"Am Ziele deiner Wünsche wirst du jedenfalls eines vermissen: dein Wandern zum Ziel."


"Am Ziele deiner Wünsche wirst du jedenfalls eines vermissen: dein Wandern zum Ziel." - Marie von Ebner-Eschenbach

Molon Labe versteht sich als privates Story- und Fansite-Projekt des von dem fantastischen Erzählwerk Robert E. Howards inspirierten Massive Multiplayer Onlinegame Age of Conan.

Vor allem ist es ein Schreibprojekt von Geschichten rund um die gespielten Charaktere, angeregt durch das Spielgeschehen Hyborias in Age of Conan wirkt es schliesslich in einer eigenen fantastischen Welt vorantiker archaischer Zeit - ganz im Stile von Sword, Sex and Sorcery.


Sämtliche Veröffentlichungen sind Entwürfe oder Manuskripte, also unfertig. Es geht dabei nicht um literarische Meisterschaft, sondern um das einfache Erzählen mithilfe des Schreibens.

"Aus den Trümmern unserer Verzweiflung bauen wir unseren Charakter." - Ralph Waldo Emerson




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Belite, die Eroberin - Hohe Dienerin Mitras


Hier entstehen die Geschichten um Belite, eine sagenhafte Gestalt uralter Legenden grauer Vorzeit.

Eine Kriegsamazone, selbstsicher und unabhängig, die einzige weibliche Primus Centurio des Blutordens der Mitraner in einer brutalen männlichen Welt der Gier nach Macht durch Unterdrückung und Unterwerfung.

Belite ist gütig und liebevoll, tugendhaft und aufrichtig. Freiheit und Gerechtigkeit gehen ihr über alles.

Belite betet Mitra an, die ihr schliesslich auf fernen Reisen in einer Vollmondnacht erscheint, ihr das wahre weibliche Anlitz der Naturgöttin zeigt und sie zu ihrer Erleuchteten im ewigen Krieg gegen die dunklen Mächte der Unterwerfung und Zerstörung macht.

Einsam, aber nicht allein tritt sie für die Schwachen, Armen und Wehrlosen ein, wird aber von diesen als unheimliche Bedrohung angesehen, denn dort, wo sie Magie und Schwert hinführen, gerät die alte Ordnung aus Betrug und Falschheit aus den Fugen.

So wird aus ihr eine einsame Abenteurerin im Zwiespalt mit der Welt und im Ringen mit den beherrschenden Mächten. Deshalb erscheint sie verflucht, verfolgt, ist ihrer Bestimmung und ihrem Schicksal ergeben.

Belite ist die Keimzelle für eine kleine eingeschworene Gemeinschaft voller Sehnsucht und Hingabe, junge und eigensinnige Gefährtinnen, die ihr in freiem Willen ergeben sind und gemeinsam mit ihr traumhafte Momente der Glückseeligkeit und tiefgrausamen Qual erleben sowie in wundersamer Weise todesmutig für das Gute eintreten - bis zum Untergang.

Es gibt kein Entrinnen oder Erbarmen. Unerbittlich gibt es nur eine Entscheidung: Gut oder Böse - Leben oder Tod !

Sonntag, 6. November 2011

Xoxo. Die Cimmererin. I - Besuch

Sie hatte ihren Schurz und ihre Schmuckketten abgelegt, war völlig nackt und ihre narbigen Schultern wiesen vom schweren Schleppen rote Striemen auf. Sie zog sich zum Ausweiden immer ganz aus, weil sie dann ihre Sachen nicht auszuwaschen brauchte und es war einer dieser herrlichen cimmerischen Sommertage, nicht so brütend heiss, dann war sie sowieso nur leichtbekleidet mit einem fellflauschigen Lendenschurz, hochschnürenden Riemenstiefeln und ledernen Armschutz unterwegs.

Zum Ausweiden hatte sie einen gesonderten Platz vor ihrer Höhle eingerichtet mit einer grossen flachen Steinplatte. Darüber hing ein Räucherstumpf um die Insekten fernzuhalten. Störende oder gar plagende Insekten gab es auf der Anhöhe ihrer Höhle allerdings kaum.

