschen häufig auf ihren Hintern wie bei einem Maulesel, um sie anzutreiben und geisselten sie weiter während sie fickten. Turiya fiel in einen entrückten tranceartigen Zustand indem Schmerzen und Orgasmen ineinander übergingen bis sie begann heftig zu ventilieren. Dann kam er, sein Samen ergoss sich in ihren Schlund. Er stemmte seinen Ständer noch einmal tief in ihren Rachen hinein, liess sie unentwegt schlucken, würgen, sie war völlig rot angelaufen und der salzige Schweiss brannte in ihren Augen. Er weidete sich daran. Dann liess er von ihr ab. Turiya prustete, rang wild nach Luft während die anderen ihr immer heftigere Stösse versetzten, die Körper aneinander klatschten. Es waren sehr brutale Stösse und Turiya war, als würden sie ihren Bauch sprengen. Dann kamen auch sie, der eine spritze alles auf ihren blutüberströmten Rücken, der einem lichterloh brennenden Flammenmeer des Schmerzes glich, der andere schoss seinen Samen tief in sie hinein. Als sie fertig waren, urinierten sie auf ihre offenen Wunden und ihren Nacken bis zu ihrem Kopf hinauf. Dann schlugen sie lachend noch mehrmals auf ihre Schenkel und Hintern. Es brannte alles fürchterlich und Turiya schrie laut auf. “Fresse, du Mistschlampe!” Einer schob nun beide Hände in sie hinein, dann ballte er eine zur Faust während er die andere rauszog. Drehte sie mehrmals in ihr herum und steckte bis zur Elle in ihr drin. Dann zog er sie heraus und beide schoben etwas Kaltes und Halbrundes in sie hinein. Drehten es und danach drückten sie ihre Schamlippen fest zusammen, verknoteten ihre Schamhaare mit einem Stöckchen um sie zu schliessen. Dann liessen sie von ihr ab und zogen sich zurück.
Sie baumelte noch eine Weile hin und her, unfähig klare Gedanken zu fassen, zerschmettert vom Sturm der mehrfachen Vergewaltigung. Je mehr sie wieder zu sich kam, desto mehr meldeten sich zuerst die Schmerzen zurück. Ihr geschwollenes Auge, ihre abgetrennten Ohren, ihr Hinterkopf, ihr aufgeschürfter Rücken, ihre strangulierten Brüste und ihre vom Ziehen blutunterlaufenden geschwollenen Brustspitzen brannten so stark, als würde ihre ganze Brust zerreissen. Ihr Unterleib stand unter Druck, dehnte sich immer stärker, das kalte Ding in ihrem Leib schien langsam und bedrohlich hart aufzuquellen. Vermutlich ein Pilz oder eine Frucht. Allumfassende Angst breitete sich wieder unheimlich in ihr aus, blockierte ihr Denken. Ihr schwante Fürchterliches, aber sie verdrängte den Gedanken daran, denn das wäre weit schrecklicher, als was sie sich vorstellen konnte. Sie ahnte, wenn Nawatu sie nicht befreien würde, stand ihr Schlimmeres bevor, als ihren Geschwistern. Sie hatte nichts von dem verstanden, was der Häuptling gesagt hatte, aber offenbar hatten sie sie aus ihrer Sicht noch verschont, waren es gewohnt zu schänden, lebendig zu zerstückeln. Sie war sich im Klaren, noch mit dem Leben davon gekommen zu sein, fragte sich, ob sie darüber froh sein sollte, fühlte sich ausgelaugt und niedergeschmettert.
Einer kam nach einer Weile zurück, reichte ihr eine hölzerne Schüssel hin. Er nahm ihren Kopf und tauchte ihn hinein. Sie sollte schlürfen und schlecken wie ein Tier. Turiya war durstig, ihre Kehle wie ausgebrannt, schleckte und schlürfte, leerte die Schüssel, auch aus purer Angst vor weiteren Schlägen. “So, brav,” raunzte er. Es war irgendein dickflüssiges Gebräu, das sie nicht kannte. Sie hatte endlich wieder Geschmack im Mund. Er befahl ihr die Schüssel sauber zu lecken, indem er ihr Gesicht nochmal kurz und schmerzhaft drauf drückte. Sie tat dies, dann drehte er sich um und verschwand. Wenn sie sie fütterten, würden sie sie noch am Leben halten, kam ihr sofort der Gedanke. Töten würden sie sie nicht, höchstens im Rausch. Sie war jetzt ihre Sklavin, weniger wert als ein Tier. Trotzdem schöpfte sie Überlebenskraft, Lebensmut wollte sie es nicht nennen. Würde alles über sich ergehen lassen. Sie wusste jetzt, gefügig sein, reichte ihnen nicht. Sie mußte sich ganz und gar ergeben. Nawatu würde sie finden und befreien. Das war ihre letzte doch schon jetzt weitentrückte Hoffnung. Wenn nicht hier, dann auf dem Weg dorthin, wo man sie hinschaffen würde. Nawatu würde ihren Spuren folgen. Der Druck in ihrem Unterleib nahm zu, drückte und dehnte nach allen Seiten, nahm immer mehr ihre Gedanken in Besitz. Ihr Körper ruckte von Nervenzuckungen geplagt immer wieder beissend zusammen. Ihr schien, als kämen die Schmerzen jetzt von überall. Alles in ihrem Unterleib schien auseinanderzuplatzen. Sie konnte nicht mehr, der Damm war gebrochen. Sie fing an zu wimmern und zu jaulen, nicht dass sie es wollte, es brach körperlich aus ihr heraus. Es war der völlige seelische Zusammenbruch. So sah sich einer genötigt, sich vom Lager aufzuraffen und sie erneut aufzusuchen. Er schlug ihr kräftig ins Gesicht. Dann trieb er ihr einen Ballen in den Mund. Er knebelte sie regelrecht. Ihr Wehklagen wollten sie am Lagerfeuer nicht hören. Es störte ihre angeregte Unterhaltung beim Spielen. Es war ein beliebtes und fesselndes Steinchenspiel, wo es darum ging, dem anderen geschickt die Steine abzuluchsen. In der Höhle hatte ihr Wimmern einen schauderhaften Klang, schien gespenstisch aus allen Ritzen der Höhlenwände zu kommen. Es war einfach unerträglich. Deshalb verlangten sie Ruhe und knebelten sie.
Nawatu kroch ächzend eine kleine leicht ansteigende natürliche Röhre im Fels hinauf. Sie mußte sich hindurchzwängen, aber Belite hatte es auch schon einmal geschafft und sie selbst war kleiner und schlanker. Ihre Ellenbogen scheuerten sich wund und sie spuckte häufig vor sich zur Seite aus. Sie durfte nur nicht zuviel Geräusche machen. Ansonsten war die Steinröhre ziemlich glatt, sandig und staubig. Heftige Regenfälle spülten sie aus und auch die Abfälle aus Kot. Sie konnte nach einer kleinen Kurve das Ende erkennen. Es war das Kotloch, da wo die Höhlenbewohner ihre Notdurft verrichteten. So gelangte sie unbemerkt in die Höhle, wo die Menschenfresser Turiya quälten und schändeten. Ihre Turiya. “Die Schweine!” ächzte sie. Hier würde sie ihren ersten Schlag ausführen. Ein stinkender und schmutziger Schlag, aber lautlos und tödlich. Sie war mit zwei giftigen Dolchen bewaffnet, einem Wurfbeil und einem Speer. Belite hatte ein ganzes Arsenal im Lager, eine richtige Waffenkammer, für jeden Zweck genau das Richtige. Nawatu grinste über beide Backen. Sie freute sich auf das was kommen würde. Egal wie es endete, es war das, was sie wollte. Turiya befreien oder sterben.
Am Ende angekommen zwängte sie sich heraus, sie war dabei lautlos wie eine Echse. Sie stand mit den Füssen inmitten von Knochen- und verdörrten Fleischresten und Kot. Ob sie schon gefressen hatten? Menschenfleisch. Allein der Gedanke daran schäumte in Nawatu unheimliche Wut herauf. Aber dann grinste sie wieder. Sehr gut, dachte sie sich, alles verlief nach Plan, genau wie es Belite gesagt hatte. Vermutlich sassen sie noch am Feuer und palaverten. Vielleicht schliefen sie schon. Ein unerklärliches Überlegenheitsgefühl stieg in ihr auf. Sie war sich sicher, erfolgreich zu sein. Es war alles wie ein schwindelerregender Traum. Ihre Zauber hatten momentan keine Kraft, hatte Belite gesagt und trotzdem würde sie es schaffen. Sie mußte nur seelisch ruhig und geistig kühl sein und warten. “Überwinde deine Gefühle, schalte sie einmal in deinem Leben ab. Ich weiss, dass es dir schwer fällt, Nawatu, da du ein Gefühlswesen bist. Aber tue es. Für Turiya. Für dich. Und für mich. Für uns alle. Oder du bist tot.” Das waren Belites Worte. Die Wache würde sicher noch weiter was essen und trinken zwischendurch, allein aus Langeweile und um wach zu bleiben. Dann würde alles blitzschnell gehen. Nur ein Stoss. Ganz gezielt. Er würde nichtmal schreien, hatte sie gesagt, wenn der Stoss blitzschnell nach der Ausatmung tief genug eindringen würde. Ihm würde einfach die Luft weggesaugt durch einen tiefen Schmerz im Magen. Er würde lautlos und verkrampft würgen und sich übergeben. Darauf käme es an. So hockte Nawatu völlig unbemerkt und nicht sichtbar eine ganze Zeit in Lauerstellung in der dunklen Kotgrube. Dann kamen Schritte näher. Jetzt ging es sehr schnell. Alles lief bei ihr auf Hochtouren und sie hielt den Speer in Schrägstellung, ging in die Hocke. Sie spannte ihre kleinen Muskeln an, nahm ihre ganze Kraft zusammen. Nun kam der schlimme Augenblick, der sie nicht durcheinanderbringen durfte. Sein nackter Hintern ragte genau über ihren Kopf über den Grubenrand. Erst piehte er, sein Urin spritzte an die Grubenwand, dann begann er zu pressen. Sie mußte dies noch abwarten. “Warte ab, bis er ausatmet, dann stoss so tief wie möglich zu mit deiner ganzen Kraft. Halte ihn fest, treib nachschiebend den Speer immer tiefer in ihn hinein, so als wolltest du ihn eiligst stopfen. Seine Organe sind weich. Sein eigenes Gewicht wird das übrige tun. Du wirst sehen, es geht ganz leicht. Bleib fest stehen. Ändere deine Stellung nicht. Spiess ihn von unten regelrecht auf. Er wird mehrere Male zucken. Dann ist es vorbei. Setzte ihn rechtzeitig mit dem Speerende ab. Der Speer ist lang und steif genug. Du kannst ihn regelrecht festklemmen. Er wird seine Stellung nicht verändern. Aus der Entfernung wird es aussehen, als würde er dort noch sitzen.” Das waren ihre Worte. Jetzt kam ihr alles entgegen direkt in ihr Gesicht und auf ihren Schultern lief es ihren Oberkörper herab. Sie konnte sein stöhnendes Ausatmen hören. Jetzt. Ihr Speer durchbohrte seinen Darmausgang drang steil und glatt mit der scharfen Spitze in sein Inneres ein. Mit einer Riesenkraftanstrengung schob sie nach. Immer wieder. Es ging leichter als sie gedacht hatte. Und tatsächlich, sie hörte nichts. Kein grelles Schreien. Nur blubbern vom Blut und Gebrochenen, das aus seinem Mund die Brust herunter nach unten tropfte. Das Rucken seines Körpers bewirkte nicht einmal ein Ändern seiner Position und war weniger stark als Belite es beschrieben hatte. Selbst seine Beine blieben in der angewinkelten Hockstellung während der Speer nun durch seine Organe im Brustkorb drang. Nawatu stellte ihn ab. Sie war über den ganzen nackten Körper von Blut, Schleim und Kot besudelt. Sie mußte es sich schnell abwischen. “Dann säubere dich mit Salzwasser, so gut du kannst. Der Gestank würde dich sonst verraten. Nimm einen grossen Beutel mit. Reib deinen ganzen Körper damit ein, es laugt die Haut aus und entzieht ihm den Geruch. Deshalb lass auch den Lederharnisch hier, den kriegt man nach so einer Sauerei nicht sauber. Nawatu, wie ich dich kenne, nackt und unbekleidet kämpfst du sowieso am besten. Trage nur deinen Lederrock, den Brustschutz, deine Bundschuhe und die Gürtel für deine Waffen und die Rückenschlaufe für den Speer. Den Brustschutz lege in der Grube ab, damit er nicht beschmutzt. Aber du brauchst ihn unbedingt, um durch die Röhre zu krabbeln. Die Geräusche der Waschung können dich nicht verraten, da es sich wie Durchfall anhört. Sein organischer Durchfall.” Sie erinnerte sich an Belites vielsagenes kurzes Grinsen dabei. Ihr trockener schwarzer Humor verhöhnte schon jetzt die Menschenfresser und das gab Nawatu unheimlichen Mut.
In der Grube stehend konnte sie noch nicht drüber schauen. Man konnte sie nicht sehen, zumal von oben die Grube völlig dunkel war. Sie wusch alles soweit es ging ab. Dann kletterte sie vorsichtig aus der Grube heraus. Der Leichnam neben ihr hockte da, als wäre er nicht tot, selbst der Kopf starrte aufrecht. Nawatu staunte über sich selbst. Sie hatte die Wache lautlos beim Verrichten der Notdurft ausgeschaltet. Die Speerspitze hatte sich irgendwo in seiner Wirbelsäule am Halsansatz verhakt. “Drück seinen Kopf vorsichtig in eine natürliche Haltung.” Sie wandte sich ab und blickte zum Lagerfeuer, dass schon ziemlich abgebrannt war. Sie schliefen. Es waren zwei. Der Dritte lag in der Nähe von Turiya. Sie konnte Turiya schemenhaft erkennen. Sie hing geknebelt und an einem Stab gefesselt in der Luft. Wie ein geschundenes Tier, die steif aufgeblähten und strangulierten Busen nach unten hängend. Drehte sich langsam im leichten Windsog der Höhle um die eigene Achse. Vor und zurück. Da jemand in ihrer Nähe lag, wusste sie, dass Turiya noch leben würde. Nawatu freute sich. “Dann schleich dich heran, wie das geht, weisst du selbst am besten.” Gleich ist alles vorbei, dachte sie.
Die Höhle war so dunkel, sodass sie sich an deren Rändern unbemerkt im Schatten bewegen konnte. Nawatu sah zum Eingang, sah die Leine, die zur Falle führte. Ja, das hatte ihnen nichts genutzt. Sie wusste schon jetzt, dass es höchstens einen Kampf mit Nummer drei geben würde, wenn überhaupt. Aber nur, wenn er etwas merken würde. Sie nahm nun ihre venoyhanischen Dolche und wie ein Schatten schlich sie zu ihnen zum Lagerfeuer. Die Schnitte durch die Halskehlen bis zur Wirbelsäule führte sie so aus, wie Belite es ihr erklärt hatte, denn auch sowas hatte sie noch nie zuvor getan. “Du wirst dich wundern, es geht unheimlich weich und rasch. Der Anschnitt muß von deiner Seite zu dir hin erfolgen, dann spritzt das Blut nur in deine Richtung. So tötest du richtig.” Die Körper der Schlafenden ruckten nur mit vom Tode erschrockenen Augen und aufgerissenen stimmlos röchelnden Mündern. Es gab keinen Impuls mehr vom Gehirn, der Glieder hätte wecken können. Der Kopf war bis zum Knochen abgetrennt.
Schleichend bewegte sich Nawatu blutüberströmt zur Stelle, wo Turiya hing. Sie dämmerte vor sich hin, stöhnte hin und wieder, hatte offensichtlich starke Schmerzen, bemerkte Nawatu aber nicht, war wohl weggetreten. Der Menschenfresser wälzte sich auf einmal herum. Die hasserfüllten Blicke kreuzten sich. Er versuchte mit seinem Körper zu entfliehen und auszuweichen, stob heftig Sand auf und eine Machete blitzte in seiner Hand, doch das Wurfbeil Nawatus traf ihn bereits mitten im Bauch. Es gab keinen Kampf mehr. Er ächzte, ihm blieb einfach die Luft weg, lag auf dem Rücken und fasste den Stiel des Beils mit beiden Armen, wollte ihn herausziehen, schaffte es doch nicht aus Angst zu verbluten, hielt das Beil daraufhin krampfhaft fest. Dann starrte er schwer atmend zur Decke. Seine Augen waren voller Anstrengung und Überlebensangst. So blieb er liegen, völlig entrückt, starrte er seinen eigenen Leib und das Ding darin an. Dann begann er zu kriechen, versuchte zur Höhlenwand zu gelangen. Schliesslich lehnte er sich und mit beiden Händen das in seinem Bauch steckende Beil festhaltend dort völlig erschöpft an.
