"Am Ziele deiner Wünsche wirst du jedenfalls eines vermissen: dein Wandern zum Ziel."
"Am Ziele deiner Wünsche wirst du jedenfalls eines vermissen: dein Wandern zum Ziel." - Marie von Ebner-Eschenbach
Molon Labe versteht sich als privates Story- und Fansite-Projekt des von dem fantastischen Erzählwerk Robert E. Howards inspirierten Massive Multiplayer Onlinegame Age of Conan.
Vor allem ist es ein Schreibprojekt von Geschichten rund um die gespielten Charaktere, angeregt durch das Spielgeschehen Hyborias in Age of Conan wirkt es schliesslich in einer eigenen fantastischen Welt vorantiker archaischer Zeit - ganz im Stile von Sword, Sex and Sorcery.
Sämtliche Veröffentlichungen sind Entwürfe oder Manuskripte, also unfertig. Es geht dabei nicht um literarische Meisterschaft, sondern um das einfache Erzählen mithilfe des Schreibens.
"Aus den Trümmern unserer Verzweiflung bauen wir unseren Charakter." - Ralph Waldo Emerson
Seiten
Belite, die Eroberin - Hohe Dienerin Mitras
Hier entstehen die Geschichten um Belite, eine sagenhafte Gestalt uralter Legenden grauer Vorzeit.
Eine Kriegsamazone, selbstsicher und unabhängig, die einzige weibliche Primus Centurio des Blutordens der Mitraner in einer brutalen männlichen Welt der Gier nach Macht durch Unterdrückung und Unterwerfung.
Belite ist gütig und liebevoll, tugendhaft und aufrichtig. Freiheit und Gerechtigkeit gehen ihr über alles.
Belite betet Mitra an, die ihr schliesslich auf fernen Reisen in einer Vollmondnacht erscheint, ihr das wahre weibliche Anlitz der Naturgöttin zeigt und sie zu ihrer Erleuchteten im ewigen Krieg gegen die dunklen Mächte der Unterwerfung und Zerstörung macht.
Einsam, aber nicht allein tritt sie für die Schwachen, Armen und Wehrlosen ein, wird aber von diesen als unheimliche Bedrohung angesehen, denn dort, wo sie Magie und Schwert hinführen, gerät die alte Ordnung aus Betrug und Falschheit aus den Fugen.
So wird aus ihr eine einsame Abenteurerin im Zwiespalt mit der Welt und im Ringen mit den beherrschenden Mächten. Deshalb erscheint sie verflucht, verfolgt, ist ihrer Bestimmung und ihrem Schicksal ergeben.
Belite ist die Keimzelle für eine kleine eingeschworene Gemeinschaft voller Sehnsucht und Hingabe, junge und eigensinnige Gefährtinnen, die ihr in freiem Willen ergeben sind und gemeinsam mit ihr traumhafte Momente der Glückseeligkeit und tiefgrausamen Qual erleben sowie in wundersamer Weise todesmutig für das Gute eintreten - bis zum Untergang.
Es gibt kein Entrinnen oder Erbarmen. Unerbittlich gibt es nur eine Entscheidung: Gut oder Böse - Leben oder Tod !
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Mittwoch, 29. Mai 2013
Xoxo. Die Cimmererin V - Untergebracht
Kaum hatte Xoxo mit dem Plündern der Leichen begonnen, brach Vajria zusammen. "Es ist einfach zuviel, so schwer, alles ... mir ist schwindelig", seufzte Vajria erschöpft. Ihr Gesichtsausdruck war dabei seltsam entspannt, sie schien zu lächeln, "bitte, lass mich hier nicht allein, ..." Vajrias Kopf fiel zur Seite und ihr ganzer Körper sackte weg als Xoxo sich über sie beugte. "Nein, mach ich nicht und du stirbst nicht, vor allem jetzt nicht, wo alles vorbei ist." Xoxo stand auf, als sie sich sicher war, dass Vajria zwar zusammengesunken, aber keine Gefahr um ihr Leben bestand. Vajria war einfach am Ende ihrer Kräfte. Es blieb ein Rätsel, wie sie so schwach und abgemagert bis hierher gekommen war und dann dazu noch in der Lage war, ihre Wurfpfeile so zielsicher und in dieser Wendigkeit zu schleudern. Xoxo wusste darum, wie es war, schwerverwundet und völlig ausgelaugt zu sein. Es konnte plötzlich über ein kommen, dann war man weg. Sie war sich jedoch sicher, die kleine geheimnisvolle Stygierin würde sich schon bald erholen und zu Kräften kommen, dann würde sie sich bald einen Namen machen, sodass man sie entweder töten oder verehren würde. Ja, ganz ohne Scherereien würde es nicht ablaufen. Eine Stygierin in Cimmerien, das war nur was für Verrückte. Trotzdem, es gebührte ihr Respekt, vor allem, da sie ohne jegliche Arroganz und typischer Hochnäsigkeit stygischer Herrschaften aufgetreten war. Dies hatte Xoxo am meisten verwundert. Nun, bis zu diesem Wahnsinn, dachte sie, bis dahin ist noch Zeit und viel Blut würde die Berge hinabrauschen, eine Schlacht würde den Krieg gegen die Invasoren nicht entscheiden. Es würden noch viele folgen.
Sie begann nun mit der Plünderung fortzufahren, sammelte die fremden Schmuckketten ein, nahm einige Rüstungsteile, die aus seltenen unbekannten Material geschmiedet waren und packte alle Waffen zusammen, warf alles auf einen Haufen. Die Leichen liess sie liegen, doch ihre Köpfe spiesste sie auf einer ihrer Lanzen auf und stob den Stiel in den Boden. Dann lief sie schnell zu den Hängen, brach einige Äste heraus und band diese mit den Wildgräsern rasch zu einer einfachen Tragbarre zusammen. Sie trat nochmal mit vollem Körpergewicht auf die Verspannung. Es hielt und war fest. Flink hatte sie alles draufgeschichtet und Vajria daneben angeschnürt. Dann spannte sie sich davor, die Gürtel der Feinde benutzte sie als Riemen, wovon sie einen um ihre Stirn legte und dann loszog. Das alles war viel leichter, als was sie gewöhnlich an Wild an einem Jagdtag erlegte. Ein Säbelzahntiger oder ein ausgewachsener Büffel wogen zigmal soviel, eigentlich zu schwer für einen kräftigen Jäger. Bergauf machte es sie hin und wieder doch zu schaffen und sie war am spucken und fluchen. Vajria schlief fest, manchmal stöhnte sie, öffnete die Augen für kurze Zeit, sagte aber nichts, starrte in den Himmel. Xoxo gab ihr dann schnell was zu trinken bevor sie wieder wegsackte. Vermutlich hatte sie tagelang auf ihrer Flucht nicht mehr geschlafen. So zog Xoxo Vajria und die Kampfesbeute den ganzen Rückweg bis zu ihrer Behausung. Sie brauchte mehr als die doppelte Zeit, die sie sonst für diese Weg benötigte und als sie dort eintraf, brach bereits die Abenddämmerung herein.
Es sollte ein herrlicher cimmerischer Sonnenuntergang werden, der die ganze Umgebung in ein sattes orangefarbendes Licht tränkte. Sie liebte das, stellte sich völlig nackt mit gestreckten Beinen und ausgebreiteten Armen dem Sonnenlicht zugewendet auf und liess ihren Kopf leicht und wonnig in den Nacken fallen. So umarmte sie die Sonne und sie war glücklich, den Kampf überstanden und Vajria gerettet zu haben. Sie war mit sich im reinen und die Götter, da es soviele gab, waren ihr sicher. Nur Crom blickte argwöhnisch drein, als nähme er es ihr übel, die Stygierin nicht geopfert zu haben. "Das Blut meiner Feinde floss wegen ihr. Darüber solltest du dich freuen. Es sind auch deine Feinde. Die Feinde Cimmeriens und der Welt. Aber da du ihr Blut verachtest, ist es ist nicht dein Blut. Ich weihe es dem Blutrot der Sonne, der ewigen Mutter der Natur. Crom, du gemeiner Narr, geh hin zu deinen Mannen. Tränke mit ihrem Blut dein Schwert und lasse deinen Zorn bejubeln. Aber Vajria ist mein, ich hasse die Stygier nicht, denn Stygien war gut zu mir, verdanke ihnen mein Leben. Lass uns gemeinsam die Setisten und ihre sklavische Brut hassen. Sie sind die Feinde unserer Welt. Aber Vajria wird unser Land lieben, mehr wie dich und doch so sehr wie du. Sie wird ein Teil davon und Kunde davon in ihre Heimat bringen. Ein Kleinod über das selbst du bald wachen wirst, auch wenn du sie jetzt verfluchst wie alles Fremde und Unbekannte, ja, du wirst sie sogar lieben, als wäre es dein eigenes Kind. Und es wird deinen Zorn heraufbeschwören, wenn ihr jemand etwas tut ..." Sie hörte ihn wütend aufstampfen und böse fluchen. "Ja, ich höre dich. Polter nur du Rauhbein, ich kann nur darüber lachen. Du brutales Mannsbild eines Gottes, ihr seid doch alle gleich. Fast war es ihr, als hörte sie einen Knall vom lauten Zuschlagen der Tore des Hauses Crom. Doch sie ignorierte Croms schlechte Stimmung, war überzeugt, sich nicht in Vajria zu irren, wog sich rhytmisch in den Sonnenstrahlen, tanzte leicht und spürte ihre schamanische Kraft bis auch sie die Müdigkeit überkam. Sie entzündete noch schnell die alte Glut des Feuers, auch eine Fackel stellte sie auf. Dann legte sie Vajria auf ein aus federnden Zweigen und weichen trockenen gestauchten Gras bereitetes Lager, dass sie immer für Gäste hergerichtet bereit hielt. Xoxo cremte noch ihre Wunden. Die tiefe Schulterwunde brannte, als sie die ölige Medizin darauf träufelte, zog die Haut wie eine Beize zusammen. Doch sie war sich sicher, es war ein heilender und gesunder Schmerz. Die Wunde konnte ihr nichts anhaben. Weder war sie wirklich tief genug, noch war sie entzündet. Böse Wunden schmerzten anders oder manchmal gar nicht, brüteten im Innern ihre Fäulnis aus. Vajria schlief schon sehr fest und auch Xoxo wurde jetzt von der Müdigkeit überwältigt. Sie schaffte es noch, zwei ihrer Lieblingsfelle vor das Feuer auszulegen, nahm noch einen guten Schluck vom Beerenmeet, dann schlief auch sie am Feuer vor ihrer Höhle ein.
Das plätschernde Wasser in der steinernden Abflussrinne drang laut an Xoxos Ohren und weckte sie auf. Vajria hatte die Dusche ausfindig gemacht und nutzte sie sogleich. Manche ihrer Stammesbrüder und -schwestern taten sich da schwerer, waren völlig unbeholfen diese Vorrichtung in Betrieb zu nehmen, da ihnen der Gebrauch unbekannt war, kam Xoxo in den Sinn. Ihr Zuhause mußte Vajria dennoch so primitiv vorkommen, die es sicher gewöhnt war, in Palästen und Tempeln mit unvorstellbarem Luxus zu leben. Wie es wohl Cyantia gerade bei den Mitranern erging ? Bald würde sie sie erneut besuchen. Xoxo räkelte sich und musterte ihre Wunden, die sie bereits gestern mit einer Kräuterpaste versorgt hatte. Sie waren nicht tief genug. Ihre Schulter lahmte nun doch, zog sich steif zusammen wie bei einer schweren Verrenkung, was sich aber nach einigen Streckungen wieder gab. Sie setzte sich auf in die Hocke, schaute den Hang hinab in die Weite. Lauschte dazu dem allmorgenlichen Konzert der Vögel tief unten in den Waldesrändern und auf den Hängen des Berges und beobachtete ein Reh in der Ferne. Sie schüttelte den Kopf, rieb sich die Augen, schaute neben sich auf das Rinnsal des Duschwassers.
"Na, was sagst du dazu ? Einen Tempel habe ich dir nicht versprochen" rief Xoxo nach hinten, sitzend mit dem Rücken der Höhle zugekehrt, als das Geräusch des Wassers aufhörte. "Ich weiss", kam es prompt zurück, "doch so eine erbärmliche Höhle ist es nicht. Und deine Duschvorrichtung, damit habe ich gar nicht gerechnet, wie bei uns in Stygien, ich habe mich so gefreut, als ich sie sah. Ich mußte sie sofort in Betrieb nehmen. Ich habe seit Monaten nicht so geduscht und mir war dabei, als würde ich soviel Dreck abspülen, wie mein ganzes Leben nicht - soviel Schmerz und Schlechtigkeit." "Kommst du denn dabei mit einem Eimer aus ?" "Ha,ha, ja verdammt, ich bin doch keine miese Schlampe, das Wasser tut so gut und es duftet so herrlich vom fruchtigen Öl." "Ja, da habe ich die Idee auch her und habe sie hier aufgebaut. sowas findest du sonst nicht in Cimmerien." "Was dann?" "Frag lieber nicht, ich bin keine primitve Barbarin," Xoxo lachte. Vajria trat nun splitternackt und knochig vom öligen Wasser triefend hervor, verbreitete einen lieblichen Duft. Xoxo drehte sich zu ihr um und Vajria blieb etwas entfernt vor ihr stehen. Sie war so klein und spindeldürr. Ihr ganzer Körper war mit vielen nun rot glänzenden Narben übersäht, doch im Grunde schien ihr nichts wirklich zu fehlen, ganz abgesehen von ihrer geschwächten und ausgemergelten Gestalt. Sie war nicht verstümmelt oder entstellt. Nein, das war sie nicht, vielmehr schimmerte eine wundersame Aura der Würde und Eleganz noch immer aus ihr heraus, aber das lag wohl an ihrer schwingenden Art sich zu bewegen. Ihre Augen verschwanden funkelnd in dunklen schwarzen Gruben. "Hoi, du hast ja noch Öl dazugetan." Vajria lächelte, "mir geht es jetzt schon sehr viel besser und ich weiss gar nicht, wie ich dir danken soll, aber ich konnte plötzlich überhaupt nicht mehr" "Ach egal, ich kenn das, komm, ich habe kein Tuch zum reiben, ich setze mich immer in die Sonne oder ans Feuer, selbst im Winter. Du hast dich offenbar schon gut umgesehen. Komm, geniesse die Morgensonne, das Morgenlicht."
"Damit habe ich nicht gerechnet, ich dachte, oh bei allen Göttern, eine dunkle elende eklige Höhle, es erschauderte in mir, feucht, schmutzig und steinig, aber dann dachte ich, es ist besser, als das Dreckloch, wo ich vorher war. Doch wie soll ich sagen, das ist ja gar keine finstere Höhle. Es ist ein wunderschönes verträumtes Refugium. Was du alles angesammelt hast, ich werde mir vieles noch einmal anschauen. Es kommt, wie mir scheint von überall her. Wahre Schätze, ist dir das klar ? Bist du soweit schon überall gereist ?" "Ach nein, ich habe es von Händlern. Ich kann alles tauschen, wenn ich will, ich habe seltene Felle, Schwänze, Schädel, Klauen, Hörnungen soviel ich will. Dafür kriege ich alles. Ich war erst viermal in Aquilonien und einmal in Stygien. Das ist schon viel." Vajria kam näher, setzte sich im völlig flachen Schneidersitz dazu, dann liess sie ihre Handrücken der geöffneten Hand auf ihren Schenkeln ruhen. Xoxo freute sich mächtig, denn endlich war sie auf eine Person gestossen, die offenbar den wahren Wert ihrer Höhle, der ganzen Utensilien, die Artefakte ohne sonderliche Mühe zu begreifen verstand. Doch zuerst erklärte Xoxo ihr den Ablauf der nächsten Tage bis zu dem Tag, wo sie aufbrechen wollte zur nahenden Schlacht. Aber sie erklärte ihr auch, was ihr die Sonne bedeutete, die Natur und ihre cimmerische Götterwelt, die aus unendlich vielmehr bestand als aus Zorn, Hass und Gewalt. Ihre Heimat von der sie lebte und von der sie nie mehr nahm als sie brauchte. Vajria wurde klar, dass Xoxo nicht nur eine geschickte Wildtöterin und Kriegerin war, sondern auch eine Heilerin und reifende Schamanin. Diese göttliche Fügung der Begegnung hatte ihr das Leben gerettet. Jeder andere cimmerische Barbar hätte sie wohl getötet, töten müssen, um seine Ehre zu bewahren.
Ihre gemeinsamen Tage vergingen wie im Fluge. Xoxo stellte schon am ersten Tag für Vajria aus den Lederresten, die in vielen Kisten einsortiert waren, ein paar gewickelte Bundstiefel her. Sie verstand sich im Zuschneiden, Knoten und Knüpfen, wovon Vajria rein gar nichts verstand. Auch knotete sie ihr ein feines weiches Brustoberteil und einen Lendenschurz aus flauschigen Schwänzen erbeuteter Nager und Füchse. "Naja, du mußt noch etwas reinwachsen, aber du wirst ja noch zulegen, nehm ich an. Eine Mütze gibt es erst zum Winter." Vajria sah darin ulkig aus wie ein Zwerg. Auch untersuchte Xoxo alle ihre Wundmale, auch die teils eitrigen Stellen, quetschte sie aus, behandelte sie mit ihren verschiedenen Heil- und Kräuterpasten. Auch Vajria kannte sich in Heilkünsten aus und so konnten sie sich austauschen, doch viele Heilkräuter, die es in ihrer Heimat gab, gab es hier nicht. Deshalb schlüpfte Vajria als Gast zunächst einmal in die Rolle der Schülerin. Denn sie war wissbegierig und in Bezug auf stumpfsinnige cimmerische Barbaren hatte sie zumindest in Xoxo sehr schnell ihr Bild gewandelt. Sie fühlte sich so zu ihr hingezogen. Es war alles so anders, ganz und gar nicht so wie es heimische Hetze der stygischen Priester über Begegnungen mit barbarischen Cimmerern geschildert hatten: "Alles verdammte Wilde. Tötet sie. Häutet sie. Dann richten sie keinen Schaden an."
Und diese Barbaren konnten tatsächlich sehr feinfühlige und intelligente Menschen sein, zumindest dem Anschein nach ?
Am nächsten Tag zeigte Xoxo Vajria die nähere Umgebung, wo sie frische Beeren, Pilze und Wurzeln finden würde und zu welcher Zeit sie diese Zonen aufsuchen sollte, um unliebsamen Kontakt mit Raubtieren zu vermeiden. Sie mußten immer wegen des geschwächten Zustandes von Vajria viel Rast einlegen. Und abends führte sie sie durch die Höhle, zeigte ihr überaus stolz alles und sie stellte fest, dass Vajria ihr über manche Dinge sehr viel mehr Aufschluss geben konnte. Vajria kannte sich aus in der Welt der Mythen, der Legenden, der Götter, der Toten und der Schattenreiche und dies offensichtlich über viele Regionen hinweg. Sie wusste sehr viel mehr. Die Edelsteine konnte sie alle benennen und woher sie stammten. Xoxo holte sogar noch verkramte Dinge aus alten Kisten hervor und Vajria mußte teils fassungslos mit dem Kopf schütteln, da sie den Wert sehr schnell erkannte, vor allem den immateriellen. Das einte beide, denn der materielle Wert bedeutete beiden sehr wenig, es war gut ihn zu wissen, um zu tauschen, aber wahre Bedeutung hatte er für sie nicht. Vajria entdeckte darunter schliesslich ein breites ovales und schweres Lehmbündel mit einem halben Meter Durchmesser und geriet darüber völlig in Euphorie. Sie stürzte sich sofort darauf, um die Lehmschicht mit Wasser einzuweichen. Dann nach einiger Zeit legte sie die rundliche Platte frei, die in einem Sack mit Seilen fest und dicht umwickelt war, wohl um Stösse abzuwenden . "Du weisst nicht, was das ist ? Glaube mir, das ist eine wahre Kostbarkeit ! Das gibt es nur in den Tempeln und Palästen. Ich selbst hatte auch nur einen, der aber kleiner war." Sie legte es hastig immer weiter frei, schliesslich blieb noch rauhes Tuch und darunter feines Fell. "So, jetzt pass auf. Es ist ein wahres Wunder." Beide lösten zusammen vorsichtig das Fell, zogen die schwarze Platte heraus. Es war eine rundliche Obsidianscheibe, völlig fein geschliffen und poliert. Beide konnten sich schon darin erkennen. "Es ist ein wunderbarer Spiegel. Viel feiner als meiner. Sie haben ihn über viele Tage auf Hochglanz geschliffen. Los komm noch mehr ans Licht." Beide konnten sich nun ganz klar sehen. "Ein seltenes Kunstwerk von höchster Reinheit. Sicher stammte es aus einem Tempel oder Palast bzw. es war dafür bestimmt und gut verpackt auf dem Weg dorthin. Ein Raubstück bestimmt. Und keiner dieser Räuber erkannte dessen Wert." Xoxo nickte lächelnd, "vermutlich Barbaren". Xoxo betastete sich andauernd vor dem Spiegel. Vajria und Xoxo beugten sich immer wieder abwechselnd vor und grinsten sich an. "Du kennst dich wirklich aus. In Aquilonien habe ich soewas mal gesehen. danach nie mehr." "Ha, ha, das ist noch nicht alles. Wir legen ihn jetzt flach hin. Siehst du den feinen Rand ? Komm, gib mir etwas Öl." Vajria beträufelte die Platte verrieb es bis kein Film mehr zu sehen war, hielt die Platte gegen das Licht, legte sie wieder ab auf einen Schemel. "Siehst du den feinen Rand. Lass uns das reine Felswasser nehmen. Sie träufelte es auf die Platte und es begann zu perlen und zu glitzern bis die Platte sich mit einem feinen Wasserfilm überzogen hatte. Das Staunen war nun noch grösser, es war ein perfekter Spiegel. Alles war klar und deutlich zu sehen, was der Spiegel aus der Umgebung einfangen konnte. Es war atemberaubend und für Xoxo das erste Mal überhaupt diesen Spiegelglanz für sich zu entdecken.