Das noch milde Licht der Morgensonne wärmte so wohltuend ihren Rücken auf dem die quer verlaufende fünfkrallige Narbe von einer ihrer vielen Begegnungen mit einem Säbelzahn hellrosa mit tiefroten Einlassungen wie eine Bemalung klar zu erkennen war. Sie konnte wochenlang nicht mehr auf dem Rücken liegen, hatte schwere Schmerzen, als wäre sie zerschmettert und hatte mächtiges Fieber bekommen. Die Wunde verheilte anfangs schlecht und war eitirig, obwohl sie alles dagegen tat, doch am Ende stand sie es durch. Seitdem liess sie keine Möglichkeit aus, dem Rücken die Wärme der Sonne zu gönnen. Dies linderte ihre Beschwerden und ihre starke Wetterfühligkeit, die manchmal aber mehr ein Glück war, da sie auch jedes Unwetter schon Tage vorher ausmachen konnte.

Auf den Knien zerlegte sie gut gelaunt den Vierender auf der Steinplatte vor ihrer Höhle. Er hatte sich zum nicht weit entfernten Geröllhang flüchten wollen, doch als er ins Rutschen geriet, wurde ihm dieser zum Verhängnis. Xoxo brauchte nur ganz schnell nachzusetzen. Dann hatte sie ihn mit einem Speer auch schon erlegt.

Das Fell hatte sie bereits abgetrennt. Das war die schwerste Arbeit. Es liess sich diesmal etwas schwerer ablösen als sonst, aber sie genoss den Duft des heissen dampfenden Fleisches, leckte immer wieder das Blut von den Fingern. Die Eingeweide legte sie in Holzbottichen. Blut war wie eine Droge für ihre Sinne. Meistens rieb sie sich damit ein. Nur frisch galt es als gesund und war ein Hochgenuss. Blut machte satt und stark. Die Kraft des wilden Tieres sollte auf sie übergehen. Und auch, wenn es nur ein vierendiger Bock war, so war es dennoch ein starker Bulle und Leittier eines grossen Rudels. Sie wusste, je stärker das Opfer, desto mehr wuchs die eigene Kraft.

Sie war die einzige Grosswildjägerin des Ben Morgh Clans, die Säbelzahntiger liefern konnte, ja auch Bären und jedes andere Grosswild, wie auch Mammut und Wollhaarnashorn. Letztere jagten die Männer in ihren Jagdgruppen gerne selbst. So konzentrierte sie sich auf Raubtiere, auch wenn es gefährlicher war, erst recht ganz allein. Sie liebte es, diese unheimliche Spannung des gegenseitigen tödlichen Auflauerns. Manchmal war wirklich nicht mehr klar, wer Jäger oder Gejagter war, nur der Sieg, das Überleben stellte dies am Ende fest.

Sie galt deshalb als keine gewöhnliche Frau. Sie hatte den Ruf einer sehr geschickten Jägerin und galt auch als die wildeste Berserkerin des Ben Morgh Clans im Schatten des Heiligen Berges östlich vom Conalltal am Rande des Feld der Toten.

Sie war hoch angesehen, wenn auch mit zwiespältigen Beigeschmack. Neid und Missgunst begleiteten sie. Denn viele mochten sie nicht, weil sie allzu frei und freizügig mit ihren Reizen und völlig unabhängig war, so wie die starken Männer. Genauer betrachtet sogar noch freier als sie. Aber es waren nicht die Männer, die sie schmähten, im Gegenteil, sie bewunderten sie, es waren die Frauen, die mit ihren Eifersüchteleien gegen sie züngelten.

Diese verdammten Neidhexen. Hatten sie ihre Männer obendrein noch hündisch erzogen, so bellten diese sie an. Sie mußte bei diesem Gedanken spöttisch auflachen. Für solche Männer mit ihrem dressierten und devoten Wachhundgehabe hatte sie nur abfälligen Hohn übrig. Wenn sie denn echte Wachhunde wären. In ihren Augen waren es armseelige Köter, die auf Unterwürfigkeit gegenüber ihrer Herrin abgerichtet waren. Aber das waren nur wenige, denn diejenigen, die es mit ihr getrieben hatten, hatten es immer genossen.

Xoxo war wild, heiss und temperamentvoll, verschmähte die Sinnes- und Liebesfreuden nicht. War sie schwanger hatte sie meist selbst abgetrieben, was aber seit ihrer Geburt ihres Kindes nicht mehr notwendig war. Würde sie jemals noch Kinder kriegen ? Sie wusste es nicht, aber sie ging nicht mehr davon aus.