Belite hatte in allem recht behalten. Nawatu sah zu Turiya. Ihren geschundenen Zustand. Ihr Körper übersät mit Prellungen und Blutergüssen. Sie war geknebelt und gefesselt wie ein elendes Tier. Ihre wunderschönen Haare waren runtergestutzt und struppig. Ihre Ohrstümpfe waren verkrustet. Sie zerrte jetzt ungehalten und verzweifelt an den Stricken, ihre Gelenke aufgerissen, ihr Rücken von den Rutenschlägen in Striemen blutig aufgeschlagen. Ihr Überlebensdrang war ungebrochen. Überall war der Körper mit aufgeplatzten Kneifstellen übersät. Es mußte alles fürchterlich brennen. Ihre grossen schweren Brüste waren dunkelbläulich verfärbt und steif angeschwollen von rötlichen geplatzten Äderchen durchzogen, traten einige davon bedrohlich wie dicke Krampfadern hervor. Ihre Brustspitzen vom Pressen und Kneifen dick und blutig. Ihre Lippen aufgeplatzt und ein zugequollenes Auge blinzelte Nawatu blutunterlaufen und glasig an. Ihr heiles Auge hatte sie flehend aufgerissen. Pure Angst der Unentrinnbarkeit und der Schrecken der Unterwerfung sprachen aus ihnen. Sie stöhnte nun immer lauter unter dem Knebel, so laut und mächtig sie konnte. Sie rang um Hilfe und Befreiung.
Nawatu konnte es sich nicht erklären, war wie festgefahren. Sie war nicht imstande auf Turiya zuzugehen, sie zu entknebeln und ihre Fesseln zu lösen. Sie spürte wie etwas stärker war, sie lähmte und grollender Zorn in ihr aufstieg. Es schien aus ihrem Unterleib, ihrem Rückrat emporzukriechen. Es brodelte in ihr so, als wollte sie auf einmal schäumend überlaufen. Sie hatte die ganze Zeit eiskalt wie ein gedungener Mörder alle dahingemetzelt. Ihre Gefühle waren wie ausgeschaltet gewesen, so wie es Belite ihr zum Überleben im Kampf dringend angeraten hatte. Über die Perfektion wie sie es tat, war sie überrascht, aber jede Bewegung folgte den Worten Belites wie im Gebet. “Sei immer ruhig, gleichgültig und ohne Aufregung. Verliere niemals die Beherrschung. Dann tötest du sicher und schneller, als du denken kannst.” Nun brach es rasend, wild und befreiend aus ihr heraus. Sie schrie entsetzlich, streckte sich, riss ihre Arme auseinander und drehte sich wie eine fauchende in Blut getränkte Furie zu dem Schwerverletzten um, der sich gegen die Höhlenwand lehnend etwas aufgerichtet hatte. Dann ging sie langsam zu ihm, jeder knirschende Schritt war in ihrem Innern wie ein malmendes Stampfen. Sie blieb vor ihm stehen und musterte ihn kühl, blickte lauchernd auf ihn herab. Er war noch bei Bewusstsein, nahm ihre nackte und dunkle Erscheinung noch wahr, litt aber bereits an dem starken Blutverlust und innerer Blutung. “Na, hast du Spass mit ihr gehabt ?” Sie beherrschte seine Sprache und er blickte sie darüber verstörrt an, hielt verkrampft den Stiel der kleinen Wurfaxt, aber ohne wirkliche Kraft. Dann nickte er. Schwerverwundete lügen nicht, suchen nach Zustimmung und Gemeinsamkeit. Er war bereits zu schwach um noch inneren Widerstand zu leisten und es war unklar, ob er Nawatu überhaupt erkannte. "Das hast du gut gemacht, ich helfe dir,” fuhr Nawatu fort, grinste ihn unterwürfig und einfühlend wie eine mildtätige Schwester an und ging dabei in die Hocke. Den Schnitt, der sein Glied entfernte, spürte er offenbar nicht, da sein Unterleib unterhalb der Hüfte bereits taub war. Sein Blutverlust beschleunigte sich jetzt rapide. “Schau, was ich dir mitgebracht habe.” Sie hielt ihm sein abgetrenntes Glied hin. Sein Blick wurde trüber. Es war unklar, ob er es noch als solches erkannte. “Komm, das wird dir gut tun. Dieser Wurm ist süsse Medizin.” Er öffnete tatsächlich, hilflos, fügsam nach seinen entschwindenen Leben ringend seinen Mund. “Brav, so ist es fein.” Sie steckte es nun mit dem blutigen Stumpf zuvorderst hinein, sodass nur noch die Eichel herausragte. Dann stand sie auf und schüttelte sich lachend, verhöhnend und grimassenschneidend, wie in einem bösartigen Schauspiel mit vielen Verrenkungen, wohlwissend, dass es das Letzte war, was er von einem rangniederen weiblichen, dazu noch schwarzen Menschen wahrnehmen konnte. Das gab ihm dann den Rest, er sackte zusammen. Sie rückte seinen leblosen Körper noch etwas gerade zurecht. “So sitzt du richtig. Das wird deinem Häuptling sehr gefallen!” Der ungeheure Triumpf alle besiegt zu haben, entfesselte sie. Völlig enthemmt und fröhlich gackernd, warf sie ihren Kopf schelmisch vergnügt in den Nacken, hopste dabei im Kreis und das Echo der Höhle trug ihr Gelächter gespenstisch und unendlich wiederholend in alle Abgründe der verwinkelten Tiefen hinab. Dann beruhigte sie sich vornübergebeugt mit ihren Armen auf ihre Knie stützend wandte sie sich von ihm ab.
Turiya war verstummt, war wie weggetreten und spürte ihren schmerzenden Körper nicht. Es war für sie als stünde die Zeit still. Sie hatte alles mitangesehen und auch die bösartig närrische Wandlung Nawatus mitbekommen. Als Nawatu sie wieder anschaute, war es der gleissende ockerfarbene Schlangenblick, der Turiya zu blenden schien. Es war der gleiche Anblick wie beim Angriff in der Grotte. Das grausame Wesen, dass im Innern von Nawatu schlummerte, war auferstanden. Die Augen brannten wie feurige Lava aus den Untiefen der Finsternis ihrer Seele. Turiya schloss ihre Augen, wollte nicht glauben, was sie sah, vermochte weder gut und böse zu unterscheiden und war in diesem Lodern verfangen.
Nawatu lächelte sie sanft an und zog Turiya den Knebel aus dem Mund. Das unheimliche Wesen schien mit einem Mal entschwunden. Turiya keuchte und hustete. Sie würgte, übergab sich. Mit einem Mal waren alle Schmerzen wieder allgegenwärtig, lämten sie, vor allem die in ihrem Unterleib. Turiya schrie nur noch: “Zieh es raus, zieh es raus, bitte Nawatu ! Hinten.” Flehend wimmerte Turiya Nawatu zu. “Unten! Bitte ! Schnell ! Nawatu !" rief Turiya, nun hemmungslos kreischend und heulend und sich in den Fesseln windend. Nawatu sprang auf, traute ihren Augen nicht, befühlte vorsichtig den buckelig aufgewühlten Unterleib Turiyas, berührte die harte Erhebung. Die Haut war straff gespannt. “Nawatu, los, mach schon, ich halt es nicht mehr aus !” Nawatu löste mit dem Messer das Stöckchen aus der Verknotung ihrer Schamhaare, die an ihren Wurzeln bluteten und das runde Ding kam hervor, blieb aber stecken. Sie steckte ihren Finger hinein und begann vorsichtig zu schaben. Es war wie steifer Püree was da rausbröckelte. Dann fiel immer mehr heraus, wurde weicher und sie zog vorsichtig, zog es wie einen zerknitterten festen dickschaligen Lappen heraus. Es war eine matschige, aber hartgeformte Fruchtschale. Turiya entleerte sich in einer Mischung aus Schleim, Fruchtresten und Blut. Turiya war der Druck genommen, doch ihr Wimmern verstärkte sich, hörte nicht mehr auf. Nawatu liess sie schnell herunter, löste hektisch ihre Fesseln. Bestürzt sah sie die vielen Wundmale auf ihrem Körper und löste erst dann ganz vorstichtig die Stricke um die blau und steif angeschwollen Brüste, die aus vielen feinen Poren und Rissen bluteten. Turiya stöhnte. Die Stricke waren in die Haut geschliffen. Welch eine brennende Tortur. Sie sackten nun zusammen, blieben jedoch angeschwollen, wie aufgebläht und bluteten umso mehr. Turiya war nur noch Elend, wimmerte schrecklich, zitterte am ganzen Leib, zog Nawatu krampfartig an sich ran. Dann streckten sie ihre Arme Nawatu hilferingend und erleichtert entgegen. Die einst stolze Kriegsamme der Shamar war in der Tiefe ihres Herzens gepeinigt, seelisch erniedrigt, nur noch ein verstörtes und verletztes Wesen. Die Grösse und Schwere Turiyas erdrückte Nawatu fast, war Nawatu doch um vieles kleiner und schmächtiger. Beide umklammerten, umarmten sich, verharrten engumschlungen in der Hocke. Turiya heulte auf, es brach alles aus ihr heraus und auch Nawatu weinte ein wenig, aber vor Trauer eher still in sich hinein. Das Grauen und der Schmerz hatten sie zusammengeführt. In diesem erlösenden Moment verschmolzen sie, waren untrennbar eins.
Nawatu atmete tief durch, die Anstrengung fiel von ihr ab. Sie war überglücklich, wenn auch über den Zustand Turiyas hilflos bestürzt und stellte erleichtert fest, dass Turiya plötzlich eingeschlafen schien. Turiya war völlig ermattet und am Ende. Nawatu schaute besorgt auf ihren übel zugerichteten Körper, streichelte ihr die Schläfe und fuhr ihr durch das zerzauste kurze Haar, umkreiste die Ohrreste, fühlte ihre grosse Beule, die nur leicht aufgeplatzt und verkrustet war. Ihre Blicke wanderten zu dem Blut zwischen ihren Beinen, ihre Erinnerungen überkamen sie, als sie selbst geschändet wurde. wohl stundenlang hatte Turiya unter der Höhlendecke festgezurrt gebaumelt und alles über sich ergehen lassen müssen, was den klaren Verstand eines jeden übersteigt. Aber sie war am Leben. Nawatu hielt sie noch eine Zeit, dann legte sie Turiya vorsichtig zur Seite ab und deckte sie sorgsam mit einem Fell zu. Ihre Verwundungen würde ihre ganze Heilkunst erfordern. Aber es waren keine tiefen Fleischwunden oder Brüche. Die Ohrstümpfe würden sicher abheilen. Am Schlimmsten schienen ihr die Quetschungen, Scheuerwunden und schlimmen Blutergüsse der Brüste, der gemarterte aufgerissene Rücken und die Verletzungen des Unterleibs. Turiya würde natürlich nicht gehen können, sie mußte sie mit dem Pferd wegschaffen. Solange müßte sie sie zurücklassen. Sie löste die Falle am Eingang aus und lief los. Als Nawatu mit den Pferden zurückkam, war alles noch so, wie sie die Höhle vorher verlassen hatte. Turiya wälzte sich unruhig auf dem Boden, stöhnte häufig, schien aber, wenn auch sehr unruhig, zu schlafen. Nawatu suchte alles nach verwertbaren ab. Sie endeckte auch Turiyas wertvollen aquilonischen Bogen und ihre Pfeile. Sie atmete auf und packte auch alles übrige, was ihr brauchbar und nützlich schien auf das Pferd. Sie hatte keine Zeit alles auszusortieren, das würde sie zurück in ihrer Höhle tun. Die Köpfe der Menschenfresser, ausser dem, den sie entmannt hatte, sammelte sie ein, zog sie an einem Strick auf, den sie über den Höhleneingang hängend spannte, nachdem sie die Falle ausgelöst hatte. “Jetzt wisst ihr Bescheid”, sagte sie, freute sich mit den Worten, die nicht dem menschlichen Wesen Nawatus entsprachen, sondern vielmehr ihres leibhaftigen Überichs: “Nintu grüsset euch in ihrer unendlichen Weisheit und Göttlichkeit. Ihr seid stets willkommen und jede Begegnung wird die vorherige übertreffen in ihrer Gnade und Herrlichkeit !" dann lachte sie zynisch, spuckte speiend zu den Köpfen hinauf. Als dann fertigte sie mit Stricken eine Aufhängung, sodass sie Turiya, die schmerzbeladen zwischen Schlaf- und Wachzuständen stöhnend wechselte, zwischen beiden Pferden auf einem gespannten Fell lagern konnte. Dann ging es im Schritttempo los.
Die Nacht war still und klar, von Sternenlicht erhellt. Nichts mehr war von den Wölfen zu hören. Aber Nawatu spürte, sie waren da. Geräusche hörte sie nur vom langsamen Hufgetrampel der Pferde. Es war so, als würde die Wildnis tief durchatmen und dem kleinen Tross freies Geleit gewähren, aber auch spüren, dass sich da mehr bewegte als nur verlorene menschliche Gestalten. Nawatu genoss die Kühle der Nacht und die Ruhe der Natur. Es war ihre Welt. Als sie sich dann der grossen Höhle näherten, stand da bereits Belite etwas gekrümmt auf einem Speer abgestützt vor dem Eingang in aufgeregter Erwartung. Im Gegensatz zu sonst verbarg sie ihre Gefühle nicht. Wie lange hatte sie dort wohl schon gestanden ? Nawatu hatte es geschafft und die Blicke von Belite belohnten sie – sie waren voller Stolz. Dann sagte sie: “Du hast sie besiegt. Bei Mitra, du kommst mit in die Hölle. Dort feiern wir ein Fest!” Sie freute sich riesig, zeigte es ganz offen und hob zunächst ihre Faust, dann warfen beide ihre Arme in die Höhe mit einem gleichzeitig einsetzenden vibrierenden Freudenjubel. Das schwebende Vibrato der Amazonen strömte den Hang hinab bis hinein zu den Wäldern, durchflutete die endlose Weite der Nacht und das dichte Sternenmeer schien zu den bebenden Schwingungen der Schreie zu springen und zu tanzen.
Als Turiya ihre Augen wieder öffnete, lag sie nackt auf dem hartsandigen Boden einer Höhle und blickte auf die vielen Wölbungen und Vertiefungen einer bizarren Felsdecke, die sie fratzengleich anstarrte. Diese Muster schienen sie wie böse Dämonen schrecklich und verhöhnend anzulachen, bewegten sich im entfernt flackernden Feuerlicht. Sie war benommen, ihre alten Rückenprellungen taten weh und auch die alte Wunde an ihrem Ellenbogen klopfte schmerzhaft. Ein dumpfer Druck schob sich gegen ihre Schädeldeckel und sie spürte das Ziehen einer Beule am Hinterkopf. Die Fesselung ihrer Handgelenke presste ihre Knöchel. Sie begann daran zu zerren, gab es aber gleich wieder auf. Es war sinnlos. Hände und Füsse waren an den Gelenken nach hinten zusammengebunden. Auch ihr Hals war mit einem Strick damit verknüpft.
Kalter Schweiss lief an ihrem nackten Körper herunter. Es gelang ihr nach einigen Mühen, sich aufzurichten und in die Kniehocke zu kommen. Die Leinen zogen dabei nur wenig an ihrem Hals, scheuerten auch nicht. Aber das würden sie tun, wenn sie sich häufig bewegen oder sogar daran ziehen würde. Sie sah entfernt weiter vorne das Lagerfeuer an dem zwei der Menschenfresser saßen. Sie drehten sich zu ihr um, starrten sie an, dann palaverten sie aufgeregt weiter, ohne sie weiter zu beachten. Ein Dritter setzte sich dazu. Auch er blickte zu ihr rüber und sie fühlte, wie er nach ihr gierte. Dann konzentrierte auch er sich auf das Palaver mit den anderen.
Sie schaute langsam an sich hinab, auf ihre Schenkel und von dort auf ihre Scham. Ein unheimliches Ziehen durchströmte ihren Unterleib. Sie würden sie vergewaltigen. Ein Schaudern überzog ihre Gedanken und eisige Furcht vor einem qualvollen Tod stieg in ihr auf. Sie senkte tief gedemütigt ihren Kopf, ihr Körper neigte sich ausgeliefert vor und ihre Mundwinkel zuckten fortwährend, Tränen rannen an ihren Wangen herab. Ihr wurde schlecht bei dem Gedanken an die, die sie geraubt und gefangen hatten. Sie schluckte würgend, hielt es zurück, atmete heftig. Es waren die gleichen, die ihre Familie geschändet, teils zerstückelt und stückweise auch gefressen hatten. Sie schüttelte sich, um sich von der erstickenden Apathie zu befreien, stemmte sich dagegen, riss sich energisch mit aller psychischer Kraft zusammen. Ihr Wille und ihre Wut waren stärker als ihre Verlorenheit. Sie mußte das durchstehen. Nur wenn sie sich unterwerfen würde, ihre Erniedrigung nicht erleiden, sondern erdulden würde, hatte sie eine geringe Chance ihren Tod hinauszuschieben. So meinte sie beurteilen zu können und so hatte sie es damals beobachtet. Alle leisteten Widerstand, ergaben sich nicht ihrem Los und starben allein deshalb vorzeitig einen langsamen Tod. Aber sie wollte überleben, fasste den Plan sich hinzugeben, Zeit zu schinden und keinen sichtbaren Widerstand zu zeigen, sondern bereitwillig ihre Demütigung mit schmachvoll erzwungener Lust zu erfüllen. Sie wollte nicht hilflos schreien oder widerspenstig zerren. Sie würde es ihnen geben, um am Ende frei zu sein.