Zum Abend lud Vajria, der es merklich besser ging, am dritten oder vierten Tage Xoxo zu wohltuenden Ganzkörpermassagen ein, sie wolle damit etwas zurückgeben, um ihre Dankbarkeit zu erweisen für die Gnade und Gastfreundschaft, die sie erfahren hatte. Es waren Massagen, die so in Cimmerien eher nicht gebräuchlich, vielmehr gänzlich unbekannt waren. Xoxo hielt das ganze anfängliche Gehabe mit den Betröpfelungen von Öl und feinsten Blütenstaub zunächst für etwas überzogen und lächerlich, doch dann merkte auch sie, wie sehr es sie öffnete und entspannte. Vajria spürte jeden Winkel ihrer Muskeln, Bänder und Sehnen auf, teils fühlte sie mit den Fingerspitzen wie auf einem Seidenfaden entlang, dann wiederum knetete sie mit den vollen Händen. Manchmal klopfte und trommelte sie ihren Rücken durch, dann gleitete sie wieder sanft und grossflächig über ihre Haut. Auch hockte sie federleicht auf Xoxos Rücken und Bauch, walkte ihre grossen fülligen Brüste, auch besonders dort wo ihre grosse Narbe war und Xoxo erzählte ihr dabei von ihren Kämpfen mit den Säbelzahntigern, der Jagd in der Wildnis, aber auch von den Problemen in ihrem Dorf, der neidischen Streitsucht einiger Bewohner. Beide lachten dabei viel. Vajria löste schnell ihre versteckten Verkrampfungen, war sehr einfühlsam und zärtlich, hatte ein tiefsinniges Gespür dafür. Beide kamen sich noch näher. Und eines Abends tanzte Xoxo für sie ihren beschwörerischen Tanz vor dem Feuer. Ja, sie war eine wahre Geschichtenerzählerin und Vajria empfand tiefsten Respekt, bewunderte Xoxo sehr, ihre Einfachheit, ihre Wildheit, ihre Freiheit, aber auch ihre Stärke und ihren Mut. Doch sie wollte noch warten bis sie Xoxo ihre wahre Geschichte anvertrauen wollte, noch immer hatte sie Angst, ob sie damit nicht alles zerstören würde. Diese finsteren Gedanken verdrängte sie, doch sie spürte, es war bald an der Zeit es zu tun, doch sie wagte es nicht, es noch vor der Abreise zu tun, nahm sich vor, es bei der Rückkehr Xoxos von der Schlacht zu tun.
Vor allem auch ihre Behausung gefiel ihr, zwar sehr einfach, aber sehr schön und liebevoll beschmückt und behangen, sodass es für sie wie eine Entdeckungsreise war: wunderbare weiche Felle, zauberhafte Amulette und verzierte Talismänner, steinernde und hölzernde Masken, prachtvoller Federschmuck, edle Ketten aus Knochen und Edelsteinen, bemalte Schalen und Krüge, feinste seidene Vorhänge und Tücher ... und sogar einen wertvollen schwarzen Obsidianspiegel. Niemals hätte sie dies für möglich gehalten. - So hatte sie sich weder eine cimmerische Begegnung, noch eine barbarische Höhle vorgestellt. Alles war wie ein Traum, war wie ein Wunder.
Mittwoch, 16. Januar 2013
Xoxo. Die Cimmererin IV - Überfall
Dann ergriff alle die Hektik des erneuten Aufbruchs. "Was ich gesagt habe, gilt, bring sie niemals in unser Dorf, niemals," sagte Beolg und fügte hinzu: "Wir sehen uns dann auf dem Schlachtfeld. Ein Pferd steht nahe der Böschung, du weisst schon wo. Die neue schwere Rüstung erhältst du dann wohl erst im Heerlager. Viel Glück."
Sie machten sich nun auf und liessen Xoxo mit der Stygierin zurück. Sie taten so, als wäre es ein normaler Vorgang, aber allen war klar, sollten die Verfolger der Entflohenen wieder auftauchen, so stünde Xoxo allein. Auch, wenn sie sehr stark war, sie würde es wohl nicht überleben, nach allem, was man über die fremden Eindringlinge gehört hatte. Schon bald waren sie ausser Sicht und verschwanden hinter einer Biegung in einer steilen Schlucht bergabwärts.
"Bis zur Höhle mußt du es so schaffen, es sind noch zwei Stunden und es geht bergauf. Dort versorge ich dich dann und behandle deine Wunden." Xoxo reichte der Stygierin eine lederne Binde. "Hier, wickel das um deine Füsse bevor sie völlig hin sind. Wir müssen es einfach schaffen." Dann reichte sie ihr einen anderen Trinkbeutel "Trink, du mußt viel trinken. Dies ist flüssiges Brot."
"Nun, sag schon, wieviele ? Wieviele sind hinter dir her ?" Auch sie machten sich nun auf den Weg. Xoxo hatte nur ein dickes Bündel, alles andere hatten die anderen auf den Maultieren mitgenommen. Und ihre Waffen hatte sie geschultert. Während der ersten Schritte brach die Stygierin endlich ihr Schweigen. Sie begann nun wie ein Wasserfall zu reden und dies im einfachen entfernt ländlichen cimmerischen Dialekt aus den aquilonischen Grenzregionen, der Xoxo wegen ihrer Reisen nach Aquilonien noch gut geläufig war. Xoxo unterbrach sie manchmal, bat sie langsam zu reden, denn sie überschlug sich manchmal, wobei sie einige Worte und Begriffe durcheinanderwirbelte und mit stygischen vermischte. Sie war es offenbar gewohnt schnell zu reden, war sehr redegewandt. Der Stygierin gelang es schliesslich das Erlebte ihrer Flucht und die Lage sehr genau zu schildern. Es gelang ihr im Verlauf immer besser bis nahezu flüssig in cimmerisch zu sprechen. Der Stygierin war offensichtlich klar, wie sehr sie jetzt voneinander abhingen und zueinander finden mußten. Sie mußte sich öffnen, auch wenn sie nicht so recht wusste, was mit ihr geschehen würde. Aber sie hatte keine Fesseln angelegt bekommen, was für sie wie ein Wunder war. Die schrecklichen barbarischen Cimmerer liessen sie am Leben, wo sie doch immer gedacht hatte, sie würden viel schlimmer sein, als alles, was sie vorher erleiden mußte. Sie schilderte die Situation. Sie seien nun beide in allergrösster Gefahr. Die Skyther würden sie verfolgen. Sie könne ihr noch nicht erklären warum und wer sie waren, weil sie es nicht glauben würde. Es würde auch alles zu lange dauern. Es reiche, wenn sie wisse, dass sie eine Tempeldienerin sei. Sie habe ihr ganzes Leben nur in Tempeln, Gärten und Städten verbracht. Die Wildnis sei ihr völlig unbekannt. Sie sollte deshalb auch erst als Letzte geopfert werden, es seien nur sehr wenige ihrer Gefolgschaft noch am Leben, wenn überhaupt. Man habe sie jeden Abend auf einen Platz öffentlich geschändet, um zu beweisen, dass es ihren Gott nicht geben würde. Und häufig hatten sie zum Höhepunkt eine Person aus ihrem Gefolge direkt vor ihren Augen bestialisch getötet. Sie sollte abschwören, doch sie tat es nicht. Durch einen Zufall habe sie sich befreien können, doch in dieser Wildnis würde sie nicht lange überleben. Freie Natur kenne sie nur von hören und sagen. Sie könne lesen, schreiben, rechnen, malen, tanzen, dichten und viele andere Dinge, die ihr hier gar nichts nützten und bestimmt auch unbekannt seien. Wenn sie sich nicht beeilen würden, wären sie schon bald gefangen. Xoxo fragte wieder, wieviele es seien, alles andere könne sie doch später erzählen. Sie antwortete, sie habe fünf gesehen. Einer davon, sei ein Anführer aus der Adelsschicht. Und auch ein Schamane sei dabei. Ihre Schamanen seien aber auch Krieger. Die anderen seien einfache Jäger oder Späher aus der Kriegerkaste. Sie habe sie an einem Hang beobachtet, gestern als sie ihr so nah waren, dass sie sie leicht hätten fangen können, aber sie sammelten sich und machten Rast. Das war ihre Rettung. Sonst wäre alles vorbei gewesen, weil sie nicht mehr wusste, wie sie weitergehen sollte. Und genau so mußte es denen auch gegangen sein. Eine tiefe und unübersichtliche felsige Senke mit einem Bachlauf hatte ihnen die Verfolgung erschwert. So konnte sie sehr viel Zeit zurückgewinnen. Sie würden aber nicht aufgeben, denn ohne sie oder ihre Leiche bräuchten sie sicher nicht mehr in ihr Lager zurückkehren. Sie hätten bestimmt schon wieder aufgeholt, da sie ja sogar Blutspuren hinterliess. Nur in dem Wasser hatte sie ihre Spuren für kurze Zeit verwischen können. Aber sie hatte immer mehr an Kraft verloren und deshalb hielt sie in den Gräser aus. Sie war völlig erschöpft. Ihre Verfolger wären bestimmt schon in der Nähe und würden sie bestimmt schon beobachten.
Das Erlebte hatte sie am Ende in nahezu perfekten cimmerisch, wenn auch eines hier eher unüblichen, aber für Xoxo sehr gut verständlichen und bekannten Dialektes geschildert, was Xoxo nun veranlasste, sie zu fragen, wie sie als Stygierin dazu gekommen sei. Sie erklärte, sie beherrsche sehr viele Sprachen, es sei nun einmal ein Teil ihrer Ausbildung gewesen, auch habe es sie interessiert und sie sei überaus sprachgewandt. Sie spreche hochstygisch, also das der herrschenden Kaste, auch das seteigene stygisch der Priester als eine besondere Elite und drei stygische Dialekte, die teils verwandt, aber auch grundverschieden seien, kushitisch, aquilonisch, shemitisch, darfari, vendhynisch, turanisch und eben dieses cimmerisch für den Notfall, wie ihre Lehrer stets kopfschüttelnd betonten, womit sie meinten, dass es bei diesen Barbaren sowieso sinnlos sei, was man sagte, denn der nicht weniger barbarische Tod sei einem in Gefangenschaft gewiss. Und dieser Umstand sei ja nun tatsächlich eingetreten, obwohl niemand ihrer Mitschüler und Lehrer es jemals für möglich gehalten hätte, dass sie die cimmerische Begegnung überleben würde. Und glauben würde ihr diese Geschichte auch niemand. Xoxo entdeckte in ihr ein unterschwelliges und flüchtiges Lächeln, das über ihre stets ernste und von Angst erfüllte Miene huschte. Sie dachte an ihre Tochter Cyantia, die nun in Aquilonien vermutlich einen vergleichbaren Weg der Lehre im Mitrakloster durchschritt. Vielleicht war auch dies ein Grund, weshalb sie von der Stygierin so beeindruckt war. Sie erinnerte sie so sehr an ihre Tochter, obwohl die Stygierin wohl älter war und ihre Ausbildung offenbar erfolgreich abgeschlossen hatte, denn so selbstbewusst, wie sie nun auftrat, hatte sie noch keine Gefangene erlebt. Xoxo war sich sicher, Vajria gehörte einer herrschenden Kaste der Stygier an, wofür sie sie, wie ihre cimmerischen Brüder, eigentlich hassen müßte. Eine einfache Tempeldienerin war sie sicher nicht und sie hatte sicher Angst es zuzugeben, weil sie wohl glaubte, dann sterben zu müssen. Sicher würde sie bald mehr erfahren.
"Gut, sag mir deinen Namen, den, wenn sie dich rufen und alle in Eile sind, mich nennen alle Xoxo." "Hm, ich weiss nicht, dann heisse ich nur Vajria, als das göttliche Werkzeug dem ich angehöre." "Werkzeug?" "Ja, es heisst, es sei ein Dolch vom Himmel gefallen ..." "Nicht jetzt, welche Waffen haben sie ?" Vajria blieb stehen und sprang zu einer sandigen Stelle, riss einige Grasbüschel heraus, plättete mit den Händen die Erde und dies so geschickt, wie es Xoxo noch nie gesehen hatte, malte sie die Waffen und ihre markanten Klingen, die sich in ihrer Form von allen hier bekannten unterschieden. Dann zeigte sie jeweils darauf, stand auf und machte Bewegungsmuster vor. Xoxo war überrascht. Vajria ahmte die typischen Kampfbewegungen nach, gekonnt und wiederholt und vor allem sehr wendig und gelenkig, als sei sie ein Trainer und das obwohl sie so geschwächt und so abgemagert war. Mal langsam um das Bewegungsmuster zu verdeutlichen, dann schnell, als sei es jetzt passiert. Das war unglaublich und es schien, als würde die Stygierin alle ihre letzten verfügbaren Reserven aufbringen, wohlwissend, dass ihr beider Leben an einem dünnen Faden hing, auch wenn es in ihrer Dürrheit sehr bizarr wirkte. Xoxo mußte sich darauf einstellen, denn zu jeder neuartigen Waffe gehörte ein typischer Bewegungsablauf und sei es nur durch die veränderte eigentümliche Klingenform bedingt. "Ich sehe , du kannst Dinge, wovon andere keinen Schimmer haben, aber das ahnte ich schon, als ich deine schmächtige Gestalt sah. Es scheint, du bist eine Künstlerin. Wir können viel voneinander lernen. Wir werden den Weg beibehalten, aber wir müssen aus diesen Wildgräsern heraus, denn diese bieten auch ihnen Deckung und wo das Gras dicht steht, ist es schwerer für mich Witterung zu nehmen."
Nach einer Weile, sie waren noch nicht ganz aus den hohen Gräsern heraus, das Tal verengte sich, blieb Xoxo stehen. "Sie sind da. Die Vögel sind stumm. Ich spüre ihre Gegenwart." Vajria rückte hautnah an Xoxo heran, blickte nervös um sich und zitterte leicht. Xoxo löste die Schlingen ihrer kleinen Äxte. Sie war nun kampfbereit. "Schau, dort werden sie auf uns warten. Entkommen können wir nicht. Weglaufen wäre der sichere Tod. Wir tun so, als wüssten wir es nicht. Wir stellen uns dumm." Sie blickte dabei zu einer Stelle mit dichten Buschwerk und einem alten knorpeligen Baum mit etwas freier Fläche. Vajria war nur noch von Angst erfüllt, aber sie fügte sich dem unausweichlichen Schicksal. Was wollte diese stolze Wilde gegen diese Krieger allein ausrichten ? Sie würden gemeinsam sterben. "Sie werden denken, ich sei nur ein dummes Mannsweib, eine Primitive, pass auf Vajria, du machst gar nichts, verstehst du ? Nichts. Bleib einfach liegen, grab dich ein bis alles vorbei ist." Dann lächelte sie. "Gleich erlebst du die tiefe Seele Cimmeriens, der Geist des Säbelzahntigers wird sie zerfleischen." Vajria war kreidebleich. Sie schaute starr vor Angst und fasste plötzlich ganz zaghaft den Arm von Xoxo. Sie suchte Halt, wollte noch einmal einen Menschen fühlen, der sie beschützen wollte bevor sie sterben würde, obwohl sie sie hätte töten oder einem schlimmeren Schicksal hätte überstellen können. Warum lieferte sie sie nicht einfach aus ? Ja, warum nicht auf diese Weise in einen grausamen gemeinsamen Tod stürzen ? Plötzlich stiess Xoxo Vajria mit voller Wucht zur Seite. Es ging los. Indem sie mit ausgebreiteten Armen flach ausgestreckt nach vorn hechtete und dann sich von Vajria entfernend in entgegengesetzte Richtung rollte, gelang es ihr geschickt den feindlichen Speeren auszuweichen. Dann sprang sie zur Seite um ihre eigene Achse drehend, liess beide Einhänder in der Luft wirbeln und brüllte ihre Wut heraus. So lenkte sie alle Aufmerksamkeit auf sich. Grosse furchterregende Gestalten, völlig tätowiert und mit fremdartigen Rüstungen und dunklen Umhängen griffen sie nun an. Vajria prallte hart auf den Boden auf. Der heftige Stoss hatte ihr den Atem weggenommen. Sie hatte Angst zu ersticken, jabste nach Luft. Noch während ein Speer flach über sie hinwegrauschte und den Boden durchpflügte,
konnte sie tiefer in das Gestrüpp robben, drückte ihr Gesicht, ihren ganzen kleinen Körper auf den Boden und ihre Finger krallten sich in die morastige Erde. Sie schloss ihre Augen und jeden schrecklichen Augenblick fürchtete sie von den übermächtigen Fremden ergriffen, missbraucht und wieder ins Lager zurückgebracht zu werden. Ein dumpfes Ziehen verengte ihren Unterleib, die Erinnerungen an die nicht endenen Torturen durchströmten sie. Aber vielleicht würden sie sie gleich auf der Stelle töten, ohne sie zu foltern. Oder wie gefangenes Wild fesseln und ins Lager bringen. Dort würde dann die Strafe auf sie warten. Oder erst über sie herfallen, sich mit ihr vergnügen und dann erst aufbrechen und sie mitschleifen. Es gab soviele Möglichkeiten der Pein, der Tortur. Hoffnung hatte sie nicht. Ihre unermessliche Furcht steigerte sich in frostige Kälte, sie zitterte und wimmerte in sich hinein. Dann hielt sie wie von einer seltsamen Kraft gelenkt inne, noch immer hatte sie niemand an den Beinen gezerrt, sie herausgezogen und sich über sie hergemacht. Sie hatten sie ausser Acht gelassen, weil sie sich ihrer sicher fühlten oder weil die Wilde sie so sehr ärgerte. Endlose Augenblicke der Stille folgten und ihre Sinne lauschten während der Erdboden von bedrohlichen Stampfen und Tritten zu erschüttern schien. Das mächtige Klirren von Metall auf Metall, das knarrende Zerspringen von Rüstungsteilen und das tiefe reissende Schmatzen von Fleisch, wenn Hiebe darin malmten, es teilten und durchtrennten, drang an ihr Ohr. Qualvolles Stöhnen und Röcheln. Xoxo war jetzt bestimmt gefallen. Es war alles aus, sie schloss mit ihrem Leben ab und spürte die Kälte, die von ihr Besitz ergriff. Dann brach wildes wutenbranntes Geschrei über sie herein, das der skythischen Krieger. Und es wurde durchbrochen von einem grellen hyänischen Zischen, Fauchen und hasserfüllten Kreischen. Es war Xoxos Stimme. Wie konnte es sein ? Wirklich, sie hielt noch immer aus, kämpfte wie ein unberechenbares Tier in der Falle, dann folgte wieder ein bedrohliches Gröhlen ihrer Feinde wie eine Vergeltung. Es war ein wildes Toben in Gange, ständig die Richtung wechselnd. Immer von gewaltigen Schlagabtausch unterbrochen. Verdammt, Vajria konnte es noch immer nicht fassen. Das war unmöglich. Aber es war wirklich, es war real. Tropfen aus heissem Blut spritzten plötzlich auf ihren Kopf und Rücken. Sie zuckte zusammen und mit ihren Händen presste sie ihren Kopf noch fester auf den Erdboden, der unter den kräftigen Stössen und Sprüngen wie bebend durch ihren Körper fuhr. Sie wollte schreien, aber konnte es nicht. Der brutale Kampf ging weiter.
Ein weiterer entsetzlich gellender Schrei riss sie unkontrolliert wie von Sinnen in die Höhe und sie wandte sich nach hinten zurückkriechend und abstützend dorthin um, sah eine Blutfontäne aus einem mächtigen Körper emporschiessen und ein abgetrennter Kopf mit weit aufgerissenen Augen, glotzend vor Entsetzen, rollte vor ihre Füsse. Dann fiel der schwere Körper zu Boden. Aber die anderen Kämpfenden waren bereits wieder verschwunden. Der Kampf schien unter sehr hohem Bewegungstempo abzulaufen, kam schnell näher und entfernte sich wieder und sie hatten die Cimmererin noch nicht zur Strecke gebracht. Sie kämpfte unermüdlich weiter. Vajria sah vor sich in einigen Abstand bereits zwei Leichen, die eine enthauptet und die andere mit gespaltenen Schädel indem noch die Axt steckte.