Demnächst würde sie wieder ins Dorf gehen, um einige Felle und weitere Jagdkostbarkeiten abzuliefern. Sie freute sich schon auf einige von ihren Bekannten und auf Beolg, den Kriegsführer. Sie mochten und verstanden sich schon seit ihrer Kindheit, wo sie ganz anders war und als dürr, verstockt, überängstlich und schwächlich galt. Er hatte sie trotzdem respektiert und sogar beschützt. So mancher neckische Dümmling landete dann im Staub. Sie beobachtete diese Kämpfe aus dem schützenden Versteck eines Busches heraus und fieberte mit. Das kranke Gezänk der missgünstigen Dorfweiber wollte sie diesmal gänzlich ignorieren, obwohl sie Wettstreit mit beleidigenden Worten und das Hochschaukeln der verletzten Gefühle insgeheim genoss. Zoff und Radau gehörte eben manchmal zu ihrem Lebenselexier.

Wenn auch schon gereift an Jahren, konnte sie es mit den jungen Frauen noch aufnehmen, recht gutaussehend mit einem prächtigen üppigen Vorbau und aufreizenden Hintern. Wie die meisten der Frauen in dieser Gegend Cimmeriens war sie etwa mittelgross und einen Kopf kleiner als die Männer. Sie war gut genährt von kräftiger Statur mit leicht hervortretenen Bauch, wirkte aber nicht dicklich, sondern eher schlank. Sie hatte nur wenig Fett angesetzt, nicht so wie die anderen Frauen in ihrem Alter, die dicklich waren durch mangelnde schnelle Bewegung und zu fetter Kost. Ihre gebräunte fein gegerbte Haut war in Ruhe entspannt und samtweich, bei Anspannung jedoch pressten sich ihre Muskeln steinhart mit tiefer Maserung der Adern durch. Sie hatte feste Beine mit strammen Waden und massigen Schenkeln. Ihr Becken war jedoch schmal mit engen Hüften. Ihre schweren vollen Brüste ragten auf, wirkten wie aus Lehm. Ihre glatten halblangen rotbraunen Haare fielen in vom blut klebrigen strähnen mit kleinen geflochtenen Zöpfen auf ihre Schultern herab. Sie trug eine Knochenkette mit Federbüscheln um den Hals, an deren Mitte ein Echsenkopf hing, Elfenbeinspangen durchbohrten die Ohren, ihre Wangen waren mit feinen in die Haut gestossenen Elfenbeinzähnen verziert, auch die unteren Enden ihrer ausgedehnten kastanienfarbenen Brustwarzen. Ihre Oberarme zierten lederne Armreife mit feinen Knochenplättchen. Ihr ganzer Körper war vom morgendlichen Ausweiden verschmiert vom Blut, dass sich bereits rotbräunlich trocknend auf den Hautpartien verteilte, worunter noch sichtbar ihre täglich rituell erneuerte graugelbfarbende Brustbemalung der Heiligen Weisheit zu Ehren der Grossen Nutter hindurchschimmerte.

Viele Männer verlangten nach ihr, aber eben nur zum Vergnügen für eine Nacht oder einen Seitensprung, da sie als zu schwierig galt, zu unbändig, eigensinnig, unberechenbar und zu gefährlich. Sie war einfach zu stark an der Seite eines Mannes. Wer dachte, sie einfach nehmen zu können, nur weil ihm danach war, mußte bittere Erfahrungen machen. Sie war eben kein Freiwild, suchte sich die Männer schon lieber selbst aus. Gegen ihren Willen lief nichts. Andererseits schon allein deswegen wagten es nicht alle Männer, sie hatten insgeheim Angst ihr Gesicht zu verlieren. Es kam deshalb schon einmal nicht jeder in Frage. Diejenigen aber mit denen es funkte, waren stolz darauf. Ja, sie würde sich diesmal im Dorf wieder richtig gehen lassen. Sie hatte schon lange keinen Mann in sich gespürt. Auf diese Weise hatte sie die Abwechslung, die sie brauchte, verbrachte sie doch die meiste Zeit in Abgeschiedenheit, in der Einsamkeit ihres kleinen Jagdreiches weit ausserhalb des Dorfes. Im Dorf war auf diese Weise der kleine Frieden sichergestellt, es war zuletzt ein tödlicher Krampf gewesen und sie war froh darum hier draussen ihr eigenes kleines Reich aufgebaut zu haben.