Sie verstand was davon, von lustvoller Hingabe, mehr als alle ihre Geschwister, denn als Amme des Clanfürsten stand sie auch für die Dinge der Lust zur Verfügung. Der Clanfürst selbst hatte eher selten davon Gebrauch gemacht, sie war nur für die Vorbereitung, für das Vorspiel zuständig, dann widmete er sich seinen Frauen. Seine Söhne waren da eifriger, liessen sich schnell mal verwöhnen, aber es war nie Liebe und sie trieben es nur um Spass zu haben. Es stand ihnen zu und sie machte es gern, empfand grosse Lust vor allem mit beiden zusammen zur gleichen Zeit. Niemand hatte öffentlich davon erfahren, aber jeder im Dorf wusste es, denn die Aufgaben einer Amme waren bekanntlich weit gefasst. Es kam darauf an, eine Schwangerschaft unbedingt zu vermeiden, da der Amme dann der Tod als Strafe drohte. Die Ammen rieben deshalb ihre Scheide und den Gebärmuttermund mit saurer Milch und einer Honigsalzölmischung ein, kauten getränkte Weidenblätter oder sie trieben rechtzeitig ab, verschwanden bis zur Hochschwangerschaft an einen geheimen Ort, wobei sie nach der Geburt das Kind sofort töteten und verscharrten.
Sie hoffte, sie würde als Lustsklavin wertvolle Zeit gewinnen bis Nawatu sie hier finden würde. Nawatu würde kommen und sie befreien. Da war sie sich sicher. Was sie mit ihr erlebt und gesehen hatte, war unfassbare Magie und deshalb wusste sie, dass Nawatu es schaffen würde. Doch wieviele waren es? Drei sassen noch am Lagerfeuer, einen sah sie weiter entfernt am Eingang. Sie erkannte gleich, dass er eine Falle legte. Wie sollte Nawatu dann in die Höhle gelangen? Turiya war klar, da half nur eine List, denn solche Eingangsfallen waren allgemein verbreitet. Wenn Nawatu soetwas nicht wissen sollte, weil sie doch ein naturverbundenes Dorfkind ohne kriegerische Ausbildung war, so hatte sie doch Belite als Ratgeber, so hoffte sie. Belite würde um solche Dinge wissen. Dann entdeckte sie noch einen weiter hinten Sachen packen. Es waren also noch fünf. Wie sollte Nawatu das schaffen ? Es waren wilde, wenn auch primitive Krieger. Mit ihrem Zauber wäre es ein Leichtes, aber was, wenn dieser versagte ? Sie wusste darum, dass Rituale und Magie oft eine Ruhezeit benötigten, um erneut ihre Macht entfalten zu können. So hatten die Magier der Shamar es ihr anvertraut, aber die hatten nicht im geringsten solche Kräfte, wie sie sie an Nawatu erlebt hatte. Turiyas Gedanken kreisten wie verrückt um diese Fragen, die immerzu neu aufbrachen wie widerliche Geister, sie von ihrem trostlosen Zustand ablenkten, denn immer, wenn sie zu ihrem Verstand zurückfand, setzte Furcht und Verzweiflung ein.
Auf einmal erhob sich einer, blickte zu ihr rüber und kam schnell näher. Allein. Er baute sich vor ihr auf. Sie kniete etwas gebeugt in der Hocke vor ihm, senkte ihren Kopf gedemütigt. Er fasste ihre Haare und zog sie hoch. Liess sie dann nach einem kurzen Moment los und sie bewahrte ihre Haltung. Ihre Blicke verhakten sich. Seine Augen bohrten tief in ihr Inneres hinein. Ihr war, als wollten sie es verbrennen. Sie wandte sich aber nicht angstvoll ab, schaute ihn nur leeren Blickes an. Sie überragte ihn, schaute auf ihn herab. Sein Kopf reichte gerade bis zu ihren grossen Brüsten. In ihm steckte soviel animalische Stärke und Gewalt, wie sie es noch nie an jemanden gesehen hatte. Er spannte seine Muskeln wie eine Drohgebärde seiner körperlichen Überlegenheit. Er war kleinwüchsig, aber sehr stämmig gebaut und an allen Stellen seines Körpers voller Muskelpakete. Mächtige Bizeps und Oberschenkel, starke gewölbte Bauchmuskulatur, kurzer breiter Stiernackenhals, der in die mächtigen Schultern überging mit überbordener Bärenkraft. Viele Narben zeugten von schweren Kämpfen. Tätowierungen erzählten die Geschichten dazu. Er war mit enganliegenden vergoldeten Knochenschmuck behangen, als Insignien seiner Führerschaft. Wo er war, herrschte Einschüchterung, Tod und Verderben. Wer ihm diente, gehörte ihm, unterstand seinem unbedingten Willen, wurde versklavt oder fand einen grausamen Tod.
Er grinste sie an, schnalzte mit der Zunge. Dann hob er seinen rechten Arm, winkte die anderen heran, deutete auf ihre Fesseln und seine Hand bewegte sich dabei kreisend schnell hin und her, so als würde er einen Flaschenzug Befehle erteilen. Ehe Turiya klar war, was mit ihr geschah, hatten sie einen starken Stab durch die Ösen ihrer Fesseln getrieben, sie aufgezogen und hievten sie in die Höhe. Sie baumelte nun in Brustlage leicht aufgerichtet mit dem Oberkörper nach vorn und durchgestreckten Rücken vor ihm hin und her. Er packte ihre Schulter und gab ihr einen Stoss, sodass sie sich um die eigene Achse drehte. Dann stoppte er sie, hielt sie an ihrem rechten Busen fest, der sich mit ausbremsenden Schwung in die Länge dehnte. Er grinste sie breit an während sie ihr Gesicht vom reissend schmerzenden Ziehen ihrer Brust verzog. Ihre grossen Brüste waren nun dicht vor ihm in Augenhöhe, baumelten wie lang und voll gefüllte Beutel hin und her. Seine rauhen und starken Hände grub er wie Pranken darin hinein, knetete, wühlte und presste. “Seht euch das an. Die hat Zitzen !” sagte er in einer fremden Sprache zu den anderen, die sie nicht verstand und hielt sie auf seinen Händen hoch. Dann klemmte er mit seinen Fingern ihren Brustvorhof zusammen und zog ihre Brüste lang. Ein stechender und brennender Dehnungschmerz durchfuhr Turiyas Körper bis ins Rückgrat, aber sie schrie nicht, zwang sich nicht zu schreien. Sie war eine Kriegerin, beherrschte ihren Schmerz. Dann liess er sie los und zurückspringen. “Sind das Rieseneuter. Boah, die sind voll. Genug für uns alle.” Wiederholte dies ein paarmal mit beiden Busen gleichzeitig. “Seht ! Da kommt was raus.” Er presste und drückte Milch heraus. Er wiederholte dies während er mit der anderen Hand ihren Brustansatz zusammendrückte und ihren Busen wie eine grosse Pampelmuse aufpumpte. Turiya wand sich vor Schmerzen, drückte mit ihren starken Muskeln, zerrte an ihren Fesseln, die sich blutig verfärbten, war aber in ihrer ausgelieferten Lage ohne Bewegungsspielraum. “Hey! Seht sie euch an. Nicht nur dicke Euter wie eine Amme, sondern auch Muskeln wie ein Leopard. Das gibt es nicht. Sowas hab ich noch nicht gesehen. Ist die heiss Mann !” Er lachte wiehernd, schlug sich krümmend auf die mächtigen Schenkel und die anderen stimmten laut in ein schallendes Gelächter mit ihm ein. Er bückte sich, um ihre Milch zu schlecken, spritzte noch ein paarmal und tat es mit ihren anderen Busen auch. Dann zog er beide Busen an den Brustwarzen wie Tüten in die Länge, dass sie regelrecht zurückklatschten, als er sie losliess. Turiya schrie das erste Mal. Mit dem Handrücken schlug er ihr daraufhin ins Gesicht sodass ihre Lippen aufplatzten, versetzte ihr einen weiteren Hieb auf das linke Auge. “Halts Maul Schlampe! Halt die Fresse sag ich dir!” Dann hob er ihre prallen Brüste hoch und begann damit, sie wie Pudding laut platschend hüpfen zu lassen. Der Schwung wurde immer kraftvoller und ihre Brüste schnellten in die Höhe und dehnten sich weit. Seine rauhen harten Hände versetzen dabei ihren weichen Brüsten massive Schläge und die Schmerzen zogen bis in die ihre Magengrube.
Dann hörte er auf, wandte sich zu den anderen. “Einfach riesengrosse Titten. Die halten was aus. Hier seht die Dehnungstreifen, die war schon übervoll. Sie ist eine Amme. Dann soll sie uns auch bedienen." Er zog nun zwei Stricke hervor. "Kommt! Bevor wir unseren Samen geben, spendet sie uns Milch. " Er lachte und die anderen auch, die sich nun auch vor ihr stellten. Sie wickelten die Stricke fest um ihre Brüste, zogen diese weitestmöglichst in einer beweglichen Schlaufe zu einem pressenden Ring zusammen. Wie gewaltig gespannte Blasen richteten ihre Busen nun auf. Mit ihren Fingern puhlten sie an ihren Nippeln, die wie dicke Propfen steif und lang hervorstachen und sich öffneten. Milch trat aus und tropfte immer schneller herunter. Dann zogen sie die Schlaufe langsam quetschend fester, die Milch sprühte unablässlich in feinen Strahlen, die sie mit einem gespannten Ledertuch auffingen. Das Gestöhne und Gewimmer von Turiya ignorierten sie völlig. Im Gegenteil, es machte sie an. In langsam rutschenden Bewegungen, die die Haut blutig scheuerten, pullten sie die Schnüre noch fester, sodass sich ihre nun dunkelrot angelaufenen Busen schliesslich restlos leerten. Das mit Turiyas Milch gefüllte Ledertuch reichten sie nun reihum, sodass jeder einen kräftigen Schluck nahm. Die quetschenden Stricke, die sich langsam blutig verfärbten und ihre blank aufgeblähten Busen, die im weiteren Verlauf der Torturen langsam vom dunkelrot ins rotbraunbläulichschimmernde steif und fest verharrten, lösten sie nicht.
"Guckt sie euch an." Er zwackte ihr an verschieden Stellen ins Fleisch. Zog und drehte schmerzhaft daran. “Mann was für Muskeln. Und ein Frau, nicht fett und waberig wie die anderen." Er boxte ihr in die Schenkel. “Mann, ihre Schenkel. Ihr habt gesehen, wie sie geschossen hat. Sie ist eine weisse Kriegsamme und eine Hure dazu. Eine Milchamme für ihre Sippschaft und eine Nutte für den ganzen Clan !” Sie lachten abermals. Dann schaute er sie stechend an: “Aber jetzt tust du das für uns !” Sie johlten allesamt. Dann nahm er seinen Dolch, hob seinen rechten Arm über ihren Kopf, der linke fasste an den langen blonden Haarschopf und er schnitt ihr die überstehenden langen Haare mit einem Ruck ab. “Blond. Wie das glänzt!.” Er zog ihre abgetrennten Haare straff, es war fast ein Meter, liess sie kreisen und wickelte sie um seinen Hals und verknotete sie als Zeichen für seinen Besitzanspruch. Dann griff er ihr in den Schritt und zog an ihren buschig dichten, blonden Schamhaaren, sodass ihr Körper sich langsam in die Höhe aufbäumte. Turiya presste schmerzverzerrt Augen und Mund aus Angst vor weiteren Schlägen ganz fest zusammen. Ihr linkes Auge wurde dick. Sie war jetzt völlig starr vor Schmerz und Anspannung und zitterte am ganzen Körper. “Na ?” sagte er zu ihr. "Du wirst doch gehorchen ?" Ihre Augen hatte sie voller Angst weit aufgerissen. Dann zu den anderen. “Wie sie guckt. Die hat Feuer. Ein weisses blondes feuriges Rasseweib. Welch ein Geschenk!” Er hielt sie nun mit ihrem ganzen Gewicht in der geraden Stellung an ihren Schamhaaren fest. Dann drang sein Mittelfinger wie ein dicker Knauf tief in sie ein. So hielt er sie jetzt fest. “Du bist jetzt mein, mach was ich will und du lebst oder du bist tot. Und denk daran: Beim ersten Mal tuts immer weh.” Dann zog er mit einem kräftigen Ruck die Brustschlaufe. Ihre Busen richteten sich wie aufgebläht noch steiler auf. Die Brüste hatten sich dunkelrot bis violett verfärbt und ihre starken Äderchen, die auch sonst ihre Busen wie ein fein schimmerndes und zierendes Geflecht durchzogen, waren krampfadrig angeschwollen. Turiya riss alle Nerven zusammen, fühlte eine Starre, die sie lähmte, dann atmete sie heftig, vermischte sich mit verzweifelten Entsetzen und blinder Wut. Ihr Körper war sehnig angespannt, zitterte heftig. Sie begann zu sabbern und zu schnauben, ihre Augen fielen in den Tränenfluss. "Spüre ich da noch etwas Widerstand ?" Turiya versuchte ihre Atmung zu beherrschen. "Gut, wer nicht hören will, muß fühlen." Es war auf einmal schrecklich still. "Du willst also nicht hören ?", dann zu den anderen gewandt. "Wozu braucht sie ihre Ohren noch ?" Voll gespannter Erwartung nickten sie zustimmend, grinsten dabei schrecklich. Turiya, wie zu einer Säule erstarrt, wimmerte nun. "So ist richtig, aber Strafe muß sein." Noch immer hielt er sie an ihren Schamhaaren fest. Mit der anderen freien Hand nahm er seinen Dolch und trennte die Ohrmuscheln ab, sodass sie am Läppchen herunterhingen. Turiya blutete stark aus den Ohrstümpfen war aber jetzt völlig verstummt. Dann riss er erst das Linke ab, das andere dann auch und saugte daran. "Hmmm, wie das schmeckt." Während er sie weiter festhielt, ging er ein wenig um sie rum zu den anderen gewandt und drückte einem die abgeschnitteten Ohren in die Hand. "Tu sie ins Feuer. Ich liebe geröstete Weibsohren, meine Leckerei für unterwegs." Dann zu Turiya: "Ich lass dich am Leben, aber wenn du rumzickst, verschone ich dich nicht. Es geht dann ganz schnell, schneller als du hören kannst." Er lachte auf und liess sie los. Sie fiel voller Schwung in die alte angewinkelte Schräglage zurück. Mit seiner linken Hand deutete er, sie etwas tiefer abzusenken, was auch sofort geschah. Dann befahl er mit einer flüchtigen Handbewegung, sie sollten sich hinter ihr stellen. “Sie wird mir jetzt einen blasen und ihr könnt sie ficken. Weitet sie dann. Wir werden es viele Tage tun bis sie reif für den Zirkus ist. Fickt sie, aber ich will sie lebendig. Setzt ihr so zu, dass sie nicht mehr flüchten kann. Sie muß aber heil bleiben, sonst verliert sie an Wert und Abdul Khan macht uns einen schlechten Preis. Aber an Schmerzen muß sie sich gewöhnen. Sie darf nicht zu schlimm aussehen. Habt ihr verstanden ! Ich breche noch heute Nacht auf. Schon morgen abend bin ich zurück. Abdul Khan wird sie mir aus den Händen reissen. Sie hat uns grossen Schaden zugefügt. Sie ersetzt uns unseren Verlust, den sie uns mit ihrer Hexenschlampe zugefügt hat. Die Tierarena wird ihre Belohnung sein. Sie werden alle johlen, nur um sie zu sehen. Sie wird die weisse Königin der Tiere sein. Wie lange ist es her, dass eine blonde Weisse mit Tieren gebumst hat ? Einen Hengst wird sie reiten. Ach, alle Tiere werden sie lieben und vor allem auch das Publikum !” Sie lachten erneut wiehernd auf. Dann liess er seinen Lendenschurz fallen, hielt seinen noch schlaffen beschnittenen Schwanz direkt vor ihr Gesicht. “Los, zeig was du kannst.” Sie, mehr von Schmerzen betäubt als bei klaren Verstand, glaubte nicht, was sie sah, er war sehr massig und groß. Sie öffnete ihren blutverschmierten Mund und er drückte ihn hinein. Allein schon mit seiner Eichel hatte sie den Mund voll. Doch zunächst entleerte er seine Blase. Sein Urin durchströmte ihren Mund, ihren Rachen und spülte die ausgetrocknete Speiseröhre hinab. “Oh Mann, hat sie Durst – schaut wie sie trinkt! Oh, wie das schmeckt!” Sie begann nun zu lutschen und seine starken Hände hielten ihren Kopf an den Haaren. Er half mit hastigen ruckvollen Bewegungen nach. “Seht, sie weiss wie es geht. Und wie sie es weiss. Sie ist eine elende Hure. Hab ich es nicht gesagt ? Ihr macht es nichts aus. Sie ist genau richtig für den Zirkus. Los, macht schon!” Sie spürte wie sie ihre Schenkel auseinanderbogen und sich der erste Ständer in sie hineinbohrte. Sie hatten sich bereits einen gewichst. Sie war noch trocken und es tat weh. Die beiden hinteren wechselten sich ab. Brutal hämmerten sie ihre Steifen in sie hinein. Beide hatten eine Rute aus Zweigen mit der sie dabei im Takt ihrer Stösse auf ihren Rücken schlugen. So machten sie weiter. Sie bestiegen sie wie Tiere. Hart mit roher Kraft und völlig triebversessen, doch zusätzlich mit menschlicher Geilheit und peitschender Gewalt.