Wie hatte sie das fertiggebracht ? Das Wildgras war niedergetrampelt. Dann drangen Rufe zu ihr herüber. Sie waren es. Hatten sie sie jetzt ? Verdammt die Cimmererin hielt ihren Kopf für sie hin und sie war von Angst zerfressen, noch immer im Bann der Torturen, der sklavischen Erniedrigung und Pein. Sie war nicht sie selbst, ein elendes Geschöpf aus Verzeifelung und Jammer. Was sollte denn noch geschehen ? "Nein!", sie schrie es laut heraus. All ihre Angst brach nun als trotziger Zorn aus ihr heraus. Das war der entscheidene Moment, kein weiterer würde folgen, wenn nicht dieser sich erfüllte, dann keiner mehr. Niemals mehr. Plötzlich wie verwandelt, ging alles sehr schnell. Sie senkte sich in die Hocke, presste so kräftig sie konnte, es tat weh, presste würgend und zog an der kleinen klebrigen Schlaufe, die aus ihrem After hing, zog es schmerzend heraus und öffnete die verschmierten weichen ineinander verknüpten dreigliedrigen Lederröllchen. Blanke schmale Pfeilspitzen funkelten sie aus jedem Röllchen einzeln an. Sie wischte flink ihre Finger im Gras. Hörte wieder Schreie und das Schlagen von aufeinanderprallenden Waffen. Eine riesige Gestalt kam ihr langsam entgegen. Es war die blutüberströmte wankende Gestalt eines der hünenhaften Krieger - nur noch mit einem Arm. Es war der Dritte, den die Cimmererin sehr schwer getroffen hatte, so dass er wie verirrt suchend daherkam. Doch er war nicht tot, er war noch immer gefährlich und lebendig, benebelt vom Verlust und den Schmerz, aber voller Wut und wild entschlossen. Und als er sie entdeckte, ging er schnurstracks auf Vajria zu, ergriff einen grossen Krummdolch, der bei einem Toten am Boden lag. Vajria schoss geitesgegenwärtig in die Höhe und mit einer kaum wahrnehmbaren sehr schnellen Handgelenkdrehung schleuderte sie die erste Wurfspitze zielgenau in seinen Hals. Er wurde durch den Treffer sofort verlangsamt, machte nur noch zwei oder drei träge Schritte, dann fiel er ohne einen Laut, still und stumm direkt vor ihr zu Boden. "Das Gift wirkt und das nach solanger Zeit," stellte sie erstaunt kritisch, aber höchstzufrieden fest.
Sie frierte nicht mehr. Im Gegenteil, Wärme durchströmte ihren Körper, ihr Blut begann regelrecht zu kochen, begann zu schwitzen, war mit einem Mal klitschnass, dann rannte sie los, nichts hielt sie mehr, dorthin, wo der Kampf jetzt tobte. Ihre Füsse brannten, aber sie spürte sie nicht. Ihr Körper war wie verwandelt, war jetzt immun gegen Schmerz, so wie auch ihr Geist. Xoxo schrie auf, wie eine verletzte Tigerin. Und es setzte das triumpfierende verhöhnende Lachen dieser Bastarde ein. Dann wieder ein schmerzgeischender Schrei wie der eines verwundeten Büffels. Xoxo hatte noch einen niedergestreckt. Vajrias kleine schmächtige Gestalt trat nun aus dem Wildgras heraus. Sie sah Xoxos verblüffte Augen, die deuteten, sie sollte fliehen. Xoxo atmete heftig. Ihre Mähne war schweissgebadet und von fremden Blut durchtränkt, ihre Brüste sprangen unter dem heftigen auf und ab ihrer Lungen pendelnd umher. Ihre lederne Rüstung lag verstreut am Boden. Sie war jetzt auch nackt bis auf die Stiefel. Und voller Blut. Vajria schien, Xoxo war an die Grenzen ihrer Kräfte angelangt, atmete überheftig und schwer, hatte Streifwunden am Arm, am Oberkörper und an den Beinen. Offensichtlich ohne Gift, nur von den Lanzen. Es waren noch immer drei, die sie umringten. Sie hatten sie gestellt. Krummdolche und Reisslanzen waren auf sie gerichtet. Sie beachteten Vajria nicht, blickten nur kurz zu ihr herüber. Grinsten. Sie war für sie nur ein dummes Opfer, wähnten sich des Sieges.
Xoxo hatte nur noch einen kleinen Einhänder, hielt ihn entschlossen mit beiden Armen fest. Der grosse Zweihänder steckte im zersprengten Brustkorb des zuletzt Gefallenen. Vermutlich würde sie noch einen mit in den Tod reissen. Sie rückten Schritt für Schritt vorsichtig näher. In wenigen Augenblicken würde alles entschieden sein. Vajria wirkte unscheinbar in ihrer schmalen, fast knöchernden und geschundenen Gestalt. Sie verneigte sich langsam, hatte dabei ihre Hände flach zusammengepresst, so als wollte sie ein letztes Gebet sprechen. Sie blickte auf, sah Xoxos versteinerte Miene. Dann streckte sie ihre schlanken Arme weit auseinander, als wollte sie den Himmel empfangen, wirbelte sich blitzschnell zusammenziehend, in einer einzigen fliegenden Drehung wie in einem kreisenden Tanze herum. Ihre Hände waren nun weit geöffnet und ihre dürren Arme ragten verharrend hervor, dorthin weisend wo die anderen standen. Zwei von ihnen ruckten, noch ehe, sie erfassen konnten, was geschah. Xoxo sah in ihre weitaufgerissenen glasigen Augen, ihre Unterkiefer fielen schlaff herunter. Dann sackten sie ohne ihre Haltung noch ändern zu können zusammen. Nur einer war übrig, der Anführer. Mit einem gewaltigen Schrei stürzte Xoxo sich auf ihn, wich seinem Stoss mit der Lanze aus, schleuderte herum, sodass auch sein zweiter Hieb mit dem Krummdolch ins Leere stiess, sie nicht einmal ratschte. Dann rollte sie in einem Bogen über seine Schulter nach hinten herab und noch bevor er sich herumwenden konnte, trieb sie ihm ihren Einhänder von unten tief zwischen die Beine. Dann stellte sie sich vor ihm auf. Er hatte seine Waffen starr vor Schmerz fallengelassen. Es war ein tödlicher Stoss. "Du feiges Schwein", das war alles, was er noch von Xoxo hörte als sie ihn mit einem Fusstritt zu Boden warf, dann sich mit voller Wucht auf ihn stürzte und ihre Fäuste gnadenlos wie ein Steinhagel auf seinen Schädel einhämmern liess. Sie schien nicht mehr aufhören zu können, schnaufte wild und keuchend. Die Schläge wurden langsamer, wie ein träges Stampfen. Sein Gesicht war zusammengebrochen, zertrümmert zu einem Brei und ihre Knöchel aufgeschlagen. Vajria trat näher, ging in die Hocke, legte ihre Hand auf Xoxos Schulter, betrachtete Xoxos bohrende Stichwunde unterhalb des Schulterblattes. Sie hatte sicher viel Blut verloren, es floss noch immer, doch sie schien kaum geschwächt. "Er ist tot. Es ist vorbei." Sie wiederholte es langdehnt und lauter: "Er ist tot" und allmählich drang ihre Stimme zu Xoxos Bewusstsein vor, zunächst aus scheinbar weiter Entfernung in einem unwirklichen Echo, dann klar und fast schrill. Xoxo fuhr ruckartig herum. Erst jetzt hörte sie auf, der Schädel des feindes war nunmehr völlig eingestampft und sein gehirn quoll seitlich heraus wie Gallermasse. Sie prustete heftig, stierte Vajria wie von weit in der Ferne an, kam langsam zu sich. Vajria blieb ungerührt stehen, hatte keine Angst mehr. Sie war ganz plötzlich von einem Moment zum anderen wie abgeschüttelt. Sie hatten keine Macht mehr über sie. Xoxo hockte noch immer auf dem mächtigen leblosen Brustkorb des feindlichen Kriegers, stützte sich nun auf den Schenkeln ab, senkte ihren Kopf dabei. "Ich habe mich völlig vergessen, war wie von Sinnen, aber sie wollten uns töten. Ich weiss nicht, was war, es brach aus mir raus. Es war der reine Hass. In einer Schlacht kann soetwas für einen selbst sogar sehr tödlich enden, weil man alles um sich rum vergisst."
"Ohne dich wäre ich jetzt wieder gefangen. Vielleicht schon tot. Oder sie würden mir im Lager viele Dinge antun. Schlimmer als alles, was war. Ich habe gesehen, was sie dann machen. Du hast mich gerettet." Xoxo drehte sich wieder zu ihr um, stand auf. Sie war von Blut überströmt und verschmiert, von eigenen und fremden, in frischem nassen rot und angetrockneten rotbraun, atmete noch immer sehr heftig, ihr nackter Oberkörper stieg auf und ab und an ihren schaukelnen Brüsten tropfte das Blut herab. Sie hatte Schnittwunden an Oberarm und Oberschenkel und eine Platzwunde am Kopf sowie die Stichwunde hinten in der Schulter. Sie stand in voller Anspannung, man konnte jeden einzelnen Muskelstrang sehen, die weichen Polster waren ganz und gar entschwunden. "Ja, Schrecken kennt kein Ende. Man denkt immer, es ist vorbei, dann wird es noch schlimmer. Aber sag, was war das mit dir ?" "Was?" "Was hast du da gemacht ? Vor allem wie ?", Xoxo deutete auf die Toten. "Es waren Giftspitzen und ich sage dir, hätte ein Krummdolch dich erwischt, so wärest auch du auch an seinem Gift zugrunde gegangen. Du kannst dich glücklich schätzen, nur von ihren Lanzen geratscht worden zu sein." "Ja, es war unmöglich diesen unbeschadet auszuweichen, ich hatte es geahnt, aber die sind tatsächlich alle vergiftet ?" Vajria nickte stumm. Dann fügte sie hinzu: "Eines ihrer Erfolgsgeheimnisse." Xoxo spuckte in den Boden. "Wo hattest du sie her?" "Ich habe sie immer bei mir getragen. Sie stammen aus unserem Tempel, habe sie stets verborgen oder versteckt in meinem Hintern. So haben sie es nicht bemerkt." "Aber wieso erst jetzt ?" "Ich weiss nicht, nie schien der Moment wirklich geeignet gewesen zu sein. Das Risiko war immer viel zu hoch. Manchmal dachte ich meinem Leben damit ein Ende zu setzen und der Pein zu entkommen. Aber mein göttlicher Schwur verbietet es. Aber diesmal spürte ich, dass sie ihre Berufung gefunden hatten. Todessicher. Und darauf kommt es an. Für solche Momente sind sie geschaffen. Du machtest es möglich. Noch nie habe ich eine Frau so kämpfen gesehen. Du bist eine wahrhaftige Kriegerin. Ich bin froh ihnen entkommen zu sein. Und das ich auf dich traf. Du bist wahnsinnig. Und das du mich am Leben lässt. Es ist wie ein Wunder." Xoxo schaute sie sprachlos an. "Wo hast du das gelernt ?" Vajria nickte, "Es ist Teil einer Meditationsübung im Tempel," grinste leicht dabei und fuhr weiter. "Ein Teil meiner Ausbildung, eigentlich sogar der überwiegende Teil befasste sich mit der Formung von Seele, Geist und Körper und diese dreieinig zu vereinen. Man erreicht dann mit minimaler Kraft und Energie unglaublich viel, nutzt die Aura des Gegners für den eigenen Widerstand. Und dazu gehörte der Umgang mit Dolch und Wurfpfeil. Dies sind sehr spezielle Spitzen mit denen man auf zehn Meter ins Schwarze treffen kann. Und ich kann es blind." Vajria schien imstande und in Verfassung ihr einen Vortrag halten zu wollen. Xoxo runzelte die Stirn. Sie war wie verändert. "Blind ?Das mußt du mir unbedingt erklären, später in meiner Höhle. Wie so vieles. Denn eine Dienerin bist du nicht." Dann bückte sich Xoxo zum Getöteten und mit den geübten Schnitten eines Wildtöters hielt sie ihr rasch sein warmes Herz entgegen. "Es ist deins. Du hast den ersten Biss." Vajria schüttelte den Kopf. "Ich will nicht." Sie hatte geahnt, dass das folgen würde, dass Xoxo eine Bluttrinkerin war und sein Herz essen würde. "Du willst nicht ? Los, komm, es ist heilig und frisch." "Nein, er ist böse. Es ist nicht gut, sein verfluchtes Herz zu essen. Es vergiftet unseren Körper und unsere ganze Seele. Soll er als Aas zugrunde gehen, verteilt in alle Winde." "Dann mache ich es eben," Xoxo begann gierig vom Herzen zu essen. "Das Herz deines Feindes macht dich stark. Jeder geschlagene Gegner stärkt unsere eigene Kraft. Bei erlegten Tieren mache ich es auch so." "Nein, Tiere sind rein, aber er war nicht stark, er war feige, gemein und hinterhältig. Ein widerliches Schwein. Seine Seele ein Abbild der dämonischen Finsternis. Er hat gequält, gefoltert und lebendig gehäutet während er sich an sie vergangen hat. Er hat mir alles angetan und genommen, was ich war." "Xoxo schaute sie stumm und grüblerisch an während sie erneut abbiss, dann spuckte sie fluchend aus. "Er war das ? Verdammt, du hast recht." Dann schleuderte sie das restliche Herz in einen hohen Bogen durch die Luft. "Verflucht sollen ihre Seelen sein," rief sie aus. Dann ruhig, zu ihr gewandt. "Sein Herz hat auch nicht geschmeckt. Es war bitter," grisnte dabei breit. Nach einer kurzen Pause, sie sahen wie die ersten Raben über ihnen kreisten. "Bist du dir sicher, es kommen nicht mehr ?" "Nein, das waren alle, sonst wäre er nicht dabei, bestimmt. Das waren alle. Mehr kommen nicht." "Du kanntest ihn?" "Ja, er war ein Schwein," Vajrias Miene war plötzlich eisig und kalt, aber ihr Blick war klar und unverhangen. "Du zitterst nicht mehr und deine Augen, sie funkeln richtig." "Ja, es ist weg, alles ist weg. Abgefallen. Es passierte während mir klar wurde, was geschah und mein erster Pfeil den Feind niederstreckte. Ich fühle mich so überwältigt befreit und unendlich dankbar. Ich fühle wieder neues Leben, neue ungeahnte Stärke in mir fliessen, wie vorher, bevor alles begann. Und doch wird von nun an alles anders sein. Nichts wird mehr wie es war. Ich bin mir jetzt sicher, dass du mich ihnen nicht ausliefern wirst. Ich vertraue dir, mein Blut ist dein." Vajria fiel auf einmal auf die Knie, küsste Xoxos dreckige Stiefel. "Verdammt, nein, komm hoch oder ... ich töte dich." Dann lachte Xoxo. "Komm", zog Vajria hoch und drückte sie für einen Moment fest an sich. "Du bist doch frei. Du mußt dich nicht unterwerfen. Ich halte keine Sklaven. Wir sind von nun an Freunde. Auch ich habe dir mein Leben zu verdanken, auch wenn du mich erst in diese Situation gebracht hast, aber früher oder später wäre es sowieso passiert." Vajria liefen die Tränen, sie schluchste. "Was ist mit dir?" "Nichts, gar nichts," vergrub ihr Gesicht in den kleinen Händen. Dann rieb sie sich die Wangen. "Ich fasse das alles nicht." Xoxo ergriff nun sanft ihre Arme. "Ach Vajria, komm, komm schon. Los." Und dann: "Wenn du jetzt wieder umfällst, ich warne dich, ich lass dich hier liegen, du kannst dann elendig verrotten, du miese stygische stinkende Schweinepest !" Xoxos Augen zwinkerten und leuchteten keck dabei. Sie fing an zu lachen. Das erste Mal sah sie ein strahlendes Lächeln in Vajrias bislang so niedergeschlagene und traurig düstere Miene aufbrechen. Es war wie ein herrliches Licht, bezaubernd und voll magischer Anziehungskraft, so wie die aufgehende Sonne Stygiens.
Mittwoch, 21. Dezember 2011
Xoxo. Die Cimmererin. II - Freuden
- Knie nieder, dreckiges Hurenluder ! - schoss es plötzlich schneidend aus Beolg heraus. Sein geschwungener Langdolch drückte sich mit der Rückkante stumpf unter Xoxos Kinn. Dann strich er mit der Klingenspitze ihre Wange entlang, schnitt ganz fein in die Haut, sodass es ein klein wenig blutete. - Knie endlich nieder, du mieses Hurenstück ! - Wütende Augen durchbohrten sie. Xoxo ging langsam und reglos in die Knie. Sie spürte die Klingen von Chimir und Wallax an ihren Brüsten, eiskalt wie Frost. Alles in ihr zog sich zusammen. Sie konnte sich kaum rühren, war jedoch gefasst, was sie als Jägerin immer war. Dann hob Beolg seinen linken Arm und schnippte mit den Fingern. Wallax nahm seinen Rucksack und warf ihn Xoxo scheppernd vor die Füsse. - Mach schon, du verdorbenes Biest ! Mach den Sack auf, wirds bald ! - Vorsichtig streckte sich Xoxo vor und ging von den Knien in die Hocke über, fasste ganz langsam in den Rucksack. - Los, mach schon elende Drecksnutte - zischte Beolg. Die Luft war beladen von aufgesetzter Wut. Sie griff hinein, fühlte die Griffe. Sie verlangten nach ihr. Ihre Schläfen klopften nun warm, ein glückseeliges Kribbeln durchströmte ihren Hinterkopf. Sie platzte fast vor Anspannung und ihre Muskeln zogen sich zur Entladung mächtig zusammen. Es war ein gewaltiger Tag. Dann mit einem mächtigen Ruck rollte sie zurück, wirbelte anschliessend zusammengeballt in einer Drehung rückwärts über Kopf in die Höhe nach hinten, sodass die Klingen im leeren Raum verharrten und nur kleine ritzende Kratzer in ihrer Haut hinterliessen. Xoxo stand da, schlagbereit mit zwei brandneuen Einhandäxten und schrie kreischend auf - Ich spuck auf euch ! Verdammte Höllenbrut! - Die vier Berserker und auch Xoxo blieben reglos stehen. Dann fingen alle an laut zu johlen und abzulachen. Xenay schliesslich auch, dem das Ganze anfangs nicht geheuer war, weshalb er sich unbeteiligt etwas abseits hielt. Es war das alte Spiel, sie mochten es so gern, sie kannten es von Kindheitstagen an. Und sie konnte es immer noch, diesen blitzschnellen Kugelsalto rückwärts in eine sprung- und schlagbereite Kampfpositon.
- Jo, Xoxo, das wollte ich nur noch einmal sehen bevor es los geht. Aber nächstes Mal will ich, dass du ne Schraube hinlegst! - Beolg riss erneut die Arme hoch und gröhlte vor Freude, blickte dabei zum Neuen, den jungen Xenay hinüber, dessen Mund etwas ungläubig offen stand. - Xoxo, du bist ein Anblick für die Götter. - Sie sah wirklich bedrohlich und furchteinflössend aus mit all dem alten roströtlichen Blutverwischungen auf ihrer vernarbten nackten Haut und zugleich so betörend in ihrer kurvenreichen wilden Erscheinung. - Selbst Crom würde seine Finger nach dir lecken. - Lass mich bloss mit dem alten klapprigen Crom in Frieden. Schick ihn als schäbige Frostbeule ins Eis zurück ! - erwiderte Xoxo gackernd und überglücklich. - Das ist Gotteslästerung Xoxo, du wirst noch heute von uns als Ketzerin gepfählt und gerädert ! - kam die laut lachende Antwort von Beolg. Sie alle waren nun völlig ausgelassen, rissen ihre Witze. Xoxo schlug immer wieder in die Luft, machte drehende und ausweichende Schlagübungen, ging in die Hocke, sprang auf in einer kreisenden Bewegung, so als würde sie feindliche Leiber niedermähen. Einhandäxte waren ihr Element. Und diese hatten zwei Klingen. - Die sind eine Wucht. Und so leicht. Beolg, genau richtig für schwächliche stinkende Hurenweiber wie mich - rief sie selbstironisch aus. - Ja, unser Schmied ist auch ganz stolz darauf. Bessere hat es in dieser Art und Grösse von ihm noch nicht gegeben. Es sind die ersten dieser Art mit einem neuen Schmiedewerkstoff härteveredelt aus Fernost. Und du weisst, er mag dich, auch ohne Schäferstündchen mit dir, wie er mir hoch und heilig versichert hat. Und natürlich seiner Frau.- Sie alle feixten und klatschten sich auf die Schenkel. - Xoxo blieb aber stehen, schaute Beolg an. Er war ein wahrer Freund. Und heute der Kriegsherr des Clans. Auch jetzt, wo er es nicht nötig hatte, sie längst hätte fallen lasssen, stand er zu ihr. Sie hatte ihm viel zu verdanken – vermutlich auch ihr Leben.