Ihr ganzer Körper war mit unzähligen Narben übersät, überwiegend feine Narben, aber auch einige grosse, sogar eine dicke Schwulst einer nur schwer verheilten Wunde auf ihrem linken Busen bis hin zur Schulter. Das war auch ein Säbelzahn gewesen und sie konnte sich an keine Begegnung mit einem Säbelzahn erinnern, wo sie keine Verwundung von sich trug. Sie hatte ein Riesenglück gehabt. Fast hätte er ihr den Busen weggerissen. Doch seine Krallen drangen wie durch ein Wunder nicht in die Brust hinein, sondern ratschten schneidend drüber, was schon schlimm genug und fast tödlich war. Sie war sich sicher, es war ihr gezackter Reissdolch, dessen tödlicher Schmerz für Sekunden seine Krallen zum Enziehen brachte. Die lange Fleischwunde war entsetzlich und blutete fürchterlich. Mit ihrem Lendenschurz band sie die Brust pressend ab und unter Aufbringung aller Kraftreserven schaffte sie es bis zu ihrer unweiten Behausung. Sogar den schwergewichtigen Säbelzahn zog sie noch hinter sich her, den sie um Gewicht wegzunehmen, zuvor die Eingeweide entfernt hatte, natürlich nicht ohne vorher von seinem warmen Herzen und seiner Lunge zu essen. Es war die reinste Plackerei, aber die Euphorie über den Jagderfolg liess ihr die Schmerzen und die Angst um ihre Brust verdrängen.

Im Dorf hätte der Heiler ihr die Brust sofort abgenommen. Aber sie tat es nicht, wollte sie unbedingt behalten. Sie nähte mit einigen schmerzhaften Stichen ihre Wunde und bedeckte sie mit einer in ihrem Urin getränkten Kräuterauflage. Sie wechselte sie häufig, aber die Wunde entzündete sich trotzdem. Sie bekam schweres Fieber und war allein. Dieser Zustand hielt einige Tage an, dann hatte sie es geschafft. Auch wenn der linke Busen seitdem mit einer unförmigen narbigen Schwulst etwas schief verformt und steifer war, war er ihr ganzer stolz. Sie hatte ihn gerettet. Noch immer lief diese Narbe bei Erregung, aber auch bei starken Wetterumschwüngen feuerrot manchmal sogar lila an. Doch der Busen war noch ganz, wirkte grösser als vorher und gab sogar noch Milch, was sie und auch sonst niemand je für möglich gehalten hätte.

Als sie dem Heiler in Gegenwart des Stammeshäuptlings und des Ältesten zum Beweis ein paar Tropfen gab, blieb er stumm und sie appellierte an ihm im Interesse aller Frauen des Clans, ihrer Männer, aber vor allem ihrer Kinder seine frühzeitigen Brustamputationen schon bei kleineren Risswunden zu überdenken. Auch der Rat der Frauen wurde gerufen und kam um ihren Busen zu befühlen und die dickrote, damals noch hochempfindliche Schwulst zu tasten. Schliesslich willigte der Heiler ein und verlangte von ihr, sie möge ihn dabei unterstützen, was einer Ehrung gleichkam. Ihr Auftritt und ihre Rede blieben unvergessen. Und alle schauten auf das Fell mit dem Kopf des Säbelzahns und seinen Pranken, dass sie zum Beweis mitgebracht hatte. Es war wie ein Wunder.

Auch ihre Heilkunst war nun von allen im Dorf anerkannt, aber vor allem, sie hatte als einzige Frau einen Säbelzahn ganz allein bezwungen. Seitdem wurde sie manchmal ins Dorf geholt, wenn eine Frau eine grössere Verletzung an ihrer Brust davongetragen hatte oder andere grössere lebensgefährliche verletzungen, was jedoch eher selten war, denn die Frauen im Dorf führten mehr ein bäuerliches und hauswirtschaftliches Leben. Wenn, dann jagden sie Kleinwild. Doch mittlerweile gab es ein paar Mädchen und junge Frauen, die Xoxo bewunderten und ihr nacheifern wollten und der Stamm stand vor Frage der Jagd- und Kriegsmaid einen echten Stand zuzuweisen. Beolg als Kriegführer war dafür, mußte jemand suchen, der sie anführte und Xoxo war klar, dass er dabei an sie dachte, doch sie wollte keine Führerin sein. Sie wollte nur frei und sich selbst verantwortlich sein. Ambitionen den Boss zu mimen, wie sie es nannte, hatte sie nicht. Sie hatte Angst davor, dass er sie schon bald ansprechen würde, was sollte sie dann tun? Die ganzen Verpflichtungen lagen ihr schon gar nicht. Immerhin schreckte ihr wildes Liebesleben den Rat der Ältesten davon ab, Beolgs Plan zu unterstützen. Es müßte schon ein Krieg heraufziehen, dann wäre das auch den Ältesten egal. Im Krieg ist alles egal, solange es die Reihen stärker macht und den eigenen Zielen dient. Dafür wird alles geopfert.