In ihrem Mund wuchs sein Schwanz schnell zu einem harten Steifen heran, sie mußte immer schneller schlucken, hatte Angst zu ersticken, so riesig schien er tief in ihrem Rachen bis zur Kehle anzuschwellen. Mit jedem Stoss atmete sie schwerer, ihre Mundatmung versagte und sie schnaubte immer hastiger durch die Nase um Luft zu bekommen. Ihr war als müßte sie jeden Moment ersticken und die schnellen Schläge ihres Herzens klopften in ihrer Brust, schliesslich wie Paukenschläge ihre Rippen entlang. Sie wollte überleben, war voller panischer Angst. Die anderen klatschen häufig auf ihren Hintern wie bei einem Maulesel, um sie anzutreiben und geisselten sie weiter während sie fickten. Turiya fiel in einen entrückten tranceartigen Zustand indem Schmerzen und Orgasmen ineinander übergingen bis sie begann heftig zu ventilieren. Dann kam er, sein Samen ergoss sich in ihren Schlund. Er stemmte seinen Ständer noch einmal tief in ihren Rachen hinein, liess sie unentwegt schlucken, würgen, sie war völlig rot angelaufen und der salzige Schweiss brannte in ihren Augen. Er weidete sich daran. Dann liess er von ihr ab. Turiya prustete, rang wild nach Luft während die anderen ihr immer heftigere Stösse versetzten, die Körper aneinander klatschten. Es waren sehr brutale Stösse und Turiya war, als würden sie ihren Bauch sprengen. Dann kamen auch sie, der eine spritze alles auf ihren blutüberströmten Rücken, der einem lichterloh brennenden Flammenmeer des Schmerzes glich, der andere schoss seinen Samen tief in sie hinein. Als sie fertig waren, urinierten sie auf ihre offenen Wunden und ihren Nacken bis zu ihrem Kopf hinauf. Dann schlugen sie lachend noch mehrmals auf ihre Schenkel und Hintern. Es brannte alles fürchterlich und Turiya schrie laut auf. “Fresse, du Mistschlampe!” Einer schob nun beide Hände in sie hinein, dann ballte er eine zur Faust während er die andere rauszog. Drehte sie mehrmals in ihr herum und steckte bis zur Elle in ihr drin. Dann zog er sie heraus und beide schoben etwas Kaltes und Halbrundes in sie hinein. Drehten es und danach drückten sie ihre Schamlippen fest zusammen, verknoteten ihre Schamhaare mit einem Stöckchen um sie zu schliessen. Dann liessen sie von ihr ab und zogen sich zurück.
Sie baumelte noch eine Weile hin und her, unfähig klare Gedanken zu fassen, zerschmettert vom Sturm der mehrfachen Vergewaltigung. Je mehr sie wieder zu sich kam, desto mehr meldeten sich zuerst die Schmerzen zurück. Ihr geschwollenes Auge, ihre abgetrennten Ohren, ihr Hinterkopf, ihr aufgeschürfter Rücken, ihre strangulierten Brüste und ihre vom Ziehen blutunterlaufenden geschwollenen Brustspitzen brannten so stark, als würde ihre ganze Brust zerreissen. Ihr Unterleib stand unter Druck, dehnte sich immer stärker, das kalte Ding in ihrem Leib schien langsam und bedrohlich hart aufzuquellen. Vermutlich ein Pilz oder eine Frucht. Allumfassende Angst breitete sich wieder unheimlich in ihr aus, blockierte ihr Denken. Ihr schwante Fürchterliches, aber sie verdrängte den Gedanken daran, denn das wäre weit schrecklicher, als was sie sich vorstellen konnte. Sie ahnte, wenn Nawatu sie nicht befreien würde, stand ihr Schlimmeres bevor, als ihren Geschwistern. Sie hatte nichts von dem verstanden, was der Häuptling gesagt hatte, aber offenbar hatten sie sie aus ihrer Sicht noch verschont, waren es gewohnt zu schänden, lebendig zu zerstückeln. Sie war sich im Klaren, noch mit dem Leben davon gekommen zu sein, fragte sich, ob sie darüber froh sein sollte, fühlte sich ausgelaugt und niedergeschmettert.
Einer kam nach einer Weile zurück, reichte ihr eine hölzerne Schüssel hin. Er nahm ihren Kopf und tauchte ihn hinein. Sie sollte schlürfen und schlecken wie ein Tier. Turiya war durstig, ihre Kehle wie ausgebrannt, schleckte und schlürfte, leerte die Schüssel, auch aus purer Angst vor weiteren Schlägen. “So, brav,” raunzte er. Es war irgendein dickflüssiges Gebräu, das sie nicht kannte. Sie hatte endlich wieder Geschmack im Mund. Er befahl ihr die Schüssel sauber zu lecken, indem er ihr Gesicht nochmal kurz und schmerzhaft drauf drückte. Sie tat dies, dann drehte er sich um und verschwand. Wenn sie sie fütterten, würden sie sie noch am Leben halten, kam ihr sofort der Gedanke. Töten würden sie sie nicht, höchstens im Rausch. Sie war jetzt ihre Sklavin, weniger wert als ein Tier. Trotzdem schöpfte sie Überlebenskraft, Lebensmut wollte sie es nicht nennen. Würde alles über sich ergehen lassen. Sie wusste jetzt, gefügig sein, reichte ihnen nicht. Sie mußte sich ganz und gar ergeben. Nawatu würde sie finden und befreien. Das war ihre letzte doch schon jetzt weitentrückte Hoffnung. Wenn nicht hier, dann auf dem Weg dorthin, wo man sie hinschaffen würde. Nawatu würde ihren Spuren folgen. Der Druck in ihrem Unterleib nahm zu, drückte und dehnte nach allen Seiten, nahm immer mehr ihre Gedanken in Besitz. Ihr Körper ruckte von Nervenzuckungen geplagt immer wieder beissend zusammen. Ihr schien, als kämen die Schmerzen jetzt von überall. Alles in ihrem Unterleib schien auseinanderzuplatzen. Sie konnte nicht mehr, der Damm war gebrochen. Sie fing an zu wimmern und zu jaulen, nicht dass sie es wollte, es brach körperlich aus ihr heraus. Es war der völlige seelische Zusammenbruch. So sah sich einer genötigt, sich vom Lager aufzuraffen und sie erneut aufzusuchen. Er schlug ihr kräftig ins Gesicht. Dann trieb er ihr einen Ballen in den Mund. Er knebelte sie regelrecht. Ihr Wehklagen wollten sie am Lagerfeuer nicht hören. Es störte ihre angeregte Unterhaltung beim Spielen. Es war ein beliebtes und fesselndes Steinchenspiel, wo es darum ging, dem anderen geschickt die Steine abzuluchsen. In der Höhle hatte ihr Wimmern einen schauderhaften Klang, schien gespenstisch aus allen Ritzen der Höhlenwände zu kommen. Es war einfach unerträglich. Deshalb verlangten sie Ruhe und knebelten sie.
Nawatu kroch ächzend eine kleine leicht ansteigende natürliche Röhre im Fels hinauf. Sie mußte sich hindurchzwängen, aber Belite hatte es auch schon einmal geschafft und sie selbst war kleiner und schlanker. Ihre Ellenbogen scheuerten sich wund und sie spuckte häufig vor sich zur Seite aus. Sie durfte nur nicht zuviel Geräusche machen. Ansonsten war die Steinröhre ziemlich glatt, sandig und staubig. Heftige Regenfälle spülten sie aus und auch die Abfälle aus Kot. Sie konnte nach einer kleinen Kurve das Ende erkennen. Es war das Kotloch, da wo die Höhlenbewohner ihre Notdurft verrichteten. So gelangte sie unbemerkt in die Höhle, wo die Menschenfresser Turiya quälten und schändeten. Ihre Turiya. “Die Schweine!” ächzte sie. Hier würde sie ihren ersten Schlag ausführen. Ein stinkender und schmutziger Schlag, aber lautlos und tödlich. Sie war mit zwei giftigen Dolchen bewaffnet, einem Wurfbeil und einem Speer. Belite hatte ein ganzes Arsenal im Lager, eine richtige Waffenkammer, für jeden Zweck genau das Richtige. Nawatu grinste über beide Backen. Sie freute sich auf das was kommen würde. Egal wie es endete, es war das, was sie wollte. Turiya befreien oder sterben.
Am Ende angekommen zwängte sie sich heraus, sie war dabei lautlos wie eine Echse. Sie stand mit den Füssen inmitten von Knochen- und verdörrten Fleischresten und Kot. Ob sie schon gefressen hatten? Menschenfleisch. Allein der Gedanke daran schäumte in Nawatu unheimliche Wut herauf. Aber dann grinste sie wieder. Sehr gut, dachte sie sich, alles verlief nach Plan, genau wie es Belite gesagt hatte. Vermutlich sassen sie noch am Feuer und palaverten. Vielleicht schliefen sie schon. Ein unerklärliches Überlegenheitsgefühl stieg in ihr auf. Sie war sich sicher, erfolgreich zu sein. Es war alles wie ein schwindelerregender Traum. Ihre Zauber hatten momentan keine Kraft, hatte Belite gesagt und trotzdem würde sie es schaffen. Sie mußte nur seelisch ruhig und geistig kühl sein und warten. “Überwinde deine Gefühle, schalte sie einmal in deinem Leben ab. Ich weiss, dass es dir schwer fällt, Nawatu, da du ein Gefühlswesen bist. Aber tue es. Für Turiya. Für dich. Und für mich. Für uns alle. Oder du bist tot.” Das waren Belites Worte. Die Wache würde sicher noch weiter was essen und trinken zwischendurch, allein aus Langeweile und um wach zu bleiben. Dann würde alles blitzschnell gehen. Nur ein Stoss. Ganz gezielt. Er würde nichtmal schreien, hatte sie gesagt, wenn der Stoss blitzschnell nach der Ausatmung tief genug eindringen würde. Ihm würde einfach die Luft weggesaugt durch einen tiefen Schmerz im Magen. Er würde lautlos und verkrampft würgen und sich übergeben. Darauf käme es an. So hockte Nawatu völlig unbemerkt und nicht sichtbar eine ganze Zeit in Lauerstellung in der dunklen Kotgrube. Dann kamen Schritte näher. Jetzt ging es sehr schnell. Alles lief bei ihr auf Hochtouren und sie hielt den Speer in Schrägstellung, ging in die Hocke. Sie spannte ihre kleinen Muskeln an, nahm ihre ganze Kraft zusammen. Nun kam der schlimme Augenblick, der sie nicht durcheinanderbringen durfte. Sein nackter Hintern ragte genau über ihren Kopf über den Grubenrand. Erst piehte er, sein Urin spritzte an die Grubenwand, dann begann er zu pressen. Sie mußte dies noch abwarten. “Warte ab, bis er ausatmet, dann stoss so tief wie möglich zu mit deiner ganzen Kraft. Halte ihn fest, treib nachschiebend den Speer immer tiefer in ihn hinein, so als wolltest du ihn eiligst stopfen. Seine Organe sind weich. Sein eigenes Gewicht wird das übrige tun. Du wirst sehen, es geht ganz leicht. Bleib fest stehen. Ändere deine Stellung nicht. Spiess ihn von unten regelrecht auf. Er wird mehrere Male zucken. Dann ist es vorbei. Setzte ihn rechtzeitig mit dem Speerende ab. Der Speer ist lang und steif genug. Du kannst ihn regelrecht festklemmen. Er wird seine Stellung nicht verändern. Aus der Entfernung wird es aussehen, als würde er dort noch sitzen.” Das waren ihre Worte. Jetzt kam ihr alles entgegen direkt in ihr Gesicht und auf ihren Schultern lief es ihren Oberkörper herab. Sie konnte sein stöhnendes Ausatmen hören. Jetzt. Ihr Speer durchbohrte seinen Darmausgang drang steil und glatt mit der scharfen Spitze in sein Inneres ein. Mit einer Riesenkraftanstrengung schob sie nach. Immer wieder. Es ging leichter als sie gedacht hatte. Und tatsächlich, sie hörte nichts. Kein grelles Schreien. Nur blubbern vom Blut und Gebrochenen, das aus seinem Mund die Brust herunter nach unten tropfte. Das Rucken seines Körpers bewirkte nicht einmal ein Ändern seiner Position und war weniger stark als Belite es beschrieben hatte. Selbst seine Beine blieben in der angewinkelten Hockstellung während der Speer nun durch seine Organe im Brustkorb drang. Nawatu stellte ihn ab. Sie war über den ganzen nackten Körper von Blut, Schleim und Kot besudelt. Sie mußte es sich schnell abwischen. “Dann säubere dich mit Salzwasser, so gut du kannst. Der Gestank würde dich sonst verraten. Nimm einen grossen Beutel mit. Reib deinen ganzen Körper damit ein, es laugt die Haut aus und entzieht ihm den Geruch. Deshalb lass auch den Lederharnisch hier, den kriegt man nach so einer Sauerei nicht sauber. Nawatu, wie ich dich kenne, nackt und unbekleidet kämpfst du sowieso am besten. Trage nur deinen Lederrock, den Brustschutz, deine Bundschuhe und die Gürtel für deine Waffen und die Rückenschlaufe für den Speer. Den Brustschutz lege in der Grube ab, damit er nicht beschmutzt. Aber du brauchst ihn unbedingt, um durch die Röhre zu krabbeln. Die Geräusche der Waschung können dich nicht verraten, da es sich wie Durchfall anhört. Sein organischer Durchfall.” Sie erinnerte sich an Belites vielsagenes kurzes Grinsen dabei. Ihr trockener schwarzer Humor verhöhnte schon jetzt die Menschenfresser und das gab Nawatu unheimlichen Mut.
In der Grube stehend konnte sie noch nicht drüber schauen. Man konnte sie nicht sehen, zumal von oben die Grube völlig dunkel war. Sie wusch alles soweit es ging ab. Dann kletterte sie vorsichtig aus der Grube heraus. Der Leichnam neben ihr hockte da, als wäre er nicht tot, selbst der Kopf starrte aufrecht. Nawatu staunte über sich selbst. Sie hatte die Wache lautlos beim Verrichten der Notdurft ausgeschaltet. Die Speerspitze hatte sich irgendwo in seiner Wirbelsäule am Halsansatz verhakt. “Drück seinen Kopf vorsichtig in eine natürliche Haltung.” Sie wandte sich ab und blickte zum Lagerfeuer, dass schon ziemlich abgebrannt war. Sie schliefen. Es waren zwei. Der Dritte lag in der Nähe von Turiya. Sie konnte Turiya schemenhaft erkennen. Sie hing geknebelt und an einem Stab gefesselt in der Luft. Wie ein geschundenes Tier, die steif aufgeblähten und strangulierten Busen nach unten hängend. Drehte sich langsam im leichten Windsog der Höhle um die eigene Achse. Vor und zurück. Da jemand in ihrer Nähe lag, wusste sie, dass Turiya noch leben würde. Nawatu freute sich. “Dann schleich dich heran, wie das geht, weisst du selbst am besten.” Gleich ist alles vorbei, dachte sie.
Die Höhle war so dunkel, sodass sie sich an deren Rändern unbemerkt im Schatten bewegen konnte. Nawatu sah zum Eingang, sah die Leine, die zur Falle führte. Ja, das hatte ihnen nichts genutzt. Sie wusste schon jetzt, dass es höchstens einen Kampf mit Nummer drei geben würde, wenn überhaupt. Aber nur, wenn er etwas merken würde. Sie nahm nun ihre venoyhanischen Dolche und wie ein Schatten schlich sie zu ihnen zum Lagerfeuer. Die Schnitte durch die Halskehlen bis zur Wirbelsäule führte sie so aus, wie Belite es ihr erklärt hatte, denn auch sowas hatte sie noch nie zuvor getan. “Du wirst dich wundern, es geht unheimlich weich und rasch. Der Anschnitt muß von deiner Seite zu dir hin erfolgen, dann spritzt das Blut nur in deine Richtung. So tötest du richtig.” Die Körper der Schlafenden ruckten nur mit vom Tode erschrockenen Augen und aufgerissenen stimmlos röchelnden Mündern. Es gab keinen Impuls mehr vom Gehirn, der Glieder hätte wecken können. Der Kopf war bis zum Knochen abgetrennt.
Schleichend bewegte sich Nawatu blutüberströmt zur Stelle, wo Turiya hing. Sie dämmerte vor sich hin, stöhnte hin und wieder, hatte offensichtlich starke Schmerzen, bemerkte Nawatu aber nicht, war wohl weggetreten. Der Menschenfresser wälzte sich auf einmal herum. Die hasserfüllten Blicke kreuzten sich. Er versuchte mit seinem Körper zu entfliehen und auszuweichen, stob heftig Sand auf und eine Machete blitzte in seiner Hand, doch das Wurfbeil Nawatus traf ihn bereits mitten im Bauch. Es gab keinen Kampf mehr. Er ächzte, ihm blieb einfach die Luft weg, lag auf dem Rücken und fasste den Stiel des Beils mit beiden Armen, wollte ihn herausziehen, schaffte es doch nicht aus Angst zu verbluten, hielt das Beil daraufhin krampfhaft fest. Dann starrte er schwer atmend zur Decke. Seine Augen waren voller Anstrengung und Überlebensangst. So blieb er liegen, völlig entrückt, starrte er seinen eigenen Leib und das Ding darin an. Dann begann er zu kriechen, versuchte zur Höhlenwand zu gelangen. Schliesslich lehnte er sich und mit beiden Händen das in seinem Bauch steckende Beil festhaltend dort völlig erschöpft an.