- Kommt, das wollen wir begiessen ! - Sie rannte in die Höhle und kam mit einem Metfass heraus. Dann lief sie erneut zurück und schleppte dazu einen bereits angegrillten Spiessbraten vom Vortag an. - Gut, dann fangt schon mal an. Wir brauchen ihn nur neu übergrillen. Das geht doch schnell. Wildschwein. Hab ich erst gestern mit angefangen. - Sie zeigte dann auf den frisch erlegten Bock. Den häng ich dann ab. Können wir ja mitschleppen, wäre doch zu schade ihn verkommen zu lassen. Oder ? - Beolg schüttelte den Kopf. - Ne, das ist nicht dein Ernst. Wir haben schon genug zu schleppen. - Ach, was, wir sind doch nicht beknackt. Wir nehmen ein Maultier mit. - Beolg und die anderen grinsten. - Xoxo, jetzt kommt voll die Frau raus bei dir. Schmeiss das Fleisch weg oder leg es in Salz. Unser Dorf ist übersatt versorgt. Was fehlt, sind weitere hungrige Münder von Kriegern. - Dann nach einer kurzen Pause fuhr Beolg fort – Aber das Maultier kannst trotzdem holen für die Felle und das ganze Zeugs, was Du tauschen wirst. -
Xoxo holte einen ovalen Holzbottich halbvoll mit Salz, stellte ihn neben den erlegten Bock, den sie nun flink zerteilte und dessen Fleischstücke sie zum Abtropfen auf ein Holzgestell legte. Dann lief sie schnell in ihre Behausung, duschte sich und machte sich zurecht. Die Duschvorrichtung bestand aus einem grossen tönernden Schöpfkrug mit vielen kleinen Löchern, der an einem Seil befestigt war. Manchmal nahm sie auch den Waschhocker anstatt das Seil zu lösen und stellte sich darauf zum Befüllen des Gefässes und solange das Wasser herrunterrieselte konnte sie sich abspülen und waschen. Sie versetzte das Wasser immer mit einem duftenden Frucht- oder Kräuteröl. Wie alle Winkel und Räume der Behausung war dieser Bereich mit vielen Götzen, Federschmuck, Tierschädeln und Talismännern geschmückt und wurde von Fackellicht erhellt. Das Brauchwasser konnte eine gescharrte Steinfurche entlang nach draussen abfliessen, wenn es nicht vorher versickerte, dorthin wo sie ein paar blühende Gewächse und Beerensträucher gepflanzt hatte.
Derweil heizten die Männer die alte Glut mit trockenen Brennholz zu einem neuen Feuer an, sodass sowenig Rauch wie möglich aufstieg. Teils begutachteten sie aber auch die Behausung, was sie kannten und was neu dazugekommen war seit ihrem letzten Besuch, der schon eine ganze Weile zurücklag. Sie setzten sich schliesslich alle im Kreis um den großen Grillbraten, der mächtig zischte und dampfte. Sie legten die schweren Teile ihrer Rüstungen ab. Ihre mächtigen und behaarten Oberkörper waren nun frei und sie machten es sich bequem. - Na Xenay, was sagst du zu ihr, hast du so ein Weibsbild schon gesehen ? - Ich glaube, Beolg, ihr habt recht, meine Mutter ist zu sehr verletzt und deshalb voller Neid und Hass gegen sie. Ich kann das nicht ändern. - - Ich weiss, Mütter kann man nicht ändern, im guten wie im schlechten. Und sie können sehr nachtragend sein. Deine Mutter Solmia hatte ihn geliebt, sie konnte es nicht verwinden, dass er mit Xoxo fest zusammen war, doch als es nicht so gut lief mit Xoxo, schlief er wieder mit deiner Mutter. Als Xoxo das erfuhr, war er tot. Jeder weiss, Xoxo treibt es ganz gerne, nur zum Vergnügen, aber nur, wenn sie frei ist, in solchen Dingen hält sie unsere Werte und Riten hoch. Sie hat immer respektiert, das ich mich für eine andere entschieden hab und würde mich auch nicht in Verlegenheit bringen. Das dürfte sie dann auch nicht - Aber bringt ihr ihr nicht doch vielleicht zuviel Respekt entgegen ? Ich mein, wie sie mit euch redet ? - Beolg schaute die anderen an, dann sagte er: - Xenay, Xoxo redet so mit allen ohne Unterschied. Mach kein Problem daraus, sonst gibt es ein Problem. Sie ist gewaltig. Sie erlegt den Säbelzahn allein und wir anderen haben sie auf dem Schlachtfeld schon mehrere Male kämpfen sehen. Sei mir nicht bös, aber ich würde dir nicht raten, es zu versuchen. Ich glaube, hier ist niemand, der sie wirklich unbeschadet schaffen kann. Als Ringer natürlich, ja man könnte sie dann ersticken oder die Knochen ausrenken und brechen, aber im echten Kampf auf Leben und Tod sicher nicht. Du wirst sie bald erleben, dann weisst du, was ich meine und dann weisst du, warum sie diese Waffen wahrhaft wert ist. Und warum mir an ihr soviel liegt. Die grosse Streitaxt gehörte ihr sowieso. Ich hatte sie verlegt. Glaube mir, niemand will auch nur einen von uns in den Schatten stellen. Aber für jeden Feind ist es eine besondere Schmach von einer Frau besiegt und getötet zu werden. Aber von Xoxo gelegt zu werden, kommt schon fast einer Ehre gleich. - Nach einer kurzen Pause - Und wie sie mit mir redet ? - Sie redet so mit mir, weil sie es darf. Punkt. Wir waren schon als kleine Kinder Freunde, da war sie noch dürr und scheu wie ein krankes Reh. Aber ich wollte ihr helfen, sie wurde viel gehänselt und ihre Mutter war schwerkrank. Sie hat sich aber um sie gekümmert soweit sie es als Kind konnte. Wer sie heute sieht, ahnt nichts von dem. Ihr Vater würde es niemals glauben. Sie wird viele Feinde in den Tod reissen ... und auf dem Lager ist sie einfach zu heiss, wie eine Löwin. - Jetzt lachten sie alle und Xenay dämmerte, dass sie wohl alle mit ihr schon einmal geschlafen hatten. - Ich kenne keine weitere Frau, so wie sie, aber als Frau will ich sie nicht. Keiner von uns. Sie hat keinen Familiensinn, kann sich nicht unterordnen, wenn sie auch verantwortungsvoll, zuverlässig und hilfsbereit ist. Aber für neue Abenteuer oder eine Jagd lässt sie alles liegen. Sie wird wohl nie auf jemanden treffen, der sie zähmen kann. -
- Erinnert mich nicht an mein Alter, sonst werd ich wütend. - Mit einem mal stand Xoxo direkt neben ihnen. Ihr verführerischer Duft nach wilder Beere schlich betörend um ihre Köpfe. Ihre Haut glänzte ölig goldbraun und eine frische Brustbemalung leuchtete in gelber Farbe. In ihrem braunroten Haar glänzte ein silberfarbenes Schmuckgeflecht mit Federn und Perlen. Ihre üppig prachtvoll schimmernde Oberweite war verziert mit feinen Federkettchen, die mit dem Echsenkopf der Halskette und der anderen Brust verbunden waren. An den rötlich glänzenden Brustwarzen spangten Elfenbeinspitzen die nun mit bunten Federbüscheln behangen waren. Sie trug dazu passende silberbronzene gedrillte Armreife, an den Fuss-, Handgelenken und an den Oberarmen. Der Lendenschurz, den sie trug, war aus Schlangenleder und feinen Wieselschwänzen. Alles war mit Federbüscheln beschmückt. Und die ledernden Bundschuhe reichten wie Stiefel die Waden hinauf. Es umgab sie die Aura einer Schamanin, doch sie war eine Kriegerin. Wild, stark, aufreizend und verführerisch. Ihre Erscheinung weckte in allen Begierde und Lust. Sie blieben mit ihren Augen an ihrem kurvenreichen Körper hängen. Ihre große Narbe am Busen war jetzt feuerrot. So prachtvoll zum Tanze geschmückt hatten sie Xoxo nur selten gesehen. Sie würde nachher für sie tanzen. Sie schien um Jahre jünger als eben noch und Xenay traute seinen eigenen Augen nicht. - Na, gefalle ich euch ? - Sie lächelte lockend und herausfordernd dabei.- Um Himmelswillen, Xoxo, was ist mit deiner Rüstung ? - fragte Beolg scherzend. - Rüstung? Wozu denn ? - Sie kicherten nun allesamt. - Ach, alles nur noch Schrott. Da gibt es nicht mehr viel. Nur den ziemlich zerschlissenen Lederkram für die Jagd. Was ich mal hatte, ist kaputtgegangen, liegt in einer Kiste. Und der Brustschutz scheuerte meine Narbe sofort wund. War mir auch zu schwer. Ich geb dem Schmied, was ich hab, dann soll er was draus machen. Was leichtes aus metallbeschlagenen Edelholz oder sowas. Will beweglich bleiben und nicht ersticken. - Da ist was dran - stimmten Beolg und die anderen zu. Dann strich sie sich durch ihre Mähne und ihr Oberkörper streckte sich weiblich räkelnd und verführerisch. - Vielleicht ist ja nachher noch etwas Zeit für ein Vergnügen.- Sie blickten sich alle gegenseitig an und es knisterte regelrecht vor Erregung. - Xoxo, du hast wirklich Talent, die Blicke auf dich zu ziehen. Warum es dann zum Chaos kommt, ist uns allen klar. Hoffe, es bleibt friedlich im Dorf, kommt nicht zum eifersüchtigen Streit unter euch Weibern. Halte dich zurück. Im Heerlager gibt es genug Männer mit denen du es treiben kannst. Im Dorf werde ich dazwischenhauen, sollte es wieder losgehen. So kurz vor der Schlacht werde ich diesen Quatsch nicht dulden. Was du an Fellen hast, leg auf dem Marktplatz aus. Mit dem Schmied, das mache ich. Ob jedoch so schnell noch was geht. Eine schwere Rüstung sicher nicht. Aber sowas willst du ja auch gar nicht. Es sei denn er hat was liegen, was er nur anpassen muß. Aus metallverstärkten Leder ist bestimmt was möglich. Sehe zu, dass du die Frauen nicht wieder neu gegen dich aufbringst. Das würde ich mir sehr wünschen. Sie haben Angst um ihre Männer in der Schlacht, aber fast nochmehr, dass sie mit dir fremdgehen. - Alle lachten jetzt lauthals auf - Schenke ihnen Felle. Dann hast du bei denen endgültig ein Stein im Brett. Sie sehen die Sache ja sowieso heute anders als damals. Wenn sie sehen, dass du dich zurückhälst, wird wirklich alles gut sein. Sie sind doch so besorgt. - Ach, Beolg, im Dorf reisse ich mich zusammen, werde niemanden zuzwinkern. Die Felle sollen die Frauen bekommen. Aber das vom Säbelzahn mit dem Kopf kriegt der Schmied und die Krallen der Heiler und einige andere Kostbarkeiten. - - Ich will jetzt endlich Ruhe mit euch Kratzbürsten, grade jetzt vor einer Schlacht, wo die wenigsten nach Hause kommen. Frauen und Männer im Dorf sollen noch einmal miteinander glückliche Stunden verbringen, es könnten wirklich ihre letzten sein.-
Sie blickten aufs Feuer und auf den zischenden Braten, waren auf einmal still und stumm. Diese nachdenkliche Stille hielt eine ganze Zeit an.
Nun sassen sie zusammen im Halbkreis um die Feuerstelle und dem saftigen Braten. Sie plauderten nun wieder über belanglose Dinge, Jagdgeschichten, Streit mit den Nachbarn, so als würden sie warten bis Beolg über den Schlachtplan zu reden begann. Der Met förderte die entspannte Stimmung. Aber man spürte, besaufen wollten sie sich heute nicht. Xoxo begann schliesslich zu fragen: - Du beschenkst mich heute so reich ? Nur um in die Schlacht zu gehen ? Das glaube ich einfach nicht. - Hm, das stimmt. Wir brauchen dich und deinen blutigen Instinkt. Nach der Schlacht sollst du mir helfen, urspünglich schon vorher, einige junge Frauen mit auszuwählen und auszubilden in der Jagd- und Kriegskunst, so wie du sie beherrscht. Du sollst keine Geheimnisse preisgeben, aber du sollst ihnen helfen diesen Weg zu gehen. Wir sehen alle mit Bewunderung, was aus dir geworden ist, ich selbst hätte es nicht für möglich gehalten, und sie wollen so sein wie du. Wir werden eine Truppe aufstellen, nur mit Frauen. Cimmerische Kriegsmaiden. Es wird ein Teil deiner Freiheit kosten, aber es ist der Preis der Zugehörigkeit zum Clan, neben deinen Heildiensten und Jagdlieferungen. Das bleibt alles wie vorher. Und du wirst dann dem Stammesrat mit einer Stimme angehören. Machst du das ? - Die Freudendienste hast du vergessen – warf Wallax ein und grinste dabei breit. - Soweit ich mich erinnern kann, erfolgten diese bislang ohne Bezahlung und mit einer gewissen Unsicherheit - sein ausgestreckter Finger wischte geschwind den Hals entlang - zählen also nicht als solche ... – erwiderte Beolg augenzwinkernd und gelassen. Xoxo raufte sich amüsiert die Haare. - Wir hatten nie Ärger, Beolg und deine Krieger, nur die Waschweiber und Klucken, die ständig wie Hexen über mich geifern. Aber jede vernünftige und anständige Frau achtet mich seit ich auch Heilerin bin. Das Spiel mit den Männern brauche ich nunmal und sie haben das akzeptiert. Ich habe den Bund zwischen Frau und Mann aber immer respektiert. Das gilt für mich dann aber auch. Da verlange ich Vertrauen und Treue. Sonst soll man es lassen. Aber wenn sie fremd gehen, was kann ich dafür ? Das sollten sich dann auch mal die Frauen fragen. - Sie wandte sich nun Xenay zu. - Er hat uns beide, also auch Solmia, deine Mutter, hintergegangen und sie hat sogar Kinder von ihm. Hätte ich es nicht getan, irgendwann hätte Solmia selbst ihn getötet. Aber als ich es tat, war ihr alles noch gar nicht klar, war sie blind vor Liebe und Leidenschaft. Deshalb verstieg sie sich in Intrigen und es hätte fast zu meiner Steinigung geführt. - Nach einer kurzen Pause fuhr sie fort. - Warum ich hier draussen wohne, wisst ihr. Ich will meine Ruhe, sonst nix, und was hier passiert, ist weit weg, passiert nicht im Dorf. Auf dieses Gezanke im Dorf hab ich keine Lust. - - Nun, das ist keine richtige Antwort auf die Frage, aber ich verstehe das so, dass du ausserhalb des Dorfes es machen würdest, was durchaus in meinem Sinne ist. Ein Ausbildungslager für die Kriegerinnen. - Xoxo nickte und Beolg erwiderte die Geste stumm. - Gut, ich wusste, dass ich mich auf dich verlassen kann. Nach der Schlacht werden wir damit gleich beginnen. Denn ich erwarte weitere unruhige Zeiten. - - Der Braten ist gleich soweit - sagte Chimir, der mit seinem Dolch tief zischend in die Schulter stach und von seinen Fingern den Bratensaft leckte. - Heute ist er dann ganz durch. Wir werden ihn verdrücken. -
- Was macht eigentlich dein Kind ? - - In Aquilonien, ihr wisst, das ich zu Naturgöttern bete und nicht zu Crom. Ich hab sie im Mitratempel zur Welt gebracht und auch dort abgegeben, hier wäre es zu gefährlich. Ich kann nicht gleichzeitig auf die Jagd gehen und auf sie aufpassen. Und hier liegenlassen geht auch nicht, dann ist sie schneller tot als sie krabbeln kann. Und im Dorf hätte es am Ende doch nur Ärger gegeben, das habe ich jedenfalls damals befürchtet. Das wollte ich nicht. Ich besuche sie so oft ich kann, aber es ist immer eine sehr lange Reise. Ich weiss, dass sie dort gut aufgehoben ist. Und sie lernt lesen und schreiben, alles Dinge, die ich nicht kann. Sie soll nicht in einer Höhle hausen in der Wildnis, so wie ich. Sie soll nicht unter Barbaren aufwachsen. wie ihr es seid. - Xoxo grinste frech und sie guckten sich fragend an. - Barbaren ? Wo ? Hier in Cimmerien ? - Dann lachten sie wieder gröhlend laut auf. Dann fuhr Xoxo fort - Irgendwann kommt Cyantia hierher und wird uns ihre Künste lehren. Berserker, die lesen und schreiben können, das wäre doch was. - - Ach hör auf mit dem Quatsch, Xoxo, dann verlernen sie das kämpfen, denken zuviel nach. die hat doch null Instinkt! - - Nein, ich weiss, dass es geht, ich habe es in Aquilonien selbst gesehen bei den Anführern der Legionstruppen. Es wird die nachfolgende Generation sein. Nicht wir. Wir bleiben uns treu, aber haben für die Zukunft gesorgt. Nach der Schlacht möchte ich sie besuchen. Danach werde ich den Frauen den Weg des Kriegers zeigen. - Chimir begann den Braten anzuschneiden und verteilte die Stücke. Er warf sie vielmehr. Für sich selbst nahm er wie immer das größte Stück. Eine ganze deftige Keule. - Xoxo hatte noch einige Früchte geholt, eine würzige Kräutertunke und die Hirsefladen waren so schnell fertig wie der angegarte Braten von gestern selbst. - Dann erklärt auch mir mal die Lage, die Not scheint gross zu sein, sonst hätten uns die Stämme nicht gerufen, da wir alle ja in ihren Augen primitiv und rückständig sind. Sie sollen sehen, wer hier primitiv ist. Wir werden es ihnen vorführen. Selbst wenn sie uns für hirntod halten, wir überragen sie mit unserem Todesmut. Köpfe werden wie im Steinbruch den heiligen Berg polternd hinunterrollen und die Krähen werden ihre Hirne zerpflücken. Crom stehe den Krähen bei, dass sie nicht daran zugrundegehen. -
Beolg und die anderen Berserker strahlten zufrieden, besser hätten sie es auch nicht sagen können, sie war eine von ihnen mit ihrer ganzen Seele. Es war ihre Xoxo und es stand Grosses bevor.