Ihr Ruf hatte sich seit diesem Ereignis jedenfalls erheblich verbessert. Sie galt nicht mehr nur als das wilde Flittchen oder Hurenweib und der ganze Streit im Dorf wurde beigelegt, zumindest was die Dorfgemeinschaft anging, mal von einzelnen streitsüchtigen Betroffenen abgesehen, die ihren Groll niemals zurückstellen konnten. Deshalb zog Xoxo auch nicht mehr ins Dorf zurück. Und das hielten alle für eine weise Entscheidung.

Die Beweise der mehrmaligen todbringenden Kämpfe mit dem Säbelzahn erhöhten ihren Rang. Und es kam nicht selten vor, dass ein Jägertrupp vor der Jagd zu ihr kam, nur um sich ihres Wohlwollens für den Jagderfolg zu vergewissern. Dies erfüllte sie mit Stolz. Selbst ein Säbelzahn gelang es nicht, sich ohne ihre Einwiligung über sie herzumachen, erzählten die Krieger dann später johlend am Lagerfeuer. Ihr Ansehen war zwar ungemein gestiegen, allerdings stellten ihr nun auch immer seltener die Männer nach. Denn je höher Rang, desto unnahbarer galt man. Und selbst wenn sie ihnen zu verstehen gab, dass sie Lust dazu hätte, winkten nun sogar viele ab. Das war für sie eine völlig neue Erfahrung. Es schien als habe sie eine gewisse Unberührbarkeit erreicht. Sie war eine gefürchtete Jägerin und Kriegerin, galt als Überlebenskünstlerin. Die kleine schmächtige und schüchterne Xoxo, die sie als Kind war, hatte sie himmelweit hinter sich gelassen. Niemand hätte diese enorme Wandlung jemals für möglich gehalten.

Sie brauchte dringend neue Waffen. Diese waren nicht mehr in dem notwendigen zuverlässigen Zustand. Sie hatte einen Höhlenbär ausfindig gemacht. Einen Koloss, den die Dorfjäger des Ben Morgh Clans nur in Gruppe jagen würden. Sie sah es als Herausforderung an, ihn allein zu bezwingen. Sie mußte sich eine List überlegen, eine Falle stellen, sodass sie überhaupt eine Chance haben würde, sein dickes Fell und Fleisch tief genug zu durchbohren oder zu durchtrennen. Das hatte noch niemand vor ihr geschafft, selbst die stärksten Männer nicht. Dafür wollte sie sich unbedingt neue geschärfte Waffen besorgen. Der Schmied mochte sie, war wie ein gutmeinender Onkel für sie und deshalb war sie sich sicher, dass sie sich über einen Tauschhandel einig werden würden.

Doch nun nahm sie Witterung auf und ihre Instinkte liefen hoch, obwohl sie noch voll des Blutgeruchs in der Nase war. Sie blieb auf den Knien und hob unauffällig, versteckt in ihren Bewegungen, nur ihren freien Oberkörper. Es waren keine Feinde. Es war bekannter menschlicher männlicher Schweissgeruch, den der Wind ihr zuwehte. Sie drehte sich um und sah in der Entfernung vier breitschultrige Männer sich ihrem Lager näherten. Mit grossen wilden Mähnen, zwei von ihnen vollbärtig. Gepäck, Helme und Waffen geschultert. Es waren die stärksten Berserker des Clans mit ihrem Anführer Beolg. Sie kamen in friedlicher sich ankündigender Weise.

Hoher Besuch und so überraschend, dachte sie. Sie sollte sich lieber etwas überziehen, zumindest einen Lendenschurz. Sie sollten nicht gleich über sie herfallen, aber bestimmt würden sie sich vergnügen. Ihr war jedenfalls danach. Aber besser ist, dachte sie und lachte in sich hinein und zog sich das weiche anschmiegsame Stück über und erhob sich. Sie stand nun einige Meter vor dem Eingang ihrer Höhle. Eine grosse Höhle, die sehr gut ausgestattet war mit einem grossen Zeltausbau und kaum noch einer steinigen Höhle glich. Sie erwartete sie nun und trat zu dem Felsabsatz, wo der kleine Pfad zu ihrer Behausung hinaufführte.