Belite hatte in allem recht behalten. Nawatu sah zu Turiya. Ihren geschundenen Zustand. Ihr Körper übersät mit Prellungen und Blutergüssen. Sie war geknebelt und gefesselt wie ein elendes Tier. Ihre wunderschönen Haare waren runtergestutzt und struppig. Ihre Ohrstümpfe waren verkrustet. Sie zerrte jetzt ungehalten und verzweifelt an den Stricken, ihre Gelenke aufgerissen, ihr Rücken von den Rutenschlägen in Striemen blutig aufgeschlagen. Ihr Überlebensdrang war ungebrochen. Überall war der Körper mit aufgeplatzten Kneifstellen übersät. Es mußte alles fürchterlich brennen. Ihre grossen schweren Brüste waren dunkelbläulich verfärbt und steif angeschwollen von rötlichen geplatzten Äderchen durchzogen, traten einige davon bedrohlich wie dicke Krampfadern hervor. Ihre Brustspitzen vom Pressen und Kneifen dick und blutig. Ihre Lippen aufgeplatzt und ein zugequollenes Auge blinzelte Nawatu blutunterlaufen und glasig an. Ihr heiles Auge hatte sie flehend aufgerissen. Pure Angst der Unentrinnbarkeit und der Schrecken der Unterwerfung sprachen aus ihnen. Sie stöhnte nun immer lauter unter dem Knebel, so laut und mächtig sie konnte. Sie rang um Hilfe und Befreiung.
Nawatu konnte es sich nicht erklären, war wie festgefahren. Sie war nicht imstande auf Turiya zuzugehen, sie zu entknebeln und ihre Fesseln zu lösen. Sie spürte wie etwas stärker war, sie lähmte und grollender Zorn in ihr aufstieg. Es schien aus ihrem Unterleib, ihrem Rückrat emporzukriechen. Es brodelte in ihr so, als wollte sie auf einmal schäumend überlaufen. Sie hatte die ganze Zeit eiskalt wie ein gedungener Mörder alle dahingemetzelt. Ihre Gefühle waren wie ausgeschaltet gewesen, so wie es Belite ihr zum Überleben im Kampf dringend angeraten hatte. Über die Perfektion wie sie es tat, war sie überrascht, aber jede Bewegung folgte den Worten Belites wie im Gebet. “Sei immer ruhig, gleichgültig und ohne Aufregung. Verliere niemals die Beherrschung. Dann tötest du sicher und schneller, als du denken kannst.” Nun brach es rasend, wild und befreiend aus ihr heraus. Sie schrie entsetzlich, streckte sich, riss ihre Arme auseinander und drehte sich wie eine fauchende in Blut getränkte Furie zu dem Schwerverletzten um, der sich gegen die Höhlenwand lehnend etwas aufgerichtet hatte. Dann ging sie langsam zu ihm, jeder knirschende Schritt war in ihrem Innern wie ein malmendes Stampfen. Sie blieb vor ihm stehen und musterte ihn kühl, blickte lauchernd auf ihn herab. Er war noch bei Bewusstsein, nahm ihre nackte und dunkle Erscheinung noch wahr, litt aber bereits an dem starken Blutverlust und innerer Blutung. “Na, hast du Spass mit ihr gehabt ?” Sie beherrschte seine Sprache und er blickte sie darüber verstörrt an, hielt verkrampft den Stiel der kleinen Wurfaxt, aber ohne wirkliche Kraft. Dann nickte er. Schwerverwundete lügen nicht, suchen nach Zustimmung und Gemeinsamkeit. Er war bereits zu schwach um noch inneren Widerstand zu leisten und es war unklar, ob er Nawatu überhaupt erkannte. "Das hast du gut gemacht, ich helfe dir,” fuhr Nawatu fort, grinste ihn unterwürfig und einfühlend wie eine mildtätige Schwester an und ging dabei in die Hocke. Den Schnitt, der sein Glied entfernte, spürte er offenbar nicht, da sein Unterleib unterhalb der Hüfte bereits taub war. Sein Blutverlust beschleunigte sich jetzt rapide. “Schau, was ich dir mitgebracht habe.” Sie hielt ihm sein abgetrenntes Glied hin. Sein Blick wurde trüber. Es war unklar, ob er es noch als solches erkannte. “Komm, das wird dir gut tun. Dieser Wurm ist süsse Medizin.” Er öffnete tatsächlich, hilflos, fügsam nach seinen entschwindenen Leben ringend seinen Mund. “Brav, so ist es fein.” Sie steckte es nun mit dem blutigen Stumpf zuvorderst hinein, sodass nur noch die Eichel herausragte. Dann stand sie auf und schüttelte sich lachend, verhöhnend und grimassenschneidend, wie in einem bösartigen Schauspiel mit vielen Verrenkungen, wohlwissend, dass es das Letzte war, was er von einem rangniederen weiblichen, dazu noch schwarzen Menschen wahrnehmen konnte. Das gab ihm dann den Rest, er sackte zusammen. Sie rückte seinen leblosen Körper noch etwas gerade zurecht. “So sitzt du richtig. Das wird deinem Häuptling sehr gefallen!” Der ungeheure Triumpf alle besiegt zu haben, entfesselte sie. Völlig enthemmt und fröhlich gackernd, warf sie ihren Kopf schelmisch vergnügt in den Nacken, hopste dabei im Kreis und das Echo der Höhle trug ihr Gelächter gespenstisch und unendlich wiederholend in alle Abgründe der verwinkelten Tiefen hinab. Dann beruhigte sie sich vornübergebeugt mit ihren Armen auf ihre Knie stützend wandte sie sich von ihm ab.
Turiya war verstummt, war wie weggetreten und spürte ihren schmerzenden Körper nicht. Es war für sie als stünde die Zeit still. Sie hatte alles mitangesehen und auch die bösartig närrische Wandlung Nawatus mitbekommen. Als Nawatu sie wieder anschaute, war es der gleissende ockerfarbene Schlangenblick, der Turiya zu blenden schien. Es war der gleiche Anblick wie beim Angriff in der Grotte. Das grausame Wesen, dass im Innern von Nawatu schlummerte, war auferstanden. Die Augen brannten wie feurige Lava aus den Untiefen der Finsternis ihrer Seele. Turiya schloss ihre Augen, wollte nicht glauben, was sie sah, vermochte weder gut und böse zu unterscheiden und war in diesem Lodern verfangen.
Nawatu lächelte sie sanft an und zog Turiya den Knebel aus dem Mund. Das unheimliche Wesen schien mit einem Mal entschwunden. Turiya keuchte und hustete. Sie würgte, übergab sich. Mit einem Mal waren alle Schmerzen wieder allgegenwärtig, lämten sie, vor allem die in ihrem Unterleib. Turiya schrie nur noch: “Zieh es raus, zieh es raus, bitte Nawatu ! Hinten.” Flehend wimmerte Turiya Nawatu zu. “Unten! Bitte ! Schnell ! Nawatu !" rief Turiya, nun hemmungslos kreischend und heulend und sich in den Fesseln windend. Nawatu sprang auf, traute ihren Augen nicht, befühlte vorsichtig den buckelig aufgewühlten Unterleib Turiyas, berührte die harte Erhebung. Die Haut war straff gespannt. “Nawatu, los, mach schon, ich halt es nicht mehr aus !” Nawatu löste mit dem Messer das Stöckchen aus der Verknotung ihrer Schamhaare, die an ihren Wurzeln bluteten und das runde Ding kam hervor, blieb aber stecken. Sie steckte ihren Finger hinein und begann vorsichtig zu schaben. Es war wie steifer Püree was da rausbröckelte. Dann fiel immer mehr heraus, wurde weicher und sie zog vorsichtig, zog es wie einen zerknitterten festen dickschaligen Lappen heraus. Es war eine matschige, aber hartgeformte Fruchtschale. Turiya entleerte sich in einer Mischung aus Schleim, Fruchtresten und Blut. Turiya war der Druck genommen, doch ihr Wimmern verstärkte sich, hörte nicht mehr auf. Nawatu liess sie schnell herunter, löste hektisch ihre Fesseln. Bestürzt sah sie die vielen Wundmale auf ihrem Körper und löste erst dann ganz vorstichtig die Stricke um die blau und steif angeschwollen Brüste, die aus vielen feinen Poren und Rissen bluteten. Turiya stöhnte. Die Stricke waren in die Haut geschliffen. Welch eine brennende Tortur. Sie sackten nun zusammen, blieben jedoch angeschwollen, wie aufgebläht und bluteten umso mehr. Turiya war nur noch Elend, wimmerte schrecklich, zitterte am ganzen Leib, zog Nawatu krampfartig an sich ran. Dann streckten sie ihre Arme Nawatu hilferingend und erleichtert entgegen. Die einst stolze Kriegsamme der Shamar war in der Tiefe ihres Herzens gepeinigt, seelisch erniedrigt, nur noch ein verstörtes und verletztes Wesen. Die Grösse und Schwere Turiyas erdrückte Nawatu fast, war Nawatu doch um vieles kleiner und schmächtiger. Beide umklammerten, umarmten sich, verharrten engumschlungen in der Hocke. Turiya heulte auf, es brach alles aus ihr heraus und auch Nawatu weinte ein wenig, aber vor Trauer eher still in sich hinein. Das Grauen und der Schmerz hatten sie zusammengeführt. In diesem erlösenden Moment verschmolzen sie, waren untrennbar eins.
Nawatu atmete tief durch, die Anstrengung fiel von ihr ab. Sie war überglücklich, wenn auch über den Zustand Turiyas hilflos bestürzt und stellte erleichtert fest, dass Turiya plötzlich eingeschlafen schien. Turiya war völlig ermattet und am Ende. Nawatu schaute besorgt auf ihren übel zugerichteten Körper, streichelte ihr die Schläfe und fuhr ihr durch das zerzauste kurze Haar, umkreiste die Ohrreste, fühlte ihre grosse Beule, die nur leicht aufgeplatzt und verkrustet war. Ihre Blicke wanderten zu dem Blut zwischen ihren Beinen, ihre Erinnerungen überkamen sie, als sie selbst geschändet wurde. wohl stundenlang hatte Turiya unter der Höhlendecke festgezurrt gebaumelt und alles über sich ergehen lassen müssen, was den klaren Verstand eines jeden übersteigt. Aber sie war am Leben. Nawatu hielt sie noch eine Zeit, dann legte sie Turiya vorsichtig zur Seite ab und deckte sie sorgsam mit einem Fell zu. Ihre Verwundungen würde ihre ganze Heilkunst erfordern. Aber es waren keine tiefen Fleischwunden oder Brüche. Die Ohrstümpfe würden sicher abheilen. Am Schlimmsten schienen ihr die Quetschungen, Scheuerwunden und schlimmen Blutergüsse der Brüste, der gemarterte aufgerissene Rücken und die Verletzungen des Unterleibs. Turiya würde natürlich nicht gehen können, sie mußte sie mit dem Pferd wegschaffen. Solange müßte sie sie zurücklassen. Sie löste die Falle am Eingang aus und lief los. Als Nawatu mit den Pferden zurückkam, war alles noch so, wie sie die Höhle vorher verlassen hatte. Turiya wälzte sich unruhig auf dem Boden, stöhnte häufig, schien aber, wenn auch sehr unruhig, zu schlafen. Nawatu suchte alles nach verwertbaren ab. Sie endeckte auch Turiyas wertvollen aquilonischen Bogen und ihre Pfeile. Sie atmete auf und packte auch alles übrige, was ihr brauchbar und nützlich schien auf das Pferd. Sie hatte keine Zeit alles auszusortieren, das würde sie zurück in ihrer Höhle tun. Die Köpfe der Menschenfresser, ausser dem, den sie entmannt hatte, sammelte sie ein, zog sie an einem Strick auf, den sie über den Höhleneingang hängend spannte, nachdem sie die Falle ausgelöst hatte. “Jetzt wisst ihr Bescheid”, sagte sie, freute sich mit den Worten, die nicht dem menschlichen Wesen Nawatus entsprachen, sondern vielmehr ihres leibhaftigen Überichs: “Nintu grüsset euch in ihrer unendlichen Weisheit und Göttlichkeit. Ihr seid stets willkommen und jede Begegnung wird die vorherige übertreffen in ihrer Gnade und Herrlichkeit !" dann lachte sie zynisch, spuckte speiend zu den Köpfen hinauf. Als dann fertigte sie mit Stricken eine Aufhängung, sodass sie Turiya, die schmerzbeladen zwischen Schlaf- und Wachzuständen stöhnend wechselte, zwischen beiden Pferden auf einem gespannten Fell lagern konnte. Dann ging es im Schritttempo los.
Die Nacht war still und klar, von Sternenlicht erhellt. Nichts mehr war von den Wölfen zu hören. Aber Nawatu spürte, sie waren da. Geräusche hörte sie nur vom langsamen Hufgetrampel der Pferde. Es war so, als würde die Wildnis tief durchatmen und dem kleinen Tross freies Geleit gewähren, aber auch spüren, dass sich da mehr bewegte als nur verlorene menschliche Gestalten. Nawatu genoss die Kühle der Nacht und die Ruhe der Natur. Es war ihre Welt. Als sie sich dann der grossen Höhle näherten, stand da bereits Belite etwas gekrümmt auf einem Speer abgestützt vor dem Eingang in aufgeregter Erwartung. Im Gegensatz zu sonst verbarg sie ihre Gefühle nicht. Wie lange hatte sie dort wohl schon gestanden ? Nawatu hatte es geschafft und die Blicke von Belite belohnten sie – sie waren voller Stolz. Dann sagte sie: “Du hast sie besiegt. Bei Mitra, du kommst mit in die Hölle. Dort feiern wir ein Fest!” Sie freute sich riesig, zeigte es ganz offen und hob zunächst ihre Faust, dann warfen beide ihre Arme in die Höhe mit einem gleichzeitig einsetzenden vibrierenden Freudenjubel. Das schwebende Vibrato der Amazonen strömte den Hang hinab bis hinein zu den Wäldern, durchflutete die endlose Weite der Nacht und das dichte Sternenmeer schien zu den bebenden Schwingungen der Schreie zu springen und zu tanzen.
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Sonntag, 22. August 2010
Belite V: "In der Dämmerung"
Nawatu erwachte, blickte in das orangerote Licht der Abenddämmerung. Am Himmel kreisten Raben und Krähen auf- und absteigend über den Aas und einige Greifvögel, die auch die menschlichen Kadaver im Auge hatten. Das Krähen und Krächzen erfüllte alles um sie herum. Dazwischen drängte sich das weit entfernte Jaulen von Wölfen. Sie hatte hier in dieser abgeschiedenen Gegend noch nie Wölfe gehört oder ihre Spuren gesehen. Jetzt nahten sie heran.
Sie atmete tief durch, lag nackt auf dem morastigen Boden, der sich lehmig, fast schlammig anfühlte. Sie fasste sich an ihre Brust und ihr Herz schlug schwer, tastete ihren Körper entlang und streckte sich mit einem leichten Ruck vor. Sie spürte keine Gliederschmerzen, fühlte sich nur erschöpft und ausgelaugt. Ihre Narben auf ihrem dunkelbraunen Körper waren rosarot und sie war überall mit Blut verschmiert. Ihre wunden Brustwarzen waren blutverkrusted angeschwollen und brannten. Brust und Unterleib drückten taub und ihre grünlich gefärbten Haare waren auch vom vielen Blut durchtränkt, verkrustet und verklittert.
Sie versuchte sich zu erinnern. Die Menschenfresser und der Pfeilhagel. Die Grotte. Die tödlichen Schüsse Turiyas. ... Und dann ? Nichts. Sie konnte sich nicht erinnern. Alles war wie weggewischt.
Wo war Turiya ? Sie erhob sich, stand da, nackt bis auf die Schulterbänder, die Stiefel noch an und ihre Halskette um. Überall lagen zerfetzte, leblose und ausgelaugte Kadaver. Es waren die Menschenfresser. Krähen und Raben machten sich an ihnen zu schaffen. Sie sah auf den eigenen zerrissenen Lendenschurz am Boden, völlig vom Blut besudelt. Angewidert hob sie ihn auf und schleuderte ihn angeekelt wie einen dreckigen Lappen weg zu den Krähen, die nur kurz meckernd aufflatterten und sodann erneut an den Fleischfetzten zogen. Sie wollte sich jetzt nur reinigen und waschen, sehnte sich danach, alles Unreine abzuspülen und sich zu erfrischen. Sie wollte schnell zurück zum See.
Sie nahm ihren Speer und den Dolch, dann schritt sie auf dem morastigen und teilweise zermatschten Boden die zerfleischten Leichen ab. Bevor die Wölfe hier sind, muß ich weg sein und ich muß zu den Pferden, sagte sie zu sich selbst. Sie kommen solange in unsere Höhle. Wir gehen zu Belite. Sie wird mir alles erklären. Ich glaube es war der Ring. Sie fasste an den Ring. Er fühlte sich so anders an. Wie ein weiches Teil von ihr. Nicht mehr so fremdartig. Sie musterte ihn etwas zögerlich und misstrauisch, fasste daran. Er war rottig wie immer, aber diesmal so ungewöhnlich anschmiegsam.