Während sie assen und tranken, erläuterte Beolg noch einmal für alle die Situation. Was sich alles in der Grenzregion Cimmeriens zugetragen hatte, wo sich die dortigen Clans versammelten, um sich gegen den Feind zu vereinen und welchem Bereich sie sich anschliessen sollten. Noch seien die Aufgaben für jeden einzelen Clan nicht genau zugeordnet, aber er gehe davon aus, dass der Ben Morgh Clan die gleichen Aufgaben habe wie schon immer. Sie waren die Frontschweine, die als Schutztruppe mit den Berserkern feindliche Reihen sprengten. Eine schnelle massive Eingreiftruppe, um bedrängte Einheiten zu entlasten oder um taktische Ziele zu erreichen, wie z.B. das Zerschlagen von Ausfalltruppen oder das Durchbrechen feindlicher Linien. Man selbst konnte etwa 5000 Krieger mobilisieren, davon waren knapp 25 Teufelsberserker, die wie Werwölfe es mit einer Überzahl aufnehmen konnten. Wallax und Xoxo sowie den grausamen Xenog, Reknak und Einar hielt er für die Stärksten von ihnen. Er ging davon aus, dass diese mit den Berserkern anderer Clans verstärkt würden, sodass sie wohl im Kern gut 150 Mann zählten. Dann kamen einfache Berserker hinzu. Insgesamt waren es dann so um die 1000 Elitekämpfer. Er bete zu Crom, dass man sie nicht verheizen, sondern zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle einsetzen würde. Dann würde die Schlacht sich drehen. Der genaue Schlachtplan werde erst später preisgegeben. Wie stark der Feind wirklich sei, wisse niemand genau, aber Späher hatten ein entferntes Lager gesehen mit mindestens 25000 Mann. Man ginge aber noch von einer grösseren Truppe im Hinterland aus, die im Heranrücken sei. Sie seien schrecklich, hoch gewachsen, schlank und zäh. Fernöstliche Abgesandte hätten ihnen sehr viel über den Feind verraten, was sie anfangs nicht glauben wollten. Doch die schrecklichen Ereignisse hätten sie eines Besseren belehrt. - Was für Abgesandte ? - warf Xoxo ein. - Eine Abgesandtschaft, die den Feind offensichtlich auf all seinen Feldzügen verfolgt, hat sich bei uns niedergelassen. Völlig verrückt. - Wallax nickte - Sie lehren den Schmieden die neue Werkstoff- und Schmiedetechnik ohne etwas dafür zu verlangen. Alle Schmieden der Clans verwenden diese neue Werkstofftechnik jetzt, was dringend notwendig ist. Stell dir vor, sie wollen mit uns kämpfen. Sie sind gelbhäutig und schlitzäugig und kommen vom am anderen Ende der Welt. Auch sie haben weibliche Krieger. Nun, wir hielten sie zunächst für Feinde, sie bezeichnen sich als Jenessai und verfolgen den Feind seit er ihr Land verwüstete und versklavte. Sie nennen den Feind, der immer unter Waffen steht und alles versklavt, selbst eigene unterrangige Unterstämme, Skyten oder Skytaner. Sie wissen sehr viel, beherrschen mehrere Sprachen. Sie schickten einen Dolmetscher, der ihre Dienste in perfekten cimmerisch anbot. Sie wirken auf uns trotzdem fremd und irgendwie verrückt. - Ein wenig ? - merkte Wallax an. Er schien nicht sehr begeistert von den Jenessai zu sein. - Xoxo, Wallax hat eine geklatscht bekommen von einer winzigen aufmüpfigen Jenessai, weil er sie beleidigt hat. Er meinte, sie hätte keine Titten. Kennst ihn ja mit seinen derben Sprüchen zur totalen Unzeit. Erst dachten wir, er reisst ihr jetzt den Kopf ab, doch ihre Speerspitze unter seinem Kinn hielt ihn wie ein Fisch am Haken. Wie sie so schnell den Speer ziehen konnte, bleibt allen ein Rätsel. Es war zum wahnsinnig werden, alle zogen ihre Waffen und es sah verdammt nach einem bevorstehenden Blutbad aus, hat verdammte Nerven gekostet, die Situation wieder in den Griff zu bekommen. - Xoxo blinzelte insgeheim vergnügt zu Wallax rüber, der innerlich aufgebracht und wütend schnaufte und mit seinem Zeigefinger das Kinn hochschob um den eher harmlosen Ratscher zu zeigen. doch es war klar, hätte sie durchgezogen, würde sein Kopf heute an der Speerspitze baumeln. Xoxo verkniff sich den auf ihrer Zunge kribbelnden Kommentar, sonst würde er wohl explodieren und der Tag wäre restlos im Eimer. - Wo war ich stehengeblieben? - Beolg verliess schleunigst das Thema. - Genau, das Hauptproblem sind ihre Waffen, die skythische Schmiedekunst ist der unseren wohl überlegen. Und ihre Kampftechnik. Es sind wilde Reiter und sie haben verdammt gute Bögen, aber eben auch gefährliche Klingen. Hier wird bereits daran gearbeitet. Es sind aber auch sehr kleine Krieger gesichtet worden, die flink wie Buschmänner kämpften. Deshalb seien alle Clans, auch die sich nicht vertragen würden, zusammengerufen worden. Man würde wohl insgesamt etwa 15000 Mann zusammenkriegen, also weniger als die feindliche Streitmacht. Kerag persönlich, da er nun die gesamte cimmerische Streitmacht befehligte, sei ins Dorf gekommen und habe ihn darum gebeten, den Kampf zu unterstützen. Auch den Jenessai dürfe unbedingt nichts geschehen, sie seien zu wertvoll. Aller Streit müsse nun zurücktreten. Er habe ihn versichert, sollte die Schlacht erfolgreich laufen, was man immer erst hinterher wisse, würde unser Clan wieder in den Rat kommen, was soviel hiesse wie ab jetzt und wie früher. Beolg fuhr fort, er habe nicht gezögert und sofort eingeschlagen. Er sei froh, dass der alte Schmutz vom Tisch sei. In vier Tagen sollten sie alle dazustossen. Sie bräuchten allein zwei Tage um dorthin zu gelangen. Er habe alles veranlasst, der Versorgungstross sei bereits zusammengestellt. Das Dorf werde geräumt. Niemand werde wehr- und schutzlos zurückgelassen. Vielmehr wisse er selbst nicht. Manches erfahre auch er erst vor Ort. Die Beute werde unter den Clans fair aufgeteilt. Standesunterschiede sollte es diesmal nicht geben, ausser bei ganz speziellen Sachen. Näheres würde im Heerlager noch bekanntgegeben.
Sie palaverten dann wieder über belanglose Dinge, rissen schliesslich Witze über einige Dummheiten anderer. Die Stimmung erholte sich und sie stimmten ein altes cimmerisches Schlachtenlied an. Es handelte von Crom und den Göttern, von Ehre, Treue, Schwur und Verrat und natürlich auch von Weibern. - Tanze für uns ! – rief Beolg – Du hast es vorhin versprochen. – Tanze den Säbelzahn ! – Alle nickten mit einem bejahenden Gemurmel. Xoxo richtete sich auf und ihr verführerischer Wildbeerenduft strömte nach allen Seiten aus. Sie stand nun vor ihnen und ihr athletischer Körper und ihre erotisch schimmernde Erscheinung warfen den Feuerschein auf ihrer Haut kurvenreich und ölig glänzend zurück. Ihr federnder und knöchernde Körperschmuck, ihre Stimme und eine Rassel, die sie in der linken Hand trug, bauten nun verschiedenste natürliche Geräusche auf. Dann begann ihr Körper mit kreisenden und fliessenden Bewegungen sich in diesem Geräuschklang zu bewegen. Sie dehnte und streckte sich in den Wellen der Rythmen und zog sich zusammen. Ihr pulsierender Körper wurde warm, weich und geschmeidig. Mit ihren eigenen Lauten und tänzerischen Geschick liess sie Tiere und Pflanzen erwachen und mit der Rassel webte sie einen rythmisch melodischen Klangteppich, der immer wieder in anfangs scheinbar diffuse Geräuschaneinandereihungen ausklang, die dann aber zu wiederkehrenden Refrains heranwuchsen. Es waren die Geräuschwelten der cimmerischen Landschaft und Xoxo stellte sie dar. Sie war das Land, der Himmel, der Wald, das Gebirge, der Fluss ... die herrliche Wildnis. Dann verharrte sie stehend wie in Trance. Es herrschte Stille und sie fesselte mit ihrer weiblichen so wildherrlichen Anziehungskraft ihre Blicke. Erst jetzt begann der erzählerische rituelle Tanz als gestaltgebene Darstellung der Jagd nach dem Säbelzahntiger. Neben der Rassel in der Linken hielt sie nun in der Rechten ihren Reissdolch. Sie stellte in ihren akrobatischen Bewegungen ausdrucksstark alle wichtigen Ereignisse und Erlebnisse als Etappen des Jagdablaufes dar. Vom Aufbruch, dem Erkunden, dem Erleben der Natur bis hin zur Aufnahme der Fährte, der Witterung, der einsetzenden Verfolgung, dem gegenseitigen Auflauern und schliesslich der Begegnung, dessen Höhepunkt das Aufeinandertreffen der animalischen Instinkte und des Kampfes war. Xoxo bot faszinierendes Tanztheater, schlüpfte mal in ihre eigene, mal in die Rolle des Säbelzahns. Ihre persönlichen Jagderlebnisse ermöglichten ihr eine einzigartige Dramaturgie. Doch das Besondere ihrer Darbietung war die Verschmelzung erotischer Ekstase und spiritueller Symbolik, die sich immer im Übergang der jeweiligen Handlungsmuster als besondere Schwingungs- und Triebkräfte manifestierten. Sie beschwor so das weibliche fruchtbare Wesen und die göttliche Macht der Natur, spendete mit ihrem rituellen Tanz heilende Kraft und Energie. Zum Abschluss strich sie sich direkt knieend vor ihren Köpfen mit dem Dolch ganz fein über ihre Stirn und ihr Blut perlte herab. Dann fiel sie zur Seite wie eine Katze. Sie kannte keinen Schmerz und der Säbelzahn war tot.
Nach ihrem atemberaubenden beschwörerischen Tanz setzte sie sich erneut zu ihnen ans Feuer und stärkte sich. Sie waren alle von ihrer Aufführung in den Bann gezogen und begeistert. Sie hatte die Gabe, tänzerische Figuren echtes Leben einzuhauchen und so im Geiste real werden zu lassen. Beolg schlug vor, dass sie auf der schon bald nahenden Zeremonie des Clans zu Ehren der Götter des Jagdglücks auftreten sollte. Die Schamanin sei mittlerweile zu weise, um in dieser fesselnden und packenden Art zu tanzen. Bei Dunkelheit und Fackellicht werde ihr Tanz alle zum Kochen bringen. Vor allem auch junge Jäger und Krieger würden so auf diese Weise von dem Ritual mitgerissen. Die mittlerweile vom Met enthemmten Blicke von Wallax, aber auch vom jungen Xenay wanderten allerdings ständig an den Rundungen von Xoxo entlang, auf ihren Schenkeln, Schultern und ihren mit jeder Bewegung tanzenden Brüsten. Auch der ältere Chimir war von der Begierde erfasst. Sie blickten immer häufiger auf ihren Lendenschurz, der mittlerweile verrutscht nichts mehr verdeckt hielt. Ihre im Schneidersitz gelegten Schenkel gaben den Blick auf ihr Geschlecht und ihren dichten braunroten Haarwuchs frei, der im Feuerlicht funkelnd und feuchtglänzend wie rötlicher Morgentau schimmerte. Es war allen bewusst, sie war keine Heilige, keine Schamanin, sondern eine Frau. Und sie spürten, konnten es sehen, sie begehrte vom eigenen Tanze erregt die Freuden der Lust.
Dann ging alles sehr schnell. Xoxo legte ihren Lendenschurz, ihre Brustkette und ihren Kopfschmuck ab, sodass ihre rotbraunen halblangen Haare wie eine Mähne herunterfielen. Dann stand sie auf. - Na dann, bevor wir alle tot sind und wir keine Gelegenheit zu wollustigen Freuden mehr haben. Wer beginnt ? - fragte Xoxo – Ihr betörender Duft und ihre dichte Nähe umschwärmte sie. Sie zögerten noch, wechselten ringend ihre Blicke aus. - Ihr seid mir aber tolle Draufgänger - fügte Xoxo etwas aufziehend hinzu – Sie stand nun direkt vor Xenay, die rotbraune wollige Scham direkt vor seinem Gesicht. Der feine spitze Geruch ihres Geschlechts feuerte ihn an. Sie strich ihm durchs Haar. Sie hatte ihn ausgewählt. Chimir, der der Ältere war von ihnen, Beolg hatte sich nach der Tanzdarbietung ausgeklingt und etwas abseits niedergelegt, klopfte Xenog in die Seite. Der Jüngste sollte beginnen. Xoxo hatte sich inzwischen auf einen naheliegenden Baumstamm gesetzt und diesen geschwind mit einem weichen Bärenfell abgedeckt, stützte sich mit einem Arm leicht nach hinten gestreckt ab. Ihre Schenkel hatte sie weit auseinandergespreizt. Sie walkte ihre Brüste, kraulte immer wieder ihre rotbehaarte Scham, glitt mit ihren Fingern zwischen den Schamlippen hindurch bis sie sie mit zwei Fingern weit und rosarot spreizte. Dann leckte sie ihre nassen Finger. - Komm schon - Sie winkte Xenay zu, der nun etwas schlaksig fast schüchtern wirkte. Er war gut gebaut, sein Bauch war hart und flach wie ein Waschbrett, sein Penis war erregt und richtete sich auf. Dann trat er hervor. - Xoxo nahm seine Hand, zog ihn an sich. Dann strich ihre Hand seine Brust entlang den Bauch hinunter und umfasste seinen Penis, bewegte sich auf und ab und sein Glied schwoll steil an. Sein Ständer streckte sich sehr lang und war glitschig. Xoxo kniete sich zu ihm vor, hielt ihre Brüste hoch und legte sein Glied dazwischen. Wie von dicken Kissen eingebettet glitt sein Penis darin mit ihren Bewegungen auf und ab. Dann lehnte sie sich zurück, hielt seinen Steifen dabei fest und zog ihn auf diese Weise zu sich rüber, legte sich ausgestreckt auf den Baumstamm, liess ihn los und ihre Beine öffnete sie nun noch weiter indem sie ihre Füsse auch auf den Stamm stützte und so gelenkig wie sie war weit nach unten klappte. Ihre Schamlippen waren weit offen und ihre rosarote Vagina glänzte glitschig und einladend. Ihr reifer kurvenreicher Körper, der sich nun direkt vor ihm wallend in ganzer Pracht und Blüte ausbreitete, erregte ihn in einer mitreissenden Weise, wie er es am Morgen noch nicht erwartet hatte. Mit seiner Eichel rieb sie an ihrem Kitzler. - Steck ihn rein - Er beugte sich vor und führte seinen heissen und nassen Steifen mühelos in sie hinein. - Los ganz tief - Er drang wirklich bis zum Ansatz ein und mit unbeherrschten heftigen Stössen steigerte er sprunghaft die Erregung. Xoxo war kurz vor dem Orgasmus, als er nach sehr kurzer Zeit bereits kam und sein Saft in sie hineinströmte. Er zitterte kurz am ganzen Leib, war über sich selbst wie verwundert. Es war sehr schnell gegangen. Sie strich ihm zärtlich durch die langen Haare und flüsterte ihm zu. - Das wird schon. Du bist gut. - Dann zog er sich irgendwie etwas verwirrt zurück. Voller lustvoller Erwartung die vorherige Erregung haltend und zwischen den Beinen triefnass und heiss wartete Xoxo auf Wallax, der bereits dazugekommen war. Sein Glied war nicht so lang aber hatte eine mächtige aufragende Eichel. Gierig nahm Xoxo mit weit geöffneten Lippen sein Glied in ihrem Mund völlig auf, bewegte sich mit ihrem Kopf mehrmals vor und zurück während er seine Hände in ihren Haaren festhielt. Sein Glied war nun hart und er zögerte nicht lang, warf sich auf sie, wühlte in ihren Brüsten, saugte an ihren Brustwarzen aus denen etwas Milch leckte bis er seinen Ständer in sie hineinrammte. Xoxo kam nun aufbauend auf der vorherigen Erregung sehr schnell zum ersten Höhepunkt. - Hör nicht auf - Er machte weiter. Das aber weitaus kontrollierter und bewusster als sein Vorgänger. Er trieb seinen Ständer immer tiefer bis in ihre letzten Winkel und Xoxo begann sich am Baumstamm festzuhalten, um nicht wegzurutschen. Ihre Schenkel umschlossen nun eng seinen Körper, hielten ihn fest. Er blieb länger dabei und Xoxos Geschlecht zog sich fest zusammen. Mit einem Mal griff er mit seinen stahlharten Armen unter ihre Hüfte, hob sie mit einem Ruck hoch, sodass Xoxo das Gefühl hatte, sein Glied würde durch ihren Bauch allumfassend bis zu ihrem Herzen vordringen. Er löste bei ihr mit einem tiefen stöhnenden Schrei einen starken Orgasmus aus. Er drehte sich mit ihr mehrmals um die eigene Achse und ihr war, als würde sie schweben. Dann kam auch er, pustete aus und entlud sich, legte Xoxo auf dem Baumstamm ab. Xoxo war schwindelig, der Himmel kreiste über ihr, aber sie war noch immer unbändig erregt, verlangte nach mehr und atmete heftig. Sie walkte ihre Brüste, strich mit ihrer Zunge über ihre milchigen Brustwarzen und rieb heisshungrig die Klitoris. Chimir stand nun mit seinem mächtigen massigen und dicht behaarten Körper vor ihr. Sein Penis war zwar geschwollen aber noch nicht steif. Xoxo beugte sich rasch vor und mit offenen Mund und schnalzender Zunge lutschte sie an seiner geschwollenen Eichel. Dann saugte sie sich fest und glitt an seinem wachsenden warmen Schaft auf und ab. Er war sehr dick und massig. Chimir griff nun Xoxo unter die Achseln, hob sie hoch, drehte sich und setzte sich nun auch selbst auf den Baumstamm. Xoxo hockte auf seinen Knien, er griff in ihre ausladenen Brüste, dann drehte sie sich um mit dem Rücken zu ihm gewandt, rutschte nach hinten auf seinen Bauch und umfasste seinen massigen Steifen, rutschte wieder vor und zog ihn fest an sich, sodass er an ihren nassen Kitzler rieb, der nun weiter anschwoll und wurde dabei schneller bis sein Glied hammerhart war. Der nächste Orgasmus war bei ihr bereits im Anmarsch, dann schob sie ihn in sich rein. Der Orgasmus setzte bei ihr sofort ein kaum dass sie durch sein beständiges auf und ab hoch und runter schwappte. Ihre vollen Brüste schaukelten dabei in alle Richtungen. Sie zog ihre Beine an und setzte ihre Füsse auf seine breiten Oberschenkel. Er hielt sie fest. Dann trieb er sie stärker an, liess sie nicht zur Ruhe kommen. Sie lehnte sich zurück und spürte, dass sie die Kräfte verliessen, wie sie allmählich die Kontrolle verlor und ihr alles entglitt. Sie schwebte regelrecht während er unentwegt fortfuhr. Mit kleinen Pausen, dann immer schneller. Xoxo stöhnte nun laut und ritt wie in einer Wolke. Sie drückte nun hilflos ihre Hände über kreuz ausgestreckt auf ihren wogenden Busen wie um sich Halt geben und den Körper zusammenzuhalten, nicht auseinanderzuplatzen. Doch es half alles nichts. Sie verlor vollständig die Kontrolle. Tiefes und langgezogenes Stöhnen setzte ein. Ihr Kopf sank in den Nacken, ihre Mähne fiel wild in feuchten Strähnen herab und der Schweiss lief an ihr runter. Mit der nächsten orgastischen Welle geriet sie ins taumeln und um nicht seitüberzufallen stützte sich sich krampfhaft mit durchgestreckten Armen ab. Alles in ihr schien nun wie bei einer grossen Beschleunigung auseinanderzudriften. Sie fuhr jetzt Achterbahn und ihre Beine, die weich nach unten klappten, zuckten bei jedem Stoss. Grunzend wie ein Bär schob er sie in Wogen vor sich her und sein Ständer bohrte sich tief bis zum Anschlag. Seine Eichel wühlte in ihr wie ein Kolben. Nach einer ausgedehnten Weile in der Xoxo sich heftig atmend und in den eigenen orgastischen Wehen gefangen treiben liess, zogen sich ihre Muskeln um seinen Schaft erneut pressend zusammen, diesmal wie strangulierend, dass er seinen flutenden Samenschwall erlösend in ihr ergoss. Es dauerte eine gewisse Zeit bis ihr Geschlecht sich entspannte und ihn freigab. Er liess sie los und sie fiel schweissgebadet rücklings auf ihn noch immer leicht vibrierend, erschöpft und zugleich restlos befriedigt. Sie spürten ihren gegenseitigen sich verstärkenden Herzschlag. Seine mächtigen Arme umschlossen sie, ruhten auf ihren ausgebreiteten weichen Brüsten, die sich nun wie eine weiche Masse immer weiter auszudehnen schienen. Gelegentlich zuckte sie noch unwillkürklich, schaute träumend wie weggetreten in den azurblauen Himmel. Er war stolz, die unbändige Xoxo lag wie ergeben und erschöpft auf seinem Körper in seinen starken Armen.
Die anderen schauten zu ihnen rüber. Eine solch heisse Vorstellung hatten sie nicht erwartet. Chimir hatte sie bezwungen, sie war völlig weggeschmolzen. So kannten sie Xoxo noch nicht. Sie grinsten allesamt. - Los macht euch fertig - rief Wallax mit einem witzelnden Lachen und klatschte dabei mehrmals krachend in die Hände. Xoxo erhob sich, noch immer benommen. Sie rappelte sich auf und es schien ihr, als hätte sie jedwede Kraft in ihren tauben Beinen verloren, kam mit Mühe nur herunter und zum stehen. Sie schüttelte ihre rotbraune Mähne, stand nun vor Chimir, der sich mühsam in Sitzposition brachte. Xoxo wirkte klein und trotz ihrer athletischen Statur wie zierlich neben ihm, denn als er zum Stehen kam, stand er da wie ein wildbehaarter Koloss, so wie ihn alle kannten. Sie hatte sowas schon sehr lange nicht erlebt. Es muß wie eine Stauentladung in all diesen einsamen und anstrengenden Wochen gewesen sein. Noch immer lief sein Samen aus ihr heraus an ihren Schenkeln herunter. Sie blickte Chimir an, fasste sich dabei an die linke Augenbraue und wischte sich die Stirn. Dann zwackte sie ihn zärtlich in die Backe seines dicken Bartes. Chimir grinste zufrieden. Ihm muß es nicht anders gegangen sein. Seine Frau war schon vor vielen Monaten gestorben. Er hatte sechs Kinder mit ihr, zwei Töchter und vier Jungen in nur fünf Jahren. Xoxo war nun klar, wie er das geschafft hatte. Eine Neue hatte er noch nicht und eigentlich suchte er auch gar nicht. Die Kinder waren alle bei Verwandten untergebracht, kamen aber immer sehr häufig zu Besuch. Seine Frau konnte niemand niemals mehr ersetzen. Sie war seine grosse unvergängliche Liebe und ihren Tod hatte er noch nicht verwunden. Vermutlich würde er das überhaupt niemals schaffen.