Ihre Höhle lag wenige hundert Meter oberhalb der Bewaldungsgrenze in einer alten von Sträuchern und Gräsern bewachsenen Geröllzone gelegen mit einem herrlichen Blick über die vielen und auch weit entlegenen Bergketten und Tälern hinweg. Von beiden Seiten ragten umliegende Gebirgsmassive wie starke Schultern und man konnte ihre tiefer gelegenen Ausläufer und Windungen an den abfallenden Armenden zu den Tälern gut erkennen. Die Höhle lag gut geschützt unter einem Felsvorsprung mit einer oval ausgedehnten terassenförmigen Platte. Deshalb war sie von unten auch kaum auszumachen. Das Einzige, was sie verriet war der schmale Pfad, der aber auch vom Tritt der Gemsen und Steinböcken herrühren konnte.

Sie winkte ihnen freudig lachend zu und sie blieben stehen, hoben ihre Arme ihren Gruss erwidernd. Dann riefen sie: - Hei, hei, hei - und stimmten den Kriegsgesang des Clans an. Sie wusste Bescheid, es stand ein Krieg bevor. Verdammte Pisse, dachte sie, den Höhlenbär konnte sie sich abschminken. Hoffentlich springt dafür bei der Plünderung was raus, murmelte sie. Doch dann überwog die Wiedersehensfreude und eine richtige Schlacht war schon länger her. Vielleicht ganz gut, um aus dem Trott rauszukommen. Und an Männern mangelte es dabei bei weitem nicht.

Somit war sie sehr gespannt. Es waren der bärtige und stämmige Beolg, der langjährige erfahrene Anführer der Krieger des Clans, ein Bär von einem Mann und ihr ein wahrer Freund von Kindesalter an, auch wenn ausgerechnet sie nie etwas miteinander hatten, ausser einmal aus reiner Lust und Laune. Wallax, seine rechte Hand, ein todesmutiger und sehr schneller Krieger, den alle Feinde fürchteten, er wurde nur die Zecke genannt. Kein Feind konnte ihn abschütteln, hatte er ihn, saugte er sich an ihn fest, trank am Ende sein Blut. Wo Wallax war, war Gemetzel. Er liess von seinen Feinden nicht sehr viel übrig. Häutete sie, nahm sie aus, zerstückelte sie. Der ganze Eingangsbereich seines Hauses war geschmückt mit den vielen Köpfen seiner Feinde. Er sammelte sie nach jedem Kampf und jeder Schlacht ein. Es waren Hunderte. Chimir, ein bulliger Riese mit langem Bart und Zöpfen, immer ruhig, bedächtig und ausgeglichen wurde in Rage mit seiner gezackten langstieligen Axt zur leibhaftigen Hölle. Er rastete dann völlig aus und in tobener Wut war er nicht mehr zu bändigen. Oft stand er wie Monstrum in den Wogen der gegnerischen Reihen, mähte sie mit seiner überlangen kreisenden Axt nieder, selbst Reiterreihen gingen darin unter. Er war ein Moloch. Richtig auf ihre Stärke und Rolle eingeteilt waren sie alle unschlagbar. Den Vierten kannte sie noch nicht. Es war auf jeden Fall nicht Denog. Was war mit ihm geschehen? Den Neuen würde sie jetzt kennenlernen. Ein so junger Krieger und doch schon im engsten Kreis ? Was war los? Ein Aufstand der jungen Wilden ? Das machte sie neugierig.

Sie waren nun die letzte Steigung herauf herangekommen, bauten sich in einer Reihe vor ihr auf mit ihren ledernen Rüstungen. Ihre Helme baumelten an der Seite. Jeder von ihnen war schwer bewaffnet mit Pfeil und Bogen, Speer, Dolchen, Schwertern und Äxten. Beolg trug auch einen Dreizack. Sie alle waren mit Muskeln bepackt, fleischig und stämmig, mit kurzen bulligen Hälsen. Sie trugen Knochenschmuck, nur Beolg trug auch Silber und sogar auch Gold. Teils waren sie mit wilden Bildern tätowiert. Sie alle überragten Xoxo mit mindestens zwei und mehr Kopflängen und warfen einen Schatten auf sie. Man würde meinen, sie wären Riesen und dennoch erwiesen sie Xoxo tiefsten Respekt. Sie sprachen mit ihr auf Augenhöhe, als Gleiche unter Gleichen. Das war bislang keiner Frau in dieser Weise im Clan gelungen, mal abgesehen davon, dass es cimmerischer Brauch war, die eigenen Frauen nicht zu versklaven und als freie Menschen zu respektieren.