Wo war Turiya ? Sie stieg weiter zwischen den Leichen umher, die Raben und Krähen flogen auf, machten aber gierig weiter. Ein Greifvogel flog zornig auf, stiess herab und kreischte auf. Nawatu hob ihren Speer, dann zog sie ihren kleinen Elfenbeinstab aus dem Schulterarmband. Sie hob beschwörerisch ihre Arme, die wie zu Musik begannen zu schwingen. Der Greif war wie verstört und flog in weiten Kreisen in die Höhe, dann stürzte er herab, vertrieb zwei Krähen von einer anderen Leiche und hackte kräftig in das Leichenfleisch hinein.
Die Leichen sahen fürchterlich aus. Soviele ? Es waren mehr als zwanzig. Dann ging sie zurück zur Felsgrotte. Nichts. Nur die vielen zum Teil zersplitterten Pfeile, wie ein Bambusbelag. Sie stieg nicht hinein. Los schnell zu den Pferden. Dann fiel ihr Blick auf ein feines langes Haarbüschel am Boden. Es hatte sich festgehakt an einer alten knorrigen Distel. Blondes langes Haar. Sie hob es sanft auf, hielt es zur Nase, roch daran. Turiya. Das Haar duftete so schön. Sie liebte Turiyas milchigen Körperduft, wie alles an ihr. Sie schaute genauer hin. Doch hier genau gab es wegen der Steinplatten keine Fussspuren. Sie ahnte Schreckliches. Sie hatte endlich einen weiteren aufrichtigen Menschen kennengelernt, dem sie sich anvertraute, dem sie vertrauen konnte. Und nun ? Nur wegen solcher Schweine soll es alles gewesen sein ? Die Zeit mit ihr war viel zu kurz und doch waren die kurzen Momente mit ihr so intensiv durchflutend. Nein, sie wollte jetzt ihre bitteren Gefühle nicht zulassen. Turiya mußte noch am Leben sein.
Sie rannte den Hang hinunter, wo die Menschenfresser hergekommen waren, um nach Hinweisen zu suchen. Nichts. Die Pferde und Mulis alle weg. Mehrere leblose und teils ausgeweidete und durchtrennte Menschenkörper lagen hier wie abgeworfen wüst aufeinandergestapelt. Ihre Opfer der Menschenjagd. Sie hatten zuviel Fleisch, da soviel getötet worden waren. Es hatten also einige überlebt. Schafften sie Platz für Turiya ? Frisches saftiges Fleisch, stieg es in Nawatu angeekelt und entsetzlich auf. Dann überlegte sie. Ob sie zur kleinen Höhle waren ?
Sie lief noch einmal zurück zu den Leichen. Die Aasfresser hielten Ruhe und liessen sich nicht stören bis auf ein paar Streitereien untereinander. Nawatu schaute alle Toten noch einmal an und was von ihnen geblieben war. Kein Häuptling, auch kein Schamane, wenn es einen gab. Ihre Anführer hatten überlebt. Wieviele hatten überlebt?
Die Dämmerung schritt schnell fort. Sie erreichte den See und die Pferde. Alle waren noch da. Aber die Angst vor den Wölfen sprach aus ihren Augen. Dann rannte sie schnell ins Wasser. Wusch sich alles ab, reinigte sich. Es tat ihr so gut. Ihre Brustwarzen brannten dabei stechend und zogen ihren Brustkorb zusammen. Sie presste ihre Lippen zusammen. Auch ihre Scham brannte, aber dieser Schmerz, der in ihrem Unterleib drückte, war für sie nicht wirklich neu. Mal stärker anschwellend, mal unspürbar, sie hatte sich daran irgendwie gewöhnt. Dann griff sie schnell zu den Trinkbeuteln. Füllte sie alle mit frischem Wasser, nahm einen Stärkungsmet, leerte den Beutel hastig. Schliesslich bepackte sie die Pferde mit dem gesammelten Proviant und den übrigen Sachen. Sie nahm auch die Rebhühner. Jetzt dachte sie unversehens an den Bären, sah in Gedanken Turiya mit ihrem so selten freudigen Gesicht ihr zuwinken. Sie konnte sich nicht mehr halten, schluchzte nun doch, schluckte bitter und würgte bei den Gedanken an Turiya. Sie begann zu trampeln und zu stampfen. Ihre Arme hart angespannt und ihre Hände zu Fäusten gepresst. Mit einem Mal riss sie die Arme vom Leib, ihr Körper streckte sich weit in die Höhe. Sie kreischte auf und ihr fürchterlicher Schrei im Widerhall der Berge schien die Luft schallend zu zerschneiden: „Nein!"
Das Geheul der Wölfe schien nun noch zügiger näher zu kommen. Sie ging schnell zu dem Hengst von Belite. „Komm. Fulgor. Zu Belite!“ Wild hob er den Kopf. Belite, darauf hörte er. „Aisha!“ Es war das gescheckte schwarz-weisse. Noch immer nackt sprang sie auf ohne Sattel. „Schnell zu unserer Höhle zu Belite.“ Sie klopfte Aisha auf die Seite. Sie zogen alle los, recht zügig im Trab hinter Aisha mit Nawatu. Der Hengst von Belite hielt immer Abstand und wechselte die Seiten, sofern die Felsen es zuliessen. Allmählich wurde es dunkler. Doch bevor es Nacht war, würden sie angekommen sein. Schließlich kamen sie in einiger Entfernung an der alten verlassenen Knochenhöhle vorbei.
„Hoh!“ Nawatu schaute hinauf zur Höhle. „Wartet hier.“
Mit einem Hüftschwung sprang sie ab, schlich sich den steinigen Hang weiter zur Höhle hinauf. Ja, jetzt war es klar zu erkennen, da war Licht. Es schimmerte flackernd auf. Schwach, aber erkennbar. Sie hielt ihren Kopf in die Höhe in alle Richtungen, drehte ihn, wie ein Tier, das schnuppernd Witterung aufnimmt. Sie ging geduckt noch etwas vor. Ich kann sie riechen. Die Schweine. Sie sind hier. Und bestimmt auch Turiya. Ihr Herz klopfte schneller. Ja, sie haben sie gefangen, werden sie nun gefügig machen und brechen, um sie teuer zu verkaufen. Sie weiss, was einer Amme blüht. Sie wird keinen Widerstand zeigen. Sie wird sich darin ergeben. Deshalb habe ich noch eine Chance, sie zu befreien. Dann ballte sie verfluchend eine Faust, reckte sie der Höhle empor und hielt mit der anderen den Speer. „Ihr seid tod. Ich zerreisse eure Gedärme. Ich fresse euer Herz. Und eure Schädel spiesse ich für alle sichtbar vor der Höhle auf!“ sprach sie fluchend aus, sich sicher, dass niemand sie hören konnte.
Sie machte sich keine Gedanken mehr, wieviele es waren. Sie wusste nur eins, da wo Turiya war, war auch sie. Ob lebendig oder tod. Sie war bereit das Leid und den Schmerz mit ihr zu teilen. Und sie würde alles daran setzen, sie zu befreien. Sie drehte sich um und sah wenige Meter entfernt etwas Helles und Zerknittertes liegen. Sie ging darauf zu und hob es schnüffelnd auf. Es war der Lendenschurz von Turiya mit ihrem noch fast warmen milchigen Duft. Sie war sich nun sicher, Turiya lebt!
Sie kniff ihre Augen zusammen, die erneut zu lodern begannen. Sie stiess wilde Flüche und grässliche Verwünschungen aus und über ihr bitterböses Gesicht breitete sich am Ende ein finsterhämisches Lächeln aus.
Sie rannte hinunter, schnell zurück zu den Pferden. Mit einem kräftigen Sprung setzte sie auf Aisha auf. Dann stiess sie die Füsse Aisha in die Seite, spornte das kräftige schwarz-weiss gescheckte Pferd an. Schon bald hatte sie die grosse Höhle erreicht. Sie sprang ab wie im Fluge, rannte hinein. Die Pferde folgten ihr von allein. Der Hengst blieb aber draussen.
"Belite! Belite!" rief sie.
Belite hatte sie schon sehnsüchtig erwartet, sie konnte schon lange nicht ruhen. Nawatu war überfällig und hatte bereits eine Ahnung. Ihr war sofort klar, dass die Gegenwart der Pferde unmittelbare Gefahr bedeutete. Was sollten sie sonst in dieser Höhle. Die fremde Aquilonierin war auch nicht da. An Nawatus Gesichtsausdruck las sie die Verzweiflung ab. Belite war bewusst, dass was schreckliches passiert war. Aber was war nicht schrecklich in dieser Welt ?Mal sehen, ob sie erst um den Brei herumredet, wie sonst auch, dachte Belite insgeheim. Sie braucht das, um ihre Gedanken zu ordnen und Mitra sei Dank nicht um zu lügen.
„Du siehst aus, wie eine Mumie“, sagte Nawatu. Denn Belite war noch immer nahezu vollständig von Verbänden umwickelt. „Danke, das war dein Werk,“ erwiderte Belite. "Aber sie sehen noch gut aus, es sickert nichts mehr. Wir können sie entfernen. Bis auf das Bein." "Und den Rippenbrüchen", wandte Nawatu ein. Belite schluckte. "Und du? Ziehst du denn jetzt gar nichts mehr an? Wie eine Eingeborene ?“ Nawatu schaute etwas beschämt. „Dafür hatte ich keine Zeit“, antwortete sie etwas trotzig „Puh, das hört sich nicht gut an. Was ist passiert?“ Belite griff nach Nawatus Hand. Die Blicke ihrer grünen Augen hüllten Nawatu ein. Nawatu schaute nun erschöpft und niedergeschlagen. „Während du die Verbände wechselst, kannst du alles erzählen.“ Sie fragte nicht nach ihrer Begleiterin. Sie kannte Nawatu nur zu gut, sie würde durchdrehen. „Die Verbände mach ich später. Wir essen jetzt was. Dann muß ich wieder los.“ „Und wer sagt mir, dass du lebendig wiederkommst?“ Nawatu schaute auf den Boden. „Pass auf, du erzählst mir alles, wechselst die Verbände später. Essen kann ich alleine. Verzichten wir auf die Rituale.“ „Ja, ich hab soviele Fragen.“ „Ach, soviele? Denke, es ist nur eine, der Rest klärt sich dann von selbst. Komm, du hast keine Zeit zu verlieren.“
Belite nahm sie in den Arm und zog sie auf ihr Lager. Nawatu liefen die Tränen nur so herunter und sie weinte. „Nawatu, man hätte dich nach einem Gebirgsbach benennen müssen.“ Sanft strich Belite ihr durch das Haar. „Du bist verletzt, aber es heilt unnatürlich schnell." Belite musterte Nawatus Brüste und die aufgequollenen verkrusteten Stellen an den Brustspitzen. "Es müssen sehr viele gewesen sein. Die Öffnungen waren sehr stark. Sie hätten auch für fünfzig gereicht, " sprach sie wohl auch laut für sich selbst . "Nawatu, zieh dir was über, wenigstens einen Lendenschurz. Gut, dann mach uns was zu essen, wir sind beide hungrig und du mußt dich stärken, wenn du kämpfen willst. Dein Schlangenring hilft dir jetzt nicht mehr. Der braucht jetzt erstmal eine Pause. Bei neuen Ringträgern ist seine Macht nach einer Schlacht erschlafft und träge." Nawatus Augen waren weitgeöffnet, schauten Belite erstaunt an. Belite wusste offenbar alles. Aber genau das hatte Nawatu auch von ihr erhofft.
"Bitte pfeif erstmal deinen sturen Fulgur, er will uns beschützen, draussen kommen Wölfe,"sagte Nawatu wie beiläufig. "Wölfe ? Hier ?" Sie pfiff, auf ihre unbeschreibliche Weise und man konnte die Hufe und das freudige Wiehern des Hengstes hören. „Fulgur!“ vor ihrer Liegestätte blieb er abrupt stehen, senkte seinen Kopf, stiess gegen den ihren. „Aua“ Belite griff nach ihm und er hob seinen Hals, zog sie hoch. Sie liess ihn nicht los. Belite strahlte. Sie hatte Kraft, war stark, obwohl sie noch so schwer verwundet war. Alles schien auf einmal vergessen. Sie stand nun auf ihrem Lager und konnte sich kaum halten. Sie stand auf einem Bein, hielt den Klumpfuss leicht angewinkelt hoch. Nawatu sprang ihr zur Seite. „Mein Fulgor, wir haben uns vermisst,“ dann Nawatu zugewandt, "ein paar Wolfsfelle würden auch nicht schaden. Immerhin könnten wir sie im nächsten Dorf tauschen oder verkaufen. Natürlich erst Morgen - mit Turiya!"
Mit einer Hand hielt sie Fulgors Ohr und klopfte mit der anderen seinen mächtigen Hals, was mit den steifen Wickelungen der Verbände sehr skurril aussah. Nawatu lachte endlich wieder, denn Belite gab ihr die Geborgenheit, die Selbstsicherheit und das Gefühl schon morgen mit Turiya erneut zusammen zu sein. "Hört endlich auf ihr beiden!" rief sie, "das ist ja nicht zum aushalten!"
Nachdem alles von Nawatu zubereitet war und die leckeren Dämpfe die Nasen verwöhnten, assen sie nun zusammen und sie genossen das Beisammensein. Der Hengst wich nicht mehr von Belites Seite. Er stand nur zwei Meter entfernt hinter ihr, kam manchmal näher ran, auch das gescheckte Pferd Nawatus Aisha. "Wir leiden alle unter Entzugserscheinungen,"stellte Belite genüsslich fest. "Das ist ja wie auf einem Ponyhof." Beide lachten kurz auf, dann wurden beide wieder ernst. Nawatu berichtete Belite alles – bis zum Filmriss und was sie danach festgestellt hatte. Auf Nawatus Schenkeln schlängelte ihre Schlange, die sie aus dem Korb geholt hattte. Die Schlange genoss sichtlich die Körperwärme und wurde immer ruhiger nach anfänglicher Aufgeregtheit..
"Pass auf, meine liebe Nawatu, ich gebe dir deine Erinnerung zurück. Du wirst sie neu durchleben. Dann wirst du sie bei dir tragen, wie jede andere Erinnerung auch. Ich versetze dich in Trance, so erhältst du sie zurück. Dann gebe ich dir ein paar Hinweise, wie du sie töten kannst, auch ohne Einsatz deines Ringes. Denn dass du eine kleine Kämpferin bist, die man bald überall fürchten wird, das habe ich von Anfang an gewusst. Du, wo du einst ein einfaches Hüttenmädchen warst, geknechtet von deinen Eltern und der ganzen Sippe, der du geopfert werden solltest. Du, die in der Wildnis umherstreifte und mit den Tieren dich unterhieltst. Nintu, hat dich entdeckt, deine kindliche Natürlichkeit und dein unverfälschter Verstand hat sie beeindruckt. Deshalb hat sie, die Schlangengöttin, dich in ihr Herz geschlossen. Und ich auch."
Belite hielt für eine Moment inne, atmete tief durch. Ohne Nawatu konnte sie sich ihr Leben nicht mehr vorstellen. Dann fuhr sie weiter.
"Deshalb gibt dir der Ring diese unermessliche Kraft. Aber auch Weisheit wirst du erlangen, je länger diese Kräfte auf dich wirken. Du wirst in einer Weise reifen, wie es ein gewöhnlicher Mensch nicht vermag. Ja, du wirst vielleicht auch mich dann überragen. Ich fürchte es nicht, denn wir sind eins. In Mitra und Nintu finden wir zusammen. In dir tritt Nintu nach aussen in Erscheinung, wenn die Gefahr am grössten ist. Nintu wird dich leiten mit der Intelligenz und geschmeidigen Eleganz der Schlange. Nenne deine Schlange nach ihr, denn sie ermöglicht und verstärkt ihre seelische Gegenwart. Die Ringzauber kehren dann schneller zurück. Sie wird dir immer folgen. Sie ist heilig. Belite richtete ihren Oberkörper auf, nahm die Schlange mit beiden Händen, hob sie in die Höhe, dann küsste sie sie auf ihre züngelnde Schnauze. Kein Zischen, keine Gefahr. Nawatu war wieder sie selbst und staunte mit offenen Mund. Nun kroch die Schlange die Schulter und den Hals von Belite entlang, dann zischte sie zu Nawatu rüber, duckte sich und glitt an Belites Arm herab zu Nawatu, legte sich in ihren Schoß. Belite und Nawatu lächelten sich an.