Beolg kramte in den Taschen. Es stand ihnen noch ein vierstündiger Marsch bevor. Sie mußten aufbrechen, denn sie wollten bei Abenddämmerung im Dorf zurück sein. Und sie waren froh, diesen Tag auf diese Weise mit Xoxos wilden Tanz und den lustvollen Freuden erlebt zu haben, denn vor ihnen stand, nicht wissend, ob sie bereits in wenigen Tagen oder Wochen erneut allesamt so fröhlich beisammen sein könnten, eine ungewisse Zukunft, wie ein finsteres und bedrohliches schwarzes Ungetüm, das nur darauf lauerte alles zu verschlingen.
Sonntag, 6. November 2011
Xoxo. Die Cimmererin. I - Besuch
Sie hatte ihren Schurz und ihre Schmuckketten abgelegt, war völlig nackt und ihre narbigen Schultern wiesen vom schweren Schleppen rote Striemen auf. Sie zog sich zum Ausweiden immer ganz aus, weil sie dann ihre Sachen nicht auszuwaschen brauchte und es war einer dieser herrlichen cimmerischen Sommertage, nicht so brütend heiss, dann war sie sowieso nur leichtbekleidet mit einem fellflauschigen Lendenschurz, hochschnürenden Riemenstiefeln und ledernen Armschutz unterwegs.
Zum Ausweiden hatte sie einen gesonderten Platz vor ihrer Höhle eingerichtet mit einer grossen flachen Steinplatte. Darüber hing ein Räucherstumpf um die Insekten fernzuhalten. Störende oder gar plagende Insekten gab es auf der Anhöhe ihrer Höhle allerdings kaum.
Das noch milde Licht der Morgensonne wärmte so wohltuend ihren Rücken auf dem die quer verlaufende fünfkrallige Narbe von einer ihrer vielen Begegnungen mit einem Säbelzahn hellrosa mit tiefroten Einlassungen wie eine Bemalung klar zu erkennen war. Sie konnte wochenlang nicht mehr auf dem Rücken liegen, hatte schwere Schmerzen, als wäre sie zerschmettert und hatte mächtiges Fieber bekommen. Die Wunde verheilte anfangs schlecht und war eitirig, obwohl sie alles dagegen tat, doch am Ende stand sie es durch. Seitdem liess sie keine Möglichkeit aus, dem Rücken die Wärme der Sonne zu gönnen. Dies linderte ihre Beschwerden und ihre starke Wetterfühligkeit, die manchmal aber mehr ein Glück war, da sie auch jedes Unwetter schon Tage vorher ausmachen konnte.
Auf den Knien zerlegte sie gut gelaunt den Vierender auf der Steinplatte vor ihrer Höhle. Er hatte sich zum nicht weit entfernten Geröllhang flüchten wollen, doch als er ins Rutschen geriet, wurde ihm dieser zum Verhängnis. Xoxo brauchte nur ganz schnell nachzusetzen. Dann hatte sie ihn mit einem Speer auch schon erlegt.
Das Fell hatte sie bereits abgetrennt. Das war die schwerste Arbeit. Es liess sich diesmal etwas schwerer ablösen als sonst, aber sie genoss den Duft des heissen dampfenden Fleisches, leckte immer wieder das Blut von den Fingern. Die Eingeweide legte sie in Holzbottichen. Blut war wie eine Droge für ihre Sinne. Meistens rieb sie sich damit ein. Nur frisch galt es als gesund und war ein Hochgenuss. Blut machte satt und stark. Die Kraft des wilden Tieres sollte auf sie übergehen. Und auch, wenn es nur ein vierendiger Bock war, so war es dennoch ein starker Bulle und Leittier eines grossen Rudels. Sie wusste, je stärker das Opfer, desto mehr wuchs die eigene Kraft.
Sie war die einzige Grosswildjägerin des Ben Morgh Clans, die Säbelzahntiger liefern konnte, ja auch Bären und jedes andere Grosswild, wie auch Mammut und Wollhaarnashorn. Letztere jagten die Männer in ihren Jagdgruppen gerne selbst. So konzentrierte sie sich auf Raubtiere, auch wenn es gefährlicher war, erst recht ganz allein. Sie liebte es, diese unheimliche Spannung des gegenseitigen tödlichen Auflauerns. Manchmal war wirklich nicht mehr klar, wer Jäger oder Gejagter war, nur der Sieg, das Überleben stellte dies am Ende fest.
Sie galt deshalb als keine gewöhnliche Frau. Sie hatte den Ruf einer sehr geschickten Jägerin und galt auch als die wildeste Berserkerin des Ben Morgh Clans im Schatten des Heiligen Berges östlich vom Conalltal am Rande des Feld der Toten.
Sie war hoch angesehen, wenn auch mit zwiespältigen Beigeschmack. Neid und Missgunst begleiteten sie. Denn viele mochten sie nicht, weil sie allzu frei und freizügig mit ihren Reizen und völlig unabhängig war, so wie die starken Männer. Genauer betrachtet sogar noch freier als sie. Aber es waren nicht die Männer, die sie schmähten, im Gegenteil, sie bewunderten sie, es waren die Frauen, die mit ihren Eifersüchteleien gegen sie züngelten.
Diese verdammten Neidhexen. Hatten sie ihre Männer obendrein noch hündisch erzogen, so bellten diese sie an. Sie mußte bei diesem Gedanken spöttisch auflachen. Für solche Männer mit ihrem dressierten und devoten Wachhundgehabe hatte sie nur abfälligen Hohn übrig. Wenn sie denn echte Wachhunde wären. In ihren Augen waren es armseelige Köter, die auf Unterwürfigkeit gegenüber ihrer Herrin abgerichtet waren. Aber das waren nur wenige, denn diejenigen, die es mit ihr getrieben hatten, hatten es immer genossen.
Xoxo war wild, heiss und temperamentvoll, verschmähte die Sinnes- und Liebesfreuden nicht. War sie schwanger hatte sie meist selbst abgetrieben, was aber seit ihrer Geburt ihres Kindes nicht mehr notwendig war. Würde sie jemals noch Kinder kriegen ? Sie wusste es nicht, aber sie ging nicht mehr davon aus.
Demnächst würde sie wieder ins Dorf gehen, um einige Felle und weitere Jagdkostbarkeiten abzuliefern. Sie freute sich schon auf einige von ihren Bekannten und auf Beolg, den Kriegsführer. Sie mochten und verstanden sich schon seit ihrer Kindheit, wo sie ganz anders war und als dürr, verstockt, überängstlich und schwächlich galt. Er hatte sie trotzdem respektiert und sogar beschützt. So mancher neckische Dümmling landete dann im Staub. Sie beobachtete diese Kämpfe aus dem schützenden Versteck eines Busches heraus und fieberte mit. Das kranke Gezänk der missgünstigen Dorfweiber wollte sie diesmal gänzlich ignorieren, obwohl sie Wettstreit mit beleidigenden Worten und das Hochschaukeln der verletzten Gefühle insgeheim genoss. Zoff und Radau gehörte eben manchmal zu ihrem Lebenselexier.
Wenn auch schon gereift an Jahren, konnte sie es mit den jungen Frauen noch aufnehmen, recht gutaussehend mit einem prächtigen üppigen Vorbau und aufreizenden Hintern. Wie die meisten der Frauen in dieser Gegend Cimmeriens war sie etwa mittelgross und einen Kopf kleiner als die Männer. Sie war gut genährt von kräftiger Statur mit leicht hervortretenen Bauch, wirkte aber nicht dicklich, sondern eher schlank. Sie hatte nur wenig Fett angesetzt, nicht so wie die anderen Frauen in ihrem Alter, die dicklich waren durch mangelnde schnelle Bewegung und zu fetter Kost. Ihre gebräunte fein gegerbte Haut war in Ruhe entspannt und samtweich, bei Anspannung jedoch pressten sich ihre Muskeln steinhart mit tiefer Maserung der Adern durch. Sie hatte feste Beine mit strammen Waden und massigen Schenkeln. Ihr Becken war jedoch schmal mit engen Hüften. Ihre schweren vollen Brüste ragten auf, verteilten sich wie eine Masse aus Lehm. Ihre glatten halblangen rotbraunen Haare fielen in vom blut klebrigen strähnen mit kleinen geflochtenen Zöpfen auf ihre Schultern herab. Sie trug eine Knochenkette mit Federbüscheln um den Hals, an deren Mitte ein Echsenkopf hing, Elfenbeinspangen durchbohrten die Ohren, ihre Wangen waren mit feinen in die Haut gestossenen Elfenbeinzähnen verziert, auch die unteren Enden ihrer ausgedehnten kastanienfarbenen Brustwarzen. Ihre Oberarme zierten lederne Armreife mit feinen Knochenplättchen. Ihr ganzer Körper war vom morgendlichen Ausweiden verschmiert vom Blut, dass sich bereits rotbräunlich trocknend auf den Hautpartien verteilte, worunter noch sichtbar ihre täglich rituell erneuerte graugelbfarbende Brustbemalung der Heiligen Weisheit zu Ehren der Grossen Mutter hindurchschimmerte.
Viele Männer verlangten nach ihr, aber eben nur zum Vergnügen für eine Nacht oder einen Seitensprung, da sie als zu schwierig galt, zu unbändig, eigensinnig, unberechenbar und zu gefährlich. Sie war einfach zu stark an der Seite eines Mannes. Wer dachte, sie einfach nehmen zu können, nur weil ihm danach war, mußte bittere Erfahrungen machen. Sie war eben kein Freiwild, suchte sich die Männer schon lieber selbst aus. Gegen ihren Willen lief nichts. Andererseits schon allein deswegen wagten es nicht alle Männer, sie hatten insgeheim Angst ihr Gesicht zu verlieren. Es kam deshalb schon einmal nicht jeder in Frage. Diejenigen aber mit denen es funkte, waren stolz darauf. Ja, sie würde sich diesmal im Dorf wieder richtig gehen lassen. Sie hatte schon lange keinen Mann in sich gespürt. Auf diese Weise hatte sie die Abwechslung, die sie brauchte, verbrachte sie doch die meiste Zeit in Abgeschiedenheit, in der Einsamkeit ihres kleinen Jagdreiches weit ausserhalb des Dorfes. Im Dorf war auf diese Weise der kleine Frieden sichergestellt, es war zuletzt ein tödlicher Krampf gewesen und sie war froh darum hier draussen ihr eigenes kleines Reich aufgebaut zu haben.
Ihr ganzer Körper war mit unzähligen Narben übersät, überwiegend feine Narben, aber auch einige grosse, sogar eine dicke Schwulst einer nur schwer verheilten Wunde auf ihrem linken Busen bis hin zur Schulter. Das war auch ein Säbelzahn gewesen und sie konnte sich an keine Begegnung mit einem Säbelzahn erinnern, wo sie keine Verwundung von sich trug. Sie hatte ein Riesenglück gehabt. Fast hätte er ihr den Busen weggerissen. Doch seine Krallen drangen wie durch ein Wunder nicht in die Brust hinein, sondern ratschten schneidend drüber, was schon schlimm genug und fast tödlich war. Sie war sich sicher, es war ihr gezackter Reissdolch, dessen tödlicher Schmerz für Sekunden seine Krallen zum Einziehen brachte. Die lange Fleischwunde war entsetzlich und blutete fürchterlich. Mit ihrem Lendenschurz band sie die Brust pressend ab und unter Aufbringung aller Kraftreserven schaffte sie es bis zu ihrer unweiten Behausung. Sogar den schwergewichtigen Säbelzahn zog sie noch hinter sich her, den sie um Gewicht wegzunehmen, zuvor die Eingeweide entfernt hatte, natürlich nicht ohne vorher von seinem warmen Herzen und seiner Lunge zu essen. Es war die reinste Plackerei, aber die Euphorie über den Jagderfolg liess ihr die Schmerzen und die Angst um ihre Brust verdrängen.
Im Dorf hätte der Heiler ihr die Brust sofort abgenommen. Aber sie tat es nicht, wollte sie unbedingt behalten. Sie nähte mit einigen schmerzhaften Stichen ihre Wunde und bedeckte sie mit einer in ihrem Urin getränkten Kräuterauflage. Sie wechselte sie häufig, aber die Wunde entzündete sich trotzdem. Sie bekam schweres Fieber und war allein. Dieser Zustand hielt einige Tage an, dann hatte sie es geschafft. Auch wenn der linke Busen seitdem mit einer unförmigen narbigen Schwulst etwas schief verformt und steifer war, war er ihr ganzer Stolz. Sie hatte ihn gerettet. Noch immer lief diese Narbe bei Erregung, aber auch bei starken Wetterumschwüngen feuerrot manchmal sogar lila an. Doch der Busen war noch ganz, wirkte grösser als vorher und gab sogar noch Milch, was sie und auch sonst niemand je für möglich gehalten hätte.
Als sie dem Heiler in Gegenwart des Stammeshäuptlings und des Ältesten zum Beweis ein paar Tropfen gab, blieb er stumm und sie appellierte an ihm im Interesse aller Frauen des Clans, ihrer Männer, aber vor allem ihrer Kinder seine frühzeitigen Brustamputationen schon bei kleineren Risswunden zu überdenken. Auch der Rat der Frauen wurde gerufen und kam um ihren Busen zu befühlen und die dickrote, damals noch hochempfindliche Schwulst zu tasten. Schliesslich willigte der Heiler ein und verlangte von ihr, sie möge ihn dabei unterstützen, was einer Ehrung gleichkam. Ihr Auftritt und ihre Rede blieben unvergessen. Und alle schauten auf das Fell mit dem Kopf des Säbelzahns und seinen Pranken, dass sie zum Beweis mitgebracht hatte. Es war wie ein Wunder.
Auch ihre Heilkunst war nun von allen im Dorf anerkannt, aber vor allem, sie hatte als einzige Frau einen Säbelzahn ganz allein bezwungen. Seitdem wurde sie manchmal ins Dorf geholt, wenn eine Frau eine grössere Verletzung an ihrer Brust davongetragen hatte oder andere grössere lebensgefährliche Verletzungen, was jedoch eher selten war, denn die Frauen im Dorf führten mehr ein bäuerliches und hauswirtschaftliches Leben. Wenn, dann jagden sie Kleinwild. Doch mittlerweile gab es ein paar Mädchen und junge Frauen, die Xoxo bewunderten und ihr nacheifern wollten und der Stamm stand vor Frage der Jagd- und Kriegsmaid einen echten Stand zuzuweisen. Beolg als Kriegführer war dafür, mußte jemand suchen, der sie anführte und Xoxo war klar, dass er dabei an sie dachte, doch sie wollte keine Führerin sein. Sie wollte nur frei und sich selbst verantwortlich sein. Ambitionen den Boss zu mimen, wie sie es nannte, hatte sie nicht. Sie hatte Angst davor, dass er sie schon bald ansprechen würde, was sollte sie dann tun? Die ganzen Verpflichtungen lagen ihr schon gar nicht. Immerhin schreckte ihr wildes Liebesleben den Rat der Ältesten davon ab, Beolgs Plan zu unterstützen. Es müßte schon ein Krieg heraufziehen, dann wäre das auch den Ältesten egal. Im Krieg ist alles egal, solange es die Reihen stärker macht und den eigenen Zielen dient. Dafür wird alles geopfert.
Ihr Ruf hatte sich seit diesem Ereignis jedenfalls erheblich verbessert. Sie galt nicht mehr nur als das wilde Flittchen oder Hurenweib und der ganze Streit im Dorf wurde beigelegt, zumindest was die Dorfgemeinschaft anging, mal von einzelnen streitsüchtigen Betroffenen abgesehen, die ihren Groll niemals zurückstellen konnten. Deshalb zog Xoxo auch nicht mehr ins Dorf zurück. Und das hielten alle für eine weise Entscheidung.
Die Beweise der mehrmaligen todbringenden Kämpfe mit dem Säbelzahn erhöhten ihren Rang. Und es kam nicht selten vor, dass ein Jägertrupp vor der Jagd zu ihr kam, nur um sich ihres Wohlwollens für den Jagderfolg zu vergewissern. Dies erfüllte sie mit Stolz. Selbst ein Säbelzahn gelang es nicht, sich ohne ihre Einwilligung über sie herzumachen, erzählten die Krieger dann später johlend am Lagerfeuer. Ihr Ansehen war zwar ungemein gestiegen, allerdings stellten ihr nun auch immer seltener die Männer nach. Denn je höher der Rang, desto unnahbarer galt man. Und selbst wenn sie ihnen zu verstehen gab, dass sie Lust dazu gehabt hätte, winkten nun sogar viele ab. Das war für sie eine völlig neue Erfahrung. Es schien als habe sie eine gewisse Unberührbarkeit erreicht. Sie war eine gefürchtete Jägerin und Kriegerin, galt als Überlebenskünstlerin. Die kleine schmächtige und schüchterne Xoxo, die sie als Kind war, hatte sie himmelweit hinter sich gelassen. Niemand hätte diese enorme Wandlung jemals für möglich gehalten.
Sie brauchte dringend neue Waffen. Diese waren nicht mehr in dem notwendigen zuverlässigen Zustand. Sie hatte einen Höhlenbär ausfindig gemacht. Einen Koloss, den die Dorfjäger des Ben Morgh Clans nur in Gruppe jagen würden. Sie sah es als Herausforderung an, ihn allein zu bezwingen. Sie mußte sich eine List überlegen, eine Falle stellen, sodass sie überhaupt eine Chance haben würde, sein dickes Fell und Fleisch tief genug zu durchbohren oder zu durchtrennen. Das hatte noch niemand vor ihr geschafft, selbst die stärksten Männer nicht. Dafür wollte sie sich unbedingt neue geschärfte Waffen besorgen. Der Schmied mochte sie, war wie ein gutmeinender Onkel für sie und deshalb war sie sich sicher, dass sie sich über einen Tauschhandel einig werden würden.
Doch nun nahm sie Witterung auf und ihre Instinkte liefen hoch, obwohl sie noch voll des Blutgeruchs in der Nase war. Sie blieb auf den Knien und hob unauffällig, versteckt in ihren Bewegungen, nur ihren freien Oberkörper. Es waren keine Feinde. Es war bekannter menschlicher männlicher Schweissgeruch, den der Wind ihr zuwehte. Sie drehte sich um und sah in der Entfernung vier breitschultrige Männer sich ihrem Lager näherten. Mit grossen wilden Mähnen, zwei von ihnen vollbärtig. Gepäck, Helme und Waffen geschultert. Es waren die stärksten Berserker des Clans mit ihrem Anführer Beolg. Sie kamen in friedlicher sich ankündigender Weise.
Hoher Besuch und so überraschend, dachte sie. Sie sollte sich lieber etwas überziehen, zumindest einen Lendenschurz. Sie sollten nicht gleich über sie herfallen, aber bestimmt würden sie sich vergnügen. Ihr war jedenfalls danach. Aber besser ist, dachte sie und lachte in sich hinein und zog sich das weiche anschmiegsame Stück über und erhob sich. Sie stand nun einige Meter vor dem Eingang ihrer Höhle. Eine grosse Höhle, die sehr gut ausgestattet war mit einem grossen Zeltausbau und kaum noch einer steinigen Höhle glich. Sie erwartete sie nun und trat zu dem Felsabsatz, wo der kleine Pfad zu ihrer Behausung hinaufführte.
Ihre Höhle lag wenige hundert Meter oberhalb der Bewaldungsgrenze in einer alten von Sträuchern und Gräsern bewachsenen Geröllzone gelegen mit einem herrlichen Blick über die vielen und auch weit entlegenen Bergketten und Tälern hinweg. Von beiden Seiten ragten umliegende Gebirgsmassive wie starke Schultern und man konnte ihre tiefer gelegenen Ausläufer und Windungen an den abfallenden Armenden zu den Tälern gut erkennen. Die Höhle lag gut geschützt unter einem Felsvorsprung mit einer oval ausgedehnten terassenförmigen Platte. Deshalb war sie von unten auch kaum auszumachen. Das Einzige, was sie verriet war der schmale Pfad, der aber auch vom Tritt der Gemsen und Steinböcke herrühren konnte.
Sie winkte ihnen freudig lachend zu und sie blieben stehen, hoben ihre Arme ihren Gruss erwidernd. Dann riefen sie: - Hei, hei, hei - und stimmten den Kriegsgesang des Clans an. Sie wusste Bescheid, es stand ein Krieg bevor. Verdammte Pisse, dachte sie, den Höhlenbär konnte sie sich abschminken. Hoffentlich springt dafür bei der Plünderung was raus, murmelte sie. Doch dann überwog die Wiedersehensfreude und eine richtige Schlacht war schon länger her. Vielleicht ganz gut, um aus dem Trott rauszukommen. Und an Männern mangelte es dabei bei weitem nicht.