Hei, Xoxo -, begann Beolg. Er verneigte sich und die anderen folgten, nur der Vierte, der Neue zögerte. Sie hatten ihm nicht die ganze Geschichte über Xoxo verraten, das sollte heute geschehen und sie waren dabei gespannt auf seine Reaktion, wo sie doch wussten, dass die bei ihm nicht vorurteilsfrei möglich war. Beolg schaute zu ihm rüber, auch er senkte nun seinen Kopf. Krieger, die sich vor einer Frau verneigten. Das war schon was. - Willkommen, Beolg, ruhmvoller, weiser und machtvoller Führer der Krieger unseres Clans. Willkommen euch Kriegern! - erwiderte Xoxo und verneigte sich tief in aller Form und voller Demut. Sie fügte noch mit ihren Gesten das Zeichen der Heiligen Weisheit hinzu.

Nach der förmlichen Begrüssung nahmen alle eine ausgelassene lockere Haltung ein. - Haben wir dich überrascht ? Bei der Arbeit ? Wir wollten dich in voller Natur sehen und bewundern. - Sie lachten vergnügt. - Und du hast uns nicht enttäuscht. Du bist noch immer wild, voller Jagdeifer und wunderschön, schenkst uns ein Lächeln zum verlieben. - - Danke, danke, Beolg, ihr seid schwärmerisch und draufgängerisch wie immer. Aber deswegen seid ihr nicht gekommen, nur um mit mir zu flirten. Und ihr habt eine stolze Frau und Kinder, was ich immer respektierte. - Sie lächelte keck und verschmitzt. Beolg grinste amüsiert über diese Worte. - Ja, das stimmt tatsächlich, Vor allem der Neue soll dich so richtig zu Gesicht bekommen. Es ist Xenay, der Sohn von Deimir. Er tritt an die Stelle von Denog, der fiel. - Xoxo blickte ernst und auch etwas ungläubig. Beolg fuhr fort. - Es waren fremde Krieger mit fremdartiger helldunkler Haut, manche sind gelbhäutig, gross gewachsen und sehr behende, teils schlitzäugig. Sie sehen grässlich aus, teils sind sie über den ganzen körper mit fremden rätselhaften Zeichen und Mustern tätowiert. Sie kommen sicher von weit her. Woher sie kommen, wissen wir nicht, auch nicht, ob sie eine fremde Macht geschickt hat. Sie haben selbst vor den Hybroreanern und Vanir nicht halt gemacht, weshalb wir dachten es könnten unsere Freunde sein. Aber sie machen alles nieder, auch Dörfer anderer cimmerischer Clans fackelten sie ab. Frauen werden geschändet und mit dem Vieh verschleppt, in die Sklaverei geführt. Die Kinder werden vor ihren Augen getötet. Das spielte sich in von uns sehr weitgelegenen Gegenden ab. Die cimmerischen Stämme ziehen sich jetzt zurück und sammeln sich nun. Dann sind sie, also ihre Vorhuten im Feld der Toten gesehen worden und dabei fiel Denog. Xoxo, du kennst ihn, er fällt nicht leicht und er hat gekämpft unseres Stammes würdig. Er hinterlässt zwei Frauen und viele Kinder. Wir müssen seinen Tod rächen und zum Krieg rüsten. Bist du dabei ?