"Und ich hoffe so sehr, dass deine Turiya für dich so ist, wie du sie beschreibst und nicht, dass es nur eine flüchtige Verliebtheit ist. Aber selbst die ist dir so sehr gegönnt. Ich wünsche euch, dass ihr gemeinsam noch viele glückliche Tage verbringen werdet. Turiya wird zu uns gehören – eine wahre aquilonische Kriegsamme können wir wirklich gut gebrauchen. Und ein gute Bogenschützin als Jägerin sowieso. Bei Mitra – sie ist ein Geschenk unserer Göttinen selber. Schon allein ihr Name ist gewaltig, das kann kein Zufall sein. Und das ihr Feuer und Flamme seid. Was geschieht, geschieht in Nintus und Mitras Namen. Sie wollen sich wieder vereinen - auch in euch. Uns stehen gewaltige Dinge bevor." Belite wußte genau um ihre Worte. Nawatus seelisches Gleichgewicht war wiederhergestellt. Ihre Augen leuchteten und der ockerfarbenen Schein blitzte dabei gelegentlich hervor. Sie fasste Belite ins seidige Haar, den freien Arm entlang, fühlte die Haut und streichelte sie immer wieder. Belite verschwieg ihr, dass auch in den schönsten Stunden Nintu erscheinen könnte, also nicht nur in grösster Gefahr. Sie wollte nicht, dass Nawatu sich um Turiya deswegen Sorgen machte. Doch Belite war sich sicher, dass Nintu Turiya bereits bei dem Gemetzel an der Grotte akzeptiert hatte, sonst wäre sie schon tod. Sollten sich Nawatu und Turiya wirklich lieben, würde Turiya eine traumhafte Liebesnacht erleben, wie sie für einen Menschen nicht vorstellbar ist. Belite schien, dass Turiya dies aber durchstehen und auch Nintu Befriedigung schenken würde. Alles andere wäre ein Schreckgespenst und Belite blendete jeden weiteren Gedanken daran aus.
Belite richtete sich nun auf, ergriff die Hände Nawatus. "Schau mich an Nawatu, ganz tief in meine Augen hinein. Der grüne Blick Belites hüllte sie ein, wie damals, als sie sie zum erstenmal traf, betäubte sie. Belite setzte nun ihre magischen und schamanischen Kräfte ein, als einstmals erste Seherin von Venoyha, als der man sie kannte und um ihre Kräfte man sie fürchtete und sie jetzt als Hexe verfolgte. Nawatu verfiel einer hypnotischen Trance und durchlebte die Schrecknisse des Tages und ihre eigene Verwandung noch einmal. Sie sah sich selbst und Turiya, die bestialischen Schlangen und die grausame Vernichtung der Menschenfresser. Belite, die nun alles selbst mitverfolgte, wie ihr eigenes Erleben, wurde klar, dass der Ring seinen Träger wirklich gefunden hatte. Nawatu war auf Anhieb gelungen, was manchen Set-Priestern bei höchster Anstrengung nicht gelang. Sie hatte nur durch ihre Gabe erreicht, was diese erst nach langem harten Training bewirken konnten. Nawatu war die Auserwählte, sie würde ganze Heerscharen in Panik versetzen. Das war nur der Vorgeschmack der schrecklichen Kraft der Ringes, aber an der Seite der Naturgöttin Mitra und ihres heiligen Schutzringes gebunden, war er unter gütlichen Einfluss. Die Schlangengöttin Nintu und die Naturgöttin Mitra waren wieder vereint. So schien es ihr, aber vermutlich war es dazu noch zu früh, dies zu beurteilen, noch war es nur das Band der Ringe, die sie wieder zusammenführten. Grausames Menschenwerk hatte sie getrennt. Wieder vereint waren sie eine Macht, die sich gut behaupten konnte im gnadenlosen Krieg gegen die dämonischen Kräfte der Unterwerfung und Zerstörung. Jetzt hatten sie Stärke gewonnen und Furcht würde ihre Feinde ergreifen, sobald sie davon erführen. Und diese würden nun sie beide und somit auch Turiya als wirklich ernste Bedrohung ansehen und gegen sie zum Kampfe rüsten, sie unbarmherzig verfolgen.
Nawatu kam wieder zu sich als Belite sie aus der Trance entliess.
"Na," Belite liess sich auf ihr Lager zurückgleiten. Nawatu fasste sich. "Deine Gedanken sind jetzt klarer. Ich habe noch etwas nachgeholfen, damit du nicht den Verstand verlierst, denn das kannst du jetzt nicht gebrauchen", fuhr Belite fort. Nawatu sass nun aufrecht da und nickte. "Ich bin stolz auf dich, Nawatu", sagte Belite. "Dein Ring wird dir nicht helfen können. Er benötigt etwas Ruhe, wird dann aber stärker sein. Ich werde dir erklären wie du es selbst schaffst. Denn ich weiss, wie man ein feindliches Lager überwältigt. Befolge die Ratschläge gut und du wirst Turiya befreien. Ich hoffe, dass sie noch am Leben ist. Es wird sehr schnell gehen, wenn du alles richtig machst. Danach kommt ihr beide zurück und erst dann brauchst du meine Verbände wechseln. Das dauert jetzt alles viel zu lange. Andernfalls kämst du jetzt sowieso zu spät."
Nawatu nickte erneut und schaute traurig auf den Boden, dann zu Belite. Belite erklärte ihr nun, wie man unbemerkt in ein feindliches Lager eindringen, wie man unbemerkt in die Höhle gelangte und wann und wo man am sichersten zuschlagen konnte. Nawatu staunte nicht schlecht und wurde zuversichtlicher, es mit den brutalen und starken Anführern der Menschenfresser im Kampfe aufzunehmen. Sie, die eigentlich ein geknechtetes Dorfkind und mit der Natur verbunden war und mit Schlangen spielte. Sie würde nun ihnen, die hunderte, vielleicht tausende Menschen mit eigenen Händen brutal gequält, im Kampfe getötet, geschändet und verspeist oder versklavt hatten, den Todesstoss versetzen. Welch eine Ironie des Schicksals. Welch ein Lächeln der Götter dank der überlegenen Kampferfahrung und Kriegsweisheit Belites. Beim Himmel Turiya erlösen und befreien können. Wahnsinn, Traum und Liebe lagen so dicht beieinander, wie die Wirklichkeit.
Sie konnte es kaum fassen, in dieser Weise handeln zu müssen, aber sie war fest entschlossen genau das zu tun. Belite sagte dann: "Du und Turiya, ihr werdet euch nachher noch viel besser verstehen, denn als Kriegsamme, weiss sie um diese Dinge. Sie wird dich als Gleiche anerkennen nach deiner Tat. Ihr werdet unzertrennlich, ihr werdet eins sein. Ich denke, ihr werdet euch lieben. Und mir ist es lieber, dass ihr euch liebt, als dass man euch zu Tode schändet. Vielleicht trefft ihr doch noch auf einen starken Mann mit Ehre und Gefühl. Eure Freundschaft wird er nicht zerstören. Er wird sie akzeptieren, wenn er weiss, wie schrecklich das Leben ist. Er wird euch sogar beschützen und lieben. Aber davon gibt es nur sehr wenige, aber wenn er kommt, dann wird er euch überwältigen in einem Rausch der Verliebtheit, wie es eben nur Männer mit uns anstellen können. Ich sage dir dies, damit du weisst, dass ich es gutheisse, was ihr beide tut und euch in meinem Herzen tragen und beschützen werde. Wir werden noch so manche Schlacht, so manches Ungemach gemeinsam bestehen. Denn Feinde haben wir, sie treiben uns entgegen wie der Sand am Meer. - Es wird ein kleiner Kampf sein, aber häufig sind auch die kleinen Kämpfe sehr entscheidend. Ohne sie gibt es keine grossen, denn das Grosse wird durch sie erst groß. Es sind wilde Krieger, die du, wenn du dich richtig verhältst, in einem Handstreich überwältigst. Sei wie die Schlange, die in dir wohnt. - So, nun ab mit dir ! Es ist dein Kampf deines Lebens und um deine grosse Liebe."
Sie atmete tief durch, lag nackt auf dem morastigen Boden, der sich lehmig, fast schlammig anfühlte. Sie fasste sich an ihre Brust und ihr Herz schlug schwer, tastete ihren Körper entlang und streckte sich mit einem leichten Ruck vor. Sie spürte keine Gliederschmerzen, fühlte sich nur erschöpft und ausgelaugt. Ihre Narben auf ihrem dunkelbraunen Körper waren rosarot und sie war überall mit Blut verschmiert. Ihre wunden Brustwarzen waren blutverkrusted angeschwollen und brannten. Brust und Unterleib drückten taub und ihre grünlich gefärbten Haare waren auch vom vielen Blut durchtränkt, verkrustet und verklittert.
Sie versuchte sich zu erinnern. Die Menschenfresser und der Pfeilhagel. Die Grotte. Die tödlichen Schüsse Turiyas. ... Und dann ? Nichts. Sie konnte sich nicht erinnern. Alles war wie weggewischt.
Wo war Turiya ? Sie erhob sich, stand da, nackt bis auf die Schulterbänder, die Stiefel noch an und ihre Halskette um. Überall lagen zerfetzte, leblose und ausgelaugte Kadaver. Es waren die Menschenfresser. Krähen und Raben machten sich an ihnen zu schaffen. Sie sah auf den eigenen zerrissenen Lendenschurz am Boden, völlig vom Blut besudelt. Angewidert hob sie ihn auf und schleuderte ihn angeekelt wie einen dreckigen Lappen weg zu den Krähen, die nur kurz meckernd aufflatterten und sodann erneut an den Fleischfetzten zogen. Sie wollte sich jetzt nur reinigen und waschen, sehnte sich danach, alles Unreine abzuspülen und sich zu erfrischen. Sie wollte schnell zurück zum See.
Sie nahm ihren Speer und den Dolch, dann schritt sie auf dem morastigen und teilweise zermatschten Boden die zerfleischten Leichen ab. Bevor die Wölfe hier sind, muß ich weg sein und ich muß zu den Pferden, sagte sie zu sich selbst. Sie kommen solange in unsere Höhle. Wir gehen zu Belite. Sie wird mir alles erklären. Ich glaube es war der Ring. Sie fasste an den Ring. Er fühlte sich so anders an. Wie ein weiches Teil von ihr. Nicht mehr so fremdartig. Sie musterte ihn etwas zögerlich und misstrauisch, fasste daran. Er war rottig wie immer, aber diesmal so ungewöhnlich anschmiegsam.
Wo war Turiya ? Sie stieg weiter zwischen den Leichen umher, die Raben und Krähen flogen auf, machten aber gierig weiter. Ein Greifvogel flog zornig auf, stiess herab und kreischte auf. Nawatu hob ihren Speer, dann zog sie ihren kleinen Elfenbeinstab aus dem Schulterarmband. Sie hob beschwörerisch ihre Arme, die wie zu Musik begannen zu schwingen. Der Greif war wie verstört und flog in weiten Kreisen in die Höhe, dann stürzte er herab, vertrieb zwei Krähen von einer anderen Leiche und hackte kräftig in das Leichenfleisch hinein.
Die Leichen sahen fürchterlich aus. Soviele ? Es waren mehr als zwanzig. Dann ging sie zurück zur Felsgrotte. Nichts. Nur die vielen zum Teil zersplitterten Pfeile, wie ein Bambusbelag. Sie stieg nicht hinein. Los schnell zu den Pferden. Dann fiel ihr Blick auf ein feines langes Haarbüschel am Boden. Es hatte sich festgehakt an einer alten knorrigen Distel. Blondes langes Haar. Sie hob es sanft auf, hielt es zur Nase, roch daran. Turiya. Das Haar duftete so schön. Sie liebte Turiyas milchigen Körperduft, wie alles an ihr. Sie schaute genauer hin. Doch hier genau gab es wegen der Steinplatten keine Fussspuren. Sie ahnte Schreckliches. Sie hatte endlich einen weiteren aufrichtigen Menschen kennengelernt, dem sie sich anvertraute, dem sie vertrauen konnte. Und nun ? Nur wegen solcher Schweine soll es alles gewesen sein ? Die Zeit mit ihr war viel zu kurz und doch waren die kurzen Momente mit ihr so intensiv durchflutend. Nein, sie wollte jetzt ihre bitteren Gefühle nicht zulassen. Turiya mußte noch am Leben sein.
Sie rannte den Hang hinunter, wo die Menschenfresser hergekommen waren, um nach Hinweisen zu suchen. Nichts. Die Pferde und Mulis alle weg. Mehrere leblose und teils ausgeweidete und durchtrennte Menschenkörper lagen hier wie abgeworfen wüst aufeinandergestapelt. Ihre Opfer der Menschenjagd. Sie hatten zuviel Fleisch, da soviel getötet worden waren. Es hatten also einige überlebt. Schafften sie Platz für Turiya ? Frisches saftiges Fleisch, stieg es in Nawatu angeekelt und entsetzlich auf. Dann überlegte sie. Ob sie zur kleinen Höhle waren ?
Sie lief noch einmal zurück zu den Leichen. Die Aasfresser hielten Ruhe und liessen sich nicht stören bis auf ein paar Streitereien untereinander. Nawatu schaute alle Toten noch einmal an und was von ihnen geblieben war. Kein Häuptling, auch kein Schamane, wenn es einen gab. Ihre Anführer hatten überlebt. Wieviele hatten überlebt?
Die Dämmerung schritt schnell fort. Sie erreichte den See und die Pferde. Alle waren noch da. Aber die Angst vor den Wölfen sprach aus ihren Augen. Dann rannte sie schnell ins Wasser. Wusch sich alles ab, reinigte sich. Es tat ihr so gut. Ihre Brustwarzen brannten dabei stechend und zogen ihren Brustkorb zusammen. Sie presste ihre Lippen zusammen. Auch ihre Scham brannte, aber dieser Schmerz, der in ihrem Unterleib drückte, war für sie nicht wirklich neu. Mal stärker anschwellend, mal unspürbar, sie hatte sich daran irgendwie gewöhnt. Dann griff sie schnell zu den Trinkbeuteln. Füllte sie alle mit frischem Wasser, nahm einen Stärkungsmet, leerte den Beutel hastig. Schliesslich bepackte sie die Pferde mit dem gesammelten Proviant und den übrigen Sachen. Sie nahm auch die Rebhühner. Jetzt dachte sie unversehens an den Bären, sah in Gedanken Turiya mit ihrem so selten freudigen Gesicht ihr zuwinken. Sie konnte sich nicht mehr halten, schluchzte nun doch, schluckte bitter und würgte bei den Gedanken an Turiya. Sie begann zu trampeln und zu stampfen. Ihre Arme hart angespannt und ihre Hände zu Fäusten gepresst. Mit einem Mal riss sie die Arme vom Leib, ihr Körper streckte sich weit in die Höhe. Sie kreischte auf und ihr fürchterlicher Schrei im Widerhall der Berge schien die Luft schallend zu zerschneiden: „Nein!"
Das Geheul der Wölfe schien nun noch zügiger näher zu kommen. Sie ging schnell zu dem Hengst von Belite. „Komm. Fulgor. Zu Belite!“ Wild hob er den Kopf. Belite, darauf hörte er. „Aisha!“ Es war das gescheckte schwarz-weisse. Noch immer nackt sprang sie auf ohne Sattel. „Schnell zu unserer Höhle zu Belite.“ Sie klopfte Aisha auf die Seite. Sie zogen alle los, recht zügig im Trab hinter Aisha mit Nawatu. Der Hengst von Belite hielt immer Abstand und wechselte die Seiten, sofern die Felsen es zuliessen. Allmählich wurde es dunkler. Doch bevor es Nacht war, würden sie angekommen sein. Schließlich kamen sie in einiger Entfernung an der alten verlassenen Knochenhöhle vorbei.
„Hoh!“ Nawatu schaute hinauf zur Höhle. „Wartet hier.“
Mit einem Hüftschwung sprang sie ab, schlich sich den steinigen Hang weiter zur Höhle hinauf. Ja, jetzt war es klar zu erkennen, da war Licht. Es schimmerte flackernd auf. Schwach, aber erkennbar. Sie hielt ihren Kopf in die Höhe in alle Richtungen, drehte ihn, wie ein Tier, das schnuppernd Witterung aufnimmt. Sie ging geduckt noch etwas vor. Ich kann sie riechen. Die Schweine. Sie sind hier. Und bestimmt auch Turiya. Ihr Herz klopfte schneller. Ja, sie haben sie gefangen, werden sie nun gefügig machen und brechen, um sie teuer zu verkaufen. Sie weiss, was einer Amme blüht. Sie wird keinen Widerstand zeigen. Sie wird sich darin ergeben. Deshalb habe ich noch eine Chance, sie zu befreien. Dann ballte sie verfluchend eine Faust, reckte sie der Höhle empor und hielt mit der anderen den Speer. „Ihr seid tod. Ich zerreisse eure Gedärme. Ich fresse euer Herz. Und eure Schädel spiesse ich für alle sichtbar vor der Höhle auf!“ sprach sie fluchend aus, sich sicher, dass niemand sie hören konnte.
Sie machte sich keine Gedanken mehr, wieviele es waren. Sie wusste nur eins, da wo Turiya war, war auch sie. Ob lebendig oder tod. Sie war bereit das Leid und den Schmerz mit ihr zu teilen. Und sie würde alles daran setzen, sie zu befreien. Sie drehte sich um und sah wenige Meter entfernt etwas Helles und Zerknittertes liegen. Sie ging darauf zu und hob es schnüffelnd auf. Es war der Lendenschurz von Turiya mit ihrem noch fast warmen milchigen Duft. Sie war sich nun sicher, Turiya lebt!
Sie kniff ihre Augen zusammen, die erneut zu lodern begannen. Sie stiess wilde Flüche und grässliche Verwünschungen aus und über ihr bitterböses Gesicht breitete sich am Ende ein finsterhämisches Lächeln aus.