Somit war sie sehr gespannt. Es waren der bärtige und stämmige Beolg, der langjährige erfahrene Anführer der Krieger des Clans, ein Bär von einem Mann und ihr ein wahrer Freund von Kindesalter an, auch wenn ausgerechnet sie nie etwas miteinander hatten, ausser einmal aus reiner Lust und Laune. Wallax, seine rechte Hand, ein todesmutiger und sehr schneller Krieger, den alle Feinde fürchteten, er wurde nur die Zecke genannt. Kein Feind konnte ihn abschütteln, hatte er ihn, saugte er sich an ihn fest, trank am Ende sein Blut. Wo Wallax war, war Gemetzel. Er liess von seinen Feinden nicht sehr viel übrig. Häutete sie, nahm sie aus, zerstückelte sie. Der ganze Eingangsbereich seines Hauses war geschmückt mit den vielen Köpfen seiner Feinde. Er sammelte sie nach jedem Kampf und jeder Schlacht ein. Es waren Hunderte. Chimir, ein bulliger Riese mit langem Bart und Zöpfen, immer ruhig, bedächtig und ausgeglichen wurde in Rage mit seiner gezackten langstieligen Axt zur leibhaftigen Hölle. Er rastete dann völlig aus und in tobener Wut war er nicht mehr zu bändigen. Oft stand er wie Monstrum in den Wogen der gegnerischen Reihen, mähte sie mit seiner überlangen kreisenden Axt nieder, selbst Reiterreihen gingen darin unter. Er war ein Moloch. Richtig auf ihre Stärke und Rolle eingeteilt waren sie alle unschlagbar. Den Vierten kannte sie noch nicht. Es war auf jeden Fall nicht Denog. Was war mit ihm geschehen? Den Neuen würde sie jetzt kennenlernen. Ein so junger Krieger und doch schon im engsten Kreis ? Was war los? Ein Aufstand der jungen Wilden ? Das machte sie neugierig.
Sie waren nun die letzte Steigung herauf herangekommen, bauten sich in einer Reihe vor ihr auf mit ihren ledernen Rüstungen. Ihre Helme baumelten an der Seite. Jeder von ihnen war schwer bewaffnet mit Pfeil und Bogen, Speer, Dolchen, Schwertern und Äxten. Beolg trug auch einen Dreizack. Sie alle waren mit Muskeln bepackt, fleischig und stämmig, mit kurzen bulligen Hälsen. Sie trugen Knochenschmuck, nur Beolg trug auch Silber und sogar auch Gold. Teils waren sie mit wilden Symbolen tätowiert. Sie alle überragten Xoxo mit mindestens zwei und mehr Kopflängen und warfen einen Schatten auf sie. Man würde meinen, sie wären Riesen und dennoch erwiesen sie Xoxo tiefsten Respekt. Sie sprachen mit ihr auf Augenhöhe, als Gleiche unter Gleichen. Das war bislang keiner Frau in dieser Weise im Clan gelungen, mal abgesehen davon, dass es cimmerischer Brauch war, die eigenen Frauen nicht zu versklaven und als freie Menschen zu respektieren.
Hei, Xoxo -, begann Beolg. Er verneigte sich und die anderen folgten, nur der Vierte, der Neue zögerte. Sie hatten ihm nicht die ganze Geschichte über Xoxo verraten, das sollte heute geschehen und sie waren dabei gespannt auf seine Reaktion, wo sie doch wussten, dass die bei ihm nicht vorurteilsfrei möglich war. Beolg schaute zu ihm rüber, auch er senkte nun seinen Kopf. Krieger, die sich vor einer Frau verneigten. Das war schon was. - Willkommen, Beolg, ruhmvoller, weiser und machtvoller Führer der Krieger unseres Clans. Willkommen euch Kriegern! - erwiderte Xoxo und verneigte sich tief in aller Form und voller Demut. Sie fügte noch mit ihren Gesten das Zeichen der Heiligen Weisheit hinzu.
Nach der förmlichen Begrüssung nahmen alle eine ausgelassene lockere Haltung ein. - Haben wir dich überrascht ? Bei der Arbeit ? Wir wollten dich in voller Natur sehen und bewundern. - Sie lachten vergnügt. - Und du hast uns nicht enttäuscht. Du bist noch immer wild, voller Jagdeifer und wunderschön, schenkst uns ein Lächeln zum verlieben. - - Danke, danke, Beolg, ihr seid schwärmerisch und draufgängerisch wie immer. Aber deswegen seid ihr nicht gekommen, nur um mit mir zu flirten. Und ihr habt eine stolze Frau und Kinder, was ich immer respektierte. - Sie lächelte keck und verschmitzt. Beolg grinste amüsiert über diese Worte. - Ja, das stimmt tatsächlich, Vor allem der Neue soll dich so richtig zu Gesicht bekommen. Es ist Xenay, der Sohn von Deimir. Er tritt an die Stelle von Denog, der fiel. - Xoxo blickte ernst und auch etwas ungläubig. Beolg fuhr fort. - Es waren fremde Krieger mit fremdartiger helldunkler Haut, manche sind gelbhäutig, gross gewachsen und sehr behende, teils schlitzäugig. Sie sehen grässlich aus, teils sind sie über den ganzen körper mit fremden rätselhaften Zeichen und Mustern tätowiert. Sie kommen sicher von weit her. Woher sie kommen, wissen wir nicht, auch nicht, ob sie eine fremde Macht geschickt hat. Sie haben selbst vor den Hybroreanern und Vanir nicht halt gemacht, weshalb wir dachten es könnten unsere Freunde sein. Aber sie machen alles nieder, auch Dörfer anderer cimmerischer Clans fackelten sie ab. Frauen werden geschändet und mit dem Vieh verschleppt, in die Sklaverei geführt. Die Kinder werden vor ihren Augen getötet. Das spielte sich in von uns sehr weitgelegenen Gegenden ab. Die cimmerischen Stämme ziehen sich jetzt zurück und sammeln sich nun. Dann sind sie, also ihre Vorhuten im Feld der Toten gesehen worden und dabei fiel Denog. Xoxo, du kennst ihn, er fällt nicht leicht und er hat gekämpft unseres Stammes würdig. Er hinterlässt zwei Frauen und viele Kinder. Wir müssen seinen Tod rächen und zum Krieg rüsten. Bist du dabei ?
Ich bin schon mittendrin. - antwortet Xoxo trocken. - Ja, so kenne ich dich Xoxo, du hast uns nie im Stich gelassen, auch wenn es soviel Ärger gab mit unserem Stamm, vor allem mit unseren Frauen. - Alle grinsten breit. - Das ist auch ein Grund, warum ich auch gerne persönlich gekommen bin. Es ist ein starker Feind, wohl schlimmer als alles, was vorher hier auf uns traf. Die Heerführer überlegen derzeit, was sie seiner überragenden uns fremden Kampftechnik entgegensetzen können. Wir werden uns den cimmerischen Stämmen anschliessen. Entweder siegreich sein oder untergehen. - Er griff nach hinten, löste die Riemen und überreichte ihr eine lange schwere Ledertasche. Xoxo verneigte sich tief und ehrerbietend, nahm die Tasche mit gestreckten Armen entgegen. Mit ihrer Stirn berührte sie leicht die Tasche. Ihre Augen funkelten. Es war eine Ehre. - Öffne sie bitte. Was du vorfindest, ist ein Erbstück deines Vaters Takkar. Ich habe es viele Jahre sicher aufbewahrt und wir haben es für diesen Krieg noch einmal überarbeitet. - Xoxo löste die Wickel, die das Leder zusammenhielten, dann befreite sie die lange Streitaxt aus der Dunkelheit und hob sie mit beiden armen mit der langen Schaftspitze hoch nach oben und mit der breiten geschwungenen Doppelklinge ins Licht. Die Axt blitzte auf, als würde sie sich freuen, wirkte aber noch kalt. - Ein gutes Zeichen – merkte Beolg an - und dass du der richtige Besitzer bist. Sie wird dir gehorchen. Es war eine mächtige Streitaxt mit silberverzierten Ledergriff und einem zusätzlichen Sensengriff über dem Lederstück. Lang und für eine Doppelaxt sehr leicht. - Sie ist extra für dich angefertigt. Der Stiel reicht bis zu deinem Kinn. Sie ist leicht und geschmeidig, so wie du, ihre Spitze scharf und die Klingen eiskalt und hart. Sie soll deinem Vater zur Ehre gereichen, auch wenn er niemals hätte glauben können, dass ausgerechnet du sie führen würdest. -
Xoxo freute sich riesig. - Von meinem Vater? - - Ja, sein Ruhm ist unvergessen. Er hinterliess es mir mit der enttäuschten Bemerkung, seine dürre missratene zurückgebliebene Tochter könne mit sowas wohl nie was anfangen, durchblickend, dass er dich am liebsten ertränkt, sofern deine Mutter ihn nicht daran gehindert hätte. Deine Mutter hatte ihn einmal so sehr angeschrien, dass es durch das ganze Dorf hallte: - Fressen, saufen, bumsen, pissen und kacken und einen Spatz in der Hand zerdrücken, anstatt einen Greif aus ihm zu machen. Ihr Männer seid doch alle Hundescheisse !- Das Scheppern des Geschirrs und das Krachen eines Regals konnte man daraufhin hören und während dein Vater schleunigst die Hütte verliess, rannte sie ihm fluchend in völliger Raserei dem Dorfweg entlang nach und hämmerte mit ihren kleinen Fäusten und Füssen auf ihn ein, warf schliesslich mit ihren Klamotten nach ihm bis sie nackt da stand. - Sie lachten alle laut auf. - Nun, das Temperament hast du eindeutig von deiner Mutter geerbt. Von da an, rührte dein Vater dich nie wieder an, aber er beschaffte alles, was deine Mutter für dich brauchte. Er sagte, die Axt sei nur bei den stärksten Kriegern sinnvoll aufgehoben, den ich später auswählen und nach Bewährung damit belohnen sollte. Er wünschte sich so sehr einen Sohn und konnte ja nicht ahnen, wie aus der untergewichtigen, dürren und fürchterlich kreischenden kleinen Xoxo, wenn sie ihren riesigen Vater erblickte, eine so wilde Jägerin werden würde. Niemand von uns hatte das damals angenommen. Manche meinten, du würdet in den ersten Lebensjahren bereits sterben. Du warst wirklich so winzig und spindeldürr. Er hätte heute bei solch einem Rasseweib als Tochter seine wahre Freude daran. Frauen waren ja sein Lebenselexier, doch deiner Mutter blieb er treu. Sie war der einzige Mensch, der ihn ungestraft beleidigen durfte. Jeden anderen hätte er für weitaus geringere Beleidigungen zerschmettert. Aber wer weiss, vielleicht hätte er dich auch niemals akzeptiert, egal wie prachtvoll und oder gewaltig du geworden wärest und du weisst, das passiert auch vielen Söhnen mit ihren Vätern, dass sie niemals gut genug sind. - Alle grinsten. - Nun steht eine gewaltige Schlacht bevor für die diese Streitaxt wie geschaffen ist und extra dafür überarbeitet wurde. - Xoxo erwiderte zunächst nichts, sie war zutiefst gerührt. Sie hatte keine Erinnerung an ihren Vater. Nur ihre Mutter hatte immer von ihm geschwärmt bis sie an Krankheit starb. - Ich danke dir vom ganzen Herzen. Lasst uns ein grosses Mahl nehmen zu Ehren der Götter. Ich werde für euch tanzen! -
Dann rief Beolg aus: - Tod und Verderben ist unser Ruhm! - Und alle schlugen mit ihrer Faust auf ihre Brust, stimmten dabei tief und laut ein: - Hei, Hei, Hei ! -
Zum Ausweiden hatte sie einen gesonderten Platz vor ihrer Höhle eingerichtet mit einer grossen flachen Steinplatte. Darüber hing ein Räucherstumpf um die Insekten fernzuhalten. Störende oder gar plagende Insekten gab es auf der Anhöhe ihrer Höhle allerdings kaum.
Das noch milde Licht der Morgensonne wärmte so wohltuend ihren Rücken auf dem die quer verlaufende fünfkrallige Narbe von einer ihrer vielen Begegnungen mit einem Säbelzahn hellrosa mit tiefroten Einlassungen wie eine Bemalung klar zu erkennen war. Sie konnte wochenlang nicht mehr auf dem Rücken liegen, hatte schwere Schmerzen, als wäre sie zerschmettert und hatte mächtiges Fieber bekommen. Die Wunde verheilte anfangs schlecht und war eitirig, obwohl sie alles dagegen tat, doch am Ende stand sie es durch. Seitdem liess sie keine Möglichkeit aus, dem Rücken die Wärme der Sonne zu gönnen. Dies linderte ihre Beschwerden und ihre starke Wetterfühligkeit, die manchmal aber mehr ein Glück war, da sie auch jedes Unwetter schon Tage vorher ausmachen konnte.
Auf den Knien zerlegte sie gut gelaunt den Vierender auf der Steinplatte vor ihrer Höhle. Er hatte sich zum nicht weit entfernten Geröllhang flüchten wollen, doch als er ins Rutschen geriet, wurde ihm dieser zum Verhängnis. Xoxo brauchte nur ganz schnell nachzusetzen. Dann hatte sie ihn mit einem Speer auch schon erlegt.
Das Fell hatte sie bereits abgetrennt. Das war die schwerste Arbeit. Es liess sich diesmal etwas schwerer ablösen als sonst, aber sie genoss den Duft des heissen dampfenden Fleisches, leckte immer wieder das Blut von den Fingern. Die Eingeweide legte sie in Holzbottichen. Blut war wie eine Droge für ihre Sinne. Meistens rieb sie sich damit ein. Nur frisch galt es als gesund und war ein Hochgenuss. Blut machte satt und stark. Die Kraft des wilden Tieres sollte auf sie übergehen. Und auch, wenn es nur ein vierendiger Bock war, so war es dennoch ein starker Bulle und Leittier eines grossen Rudels. Sie wusste, je stärker das Opfer, desto mehr wuchs die eigene Kraft.
Sie war die einzige Grosswildjägerin des Ben Morgh Clans, die Säbelzahntiger liefern konnte, ja auch Bären und jedes andere Grosswild, wie auch Mammut und Wollhaarnashorn. Letztere jagten die Männer in ihren Jagdgruppen gerne selbst. So konzentrierte sie sich auf Raubtiere, auch wenn es gefährlicher war, erst recht ganz allein. Sie liebte es, diese unheimliche Spannung des gegenseitigen tödlichen Auflauerns. Manchmal war wirklich nicht mehr klar, wer Jäger oder Gejagter war, nur der Sieg, das Überleben stellte dies am Ende fest.
Sie galt deshalb als keine gewöhnliche Frau. Sie hatte den Ruf einer sehr geschickten Jägerin und galt auch als die wildeste Berserkerin des Ben Morgh Clans im Schatten des Heiligen Berges östlich vom Conalltal am Rande des Feld der Toten.
Sie war hoch angesehen, wenn auch mit zwiespältigen Beigeschmack. Neid und Missgunst begleiteten sie. Denn viele mochten sie nicht, weil sie allzu frei und freizügig mit ihren Reizen und völlig unabhängig war, so wie die starken Männer. Genauer betrachtet sogar noch freier als sie. Aber es waren nicht die Männer, die sie schmähten, im Gegenteil, sie bewunderten sie, es waren die Frauen, die mit ihren Eifersüchteleien gegen sie züngelten.
Diese verdammten Neidhexen. Hatten sie ihre Männer obendrein noch hündisch erzogen, so bellten diese sie an. Sie mußte bei diesem Gedanken spöttisch auflachen. Für solche Männer mit ihrem dressierten und devoten Wachhundgehabe hatte sie nur abfälligen Hohn übrig. Wenn sie denn echte Wachhunde wären. In ihren Augen waren es armseelige Köter, die auf Unterwürfigkeit gegenüber ihrer Herrin abgerichtet waren. Aber das waren nur wenige, denn diejenigen, die es mit ihr getrieben hatten, hatten es immer genossen.
Xoxo war wild, heiss und temperamentvoll, verschmähte die Sinnes- und Liebesfreuden nicht. War sie schwanger hatte sie meist selbst abgetrieben, was aber seit ihrer Geburt ihres Kindes nicht mehr notwendig war. Würde sie jemals noch Kinder kriegen ? Sie wusste es nicht, aber sie ging nicht mehr davon aus.
Demnächst würde sie wieder ins Dorf gehen, um einige Felle und weitere Jagdkostbarkeiten abzuliefern. Sie freute sich schon auf einige von ihren Bekannten und auf Beolg, den Kriegsführer. Sie mochten und verstanden sich schon seit ihrer Kindheit, wo sie ganz anders war und als dürr, verstockt, überängstlich und schwächlich galt. Er hatte sie trotzdem respektiert und sogar beschützt. So mancher neckische Dümmling landete dann im Staub. Sie beobachtete diese Kämpfe aus dem schützenden Versteck eines Busches heraus und fieberte mit. Das kranke Gezänk der missgünstigen Dorfweiber wollte sie diesmal gänzlich ignorieren, obwohl sie Wettstreit mit beleidigenden Worten und das Hochschaukeln der verletzten Gefühle insgeheim genoss. Zoff und Radau gehörte eben manchmal zu ihrem Lebenselexier.
Wenn auch schon gereift an Jahren, konnte sie es mit den jungen Frauen noch aufnehmen, recht gutaussehend mit einem prächtigen üppigen Vorbau und aufreizenden Hintern. Wie die meisten der Frauen in dieser Gegend Cimmeriens war sie etwa mittelgross und einen Kopf kleiner als die Männer. Sie war gut genährt von kräftiger Statur mit leicht hervortretenen Bauch, wirkte aber nicht dicklich, sondern eher schlank. Sie hatte nur wenig Fett angesetzt, nicht so wie die anderen Frauen in ihrem Alter, die dicklich waren durch mangelnde schnelle Bewegung und zu fetter Kost. Ihre gebräunte fein gegerbte Haut war in Ruhe entspannt und samtweich, bei Anspannung jedoch pressten sich ihre Muskeln steinhart mit tiefer Maserung der Adern durch. Sie hatte feste Beine mit strammen Waden und massigen Schenkeln. Ihr Becken war jedoch schmal mit engen Hüften. Ihre schweren vollen Brüste ragten auf, verteilten sich wie eine Masse aus Lehm. Ihre glatten halblangen rotbraunen Haare fielen in vom blut klebrigen strähnen mit kleinen geflochtenen Zöpfen auf ihre Schultern herab. Sie trug eine Knochenkette mit Federbüscheln um den Hals, an deren Mitte ein Echsenkopf hing, Elfenbeinspangen durchbohrten die Ohren, ihre Wangen waren mit feinen in die Haut gestossenen Elfenbeinzähnen verziert, auch die unteren Enden ihrer ausgedehnten kastanienfarbenen Brustwarzen. Ihre Oberarme zierten lederne Armreife mit feinen Knochenplättchen. Ihr ganzer Körper war vom morgendlichen Ausweiden verschmiert vom Blut, dass sich bereits rotbräunlich trocknend auf den Hautpartien verteilte, worunter noch sichtbar ihre täglich rituell erneuerte graugelbfarbende Brustbemalung der Heiligen Weisheit zu Ehren der Grossen Mutter hindurchschimmerte.
Viele Männer verlangten nach ihr, aber eben nur zum Vergnügen für eine Nacht oder einen Seitensprung, da sie als zu schwierig galt, zu unbändig, eigensinnig, unberechenbar und zu gefährlich. Sie war einfach zu stark an der Seite eines Mannes. Wer dachte, sie einfach nehmen zu können, nur weil ihm danach war, mußte bittere Erfahrungen machen. Sie war eben kein Freiwild, suchte sich die Männer schon lieber selbst aus. Gegen ihren Willen lief nichts. Andererseits schon allein deswegen wagten es nicht alle Männer, sie hatten insgeheim Angst ihr Gesicht zu verlieren. Es kam deshalb schon einmal nicht jeder in Frage. Diejenigen aber mit denen es funkte, waren stolz darauf. Ja, sie würde sich diesmal im Dorf wieder richtig gehen lassen. Sie hatte schon lange keinen Mann in sich gespürt. Auf diese Weise hatte sie die Abwechslung, die sie brauchte, verbrachte sie doch die meiste Zeit in Abgeschiedenheit, in der Einsamkeit ihres kleinen Jagdreiches weit ausserhalb des Dorfes. Im Dorf war auf diese Weise der kleine Frieden sichergestellt, es war zuletzt ein tödlicher Krampf gewesen und sie war froh darum hier draussen ihr eigenes kleines Reich aufgebaut zu haben.
Ihr ganzer Körper war mit unzähligen Narben übersät, überwiegend feine Narben, aber auch einige grosse, sogar eine dicke Schwulst einer nur schwer verheilten Wunde auf ihrem linken Busen bis hin zur Schulter. Das war auch ein Säbelzahn gewesen und sie konnte sich an keine Begegnung mit einem Säbelzahn erinnern, wo sie keine Verwundung von sich trug. Sie hatte ein Riesenglück gehabt. Fast hätte er ihr den Busen weggerissen. Doch seine Krallen drangen wie durch ein Wunder nicht in die Brust hinein, sondern ratschten schneidend drüber, was schon schlimm genug und fast tödlich war. Sie war sich sicher, es war ihr gezackter Reissdolch, dessen tödlicher Schmerz für Sekunden seine Krallen zum Einziehen brachte. Die lange Fleischwunde war entsetzlich und blutete fürchterlich. Mit ihrem Lendenschurz band sie die Brust pressend ab und unter Aufbringung aller Kraftreserven schaffte sie es bis zu ihrer unweiten Behausung. Sogar den schwergewichtigen Säbelzahn zog sie noch hinter sich her, den sie um Gewicht wegzunehmen, zuvor die Eingeweide entfernt hatte, natürlich nicht ohne vorher von seinem warmen Herzen und seiner Lunge zu essen. Es war die reinste Plackerei, aber die Euphorie über den Jagderfolg liess ihr die Schmerzen und die Angst um ihre Brust verdrängen.