Ich bin schon mittendrin. - antwortet Xoxo trocken. - Ja, so kenne ich dich Xoxo, du hast uns nie im Stich gelassen, auch wenn es soviel Ärger gab mit unserem Stamm, vor allem mit unseren Frauen. - Alle grinsten breit. - Das ist auch ein Grund, warum ich auch gerne persönlich gekommen bin. Es ist ein starker Feind, wohl schlimmer als alles, was vorher hier auf uns traf. Die Heerführer überlegen derzeit, was sie seiner überragenden uns fremden Kampftechnik entgegensetzen können. Wir werden uns den cimmerischen Stämmen anschliessen. Entweder siegreich sein oder untergehen. - Er griff nach hinten, löste die Riemen und überreichte ihr eine lange schwere Ledertasche. Xoxo verneigte sich tief und ehrerbietend, nahm die Tasche mit gestreckten Armen entgegen. Mit ihrer Stirn berührte sie leicht die Tasche. Ihre Augen funkelten. Es war eine Ehre. - Öffne sie bitte. Was du vorfindest, ist ein Erbstück deines Vaters Takkar. Ich habe es viele Jahre sicher aufbewahrt und wir haben es für diesen Krieg noch einmal überarbeitet. - Xoxo löste die Wickel, die das Leder zusammenhielten, dann befreite sie die lange Streitaxt aus der Dunkelheit und hob sie mit beiden armen mit der langen schaftspitze hoch nach oben und mit der breiten geschwungenen Doppelklinge ins Licht. Die Axt blitzte auf, als würde sie sich freuen, wirkte aber noch kalt. - Ein gutes Zeichen – merkte Beolg an - und dass du der richtige Besitzer bist. Sie wird dir gehorchen. Es war eine mächtige Streitaxt mit silberverzierten Ledergriff und einem zusätzlichen Sensengriff über dem Lederstück. Lang und für eine Doppelaxt sehr leicht. - Sie ist extra für dich angefertigt. Der Stiel reicht bis zu deinem Kinn. Sie ist leicht und geschmeidig, so wie du, ihre Spitze scharf und die Klingen eiskalt und hart. Sie soll deinem Vater zur Ehre gereichen, auch wenn er niemals hätte glauben können, dass ausgerechnet du sie führen würdest. -

Xoxo freute sich riesig. - Von meinem Vater? - - Ja, sein Ruhm ist unvergessen. Er hinterliess es mir mit der enttäuschten Bemerkung, seine dürre missratene zurückgebliebene Tochter könne mit sowas wohl nie was anfangen, durchblickend, dass er dich am liebsten ertränkt hätte, sofern deine Mutter ihn nicht daran gehindert hätte. Deine Mutter hatte ihn einmal so sehr angeschrien, dass es durch das ganze Dorf hallte: - Fressen, saufen, bumsen, pissen und kacken und einen Spatz in der Hand zerdrücken, anstatt einen Greif aus ihm zu machen. Ihr Männer seid doch alle Hundescheisse !- Das Scheppern des Geschirrs und das Krachen eines Regals konnte man daraufhin hören und während dein Vater schleunigst die Hütte verliess, rannte sie ihm fluchend in völliger Raserei dem Dorfweg entlang nach und hämmerte mit ihren kleinen Fäusten und Füssen auf ihn ein, warf schliesslich mit ihren Klamotten nach ihm bis sie nackt da stand. - Sie lachten alle laut auf. - Nun, das Temperament hast du eindeutig von deiner Mutter geerbt. Von da an, rührte dein Vater dich nie wieder an, aber er beschaffte alles, was deine Mutter für dich brauchte. Er sagte, die Axt sei nur bei den stärksten Kriegern sinnvoll aufgehoben, den ich später auswählen und nach Bewährung damit belohnen sollte. Er wünschte sich so sehr einen Sohn und konnte ja nicht ahnen, wie aus der untergewichtigen, dürren und fürchterlich kreischenden kleinen Xoxo, wenn sie ihren riesigen Vater erblickte, eine so wilde Jägerin werden würde. Niemand von uns hatte das damals angenommen. Manche meinten, du würdet in den ersten Lebensjahren bereits sterben. Du warst wirklich so winzig und spindeldürr. Er hätte heute bei solch einem Rasseweib als Tochter seine wahre Freude daran. Frauen waren ja sein Lebenselexier, doch deiner Mutter blieb er treu. Sie war der einzige Mensch, der ihn ungestraft beleidigen durfte. Jeden anderen hätte er für weitaus geringere Beleidigungen zerschmettert. Aber wer weiss, vielleicht hätte er dich auch niemals akzeptiert, egal wie prachtvoll und oder gewaltig du geworden wärest und du weisst, das passiert auch vielen Söhnen mit ihren Vätern, dass sie niemals gut genug sind. - Alle grinsten. - Nun steht eine gewaltige Schlacht bevor für die diese Streitaxt wie geschaffen ist und extra dafür überarbeitet wurde. - Xoxo erwiderte zunächst nichts, sie war zutiefst gerührt. Sie hatte keine Erinnerung an ihren Vater. Nur ihre Mutter hatte immer von ihm geschwärmt bis sie an Krankheit starb. - Ich danke dir vom ganzen Herzen. Lasst uns ein grosses Mahl nehmen zu Ehren der Götter. Ich werde für euch tanzen! -

Dann rief Beolg aus: - Tod und Verderben ist unser Ruhm! - Und alle schlugen mit ihrer Faust auf ihre Brust, stimmten dabei tief und laut ein: - Hei, Hei, Hei ! -

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