Sie rannte hinunter, schnell zurück zu den Pferden. Mit einem kräftigen Sprung setzte sie auf Aisha auf. Dann stiess sie die Füsse Aisha in die Seite, spornte das kräftige schwarz-weiss gescheckte Pferd an. Schon bald hatte sie die grosse Höhle erreicht. Sie sprang ab wie im Fluge, rannte hinein. Die Pferde folgten ihr von allein. Der Hengst blieb aber draussen.
"Belite! Belite!" rief sie.
Belite hatte sie schon sehnsüchtig erwartet, sie konnte schon lange nicht ruhen. Nawatu war überfällig und hatte bereits eine Ahnung. Ihr war sofort klar, dass die Gegenwart der Pferde unmittelbare Gefahr bedeutete. Was sollten sie sonst in dieser Höhle. Die fremde Aquilonierin war auch nicht da. An Nawatus Gesichtsausdruck las sie die Verzweiflung ab. Belite war bewusst, dass was schreckliches passiert war. Aber was war nicht schrecklich in dieser Welt ?Mal sehen, ob sie erst um den Brei herumredet, wie sonst auch, dachte Belite insgeheim. Sie braucht das, um ihre Gedanken zu ordnen und Mitra sei Dank nicht um zu lügen.
„Du siehst aus, wie eine Mumie“, sagte Nawatu. Denn Belite war noch immer nahezu vollständig von Verbänden umwickelt. „Danke, das war dein Werk,“ erwiderte Belite. "Aber sie sehen noch gut aus, es sickert nichts mehr. Wir können sie entfernen. Bis auf das Bein." "Und den Rippenbrüchen", wandte Nawatu ein. Belite schluckte. "Und du? Ziehst du denn jetzt gar nichts mehr an? Wie eine Eingeborene ?“ Nawatu schaute etwas beschämt. „Dafür hatte ich keine Zeit“, antwortete sie etwas trotzig „Puh, das hört sich nicht gut an. Was ist passiert?“ Belite griff nach Nawatus Hand. Die Blicke ihrer grünen Augen hüllten Nawatu ein. Nawatu schaute nun erschöpft und niedergeschlagen. „Während du die Verbände wechselst, kannst du alles erzählen.“ Sie fragte nicht nach ihrer Begleiterin. Sie kannte Nawatu nur zu gut, sie würde durchdrehen. „Die Verbände mach ich später. Wir essen jetzt was. Dann muß ich wieder los.“ „Und wer sagt mir, dass du lebendig wiederkommst?“ Nawatu schaute auf den Boden. „Pass auf, du erzählst mir alles, wechselst die Verbände später. Essen kann ich alleine. Verzichten wir auf die Rituale.“ „Ja, ich hab soviele Fragen.“ „Ach, soviele? Denke, es ist nur eine, der Rest klärt sich dann von selbst. Komm, du hast keine Zeit zu verlieren.“
Belite nahm sie in den Arm und zog sie auf ihr Lager. Nawatu liefen die Tränen nur so herunter und sie weinte. „Nawatu, man hätte dich nach einem Gebirgsbach benennen müssen.“ Sanft strich Belite ihr durch das Haar. „Du bist verletzt, aber es heilt unnatürlich schnell." Belite musterte Nawatus Brüste und die aufgequollenen verkrusteten Stellen an den Brustspitzen. "Es müssen sehr viele gewesen sein. Die Öffnungen waren sehr stark. Sie hätten auch für fünfzig gereicht, " sprach sie wohl auch laut für sich selbst . "Nawatu, zieh dir was über, wenigstens einen Lendenschurz. Gut, dann mach uns was zu essen, wir sind beide hungrig und du mußt dich stärken, wenn du kämpfen willst. Dein Schlangenring hilft dir jetzt nicht mehr. Der braucht jetzt erstmal eine Pause. Bei neuen Ringträgern ist seine Macht nach einer Schlacht erschlafft und träge." Nawatus Augen waren weitgeöffnet, schauten Belite erstaunt an. Belite wusste offenbar alles. Aber genau das hatte Nawatu auch von ihr erhofft.
"Bitte pfeif erstmal deinen sturen Fulgur, er will uns beschützen, draussen kommen Wölfe,"sagte Nawatu wie beiläufig. "Wölfe ? Hier ?" Sie pfiff, auf ihre unbeschreibliche Weise und man konnte die Hufe und das freudige Wiehern des Hengstes hören. „Fulgur!“ vor ihrer Liegestätte blieb er abrupt stehen, senkte seinen Kopf, stiess gegen den ihren. „Aua“ Belite griff nach ihm und er hob seinen Hals, zog sie hoch. Sie liess ihn nicht los. Belite strahlte. Sie hatte Kraft, war stark, obwohl sie noch so schwer verwundet war. Alles schien auf einmal vergessen. Sie stand nun auf ihrem Lager und konnte sich kaum halten. Sie stand auf einem Bein, hielt den Klumpfuss leicht angewinkelt hoch. Nawatu sprang ihr zur Seite. „Mein Fulgor, wir haben uns vermisst,“ dann Nawatu zugewandt, "ein paar Wolfsfelle würden auch nicht schaden. Immerhin könnten wir sie im nächsten Dorf tauschen oder verkaufen. Natürlich erst Morgen - mit Turiya!"
Mit einer Hand hielt sie Fulgors Ohr und klopfte mit der anderen seinen mächtigen Hals, was mit den steifen Wickelungen der Verbände sehr skurril aussah. Nawatu lachte endlich wieder, denn Belite gab ihr die Geborgenheit, die Selbstsicherheit und das Gefühl schon morgen mit Turiya erneut zusammen zu sein. "Hört endlich auf ihr beiden!" rief sie, "das ist ja nicht zum aushalten!"
Nachdem alles von Nawatu zubereitet war und die leckeren Dämpfe die Nasen verwöhnten, assen sie nun zusammen und sie genossen das Beisammensein. Der Hengst wich nicht mehr von Belites Seite. Er stand nur zwei Meter entfernt hinter ihr, kam manchmal näher ran, auch das gescheckte Pferd Nawatus Aisha. "Wir leiden alle unter Entzugserscheinungen,"stellte Belite genüsslich fest. "Das ist ja wie auf einem Ponyhof." Beide lachten kurz auf, dann wurden beide wieder ernst. Nawatu berichtete Belite alles – bis zum Filmriss und was sie danach festgestellt hatte. Auf Nawatus Schenkeln schlängelte ihre Schlange, die sie aus dem Korb geholt hattte. Die Schlange genoss sichtlich die Körperwärme und wurde immer ruhiger nach anfänglicher Aufgeregtheit..
"Pass auf, meine liebe Nawatu, ich gebe dir deine Erinnerung zurück. Du wirst sie neu durchleben. Dann wirst du sie bei dir tragen, wie jede andere Erinnerung auch. Ich versetze dich in Trance, so erhältst du sie zurück. Dann gebe ich dir ein paar Hinweise, wie du sie töten kannst, auch ohne Einsatz deines Ringes. Denn dass du eine kleine Kämpferin bist, die man bald überall fürchten wird, das habe ich von Anfang an gewusst. Du, wo du einst ein einfaches Hüttenmädchen warst, geknechtet von deinen Eltern und der ganzen Sippe, der du geopfert werden solltest. Du, die in der Wildnis umherstreifte und mit den Tieren dich unterhieltst. Nintu, hat dich entdeckt, deine kindliche Natürlichkeit und dein unverfälschter Verstand hat sie beeindruckt. Deshalb hat sie, die Schlangengöttin, dich in ihr Herz geschlossen. Und ich auch."
Belite hielt für eine Moment inne, atmete tief durch. Ohne Nawatu konnte sie sich ihr Leben nicht mehr vorstellen. Dann fuhr sie weiter.
"Deshalb gibt dir der Ring diese unermessliche Kraft. Aber auch Weisheit wirst du erlangen, je länger diese Kräfte auf dich wirken. Du wirst in einer Weise reifen, wie es ein gewöhnlicher Mensch nicht vermag. Ja, du wirst vielleicht auch mich dann überragen. Ich fürchte es nicht, denn wir sind eins. In Mitra und Nintu finden wir zusammen. In dir tritt Nintu nach aussen in Erscheinung, wenn die Gefahr am grössten ist. Nintu wird dich leiten mit der Intelligenz und geschmeidigen Eleganz der Schlange. Nenne deine Schlange nach ihr, denn sie ermöglicht und verstärkt ihre seelische Gegenwart. Die Ringzauber kehren dann schneller zurück. Sie wird dir immer folgen. Sie ist heilig. Belite richtete ihren Oberkörper auf, nahm die Schlange mit beiden Händen, hob sie in die Höhe, dann küsste sie sie auf ihre züngelnde Schnauze. Kein Zischen, keine Gefahr. Nawatu war wieder sie selbst und staunte mit offenen Mund. Nun kroch die Schlange die Schulter und den Hals von Belite entlang, dann zischte sie zu Nawatu rüber, duckte sich und glitt an Belites Arm herab zu Nawatu, legte sich in ihren Schoß. Belite und Nawatu lächelten sich an.
"Und ich hoffe so sehr, dass deine Turiya für dich so ist, wie du sie beschreibst und nicht, dass es nur eine flüchtige Verliebtheit ist. Aber selbst die ist dir so sehr gegönnt. Ich wünsche euch, dass ihr gemeinsam noch viele glückliche Tage verbringen werdet. Turiya wird zu uns gehören – eine wahre aquilonische Kriegsamme können wir wirklich gut gebrauchen. Und ein gute Bogenschützin als Jägerin sowieso. Bei Mitra – sie ist ein Geschenk unserer Göttinen selber. Schon allein ihr Name ist gewaltig, das kann kein Zufall sein. Und das ihr Feuer und Flamme seid. Was geschieht, geschieht in Nintus und Mitras Namen. Sie wollen sich wieder vereinen - auch in euch. Uns stehen gewaltige Dinge bevor." Belite wußte genau um ihre Worte. Nawatus seelisches Gleichgewicht war wiederhergestellt. Ihre Augen leuchteten und der ockerfarbenen Schein blitzte dabei gelegentlich hervor. Sie fasste Belite ins seidige Haar, den freien Arm entlang, fühlte die Haut und streichelte sie immer wieder. Belite verschwieg ihr, dass auch in den schönsten Stunden Nintu erscheinen könnte, also nicht nur in grösster Gefahr. Sie wollte nicht, dass Nawatu sich um Turiya deswegen Sorgen machte. Doch Belite war sich sicher, dass Nintu Turiya bereits bei dem Gemetzel an der Grotte akzeptiert hatte, sonst wäre sie schon tod. Sollten sich Nawatu und Turiya wirklich lieben, würde Turiya eine traumhafte Liebesnacht erleben, wie sie für einen Menschen nicht vorstellbar ist. Belite schien, dass Turiya dies aber durchstehen und auch Nintu Befriedigung schenken würde. Alles andere wäre ein Schreckgespenst und Belite blendete jeden weiteren Gedanken daran aus.
Belite richtete sich nun auf, ergriff die Hände Nawatus. "Schau mich an Nawatu, ganz tief in meine Augen hinein. Der grüne Blick Belites hüllte sie ein, wie damals, als sie sie zum erstenmal traf, betäubte sie. Belite setzte nun ihre magischen und schamanischen Kräfte ein, als einstmals erste Seherin von Venoyha, als der man sie kannte und um ihre Kräfte man sie fürchtete und sie jetzt als Hexe verfolgte. Nawatu verfiel einer hypnotischen Trance und durchlebte die Schrecknisse des Tages und ihre eigene Verwandung noch einmal. Sie sah sich selbst und Turiya, die bestialischen Schlangen und die grausame Vernichtung der Menschenfresser. Belite, die nun alles selbst mitverfolgte, wie ihr eigenes Erleben, wurde klar, dass der Ring seinen Träger wirklich gefunden hatte. Nawatu war auf Anhieb gelungen, was manchen Set-Priestern bei höchster Anstrengung nicht gelang. Sie hatte nur durch ihre Gabe erreicht, was diese erst nach langem harten Training bewirken konnten. Nawatu war die Auserwählte, sie würde ganze Heerscharen in Panik versetzen. Das war nur der Vorgeschmack der schrecklichen Kraft der Ringes, aber an der Seite der Naturgöttin Mitra und ihres heiligen Schutzringes gebunden, war er unter gütlichen Einfluss. Die Schlangengöttin Nintu und die Naturgöttin Mitra waren wieder vereint. So schien es ihr, aber vermutlich war es dazu noch zu früh, dies zu beurteilen, noch war es nur das Band der Ringe, die sie wieder zusammenführten. Grausames Menschenwerk hatte sie getrennt. Wieder vereint waren sie eine Macht, die sich gut behaupten konnte im gnadenlosen Krieg gegen die dämonischen Kräfte der Unterwerfung und Zerstörung. Jetzt hatten sie Stärke gewonnen und Furcht würde ihre Feinde ergreifen, sobald sie davon erführen. Und diese würden nun sie beide und somit auch Turiya als wirklich ernste Bedrohung ansehen und gegen sie zum Kampfe rüsten, sie unbarmherzig verfolgen.
Nawatu kam wieder zu sich als Belite sie aus der Trance entliess.
"Na," Belite liess sich auf ihr Lager zurückgleiten. Nawatu fasste sich. "Deine Gedanken sind jetzt klarer. Ich habe noch etwas nachgeholfen, damit du nicht den Verstand verlierst, denn das kannst du jetzt nicht gebrauchen", fuhr Belite fort. Nawatu sass nun aufrecht da und nickte. "Ich bin stolz auf dich, Nawatu", sagte Belite. "Dein Ring wird dir nicht helfen können. Er benötigt etwas Ruhe, wird dann aber stärker sein. Ich werde dir erklären wie du es selbst schaffst. Denn ich weiss, wie man ein feindliches Lager überwältigt. Befolge die Ratschläge gut und du wirst Turiya befreien. Ich hoffe, dass sie noch am Leben ist. Es wird sehr schnell gehen, wenn du alles richtig machst. Danach kommt ihr beide zurück und erst dann brauchst du meine Verbände wechseln. Das dauert jetzt alles viel zu lange. Andernfalls kämst du jetzt sowieso zu spät."
Nawatu nickte erneut und schaute traurig auf den Boden, dann zu Belite. Belite erklärte ihr nun, wie man unbemerkt in ein feindliches Lager eindringen, wie man unbemerkt in die Höhle gelangte und wann und wo man am sichersten zuschlagen konnte. Nawatu staunte nicht schlecht und wurde zuversichtlicher, es mit den brutalen und starken Anführern der Menschenfresser im Kampfe aufzunehmen. Sie, die eigentlich ein geknechtetes Dorfkind und mit der Natur verbunden war und mit Schlangen spielte. Sie würde nun ihnen, die hunderte, vielleicht tausende Menschen mit eigenen Händen brutal gequält, im Kampfe getötet, geschändet und verspeist oder versklavt hatten, den Todesstoss versetzen. Welch eine Ironie des Schicksals. Welch ein Lächeln der Götter dank der überlegenen Kampferfahrung und Kriegsweisheit Belites. Beim Himmel Turiya erlösen und befreien können. Wahnsinn, Traum und Liebe lagen so dicht beieinander, wie die Wirklichkeit.
Sie konnte es kaum fassen, in dieser Weise handeln zu müssen, aber sie war fest entschlossen genau das zu tun. Belite sagte dann: "Du und Turiya, ihr werdet euch nachher noch viel besser verstehen, denn als Kriegsamme, weiss sie um diese Dinge. Sie wird dich als Gleiche anerkennen nach deiner Tat. Ihr werdet unzertrennlich, ihr werdet eins sein. Ich denke, ihr werdet euch lieben. Und mir ist es lieber, dass ihr euch liebt, als dass man euch zu Tode schändet. Vielleicht trefft ihr doch noch auf einen starken Mann mit Ehre und Gefühl. Eure Freundschaft wird er nicht zerstören. Er wird sie akzeptieren, wenn er weiss, wie schrecklich das Leben ist. Er wird euch sogar beschützen und lieben. Aber davon gibt es nur sehr wenige, aber wenn er kommt, dann wird er euch überwältigen in einem Rausch der Verliebtheit, wie es eben nur Männer mit uns anstellen können. Ich sage dir dies, damit du weisst, dass ich es gutheisse, was ihr beide tut und euch in meinem Herzen tragen und beschützen werde. Wir werden noch so manche Schlacht, so manches Ungemach gemeinsam bestehen. Denn Feinde haben wir, sie treiben uns entgegen wie der Sand am Meer. - Es wird ein kleiner Kampf sein, aber häufig sind auch die kleinen Kämpfe sehr entscheidend. Ohne sie gibt es keine grossen, denn das Grosse wird durch sie erst groß. Es sind wilde Krieger, die du, wenn du dich richtig verhältst, in einem Handstreich überwältigst. Sei wie die Schlange, die in dir wohnt. - So, nun ab mit dir ! Es ist dein Kampf deines Lebens und um deine grosse Liebe."
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- Grundrisse der Legende (1)
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- Im Schutze der Schlangengöttin (1)
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- Menschenfresser (4)
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- Mitra Religion (1)
- Mitras Macht (1)
- Nawatu (8)
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- Ringen um Leben (1)
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- Schändung und Vergeltung (1)
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