Im Dorf hätte der Heiler ihr die Brust sofort abgenommen. Aber sie tat es nicht, wollte sie unbedingt behalten. Sie nähte mit einigen schmerzhaften Stichen ihre Wunde und bedeckte sie mit einer in ihrem Urin getränkten Kräuterauflage. Sie wechselte sie häufig, aber die Wunde entzündete sich trotzdem. Sie bekam schweres Fieber und war allein. Dieser Zustand hielt einige Tage an, dann hatte sie es geschafft. Auch wenn der linke Busen seitdem mit einer unförmigen narbigen Schwulst etwas schief verformt und steifer war, war er ihr ganzer Stolz. Sie hatte ihn gerettet. Noch immer lief diese Narbe bei Erregung, aber auch bei starken Wetterumschwüngen feuerrot manchmal sogar lila an. Doch der Busen war noch ganz, wirkte grösser als vorher und gab sogar noch Milch, was sie und auch sonst niemand je für möglich gehalten hätte.
Als sie dem Heiler in Gegenwart des Stammeshäuptlings und des Ältesten zum Beweis ein paar Tropfen gab, blieb er stumm und sie appellierte an ihm im Interesse aller Frauen des Clans, ihrer Männer, aber vor allem ihrer Kinder seine frühzeitigen Brustamputationen schon bei kleineren Risswunden zu überdenken. Auch der Rat der Frauen wurde gerufen und kam um ihren Busen zu befühlen und die dickrote, damals noch hochempfindliche Schwulst zu tasten. Schliesslich willigte der Heiler ein und verlangte von ihr, sie möge ihn dabei unterstützen, was einer Ehrung gleichkam. Ihr Auftritt und ihre Rede blieben unvergessen. Und alle schauten auf das Fell mit dem Kopf des Säbelzahns und seinen Pranken, dass sie zum Beweis mitgebracht hatte. Es war wie ein Wunder.
Auch ihre Heilkunst war nun von allen im Dorf anerkannt, aber vor allem, sie hatte als einzige Frau einen Säbelzahn ganz allein bezwungen. Seitdem wurde sie manchmal ins Dorf geholt, wenn eine Frau eine grössere Verletzung an ihrer Brust davongetragen hatte oder andere grössere lebensgefährliche Verletzungen, was jedoch eher selten war, denn die Frauen im Dorf führten mehr ein bäuerliches und hauswirtschaftliches Leben. Wenn, dann jagden sie Kleinwild. Doch mittlerweile gab es ein paar Mädchen und junge Frauen, die Xoxo bewunderten und ihr nacheifern wollten und der Stamm stand vor Frage der Jagd- und Kriegsmaid einen echten Stand zuzuweisen. Beolg als Kriegführer war dafür, mußte jemand suchen, der sie anführte und Xoxo war klar, dass er dabei an sie dachte, doch sie wollte keine Führerin sein. Sie wollte nur frei und sich selbst verantwortlich sein. Ambitionen den Boss zu mimen, wie sie es nannte, hatte sie nicht. Sie hatte Angst davor, dass er sie schon bald ansprechen würde, was sollte sie dann tun? Die ganzen Verpflichtungen lagen ihr schon gar nicht. Immerhin schreckte ihr wildes Liebesleben den Rat der Ältesten davon ab, Beolgs Plan zu unterstützen. Es müßte schon ein Krieg heraufziehen, dann wäre das auch den Ältesten egal. Im Krieg ist alles egal, solange es die Reihen stärker macht und den eigenen Zielen dient. Dafür wird alles geopfert.
Ihr Ruf hatte sich seit diesem Ereignis jedenfalls erheblich verbessert. Sie galt nicht mehr nur als das wilde Flittchen oder Hurenweib und der ganze Streit im Dorf wurde beigelegt, zumindest was die Dorfgemeinschaft anging, mal von einzelnen streitsüchtigen Betroffenen abgesehen, die ihren Groll niemals zurückstellen konnten. Deshalb zog Xoxo auch nicht mehr ins Dorf zurück. Und das hielten alle für eine weise Entscheidung.
Die Beweise der mehrmaligen todbringenden Kämpfe mit dem Säbelzahn erhöhten ihren Rang. Und es kam nicht selten vor, dass ein Jägertrupp vor der Jagd zu ihr kam, nur um sich ihres Wohlwollens für den Jagderfolg zu vergewissern. Dies erfüllte sie mit Stolz. Selbst ein Säbelzahn gelang es nicht, sich ohne ihre Einwilligung über sie herzumachen, erzählten die Krieger dann später johlend am Lagerfeuer. Ihr Ansehen war zwar ungemein gestiegen, allerdings stellten ihr nun auch immer seltener die Männer nach. Denn je höher der Rang, desto unnahbarer galt man. Und selbst wenn sie ihnen zu verstehen gab, dass sie Lust dazu gehabt hätte, winkten nun sogar viele ab. Das war für sie eine völlig neue Erfahrung. Es schien als habe sie eine gewisse Unberührbarkeit erreicht. Sie war eine gefürchtete Jägerin und Kriegerin, galt als Überlebenskünstlerin. Die kleine schmächtige und schüchterne Xoxo, die sie als Kind war, hatte sie himmelweit hinter sich gelassen. Niemand hätte diese enorme Wandlung jemals für möglich gehalten.
Sie brauchte dringend neue Waffen. Diese waren nicht mehr in dem notwendigen zuverlässigen Zustand. Sie hatte einen Höhlenbär ausfindig gemacht. Einen Koloss, den die Dorfjäger des Ben Morgh Clans nur in Gruppe jagen würden. Sie sah es als Herausforderung an, ihn allein zu bezwingen. Sie mußte sich eine List überlegen, eine Falle stellen, sodass sie überhaupt eine Chance haben würde, sein dickes Fell und Fleisch tief genug zu durchbohren oder zu durchtrennen. Das hatte noch niemand vor ihr geschafft, selbst die stärksten Männer nicht. Dafür wollte sie sich unbedingt neue geschärfte Waffen besorgen. Der Schmied mochte sie, war wie ein gutmeinender Onkel für sie und deshalb war sie sich sicher, dass sie sich über einen Tauschhandel einig werden würden.
Doch nun nahm sie Witterung auf und ihre Instinkte liefen hoch, obwohl sie noch voll des Blutgeruchs in der Nase war. Sie blieb auf den Knien und hob unauffällig, versteckt in ihren Bewegungen, nur ihren freien Oberkörper. Es waren keine Feinde. Es war bekannter menschlicher männlicher Schweissgeruch, den der Wind ihr zuwehte. Sie drehte sich um und sah in der Entfernung vier breitschultrige Männer sich ihrem Lager näherten. Mit grossen wilden Mähnen, zwei von ihnen vollbärtig. Gepäck, Helme und Waffen geschultert. Es waren die stärksten Berserker des Clans mit ihrem Anführer Beolg. Sie kamen in friedlicher sich ankündigender Weise.
Hoher Besuch und so überraschend, dachte sie. Sie sollte sich lieber etwas überziehen, zumindest einen Lendenschurz. Sie sollten nicht gleich über sie herfallen, aber bestimmt würden sie sich vergnügen. Ihr war jedenfalls danach. Aber besser ist, dachte sie und lachte in sich hinein und zog sich das weiche anschmiegsame Stück über und erhob sich. Sie stand nun einige Meter vor dem Eingang ihrer Höhle. Eine grosse Höhle, die sehr gut ausgestattet war mit einem grossen Zeltausbau und kaum noch einer steinigen Höhle glich. Sie erwartete sie nun und trat zu dem Felsabsatz, wo der kleine Pfad zu ihrer Behausung hinaufführte.
Ihre Höhle lag wenige hundert Meter oberhalb der Bewaldungsgrenze in einer alten von Sträuchern und Gräsern bewachsenen Geröllzone gelegen mit einem herrlichen Blick über die vielen und auch weit entlegenen Bergketten und Tälern hinweg. Von beiden Seiten ragten umliegende Gebirgsmassive wie starke Schultern und man konnte ihre tiefer gelegenen Ausläufer und Windungen an den abfallenden Armenden zu den Tälern gut erkennen. Die Höhle lag gut geschützt unter einem Felsvorsprung mit einer oval ausgedehnten terassenförmigen Platte. Deshalb war sie von unten auch kaum auszumachen. Das Einzige, was sie verriet war der schmale Pfad, der aber auch vom Tritt der Gemsen und Steinböcke herrühren konnte.
Sie winkte ihnen freudig lachend zu und sie blieben stehen, hoben ihre Arme ihren Gruss erwidernd. Dann riefen sie: - Hei, hei, hei - und stimmten den Kriegsgesang des Clans an. Sie wusste Bescheid, es stand ein Krieg bevor. Verdammte Pisse, dachte sie, den Höhlenbär konnte sie sich abschminken. Hoffentlich springt dafür bei der Plünderung was raus, murmelte sie. Doch dann überwog die Wiedersehensfreude und eine richtige Schlacht war schon länger her. Vielleicht ganz gut, um aus dem Trott rauszukommen. Und an Männern mangelte es dabei bei weitem nicht.
Somit war sie sehr gespannt. Es waren der bärtige und stämmige Beolg, der langjährige erfahrene Anführer der Krieger des Clans, ein Bär von einem Mann und ihr ein wahrer Freund von Kindesalter an, auch wenn ausgerechnet sie nie etwas miteinander hatten, ausser einmal aus reiner Lust und Laune. Wallax, seine rechte Hand, ein todesmutiger und sehr schneller Krieger, den alle Feinde fürchteten, er wurde nur die Zecke genannt. Kein Feind konnte ihn abschütteln, hatte er ihn, saugte er sich an ihn fest, trank am Ende sein Blut. Wo Wallax war, war Gemetzel. Er liess von seinen Feinden nicht sehr viel übrig. Häutete sie, nahm sie aus, zerstückelte sie. Der ganze Eingangsbereich seines Hauses war geschmückt mit den vielen Köpfen seiner Feinde. Er sammelte sie nach jedem Kampf und jeder Schlacht ein. Es waren Hunderte. Chimir, ein bulliger Riese mit langem Bart und Zöpfen, immer ruhig, bedächtig und ausgeglichen wurde in Rage mit seiner gezackten langstieligen Axt zur leibhaftigen Hölle. Er rastete dann völlig aus und in tobener Wut war er nicht mehr zu bändigen. Oft stand er wie Monstrum in den Wogen der gegnerischen Reihen, mähte sie mit seiner überlangen kreisenden Axt nieder, selbst Reiterreihen gingen darin unter. Er war ein Moloch. Richtig auf ihre Stärke und Rolle eingeteilt waren sie alle unschlagbar. Den Vierten kannte sie noch nicht. Es war auf jeden Fall nicht Denog. Was war mit ihm geschehen? Den Neuen würde sie jetzt kennenlernen. Ein so junger Krieger und doch schon im engsten Kreis ? Was war los? Ein Aufstand der jungen Wilden ? Das machte sie neugierig.
Sie waren nun die letzte Steigung herauf herangekommen, bauten sich in einer Reihe vor ihr auf mit ihren ledernen Rüstungen. Ihre Helme baumelten an der Seite. Jeder von ihnen war schwer bewaffnet mit Pfeil und Bogen, Speer, Dolchen, Schwertern und Äxten. Beolg trug auch einen Dreizack. Sie alle waren mit Muskeln bepackt, fleischig und stämmig, mit kurzen bulligen Hälsen. Sie trugen Knochenschmuck, nur Beolg trug auch Silber und sogar auch Gold. Teils waren sie mit wilden Symbolen tätowiert. Sie alle überragten Xoxo mit mindestens zwei und mehr Kopflängen und warfen einen Schatten auf sie. Man würde meinen, sie wären Riesen und dennoch erwiesen sie Xoxo tiefsten Respekt. Sie sprachen mit ihr auf Augenhöhe, als Gleiche unter Gleichen. Das war bislang keiner Frau in dieser Weise im Clan gelungen, mal abgesehen davon, dass es cimmerischer Brauch war, die eigenen Frauen nicht zu versklaven und als freie Menschen zu respektieren.
Hei, Xoxo -, begann Beolg. Er verneigte sich und die anderen folgten, nur der Vierte, der Neue zögerte. Sie hatten ihm nicht die ganze Geschichte über Xoxo verraten, das sollte heute geschehen und sie waren dabei gespannt auf seine Reaktion, wo sie doch wussten, dass die bei ihm nicht vorurteilsfrei möglich war. Beolg schaute zu ihm rüber, auch er senkte nun seinen Kopf. Krieger, die sich vor einer Frau verneigten. Das war schon was. - Willkommen, Beolg, ruhmvoller, weiser und machtvoller Führer der Krieger unseres Clans. Willkommen euch Kriegern! - erwiderte Xoxo und verneigte sich tief in aller Form und voller Demut. Sie fügte noch mit ihren Gesten das Zeichen der Heiligen Weisheit hinzu.
Nach der förmlichen Begrüssung nahmen alle eine ausgelassene lockere Haltung ein. - Haben wir dich überrascht ? Bei der Arbeit ? Wir wollten dich in voller Natur sehen und bewundern. - Sie lachten vergnügt. - Und du hast uns nicht enttäuscht. Du bist noch immer wild, voller Jagdeifer und wunderschön, schenkst uns ein Lächeln zum verlieben. - - Danke, danke, Beolg, ihr seid schwärmerisch und draufgängerisch wie immer. Aber deswegen seid ihr nicht gekommen, nur um mit mir zu flirten. Und ihr habt eine stolze Frau und Kinder, was ich immer respektierte. - Sie lächelte keck und verschmitzt. Beolg grinste amüsiert über diese Worte. - Ja, das stimmt tatsächlich, Vor allem der Neue soll dich so richtig zu Gesicht bekommen. Es ist Xenay, der Sohn von Deimir. Er tritt an die Stelle von Denog, der fiel. - Xoxo blickte ernst und auch etwas ungläubig. Beolg fuhr fort. - Es waren fremde Krieger mit fremdartiger helldunkler Haut, manche sind gelbhäutig, gross gewachsen und sehr behende, teils schlitzäugig. Sie sehen grässlich aus, teils sind sie über den ganzen körper mit fremden rätselhaften Zeichen und Mustern tätowiert. Sie kommen sicher von weit her. Woher sie kommen, wissen wir nicht, auch nicht, ob sie eine fremde Macht geschickt hat. Sie haben selbst vor den Hybroreanern und Vanir nicht halt gemacht, weshalb wir dachten es könnten unsere Freunde sein. Aber sie machen alles nieder, auch Dörfer anderer cimmerischer Clans fackelten sie ab. Frauen werden geschändet und mit dem Vieh verschleppt, in die Sklaverei geführt. Die Kinder werden vor ihren Augen getötet. Das spielte sich in von uns sehr weitgelegenen Gegenden ab. Die cimmerischen Stämme ziehen sich jetzt zurück und sammeln sich nun. Dann sind sie, also ihre Vorhuten im Feld der Toten gesehen worden und dabei fiel Denog. Xoxo, du kennst ihn, er fällt nicht leicht und er hat gekämpft unseres Stammes würdig. Er hinterlässt zwei Frauen und viele Kinder. Wir müssen seinen Tod rächen und zum Krieg rüsten. Bist du dabei ?
Ich bin schon mittendrin. - antwortet Xoxo trocken. - Ja, so kenne ich dich Xoxo, du hast uns nie im Stich gelassen, auch wenn es soviel Ärger gab mit unserem Stamm, vor allem mit unseren Frauen. - Alle grinsten breit. - Das ist auch ein Grund, warum ich auch gerne persönlich gekommen bin. Es ist ein starker Feind, wohl schlimmer als alles, was vorher hier auf uns traf. Die Heerführer überlegen derzeit, was sie seiner überragenden uns fremden Kampftechnik entgegensetzen können. Wir werden uns den cimmerischen Stämmen anschliessen. Entweder siegreich sein oder untergehen. - Er griff nach hinten, löste die Riemen und überreichte ihr eine lange schwere Ledertasche. Xoxo verneigte sich tief und ehrerbietend, nahm die Tasche mit gestreckten Armen entgegen. Mit ihrer Stirn berührte sie leicht die Tasche. Ihre Augen funkelten. Es war eine Ehre. - Öffne sie bitte. Was du vorfindest, ist ein Erbstück deines Vaters Takkar. Ich habe es viele Jahre sicher aufbewahrt und wir haben es für diesen Krieg noch einmal überarbeitet. - Xoxo löste die Wickel, die das Leder zusammenhielten, dann befreite sie die lange Streitaxt aus der Dunkelheit und hob sie mit beiden armen mit der langen Schaftspitze hoch nach oben und mit der breiten geschwungenen Doppelklinge ins Licht. Die Axt blitzte auf, als würde sie sich freuen, wirkte aber noch kalt. - Ein gutes Zeichen – merkte Beolg an - und dass du der richtige Besitzer bist. Sie wird dir gehorchen. Es war eine mächtige Streitaxt mit silberverzierten Ledergriff und einem zusätzlichen Sensengriff über dem Lederstück. Lang und für eine Doppelaxt sehr leicht. - Sie ist extra für dich angefertigt. Der Stiel reicht bis zu deinem Kinn. Sie ist leicht und geschmeidig, so wie du, ihre Spitze scharf und die Klingen eiskalt und hart. Sie soll deinem Vater zur Ehre gereichen, auch wenn er niemals hätte glauben können, dass ausgerechnet du sie führen würdest. -
Xoxo freute sich riesig. - Von meinem Vater? - - Ja, sein Ruhm ist unvergessen. Er hinterliess es mir mit der enttäuschten Bemerkung, seine dürre missratene zurückgebliebene Tochter könne mit sowas wohl nie was anfangen, durchblickend, dass er dich am liebsten ertränkt, sofern deine Mutter ihn nicht daran gehindert hätte. Deine Mutter hatte ihn einmal so sehr angeschrien, dass es durch das ganze Dorf hallte: - Fressen, saufen, bumsen, pissen und kacken und einen Spatz in der Hand zerdrücken, anstatt einen Greif aus ihm zu machen. Ihr Männer seid doch alle Hundescheisse !- Das Scheppern des Geschirrs und das Krachen eines Regals konnte man daraufhin hören und während dein Vater schleunigst die Hütte verliess, rannte sie ihm fluchend in völliger Raserei dem Dorfweg entlang nach und hämmerte mit ihren kleinen Fäusten und Füssen auf ihn ein, warf schliesslich mit ihren Klamotten nach ihm bis sie nackt da stand. - Sie lachten alle laut auf. - Nun, das Temperament hast du eindeutig von deiner Mutter geerbt. Von da an, rührte dein Vater dich nie wieder an, aber er beschaffte alles, was deine Mutter für dich brauchte. Er sagte, die Axt sei nur bei den stärksten Kriegern sinnvoll aufgehoben, den ich später auswählen und nach Bewährung damit belohnen sollte. Er wünschte sich so sehr einen Sohn und konnte ja nicht ahnen, wie aus der untergewichtigen, dürren und fürchterlich kreischenden kleinen Xoxo, wenn sie ihren riesigen Vater erblickte, eine so wilde Jägerin werden würde. Niemand von uns hatte das damals angenommen. Manche meinten, du würdet in den ersten Lebensjahren bereits sterben. Du warst wirklich so winzig und spindeldürr. Er hätte heute bei solch einem Rasseweib als Tochter seine wahre Freude daran. Frauen waren ja sein Lebenselexier, doch deiner Mutter blieb er treu. Sie war der einzige Mensch, der ihn ungestraft beleidigen durfte. Jeden anderen hätte er für weitaus geringere Beleidigungen zerschmettert. Aber wer weiss, vielleicht hätte er dich auch niemals akzeptiert, egal wie prachtvoll und oder gewaltig du geworden wärest und du weisst, das passiert auch vielen Söhnen mit ihren Vätern, dass sie niemals gut genug sind. - Alle grinsten. - Nun steht eine gewaltige Schlacht bevor für die diese Streitaxt wie geschaffen ist und extra dafür überarbeitet wurde. - Xoxo erwiderte zunächst nichts, sie war zutiefst gerührt. Sie hatte keine Erinnerung an ihren Vater. Nur ihre Mutter hatte immer von ihm geschwärmt bis sie an Krankheit starb. - Ich danke dir vom ganzen Herzen. Lasst uns ein grosses Mahl nehmen zu Ehren der Götter. Ich werde für euch tanzen! -
Dann rief Beolg aus: - Tod und Verderben ist unser Ruhm! - Und alle schlugen mit ihrer Faust auf ihre Brust, stimmten dabei tief und laut ein: - Hei, Hei, Hei ! -
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